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DES OLIVENANBAUS
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TECHNIK, TIPPS UND TRICKS ZU OLIVENANBAU, OLIVENPFLEGE, WINTERSCHUTZ UND SORTENWAHL

Pflanzloch Setzposition Stützpfahl Befestigung Bodenpflege Düngung Pflanzenschutz Schnitt
Mäuse Schermäuse Propfung Züchtung Vermehrung Winterschutz Thermofolie Luftpolsterfolie Vliestunnel Vliesiglu Heizung Schwimmlicht Öllicht Sortencharakteristika
Hier geht es nicht um Traktoren, Erntemaschinen und Spritzdüsen. Mit "Technik" ist hier das gemeint, was der altgriechische Begriff "τέχνη" umfasste, also Handwerk, Kunstfertigkeit, Herstellungsvermögen. Und zwar in einer ganz persönlichen Auswahl, nicht als umfassende Einführung in den Olivenanbau. Ich bin bei der Anlage und Pflege meines Olivenhains auf viele Probleme gestoßen, die vermutlich in den traditionellen Olivenanbaugebieten nicht oder doch nicht so nachdrücklich auftreten. Und mit dem unvoreingenommenen Blick des Neulings habe ich teilweise eigene Lösungen entwickelt, die sich erst noch dauerhaft bewähren müssen. Ich stelle sie hier als Anregungen und Beispiele vor. Insgeheim träume ich natürlich auch von der Entdeckung oder Selektion bzw. Züchtung einer Olivensorte, die in hiesigen Weinbauklimata mit geringen winterlichen Schutzmaßnahmen bei weiterer Klimaerwärmung gedeihen kann. Fünf Entwicklungsziele sind dabei maßgeblich: Feuchtigkeitstoleranz, Pilztoleranz, erhöhte Froststabilität, schneller Aufbau des pflanzeneigenen Frostschutzes, langsamer Abbau des pflanzeneigenen Frostschutzes. Die ersten drei Eigenschaften sind bereits bei einzelnen Selektionen oder Züchtungen vorhanden, Hauptproblem dürfte sein, dass Oliven ihren eigenen Frostschutz nur langsam aufbauen, jedoch sehr rasch bei einiger Sonnenwärme wieder verlieren.


PFLANZLOCH UND SETZPOSITION

Probleme: Feuchtigkeit Trockenheit Bodenfrost Bodenverfestigung Wühlmäuse Schermäuse Engerlinge

Das Pflanzloch sollte mit mindestens 1 Meter Durchmesser ausgehoben werden um bei Maikäferproblem Engerlinge auszulesen, Schermäuse fernzuhalten und den Boden für die feinen Olivenwurzeln vorzubereiten. Die ausgehobene Erde mit verrottetem Pflanzenmaterial und eventuell Sand/Tongranulat (bei festem Boden) durchmischen am Rand und nach unten um Bodenfrost zu reduzieren und die Feuchtigkeitsregulation zu verbessern. Keinen aktiven Kompost in Wurzelnähe bringen (viel CO2 im Boden kann zu Chlorose führen)! Nicht einschlämmen nach dem Setzen (Bodenverdichtung)! Mulchen mit Stammabstand und leicht gießen - am Besten mit Weidenrinde-Ansatz, der das Verwurzeln fördert. Die ideale Position für Olivenbäume ist ein Südwesthang mit Wald in Kammlage gegen Norden und Osten. In jedem Fall sollte der Baum nach Süden und Westen unbeschattet stehen. Gegen starken Wind sollte er auch geschützt sein.

Den Jungbaum eventuell in eine etwa 10 Zentimeter tiefe Mulde setzen - das reduziert im Sommer die Austrockungsgefahr und im Winter den Bodenfrost im stammnahen Wurzelbereich (dazu muss die Mulde dann natürlich aufgefüllt werden, z.B. mit Tongranulat oder grobem Mulch - kein Grasschnitt!). Aber: Der Stamm darf dabei nicht im unteren Bereich mit Erde zugeschwemmt werden. Von Erdreich bedeckte junge Stammteile werden gerne von Insekten angeknabbert. Und ein Teil der Olivenwurzeln sucht die Nähe zur Erdoberfläche - was darauf hindeutet, dass Oliven eher aufsitzend als zu tief gesetzt werden sollten. In jedem Falle muss die Mulde also einen ausreichend großen Durchmesser haben - mind. 80 Zentimeter - und regelmäßig gepflegt werden!

Gelegentlich wird ausdrücklich empfohlen, Oliven bei uns erhöht, auf "Hügelungen" zu setzen. Schaut man sich die Olivenhainbilder Van Goghs an, so kann man vermuten, dass er genau diese Pflanzweise zeigt. Für erhöhte Pflanzpositionen spricht, dass die Süd-Ost-West-"Hänge" tagsüber bei Sonne stärker erwärmt werden und die Pflanzen bei "Kälteseen" am Boden eventuell über der Kaltluft stehen (dazu muss die Hügelung allerdings auch wirklich nennenswert sein).

Hochgewachsene Wurzeln SeggianesePro Mulde: Feuchtigkeit kann sich in trockenen Sommern halten. Im Winter sind Wurzeln und Stamm besser zu schützen.
Conta Mulde: Fraßinsektennest. Einschlämmen des Stammes. Wurzeln wachsen nach oben (s. Abbildung, links). Gefahr von Nässestau.

Pro erhöhte Position: Wasser kann besser abfließen, sie sitzen nicht zu feucht und Sonnenwärme kann eine größere Bodenoberfläche erreichen.
Contra erhöhte Position: Die Erhöhung bedingt im Winter eine stärkere Durchfrierung des Bodens, wenn die "Hügel" nicht gut gemulcht werden. Die Mulchung wiederum verhindert gerade im Winter, wenn dies wichtig wäre, die Bodenaufwärmung durch die Sonne.

