fragen |
⇒ EINE
KLEINE GESCHICHTE DES OLIVENANBAUS IN DEUTSCHLAND |
![]() |
|
Pflanzloch Setzposition Stützpfahl Befestigung Bodenpflege Düngung Pflanzenschutz Schnitt Propfung Winterschutz Thermofolie Vliestunnel Vliesiglu Heizung Schwimmlicht Öllicht |
||
| Hier geht es nicht
um
Traktoren, Erntemaschinen und Spritzdüsen. Mit "Technik" ist hier
das gemeint, was der altgriechische Begriff "τέχνη" umfasste, also
Handwerk, Kunstfertigkeit, Herstellungsvermögen, Fertigkeiten. Und
zwar in einer ganz persönlichen Auswahl, nicht als umfassende
Einführung in den Olivenanbau. Ich bin bei der Anlage und Pflege
meines Olivenhains auf viele Probleme
gestoßen, die vermutlich in den traditionellen
Olivenanbaugebieten nicht oder doch nicht so nachdrücklich
auftreten. Und mit dem unvoreingenommenen Blick des Neulings habe
ich teilweise eigene Lösungen entwickelt, die sich erst noch
dauerhaft
bewähren müssen. Ich stelle sie hier als Anregungen und
Beispiele vor. |
||
PFLANZLOCH Probleme: Feuchtigkeit Trockenheit Bodenfrost Bodenverfestigung Wühlmäuse Schermäuse Engerlinge Das Pflanzloch sollte mit mindestens 1 Meter Durchmesser ausgehoben werden um bei Maikäferproblem Engerlinge auszulesen, Schermäuse fernzuhalten und den Boden für die feinen Olivenwurzeln vorzubereiten. Die ausgehobene Erde mit verrottetem Pflanzenmaterial und eventuell Sand/Tongranulat (bei festem Boden) durchmischen am Rand und nach unten um Bodenfrost zu reduzieren und die Feuchtigkeitsregulation zu verbessern. Keinen aktiven Kompost in Wurzelnähe bringen (viel CO2 im Boden kann zu Chlorose führen)! Nicht einschlämmen nach dem Setzen (Bodenverdichtung)! Mulchen und leicht gießen - am Besten mit Weidenrinde-Ansatz, der das Verwurzeln fördert. |
||
| SETZPOSITION Probleme: Sonnenmangel Frost Trockenheit Bodenfrost Die beste Position für Olivenbäume ist ein Südwesthang mit Wald in Kammlage gegen Norden und Osten. In jedem Fall sollte der Baum nach Süden und Westen unbeschattet stehen. Gegen starken Wind sollte er auch geschützt sein. Den Jungbaum in eine etwa 10 Zentimeter tiefe Mulde setzen - das reduziert im Sommer die Austrockungsgefahr und im Winter den Bodenfrost im stammnahen Wurzelbereich (dazu muss die Mulde dann natürlich aufgefüllt werden, z.B. mit Tongranulat oder grobem Mulch - kein Grasschnitt!). |
|
|
| STÜTZPFAHL Probleme: Wind Winterschutz Oliven sind sehr elastisch und benötigen über viele Jahre eine Stütze. In windigen Lagen den Stützpfahl unbedingt nach Westen oder Osten ausrichten. Vor dem Setzen daran denken, den Boden an dieser Stelle wieder zu verdichten! Wenn im Winter ein individueller Schutz um die Pflanze angebracht werden soll, empfiehlt sich ein Pfahl von mindestens 2 Meter Höhe. TIPP: Beim Setzen des Pfahls auf Windrichtung achten und an den geplanten Winterschutz denken! |
||
| BEFESTIGUNG Problem: Scheuern Die Rinde junger Olivenbäume ist extrem abriebempfindlich (s. linkes Foto). Außerdem legen die Stämme (v.a. bei Leccino) schnell an Umfang zu. Der Stützpfahl sollte daher nach meiner Erfahrung in mindestens 10-15 Zentimeter Abstand angebracht werden. Den Abstand überbrücke ich mit Stockschrauben, an die variable Rohrschellen mit Gummieinlage montiert sind. Nach Bedarf polstere ich die Rohrschellen innen noch mit Fensterdichtung aus Schaumstoff. TIPP: Im Winter sollten die Schellen (und andere Befestigungen eventuell auch) abgenommen werden, da sich dort Feuchtigkeit sammeln kann, die gefriert und die Rinde schädigt! |