TIPP: Das Absetzen der Pflanze berücksichtigen. In der Regel entsteht bei ebenerdiger Setzposition in der Folgezeit von selbst eine leichte Mulde. Bei Muldenanlage im jungen Pflanzalter mindestens 80 Zentimeter Durchmesser der Mulde um Nässestau und ein Hochwachsen der Wurzeln zu vermeiden. Hügelungen im Winter gegen tiefen Bodenfrost schützen.








STÜTZPFAHL UND BEFESTIGUNG

Probleme: Wind Winterschutz Scheuern

Oliven sind sehr elastisch und benötigen bei Stammerziehung über viele Jahre eine Stütze. In windigen Lagen sollte mit klaren Überlegungen der Stützpfahl nach Westen oder Osten (abhängig von Haltesystem, Windverhältnissen und Winterschutzplanung) ausgericht werden. Vor dem Setzen des Pfahls bitte daran denken, den Boden an dieser Stelle wieder zu verdichten! Wenn im Winter ein individueller Schutz um die Pflanze angebracht werden soll, empfiehlt sich ein Pfahl von mindestens 2 Meter Höhe. Die Wahl des Pfahles (Stärke und Höhe) sowie die Setzpostion müssen unbedingt auf den geplanten Winterschutz abgestimmt werden. Bei der Einschlagtiefe ist zu berücksichtigen, welche Belastung der Pfahl mit dem angebrachten Schutz im Winterhalbjahr etwa durch Winddruck zu tragen hat! Auch dies ist ein Argument für größeren Abstand des Pfahles zum Stamm: Eventuell muss im Winter ein umgedrückter Pfahl neu positioniert werden. Das ist mit engen Abständen kaum ohne Wurzel- oder gar Stammschädigung zu bewältigen.

Die Rinde junger Olivenbäume ist extrem abriebempfindlich (s. linkes Foto mit den Abrieben an den beiden Astgabelungen). Außerdem legen die Stämme (v.a. bei Leccino) unter günstigen Bedingungen schnell an Umfang zu. Oliven sind keineswegs so langsamwüchsig, wie das Vorurteil besagt. Ihre Langsamwüchsigkeit in traditionellen Anbaulagen liegt vor allem an den häufig gewählten schlechten Böden und der geringen Wasserversorgung. Bei uns kommen Wachstums- und Entwicklungsstörungen durch strenge Winter dazu. Der Stützpfahl sollte nach meiner Erfahrung in mindestens 10-15 Zentimeter Abstand angebracht werden. Den Abstand überbrücke ich mit Stockschrauben, an die variable Rohrschellen mit Gummieinlage montiert sind. Nach Bedarf polstere ich die Rohrschellen innen noch mit Fensterdichtung aus Schaumstoff.

TIPP: Beim Setzen des Pfahls auf Windrichtung achten und an den geplanten Winterschutz denken! Im Winter sollten die Schellen (und andere Befestigungen eventuell auch) abgenommen werden, da sich dort Feuchtigkeit sammeln kann, die gefriert und die Rinde/das Cambium schädigt!







BODENPFLEGE UND WIESENANLAGE

Probleme: Wühlmäuse Schermäuse Verdichtung Bodenfrost Bodenfruchtbarkeit Ökologie

Schon Marcus Porcius Cato empfiehlt in "De agri cultura", rings um Olivenbäume in regelmäßigen Abständen umzugraben oder zu hacken. Mindestens einmal im Jahr sollte das passieren. Das sorgt zum einen für Stickstoffdüngung (und sollte daher nicht mehr im Herbst gemacht werden, um die Entwicklung instabilen Gewebes zu verhindern, das eh nur im Winter erfrieren würde), entlässt CO2 aus dem Wurzelbereich, bringt mehr Sonne an den Boden, vertreibt Schermäuse, lockert die Erde. Bodenverfestigungen im direkten Umkreis des Stammes sollten durch behutsames Hacken zusätzlich einmal im Jahr aufgebrochen werden.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Mulchen. Damit werden einerseits Nährstoffe in den Boden gebracht und das Bodenleben allgemein vitalisiert, andererseits Lebensräume für Insektenvielfalt geschaffen. Im Winter hält hohes Mulchen (mindestens 20 cm und gegen Feuchtigkeit abdecken) zudem den Frost vom Boden fern. Nach Frost und Schnee im Frühjahr den Mulch wieder einige Sonnentage lang entfernen, damit der Boden abtrocknen und aufwärmen kann.

Zum Bewuchs und seinem Einfluß auf Frostschäden im Winter gibt es extrem unterschiedliche Auffassungen. Hoher und dichter Bewuchs durch eine Wiese verringert eindeutig die Eindringtiefe von Frost und hält Wärme am Boden. Andererseits verhindert Bewuchs das Abfließen von Kaltluft und die Aufwärmung des Bodens durch Sonneneinstrahlung. Dabei spielt das Zusammenspiel mit Feuchtigkeit (Verdunstungskälte) eine entscheidende Rolle.

Mein Anliegen ist es, mit meiner Olivenanlage das landschaftsästhetische und ökologische Modell der Streuobstwiese in einer neuen Variante zu erproben und weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit den Olivenbäumen möchte ich daher auch eine Wiese entwickeln, die dem Charakter einer wärmegeprägten Landschaft entspricht. Dazu gehört etwa die Ansiedelung von Gewürzfenchel, Salbei und Wermut, die Förderung wärmeliebender hiesiger Wildpflanzen wie Dost, Thymian, Ziest und Wiesensalbei.

Die Pflanzen sind ein integraler Bestandteil der Bodenpflege und eine gelingende Pflege muss bemüht sein, Boden und Pflanzenbewuchs in eine förderliche Wechselbeziehung zu bringen - was die Natur seit Jahrmillionen erfolgreich tut.

TIPP: Einmal im Jahr in etwa 30 Zentimeter Abstand zum Stamm im Frühsommer ringförmig mit einer Grabgabel umgraben. Beim Mulchen darauf achten, dass im Winterhalbjahr keine Frostfallen und Vedunstungskälte entstehen!