|
|
| BODENPFLEGE Probleme: Wühlmäuse Schermäuse Verdichtung Bodenfrost Schon Marcus Porcius Cato empfiehlt in "De agri cultura", rings um Olivenbäume in regelmäßigen Abständen umzugraben oder zu hacken. Mindestens einmal im Jahr sollte das passieren. Das sorgt zum einen für Stickstoffdüngung (und sollte daher nicht mehr im Herbst gemacht werden), entlässt CO2 aus dem Wurzelbereich, bringt mehr Sonne an den Boden, vertreibt Schermäuse, lockert die Erde. Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Mulchen. Im Winter hält hohes Mulchen (mindestens 20 cm) zudem den Frost vom Boden fern. Nach Frost und Schnee im Frühjahr den Mulch wieder einige Sonnentage lang entfernen, damit der Boden abtrocknen und aufwärmen kann. TIPP: Einmal im Jahr in etwa 30 Zentimeter Abstand zum Stamm im Frühsommer ringförmig mit einer Grabgabel umgraben. |
||
| DÜNGUNG Probleme: Froststabilität Krankheitsresistenz Grundsätzlich sollten ausgepflanzte Oliven nur behutsam gedüngt werden. Überdüngung - vor allem mit Stickstoff - schafft krankheits- und frostanfällige Pflanzen. Andererseits sollten neu gepflanzte Bäume möglichst zügig kräftige Stämme und Äste entwickeln, um den Winter besser zu überstehen. Daher sollte in den ersten Jahren im Frühsommer und Sommer für ausreichend Stickstoff gesorgt werden und für die Entwicklung starker Äste (weniger starker statt vieler dünner). Für die Winterhärte sind Kalium- und Magnesium wichtig, da sie für froststabiles Pflanzengewebe sorgen. Möglichst schon im Frühjahr ausbringen. Oliven haben eine weit höhere Kalium- und Magnesiumentnahme als z.B. Wein - was allerdings erst bei fruchtenden Bäumen relevant wird. Im Spätjahr nicht mehr mit Stickstoff düngen, um die Bildung von frostanfälligem schwammigem Pflanzengewebe zu vermeiden. Am besten mit einer Bodenanalyse (Auskunft beim Landwirtschaftsamt) feststellen, was dem Boden eventuell fehlt oder ohnedies üppig vorhanden ist. Brennesseljauche zur Düngung nur im Sommer einsetzen. |
||
| PFLANZENSCHUTZ Probleme: Feuchtigkeit Pilzerkrankungen Klimastress Pilzerkrankungen wie "Occhio di Pavone" (die Baumschulpflanzen häufig schon unerkannt mitbringen) sind durch die höhere Feuchtigkeit in unserer Region wahrscheinlicher. Daher sollten die Pflanzen entsprechend gestärkt werden, etwa durch Schafgarben- und Goldrutenansatz (max. 24 Stunden im Wasser liegen lassen), der auf die Blätter gesprüht wird am Abend. Auch das Gießen mit Jauche aus Schafgarbe, Weidenrinde und kanadischer Goldrute tut den Pflanzen gut und stabilisiert sie für den Klimastress, dem sie bei uns im Winterhalbjahr ausgesetzt sind. Als Spritzmittel bei starkem Befall mit Pilzen werden in den Olivenanbaugebieten Kupferpräparate eingesetzt. Darunter gibt es umweltverträgliche Rezepturen mit niedrigem Kupfergehalt. Am Besten schon bei der Sortenwahl auf resistente Pflanzen achten. TIPP: Goldrutenbestände zur Herstellung von Pflanzenstärkungsjauche benutzen - möglichst vor der Goldrutenblüte. So tun Sie was für Ihre Oliven (oder sonstige Pflanzen) und kontrollieren die Ausbreitung der Goldrute (invasiver Neophyt). |
||