DÜNGUNG UND WÄSSERUNG

Probleme: Froststabilität Krankheitsresistenz Schädlingsresistenz Wachstum

Zum Einfluss der Düngung auf die Krankheits-, Schädlings- und Frostresistenz habe ich schon unter "Krankheiten, Schädlinge und Frostschäden" Grundsätzliches gesagt. Hier möchte ich weiter in die Details gehen und noch andere Aspekte beleuchten.

Grundsätzlich sollten Oliven im Freiland gar nicht oder nur behutsam gedüngt und bewässert werden. Bei Kübeloliven muss vor allem auf ausreichende Wässerung auch im Winter geachtet werden. Überdüngung - vor allem mit Stickstoff - schafft krankheits- und frostanfällige Pflanzen. Andererseits sollten neu gepflanzte Bäume möglichst zügig kräftige Stämme und Leitäste entwickeln, um den Winter besser zu überstehen. Daher kann in den ersten Jahren im Frühsommer und Sommer Stickstoff zugegeben werden um die Entwicklung starker Äste (weniger starker statt vieler dünner, was bei übertriebener Düngung geschieht!) zu fördern. Umgraben und Hacken bei der Pflanze setzt Stickstoff frei. Durch Mulchen und mit Hornspänen kann eine ökologisch sinnvolle Stickstoffversorgung geleistet werden. Auch Brennesseljauche ist zu empfehlen. Im Spätjahr nicht mehr mit Stickstoff düngen und nicht mehr Umgraben, um die Bildung von frostanfälligem schwammigem Pflanzengewebe zu vermeiden.

Für die Winterhärte sind Kalium und Magnesium wichtig, da sie für froststabiles Pflanzengewebe sorgen und den Feuchtigkeitshaushalt der Pflanze regulieren. Über Kaliumsulfat, Kieserit (Magnesium), Pottasche (Kalium) oder Patentkali (Kalium und Magnesium) möglichst schon im Frühjahr ausbringen, wenn eine Bodenanalyse Mangel festgestellt hat. Oliven haben eine weit höhere Kalium- und Magnesiumentnahme als z.B. Weintrauben - was natürlich erst bei stark fruchtenden Bäumen relevant wird. Am besten mit einer Bodenanalyse (Auskunft beim Landwirtschaftsamt) feststellen, was dem Boden eventuell fehlt oder ohnedies üppig vorhanden ist.

Der Nutzen von Bewässerung ist auch in Olivenanbaugebieten umstritten. In Deutschland ist sie unter normalen Umständen nicht sinnvoll. Bei einer Neupflanzung muss natürlich im Anschluss an die Pflanzung Wasser gegeben werden - aber nicht einschlämmen! Bei Trockenheit sind danach noch zwei bis drei Wassergaben sinnvoll. Ansonsten kann Gießen nach strengen Wintern sinnvoll sein, wenn der Boden trocken ist und die Pflanzen durch Blatt- und Cambiumschäden im Wassertransport gestört sind. Hier kann Besprühen am Abend auch helfen, das nachwinterliche Absterben zu reduzieren.

TIPP: Keine Kombinationsdünger verwendet. Böden in deutschen Weinbaulagen sind in der Regel mit Phosphor überversorgt.



PFLANZENSCHUTZ

Probleme: Feuchtigkeit Pilzerkrankungen Klimastress

In Deutschland geht es beim Pflanzenschutz für Olivenbäume auch darum, die allgemeine Stressresistenz zu erhöhen, die Pflanze in gewissem Sinne zu "verwöhnen" im Frühjahr und im Herbst, einmal zur Verarbeitung des Winterstresses, einmal zur Vorbereitung darauf. Dazu können im Frühjahr Besprühen mit leicht gesalzenem Wasser dienen, im Spätjahr gewebestärkende Lösungen aus Schachtelhalm (keine Jauche produzieren, also maximal 24 Stunden stehen lassen, in kühler Lösung 48 Stunden).

Pilzerkrankungen wie "Occhio di Pavone" (die Baumschulpflanzen häufig schon unerkannt mitbringen) sind durch die höhere Feuchtigkeit in unserer Region wahrscheinlicher. Daher sollten die Pflanzen in Gefährdungsphasen mit hohen Niederschlägen entsprechend unterstützt werden, etwa durch Schafgarben-, Fenchel oder Goldrutenansatz (max. 24 Stunden im Wasser liegen lassen), der auf die Blätter gesprüht wird am Abend. Als Spritzmittel bei starkem Befall mit Pilzen (ab 20-30%) werden in den Olivenanbaugebieten Kupferpräparate eingesetzt. Darunter gibt es umweltverträgliche Rezepturen mit niedrigem Kupferbedarf, etwa Cueva. In Deutschland dürfte vorläufig in der Regel das Abpflücken der befallenen Blätter ausreichen als Maßnahme, da die Infektion von lebendem Blatt zu lebendem Blatt verläuft.

Auch das Gießen mit Jauchen aus Schafgarbe, Weidenrinde (wurzelstärkend) und kanadischer Goldrute tut den Pflanzen gut und stabilisiert sie für den Klimastress, dem sie bei uns im Winterhalbjahr ausgesetzt sind. Brennesseljauchen nur stark verdünnt einsetzen wegen des hohen Stickstoffgehaltes.

Gegen den in Olivenanbauländern gefürchteten Schädling Olivenfliege helfen Pheromonfallen, die männliche Olivenfliegen anlocken und mit einem Kontaktinsektizit töten. Auch Flaschenfallen mit Zuckerlösungen werden in Olivenanbauländern eingesetzt. In Deutschland dürfte das Problem vorläufig nicht auftreten. Wo doch, rate ich von Flaschenfallen ab, da der unerwünschte "Beifang" ökologisch kaum zu vertreten ist.

Läuse (Schildläuse und Wollläuse) an Olivenbäumen lassen sich im häuslichen Bereich manuell bekämpfen. Natürlich müssen auch die Ursachen beseitigt werden, etwa zu dichte Krone, Feuchtigkeit. Ein italienischer Olivenbauer hat mir folgendes Mittel zum Einsprühen der Läuse empfohlen: 1 Liter Wasser, 20 ml Olivenöl, Saft einer halben Zitrone, ein Spritzer Spülmittel.