| SCHNITT Probleme: Kronenform Frostschäden Windbruch In Deutschland sollte die Erziehungsform der Pflanzen dem entsprechen, dass mit Rückschnitten nach Frostschäden zu rechnen ist. Außerdem sollte eine möglichst kompakte Stamm- und Kronenform geschaffen werden, die bei Extremfrösten Schutzmaßnahmen erlaubt (Einpacken z.B.). An starke Stürme sollte auch gedacht werden. Hochstämme machen nach meiner Einschätzung daher wenig Sinn. Einfach immer nur die Spitzen zu kappen, wie in vielen Anleitungen empfohlen wird, schafft zwar schöne Kugelköpfe - aber nicht unbedingt charaktervolle Olivenbäume und vor allem keine starken Leitäste. TIPP: Wer das Thema ernsthaft angehen möchte, sollte das Buch "Pruning and Training Systems for Modern Olive Growing" von Riccardo Gucci und Claudio Cantini konsultieren. |
|
|
| PROPFUNG Probleme: Vermehrung Veredelung In verschiedenen Internetforen kann man erfahren, wie einfach es sei, Oliven zu vermehren: Eine Olive in den Boden oder einen Zweig in Erde stecken und gießen, dann wird das schon. Nach Auskunft von Fachleuten gehen die Erfolgsaussichten für Laien dabei gegen Null, von Zufallserfolgen abgesehen. Meine eigenen Stecklingserfolge sind gering. Besser lief es mit dem Propfen. Dazu wird zu Beginn der Vegetationsperiode (Einsetzen der Weinblüte) ein stärkerer Ast oder der Stamm abgeschnitten. Mit einem scharfen Messer wird vom Anschnitt aus ein Längsschnitt in die Rinde gemacht. Dann wird die Rinde an den Schnittecken vorsichtig angehoben und ein Propfling eingeschoben. Der Propfling sollte von einem einjährigen Zweig und nicht zu dünn sein, da er sonst leicht austrocknet (4-5 Millimeter Durchmesser). Länge etwas mehr als zwei Blattpaare. Über dem obersten Blattpaar abschneiden, dabei auch die Blätter kappen. Unteres Blattpaar am Stil abschneiden, Ast etwas unterhalb dieses Paares beginnend schräg anschneiden, dabei je nach Aufbauplan entweder parallel oder im rechten Winkel (s. linkes Foto) zu den Blattsprossen ansetzen. Welchen Sinn hat die Propfung? Die Wildolive (Oleaster, Olea silvestris) hat gute Wurzeleigenschaften, bringt aber keinen nutzbaren Ertrag und ist frostempfindlich. Daher wird sie gerne als Grundlage für Veredelungen benutzt, wobei die Veredelungsstelle nahe am Boden sein sollte - einmal wegen der Frostempfindlichkeit, aber auch wegen der Triebfreudigkeit der Wildolive. Für mich ist Propfung eine Möglichkeit, an interessante Sorten zu kommen, die in Baumschulen nicht angeboten werden. Das rechte Foto zeigt Bjankera, Grappolo und Leccio del Corno auf Leccino. TIPP: Propfstelle mit Alufolie einwickeln um Austrocknen bei Sonneneinstrahlung zu verhindern. Bei trockenem Wetter mit Wasser besprühen am Abend. |
![]() |
![]() |
| WINTERSCHUTZ Problem: Frost Auch in vielen Olivenanbaugebieten sind die Pflanzen immer wieder starken Frösten ausgesetzt. Zu großen Olivensterben kam es in den Extremwintern von 1956 und 1985 in Nord- und Mittelitalien, Südfrankreich und Nordgriechenland. Darüber hinausgehende Probleme entstehen bei uns vor allem durch längere Frostperioden, durch nasse Kälte, durch kurzzeitige Tiefsttemperaturen und durch häufigen Wechsel wärmerer (Sonnenschein!) und kalter Perioden. Im Winter 2008/09 hat erst die zweite Frostperiode ab Mitte Februar - nach der Zwischenerwärmung - die massiven Schäden an den Kölner Olivenhainen und bei mir verursacht. Im Winter 2009/10 erst der März! Die Frosthärte von Oliven wird allmählich aufgebaut, jedoch sehr rasch wieder zurückgefahren. Die Froststabilität ist von der Sorte, vom Alter der Pflanzen, von der Stamm- und Aststärke und von der je aktuellen Abhärtung (etwa durch langsam und kontinuierlich sinkende Nachttemperaturen ohne starke Erwärmung am Tag) abhängig. Die meisten Olivensorten vertragen Frost nur kurzzeitig und bis in Bereiche von -8 Grad. Es gibt allerdings Sorten