Grundsätzlich sollte schon bei der Sortenwahl auf einschlägig resistente und robuste Olivensorten geachtet werden. Dazu und zu den Krankheiten und Schädlingen im einzelnen finden sie auf meiner Seite "Krankheiten, Schädlinge, Frostschäden" genauere Angaben.

TIPP: Goldrutenbestände zur Herstellung von Pflanzenstärkungslösung und -jauche benutzen - möglichst vor der Goldrutenblüte. So tun Sie was für Ihre Oliven (oder sonstigen Pflanzen) und kontrollieren die Ausbreitung der Goldrute (für eine Streuobstwiese desaströser invasiver Neophyt).



MÄUSE

Probleme: Unterwühlung Wurzelfraß

Mäuse werden durch Mulchringe und Winterschutz angelockt. Sie können vor allem durch das Freilegen der Wurzeln schaden, was die Pflanze lockert und die Wasserversorgung behindert. Schermäuse können auch Fraßschäden an den Wurzeln von Nutzpflanzen anrichten, was ich allerdings an Oliven noch nicht beobachtet habe, nur an Feigen und jungen Rebstöcken.

Allgemein können Mäuse durch regelmäßiges Hacken, durch Mulchen in gebührendem Abstand zum Stamm und durch zurückhaltenden Winterschutz von den Oliven ferngehalten werden. Bereiche, die im Winter warm gehalten werden, ziehen natürlich auch Mäuse magisch an. Bussarde und Falken sorgen bei niedrigem Bewuchs für eine Regulation des Bestandes. Ich habe daher auf meinem Gelände auch Sitzstangen für Greifvögel aufgestellt. Weitere natürliche Feinde von Mäusen aller Art sind Eulen, Marder und Füchse. Vertreiben durch akustische Geräte oder Duftstoffe ist nicht nachhaltig möglich, auch wenn dies immer wieder angepriesen wird.

Schermäuse sind auf Grund ihrer weitgehend unterirdischen Lebensweise mit einem geschlossenen Gangsystem (andere Mäusearten haben offen Zugänge) natürlichen Feinden weniger ausgesetzt. Ihr Vorhandensein zeigt sich an Erdhügeln, die flacher, ausgebreiteter und feinkörniger sind als die von Maulwürfen. Bei Maulwurfhügeln geht der Gang in der Hügelmitte senkrecht nach unten, bei Schermaushügeln geht es seitlich und schräg in das Gangsystem. Ein eindeutiger Hinweis auf Schermäuse sind abgestorbenen Pflanzen (schwachwüchsige Apfelunterlagen und junge Feigen, Fenchelpflanzen, Luzernen), die sich aus dem Boden heben lassen und deren Wurzeln fast bis zur Bodenfläche abgefressen sind mit biberartigen Spuren. Bei der Bekämpfung muss beachtet werden, dass Schermäuse und Maulwürfe (Insektenfresser, geschützt) teilweise das gleiche Gangsystem benutzen. Schermausaktive Gänge sind daran zu erkennen, dass sie bei Eröffnung (Spatenstich und Aushub) unverzüglich wieder zugewühlt werden - Maulwürfe lassen sich dabei mehr Zeit. Natürlich muss man sich dazu von der Öffnung entfernen, dem Bereich Ruhe lassen. Wenn eine Öffnung nach einer Stunde noch nicht zugewühlt wurde, macht eine Bekämpfung an diesem Gang wenig Sinn. Relativ gute Erfolge bringt die Schweizer Schermausfalle "topcat" - auf der Homepage der Firma gibt es eine ausführliche Beschreibung der Vorgehensweise, die allerdings zeitaufwendig ist. Die Bekämpfung erfolgt am sinnvollsten im Spätherbst, vor Wintereinbruch. Wenn nach einer Stunde keine Schermaus (mehr) in die Falle gegangen ist, sollte man die Falle entfernen, da danach die Gefahr zunimmt, einen im Gangsystem der Schermaus vorbeistreunenden nützlichen Maulwurf (spürt z.B. Engerlinge auf) zu erwischen. Wo keine Maulwürfe vorkommen, kann auch mit längeren Intervallen gearbeitet werden. Allerdings habe ich mit "topcat" ca. 80% Fehlauslösungen, weil die Mäuse die Falle zuschieben oder sonstwie ins Leere auslösen. Und nur ein geringer Teil der Gänge ist wirklich für die Falle geeignet. Also nicht zu viel erwarten, der Erfolg hängt stark von Bedingungen vor Ort ab, kann toll klappen, aber auch weitgehend erfolglos bleiben.

Schermäuse besiedeln auch die Gangsysteme von Feldmäusen; was daran zu erkennen ist, dass zuvor über längere Zeit offene Bodenlöcher plötzlich zugewühlt sind.

TIPP: In jedem Falle mindestens einmal im Jahr um den Baum herum hacken. Im Spätjahr Bewuchs in Baumnähe kurz halten.



SCHNITT

Probleme: Kronenform Frostschäden Windbruch Winterschutz

Gartenmarktpflanzen sind in der Regel auf eine hübsche Kugelform der Krone hin geschnitten. Dies wird erreicht durch einfaches Kappen der Spitzen, worauf die Olive mit Triebteilung reagiert. Damit werden allerdings keine Leitäste gebildet, die Fruchtzweige tragen können. Im Blick auf den Ertrag ist diese Schnittform also kontraproduktiv. Nun ist der Ertrag sicherlich in Deutschland nicht das Hauptziel für die Beschäftigung mit Olivenbäumen. Doch der Spitzenschnitt schafft auch keine charaktervollen Kronenformen und ist dem Olivenbaum unangemessen.

In Deutschland sollte die Erziehungsform der Pflanzen dem entsprechen, dass mit Rückschnitten nach Frostschäden zu rechnen ist. Außerdem sollte eine möglichst kompakte Stamm- und Kronenform geschaffen werden, die bei Extremfrösten Schutzmaßnahmen erlaubt (Einpacken z.B.). An starke Stürme muß auch gedacht werden.

Die drei markanten unterschiedlichen Leitbilder der Schnitterziehung sind Hochstamm, Vase und Busch. Eine Erziehung zu Hochstämmen macht bei uns nach meiner Einschätzung wenig Sinn. Hier sind Schäden nach einem harten Winter am schwierigsten zu korrigieren, außerdem wird der Winterschutz erheblich erschwert bis unmöglich. Das ist bedauerlich, denn der knorrige Hochstamm entspricht am ehesten unserem Bild von einem "echten" und "typischen" Olivenbaum. Um den zu genießen, werden wir auf absehbare Zeit weiterhin Richtung Mittelmeer reisen müssen.

In Olivenanbauländern heute häufig empfohlene Schnittform ist die sogenannte "Vase", die bei uns für Halbstämme etwa beim Apfelbaum gebräuchlich ist, also ein kürzerer Stamm mit drei bis vier starken Leitästen - wobei der Innenbereich der Krone frei bleibt, daher die Bezeichnung "Vase". Diese Schnittform wurde in der Toskana nach dem Frostwinter 1984/85 flächendeckend eingeführt, als fast der gesamte Hochstammbestand erfroren war.

Der Vasenschnitt bringt bei uns das Problem, dass die Einhüllung der Krone für den Winter recht aufwendig ist. Daher bietet sich bei uns auch die Erziehung zum Busch mit vier bis fünf bodennah aufstrebenden Leitästen an, die technisch einfacher zu umhüllen sind. Gucci/Cantini beschreiben auch eine Anlagenform, bei der Büsche etwa alle 10 Jahre bis 15 Zentimeter über dem Boden zurückgeschnitten werden (auf Stock gesetzt). Der Ertragsausfall für zwei Jahre werde durch insgesamt bessere Erträge und reduzierten Schnittaufwand kompensiert. Für Deutschland könnte das eine interessante Alternative darstellen.

Ich experimentiere derzeit mit einer vierten Form, die einen hohen Stamm mit nahezu parallel aufstrebenden gestaffelten Leitästen vorsieht. Ziel ist eine zylinderartige Form, die sich für den Winter gut einwickeln lässt. Für diese Wuchsform gibt es sogar eine eigene Sorte, Cipressino, die allerdings leider wenig froststabil ist. Wie der Name schon besagt, wächst Cipressino zypressenhaft und wird daher gerne eng gepflanzt (ein bis eineinhalb Meter Pflanzabstand) als Windschutz eingesetzt. Geeignet ist für diese Form auch Ascolana, die wesentlich frosthärter ist als Cipressino.

TIPP: Wer das Thema ernsthaft angehen möchte, etwa weil er einen Olivenhain in Italien sein eigen nennt, sollte das Buch "Pruning and Training Systems for Modern Olive Growing" von Riccardo Gucci und Claudio Cantini konsultieren.



PROPFUNG

Probleme: Vermehrung Veredelung Züchtung

In verschiedenen Internetforen kann man erfahren, wie einfach es sei, Oliven zu vermehren: Eine Olive in den Boden oder einen Zweig in Erde stecken und gießen, dann wird das schon. Nach Auskunft von Fachleuten gehen die Erfolgsaussichten für Laien dabei gegen Null, von Zufallserfolgen abgesehen. Meine eigenen Stecklingserfolge sind gering. Besser lief es mit dem Propfen. Dazu wird zu Beginn der Vegetationsperiode (Einsetzen der Weinblüte) ein stärkerer Ast oder der Stamm abgeschnitten. Mit einem scharfen Messer wird vom Anschnitt aus ein Längsschnitt in die Rinde gemacht. Dann wird die Rinde an den Schnittecken vorsichtig angehoben und ein Propfling eingeschoben. Der Propfling sollte von einem einjährigen Zweig und nicht zu dünn sein, da er sonst leicht austrocknet (4-5 Millimeter Durchmesser). Länge etwas mehr als zwei Blattpaare. Über dem obersten Blattpaar abschneiden, dabei auch die Blätter kappen. Unteres Blattpaar am Stil abschneiden, Ast etwas unterhalb dieses Paares beginnend schräg anschneiden, dabei je nach Aufbauplan entweder parallel oder im rechten Winkel (s. linkes Foto) zu den Blattsprossen ansetzen.

Welchen Sinn hat die Propfung? Die Wildolive (Oleaster, Olea silvestris) hat gute Wurzeleigenschaften, bringt aber keinen nutzbaren Ertrag und ist frostempfindlich. Daher wird sie gerne als Grundlage für Veredelungen benutzt, wobei die Veredelungsstelle nahe am Boden liegen sollte - einmal wegen der Frostempfindlichkeit, aber auch wegen der Triebfreudigkeit der Wildolive. Sämlinge von Oliven fruchten erst nach 15 bis 20 Jahren in wirtschaftlich relevantem Umfang, Propfungen und Stecklinge fruchten wesentlich rascher. Für mich ist Propfung eine Möglichkeit, an interessante Sorten zu kommen, die in Baumschulen nicht angeboten werden. Das rechte Foto zeigt Bjankera, Grappolo und Leccio del Corno auf Leccino 2009. Leider ist dieser Baum dem Winter 2010/11 zum Opfer gefallen, bei einem Zusammenbruch des Schutzzeltes unter Schneemassen.

TIPP: Propfstelle mit Alufolie einwickeln um Austrocknen bei Sonneneinstrahlung zu verhindern. Bei trockenem Wetter mit Wasser besprühen am Abend.






Propfung

Propftrias



WINTERSCHUTZ

Problem: Frost

Auch in vielen Olivenanbaugebieten sind die Pflanzen immer wieder starken Frösten ausgesetzt. Zu großen Olivensterben kam es in den Extremwintern von 1956 und 1985 in Nord- und Mittelitalien, Südfrankreich und Nordgriechenland. Darüber hinausgehende Probleme entstehen bei uns vor allem durch längere Frostperioden, durch nasse Kälte, durch kurzzeitige Tiefsttemperaturen und durch häufigen Wechsel wärmerer (Sonnenschein!) und kalter Perioden. Im Winter 2008/09 hat erst die zweite Frostperiode ab Mitte Februar - nach der Zwischenerwärmung - die massiven Schäden an den Kölner Olivenhainen und bei mir verursacht. Im Winter 2009/10 erst der März!