mit weit höherer Stabilität, die französische Varietät Moufla soll bis -23 Grad ertragen als "erwachsene" Pflanze. Sortenbeschreibungen und Frosthärteuntersuchungen gibt es unter "Informationsquellen". Aussagen zur Frosthärte sind jedoch stets mit Skepsis zu betrachten: Blätter reagieren anders als Holz - und zwar mit gravierenden Sortenunterschieden! Die verschiedenen Sorten reagieren auch unterschiedlich auf Früh-, Dauer- oder Spätfröste, auf Wind in Verbindung mit Frost, auf Feuchtigkeit bei Kälte, auf krasse Temperaturunterschiede etc. pp. Gegen Bodenfrost kann z.B. hoch gemulcht werden, damit in jedem Falle die frostempfindlichen Wurzeln erhalten bleiben. Pflanzen im Kübel sollten keinesfalls im Freien überwintern, es sei denn in geschützer Postition und mit Kübeleinhüllung. Ebenso ist es abwegig, Olivenbäume erhöht zu pflanzen, auf einem Podest gleichsam (das ergibt zwangsläufig "kalte Füße" im Winter). Im Frühjahr sollte an sonnigen Tagen nach der Frostperiode der Mulch weggenommen werden, damit der Boden aufwärmen und abtrocknen kann. Die Stämme sollten in Wintern wie 2008/09 oder 2009/10 bis zum ersten Astansatz (mindestens 30 cm hoch) in Vlies eingewickelt und mit Mulch/Stroh umlagert werden. Ab -6 Grad sollten Jungpflanze ganz eingepackt oder überdacht sein. Ab -8 Grad empfiehlt es sich, bei Jungpflanzen zusätzlich zu "heizen", etwa mit Kerzen oder Schwimmlichtern. Wer die Blätter erhalten will, sollte die Temperatur konstant zumindest über -5 Grad halten. Es gibt allerdings starke Sortenabweichungen, abhängig auch von Luftfeuchtigkeit, Adaptionszeit etc. - manche verlieren ihre Blätter schon bei den ersten Minusgraden, andere verkraften bis -8, in Ausnahmefällen noch weniger, aber nur kurzfristig. Ein geeigneter Schnitt sorgt dafür, dass Jungpflanzen möglichst rasch kurze starke Leitäste und starke Stämme entwickeln. Kalium und Magnesium müssen ausreichend im Boden zur Verfügung stehen für die Regulation des Wasserhaushaltes in den Pflanzen und damit auch die Frosthärte. TIPP: Viel ist schon gewonnen, wenn Sie die Auskühlung des Bodens und des unteren Stammbereichs (mind. 30 cm) verhindern durch Mulchen, Anhäufen von Blähton, Einhüllen in Vlies, Tonmanschetten oder Stroh/Schilf. |
||
| THERMOFOLIE Probleme: Frost Wärmespeicherung Ich habe im Winter 2008/09 nach unbefriedigenden Versuchen mit einlagiger Folie eine UV-stabilisierte dreilagige Luftpolsterfolie verwendet. Einfache Folie hat kaum einen Isolationseffekt, der die Abkühlung bei Nacht hinauszögert und die Wärme bei einer Heizung durch Kerzen innen hält. Außerdem bildet sich rasch Kondenswasser, das ein ungünstiges Innenklima schafft. Die Luftpolsterfolie ist allerdings aus PE und dieses Material hat den Nachteil, durchlässig für langwellige Strahlung von innen nach außen zu sein (im Unterschied zu PVC oder Glas, die daher einen stärkeren Treibhauseffekt erzeugen) - was durch die Luftpolster teilweise kompensiert wird. Bei einer Testserie zeigte sich, dass die nächtliche Tiefsttemperatur unter der Folie fast durchgängig tiefer lag, als ohne Folie - bis zu 2 Grad! Eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt teilte mir mit, dass dieser Effekt von Folientunnels her bekannt sei - in "Strahlungsnächten". Also klaren Nächten, in denen die langwellige Strahlung vom Boden ungehindert nach oben weg kann, nicht reflektiert wird z.B. von Luftfeuchtigkeit. Warum die langwellige Strahlung aus der Folienhülle stärker verloren geht als