Die Frosthärte von Oliven wird allmählich aufgebaut, jedoch sehr rasch wieder zurückgefahren. Die Froststabilität ist von der Sorte, vom Alter der Pflanzen, von der Stamm- und Aststärke und von der je aktuellen Abhärtung (etwa durch langsam und kontinuierlich sinkende Nachttemperaturen ohne starke Erwärmung am Tag) abhängig. Die meisten Olivensorten vertragen Frost nur kurzzeitig und bis in Bereiche von -8 Grad. Es gibt allerdings Sorten mit weit höherer Stabilität, die französische Varietät Moufla soll bis -23 Grad ertragen als "erwachsene" Pflanze. Sortenbeschreibungen und Frosthärteuntersuchungen gibt es unter "Informationsquellen". Aussagen zur Frosthärte sind jedoch stets mit Skepsis zu betrachten: Blätter  reagieren anders als Holz - und zwar mit gravierenden Sortenunterschieden! Die verschiedenen Sorten reagieren auch unterschiedlich auf Früh-, Dauer- oder Spätfröste, auf Wind in Verbindung mit Frost, auf Feuchtigkeit bei Kälte, auf krasse Temperaturunterschiede etc. pp.

Gegen Bodenfrost kann z.B. hoch gemulcht werden, damit in jedem Falle die frostempfindlichen Wurzeln erhalten bleiben. Empfiehlt sich nicht bei starken Wühlmaus- oder Maulwurfpopulationen, die werden sich unter dem Mulch im Winter heimisch einrichten. Pflanzen im Kübel sollten keinesfalls im Freien überwintern, es sei denn in geschützer Postition und mit Kübeleinhüllung. Ebenso ist es abwegig, Olivenbäume erhöht zu pflanzen, auf einem Podest gleichsam (das ergibt zwangsläufig "kalte Füße" im Winter). Im Frühjahr sollte an sonnigen Tagen nach der Frostperiode der Mulch weggenommen werden, damit der Boden aufwärmen und abtrocknen kann. Feuchter Mulch kühlt durch Verdunstungskälte, Achtung!

Die Stämme sollten in Wintern wie 2008/09 oder 2009/10 bis zum ersten Astansatz (mindestens 30 cm hoch) in Vlies eingewickelt und mit Mulch/Stroh umlagert werden. Ab -6 Grad sollten Jungpflanze ganz eingepackt oder überdacht sein. Ab -8 Grad empfiehlt es sich, bei Jungpflanzen zusätzlich zu "heizen", etwa mit Kerzen oder Schwimmlichtern. Wer die Blätter erhalten will, sollte die Temperatur konstant zumindest über -5 Grad halten. Es gibt allerdings starke Sortenabweichungen, abhängig auch von Luftfeuchtigkeit, Adaptionszeit etc. - manche verlieren ihre Blätter schon bei den ersten Minusgraden, andere verkraften bis -8, in Ausnahmefällen noch weniger, aber nur kurzfristig.

Ein geeigneter Schnitt sorgt dafür, dass Jungpflanzen möglichst rasch kurze starke Leitäste und starke Stämme entwickeln. Kalium (Pottasche) und Magnesium müssen ausreichend im Boden zur Verfügung stehen für die Regulation des Wasserhaushaltes in den Pflanzen und damit auch die Frosthärte.

TIPP: Viel ist schon gewonnen, wenn Sie die Auskühlung des Bodens und des unteren Stammbereichs (mind. 30 cm) verhindern durch Mulchen, Anhäufen von Blähton, Einhüllen in Vlies oder Stroh/Schilf. Feuchtigkeitsaufnehmendes Isolationsmaterial wie Mulch sollten sie gegen Regen oder Schnee abdecken mit Folie um Verdunstungskälte zu vermeiden.



THERMOFOLIE/LUFTPOLSTERFOLIE, VLIES

Probleme: Frost Wärmespeicherung

Ich habe im Winter 2008/09 nach unbefriedigenden Versuchen mit einlagiger Folie eine UV-stabilisierte dreilagige Luftpolsterfolie verwendet. Einfache Folie hat kaum einen Isolationseffekt, der die Abkühlung bei Nacht hinauszögert und die Wärme bei einer Heizung durch Kerzen innen hält. Außerdem bildet sich rasch Kondenswasser, das ein ungünstiges Innenklima schafft. Die Luftpolsterfolie ist allerdings aus PE und dieses Material hat den Nachteil, durchlässig für langwellige Strahlung von innen nach außen zu sein (im Unterschied zu PVC oder Glas, die daher einen stärkeren Treibhauseffekt erzeugen) - was durch die Luftpolster teilweise kompensiert wird.

Bei einer Testserie zeigte sich, dass die nächtliche Tiefsttemperatur (allerdings nur diese, in einem engen Sektor) ohne "Heizung" durch Kerzen unter der Folie fast durchgängig tiefer lag, als ohne Folie - bis zu 2 Grad! Eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt teilte mir mit, dass dieser Effekt von Folientunnels her bekannt sei - in "Strahlungsnächten". Also klaren Nächten, in denen die langwellige Strahlung vom Boden ungehindert nach oben weg kann, nicht reflektiert wird z.B. von Luftfeuchtigkeit. Warum die langwellige Strahlung aus der Folienhülle stärker verloren geht als außerhalb, konnte mir bisher niemand befriedigend erklären. Zudem konnte ich den Effekt bei meinen Hüllen auch bei bedecktem Himmel beobachten.

Seltsamerweise hatte ich dennoch bei nächtlichen -12,5 Grad erste starke Schädigungen bei Pflanzen ohne Folienhülle, während die mit Hülle ungeschoren davon kamen. Eine Erklärung kann der Windschutz sein, der tagsüber im Holz gespeicherte Strahlungswärme oder auch Eigenwärme der Pflanze zurückhält, die von meinen Temperaturmessungen nicht erfasst wurde.

Nach der Erfahrung im Winter 2010/11 ist die Kombination von Thermofolie und mindestens doppelter Vlieshülle der optimale Winterschutz. Ein Zelt oder Vliestunnel ist dann nicht mehr zusätzlich notwendig. Der Bodenanschluss kann durch Mulch gegen Wind gesichert werden.

Vlieshülle Winter OlivenbaumDie Luftpolster-/Thermofolie schafft ein effektives Isolationspolster, verhindert ein Austrocknen der Pflanze und schützt die Pflanze vor Nässe durch Regen oder Schnee.

Das Thermovlies (weiß) schützt vor Sonneneinstrahlung, vor Wind und vor Frost.

Auf dem Doppelbild ist links die Einpackung im Winter, rechts die ausgepackte Pflanze Anfang April 2011 zu sehen. Nach vier Monaten Dauereinpackung mit Thermofolie und doppelter Thermovlieshülle war die Pflanze weitgehend im gleichen Zustand wie vor dem Einpacken!

TIPP: Bei Verwendung einer Folie alleine muss bei Sonnenschein tagsüber oben geöffnet, eventuell sogar die ganze Folie abgenommen werden, um ein Überhitzen der Pflanzen und den Verlust der Abhärtung zu vermeiden.











VLIESTUNNEL, VLIESIGLU

Probleme: Frost Windstress

Im Winter 2009/10 habe ich Vlieshüllen eingesetzt. Als Träger habe ich die Stützpfähle der Bäume und 6mm-Federstahl von 5 Meter Länge verwendet. Als Vlies Thermovlies M85, das von Averdieck und anderen gut getestet wurde und mir auch einen sehr guten Eindruck macht bisher. Die Eigenschaften: Lässt tagsüber kurzwellige Strahlung durch und hält nachts langwellige Infrarotstrahlung innerhalb der Hülle zurück; gute Feuchtigkeitsregulation; keine Hitzestaus (wie unter Thermofolie).

Nachteile von Vlies: Saugt sich bei längerem und/oder stärkerem Regen voll und wird dann schwer (Federstahl alleine als Träger ist dann zu schwach). Bei Starkwind ist das Vlies kaum stabil zu halten, womit Kälte unter das Vlies strömen kann.

Gebaut habe ich so nach einigen Versuchen und nach "Daisy" (85 kmh) korrigiert drei Vliestunnels von je 21 Meter Länge, 1,60 Meter Höhe und 2,70 Meter Breite mit vier Stützpfählen und dreizehn Federstahlstäben, die mit Rolladengurt und Erdankern verspannt waren, ein Vliestunnel von 1,40 Meter Höhe und 1,90 Meter Breite, zwei Vlieszelte mit einfach übergeworfenem Vlies. Elf Bäume habe ich einzeln in "Iglus" eingepackt mit zwei gekreuzten Federstahltstäben als Träger. Die Konstruktion muss gut gegen Wind verzurrt werden, um Scheuerschäden am Vlies oder ein "Abheben" der Tunnelkonstruktion zu verhindern (Flugzeugflügeleffekt).

Die Vliestunnels haben sich bei starkem Schneefall nicht bewährt - unVliestunnelter dem Gewicht des Schnees haben sich die Tunnels verformt, das Vlies musste regelmäßig vom Schnee befreit werden. Im Winter 2009/10 waren acht Schneeräumaktionen notwendig, um das Problem in den Griff zu bekommen. Lösung: Tunnels möglichst eng bauen, max. 1,80 Breite. Möglichst 1 Federstahlstab 6mm pro Meter - bei stärkeren Stäben eventuell auch größerer Abstand möglich.

Bis etwa -4 Grad hatte ich auch bei Dauerfrost keinen Bodenfrost im Hüllenbereich. Der Temperaturgewinn zur Außentemperatur beträgt 3-5 Grad - wenn nicht Starkwind herrscht. Mit Kerzen oder Öllichtern lässt sich auch diese Konstruktion bei tiefer gehenden Außentemperaturen und wenig Wind gut "beheizen".

Der Bau-/Abbauaufwand ist insbesondere in windigen Lagen recht hoch (ab Windstärke 6 ist Abbauen angesagt). Tunnels sind bei Extremfrost effektiver zu "beheizen" als Iglus: Geringere Abstrahlfläche in Pflanzennähe, bessere Bodenwärmenutzung, bequemerer Einsatz/Ersatz von Heizequipment durch Begehbarkeit. Bei Schneelast schneiden Iglus und einfaches Zelt besser ab als Tunnels (Schnee kann besser abgleiten, sammelt sich nicht als Last oben).

TIPPS: Feuchtes Vlies gefriert schon bei Annäherung an den Gefrierpunkt (Verdunstungskälte). Daher rechtzeitig aufbauen, ehe das Vlies unbeweglich wird. Bei starken Temperaturwechseln ist mit stürmischen Winden zu rechnen!  Vor Schneefall aufbauen, da Schnee in den Tunnels die Temperaturen um 2-3 Grad absenkt.



HEIZUNG, SCHWIMMLICHT, ÖLLICHT

Problem: Extremfrost Jungpflanzen Blattverlust

Grundsätzlich: Gute Bodenabdeckung plus eine Kombination von Thermofolie und mehrlagiger Vlieshülle sind effektiver als Heizung - aber im Materialeinsatz aufwendiger.