außerhalb, konnte mir bisher niemand befriedigend erklären. Zudem konnte ich den Effekt bei meinen Hüllen auch bei bedecktem Himmel beobachten. Seltsamerweise hatte ich dennoch bei -12,5 Grad erste starke Schädigungen bei Pflanzen ohne Folienhülle, während die mit Hülle ungeschoren davon kamen. Eine Erklärung kann der Windschutz sein. Offensichtlich gibt es auch für Pflanzen so etwas wie "gefühlte" Temperaturen - und Folie erhöht die "gefühlte" Temperatur. TIPP: Bei Sonnenschein tagsüber muss die Folie oben geöffnet, eventuell sogar abgenommen werden, um ein Überhitzen der Pflanzen und den Verlust der Abhärtung zu vermeiden. |
|
|
| VLIESTUNNEL, VLIESIGLU Problem: Frost Im Winter 2009/10 habe ich Vlieshüllen eingesetzt. Als Träger habe ich die Stützpfähle der Bäume und 6mm-Federstahl von 5 Meter Länge verwendet. Als Vlies Thermovlies M85, das von Averdieck und anderen gut getestet wurde und mir auch einen sehr guten Eindruck macht bisher. Die Eigenschaften: Lässt tagsüber kurzwellige Strahlung durch und hält nachts langwellige Infrarotstrahlung innerhalb der Hülle zurück; gute Feuchtigkeitsregulation; keine Hitzestaus (wie unter Thermofolie). Nachteile: Saugt sich bei längerem und/oder stärkerem Regen voll und wird dann schwer (Federstahl alleine als Träger ist dann zu schwach). Bei Starkwind in Verbindung mit Kälte ist das Vlies kaum stabil zu halten, womit Kälte unter das Vlies strömen kann. Gebaut habe ich so nach einigen Versuchen und nach "Daisy" korrigiert drei Vliestunnels von je 21 Meter Länge, 1,60 Meter Höhe und 2,70 Meter Breite mit vier Stützpfählen und dreizehn Federstahlstäben, die mit Rolladengurt und Erdankern verspannt waren, ein Vliestunnel von 1,40 Meter Höhe und 1,90 Meter Breite, zwei Vlieszelte mit einfach übergeworfenem Vlies. Elf Bäume habe ich einzeln in "Iglus" eingepackt mit zwei gekreuzten Federstahltstäben als Träger. Die Konstruktion muss gut gegen Wind verzurrt werden, um Scheuerschäden am Vlies oder ein "Abheben" der Tunnelkonstruktion zu verhindern (Flugzeugflügeleffekt). Die Vliestunnels haben sich bei starkem Schneefall nicht bewährt - unter dem Gewicht des Schnees haben sich die Tunnels verformt, das Vlies musste regelmäßig vom Schnee befreit werden. Im Winter 2009/10 waren acht Schneeräumaktionen notwendig, um das Problem in den Griff zu bekommen. Bis etwa -4 Grad hatte ich auch bei Dauerfrost keinen Bodenfrost im Hüllenbereich. Der Temperaturgewinn zur Außentemperatur beträgt 3-5 Grad. Mit Kerzen oder Öllichtern lässt sich auch diese Konstruktion bei tiefer gehenden Außentemperaturen gut "beheizen". Der Bau-/Abbauaufwand ist insbesondere in windigen Lagen recht hoch (ab Windstärke 6 ist Abbauen angesagt). Tunnels sind bei Extremfrost effektiver zu "beheizen" als Iglus: Geringere Abstrahlfläche bei den Pflanzen, bessere Bodenwärmenutzung, bequemerer Einsatz/Ersatz von Heizequipment durch (mit Bücken) Begehbarkeit. Bei Schneelast schneiden Iglus und einfaches Zelt besser ab als Tunnels (Schnee kann besser abgleiten, sammelt sich nicht als Last oben). TIPP: Feuchtes Vlies gefriert schon bei Annäherung an den Gefrierpunkt (Verdunstungskälte). Daher rechtzeitig aufbauen, ehe das Vlies unbeweglich wird. Bei starken Temperaturwechseln ist mit stürmischen Winden zu rechnen! |
![]() |
|
| HEIZUNG, SCHWIMMLICHT,
ÖLLICHT Problem: Extremfrost Jungpflanzen Blattverlust Ab -12 Grad wird es auch für froststabile Olivensorten, insbesondere bei Jungpflanzen, existenzbedrohend. Spätestens ab -10 Grad sollte daher die isolierende Abdeckung/Einhüllung durch aktive Wärmezufuhr ergänzt werden (Blattverlust und Absterben junger Zweige kann damit allerdings nicht sicher vermieden werden). In den 50er und 60er Jahren wurden in Deutschland Weinberge und Obstanlagen bei Spätfrösten mit Geländeöfen beheizt - dabei gingen angeblich schon mal 2500 Liter Heizöl pro Hektar in einer Nacht drauf! Ich habe eine sparsamere Lösung gefunden und Dauerkerzen (optimal ist die Variante mit Metalldeckel vom DM-Drogeriemarkt) in Konservenbüchsen (zur Sicherheit und um ein gleichmäßiges Abschmelzen des Wachses zu erreichen) unter die Einhüllungen gestellt. Eine billigere und effektivere, aber etwas schmuddelige Methode ist die Verwendung von Schwimmlichtern (rechtes Foto - Lieferant "Stuga-Cabana"/"Hytta" - Suchwort "Nachtlicht"). Dazu werden Konservenbüchsen oder Gläser (für Konfitüre, Honig o.ä.) mit billigem Raps- oder Olivenöl gefüllt (etwa 1 Euro/Liter), darauf kommt ein Dochtschwimmer. Öllicht heizt bei gleicher Flammengröße etwa 20-30% besser als Kerzen, kann einfach nachgefüllt werden und ist durch zusätzliche Flammen "erweiterbar" (ausprobieren, nicht für unbeaufsichtigten Dauerbetrieb geeignet, da sich die Flammen gegenseitig stören können bis zum Verlöschen). Die Heizleistung liegt bei 40-60 Watt pro Flamme. Verbraucht werden beim Standarddocht von Hytta etwa 4 Gramm Öl pro Stunde und Flamme (abhängig von der Flammengröße), der Temperaturgewinn machte bei meiner Thermofolie-Anlage 3-5 Grad pro Flamme auf einem Meter Höhe aus. Sicherheitsabstand von der Hülle beachten!!! Ich verwende die natürlich nur im Winter bei hohen Minusgraden, um eine Brandgefahr auszuschließen und eine Wärmespannung in der Pflanze (kalte Füße, warmer Kopf) zu vermeiden. Wenn die Schwimmlichter nicht verwendet werden, sollten hohe offene Ölbehälter eingesammelt und weggestellt werden, da sonst hungrige Mäuse darin ertrinken können (knabbern auch gerne am Stearin von Kerzen). Unter den Petroleum-Heizungen für Camper, Segler etc. sind nach verschiedenen Einschätzungen (Internetrecherche) am Besten Tonysun und Foetsie geeignet (ab 35 Euro aufwärts). Spezielle Petroleumheizungen für Gewächshäuser haben ein ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere die kleinen "Frostwächter" (bei Gärtner Pötschke z.B.), die nur etwa 100 Watt Leistung bringen, dafür allerdings den Vorteil haben, mit einer Füllung bis zu 14 Tage durch brennen zu können! Gasheizungen sind sehr aufwendig und bei starkem Frost können die Ventile vereisen. Zeltkeizungen mit Kartuschen sollten unten offen stehen, damit die Verdunstungskälte abziehen kann (reduziert die Gefahr von Ventilvereisung). TIPP 1: Ein Schwimmlicht lässt sich einfach selbst bauen aus einer Scheibe Weinkorken mit einem Loch in der Mitte, in die ein gerolltes Stück Küchenkrepp/Küchenpapier von ca. 2 cm Länge als Docht gesteckt wird. Die obere Fläche der Korkscheibe mit Alufolie bedecken, da sonst die ganze Korkscheibe als Docht wirkt und zu brennen beginnt (starke Rußbildung!). Haushaltskrepp als Docht neigt zum Rußen, dünn gerollte und kurze Dochte verwenden! TIPP 2: Gläser haben als Öllichtträger folgende Vorteile: Rostfrei, verschließbar, glatte Innenfläche an welcher der Schwimmer nicht hängen bleiben kann, bessere Wärmespeicherung. Nachteil: Können bei Temperaturspannung springen, für selbstgebastelte Schwimmer daher nicht zu empfehlen, auch sonst ist Vorsicht geboten. |
![]() |
![]() |