Ab -12 Grad wird es auch für froststabile Olivensorten, insbesondere bei Jungpflanzen, existenzbedrohend. Spätestens ab -10 Grad sollte daher die isolierende Abdeckung/Einhüllung verstärkt oder durch aktive Wärmezufuhr ergänzt werden (Blattverlust und Absterben junger Zweige kann damit allerdings nicht sicher vermieden werden). In den 50er und 60er Jahren wurden in Deutschland Weinberge und Obstanlagen bei Spätfrösten mit Geländeöfen beheizt - dabei gingen angeblich schon mal 2500 Liter Heizöl pro Hektar in einer Nacht drauf! Ich habe eine sparsamere Lösung gefunden und Dauerkerzen (optimal ist die Variante mit Metalldeckel vom DM-Drogeriemarkt) in Konservenbüchsen (zur Sicherheit und um ein gleichmäßiges Abschmelzen des Wachses durch Wärmehaltung zu erreichen) unter die Einhüllungen gestellt. Eine billigere und effektivere, aber etwas schmuddelige Methode ist die Verwendung von Schwimmlichtern (rechtes Foto - Lieferant "Stuga-Cabana"/"Hytta" - Suchwort "Nachtlicht"). Dazu werden Konservenbüchsen oder Gläser (für Konfitüre, Honig o.ä.) mit billigem Raps- oder Olivenöl gefüllt (etwa 1 Euro/Liter), darauf kommt ein Dochtschwimmer. Öllicht heizt bei gleicher Flammengröße etwa 20-30% besser als Kerzen, kann einfach nachgefüllt werden und ist durch zusätzliche Flammen "erweiterbar" (ausprobieren, nicht für unbeaufsichtigten Dauerbetrieb geeignet, da sich die Flammen gegenseitig stören können bis zum Verlöschen). Die Heizleistung liegt bei 40-60 Watt pro Flamme. Verbraucht werden beim Standarddocht von Hytta etwa 4 Gramm Öl pro Stunde und Flamme (abhängig von der Flammengröße), der Temperaturgewinn machte bei meiner Thermofolie-Anlage 3-5 Grad pro Flamme auf einem Meter Höhe aus. Sicherheitsabstand von der Hülle beachten!!! Ich verwende die natürlich nur im Winter bei hohen Minusgraden, um eine Brandgefahr auszuschließen und eine Wärmespannung in der Pflanze (kalte Füße, warmer Kopf) zu vermeiden. Wenn die Schwimmlichter nicht verwendet werden, sollten hohe offene Ölbehälter eingesammelt und weggestellt werden, da sonst hungrige Mäuse darin ertrinken können (knabbern auch gerne am Stearin von Kerzen). Zu beachten ist auch, dass Öllichter empfindlicher als Dauerkerzen sind und gelegentlich spontan verlöschen (Zugluft, Zähigkeit des Öls bei Tiefsttemperaturen u.a.).

Unter den Petroleum-Heizungen für Camper, Segler etc. sind nach verschiedenen Einschätzungen (Internetrecherche) am Besten Tonysun und Foetsie geeignet (ab 35 Euro aufwärts). Spezielle Petroleumheizungen für Gewächshäuser haben ein ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere die kleinen "Frostwächter" (bei Gärtner Pötschke z.B.), die nur etwa 100 Watt Leistung bringen, dafür allerdings den Vorteil haben, mit einer Füllung bis zu 14 Tage durch brennen zu können!

Gasheizungen sind sehr aufwendig und die Ventile können vereisen. Zeltheizungen mit Kartuschen sollten unten offen stehen, damit die Verdunstungskälte abziehen kann (reduziert die Gefahr von Ventilvereisung).

Wer Stromanschluss hat, kann auch ein Heizkabel/Heizband (teuer, "Megaline" für Fischteiche etwa kostet ca. 500 Euro 20 Meter mit Thermostat) oder Lichterketten verwenden. Ich habe damit keine Erfahrungen, bei "Conrad" gibt es relativ günstige Angebote.

TIPP 1: Ein Schwimmlicht lässt sich einfach selbst bauen aus einer Scheibe Weinkorken mit einem Loch in der Mitte, in die ein gerolltes Stück Küchenkrepp/Küchenpapier von ca. 2 cm Länge als Docht gesteckt wird. Die obere Fläche der Korkscheibe mit Alufolie bedecken, da sonst die ganze Korkscheibe als Docht wirkt und zu brennen beginnt (starke Rußbildung!). Haushaltskrepp als Docht neigt auch zum Rußen, dünn gerollte und kurze Dochte verwenden!

TIPP 2: Gläser haben als Öllichtträger folgende Vorteile: Rostfrei, verschließbar, glatte Innenfläche an welcher der Schwimmer nicht hängen bleiben kann, bessere Wärmespeicherung. Nachteil: Können je nach Fabrikat bei Temperaturspannung springen, für selbstgebastelte Schwimmer daher nicht uneingeschränkt zu empfehlen, auch sonst ist Vorsicht geboten.















SORTENCHARAKTERISTIKA

Ich berichte hier vorrangig von eigenen Erfahrungen, habe aber auch einige Sorten aufgenommen, die von anderen Olivenfreunden in Deutschland erprobt werden. Alle genannten Sorten sind als besonders froststabil bekannt oder werden als solche gehandelt. Dass ich hier vor allem italienische Varietäten anführe, liegt zum einen daran, dass diese Sorten teilweise in Deutschland gut zu bekommen sind, zum anderen an persönlichen Bindungen an Italien. Beim Direkteinkauf von Olivenbäumen sind die Baumschulen in Pescia für mich auch besser zu erreichen als französische Baumschulen, die für Olivenplantagen produzieren.

Aglandaou ist eine Olivensorte aus Frankreich, die mit Paketversand aus Ungarn zu beziehen ist oder sonst nur direkt bei Gärtnereien in Frankreich. Sie zeichnet sich durch starkes Wurzelwachstum und eher verhaltenes oberirdisches Wachstum aus. Die Froststabilität ist gut, allerdings ist dieser Olivenbaum feuchtigkeitssensibel. Die Sorte bevorzugt stark basischen Boden (8-8,5), sonst sinkt die Qualität ihres Öles dramatisch.

Arbequino ist eine Sorte aus Nordspanien/Katalonien mit kleinen, sehr schmackhaften Früchten und ausgezeichnetem Öl.

Ascolana kommt aus Mittelitalien und ist ausgesprochen verhalten im Wuchs sowohl unter- wie oberirdisch. Leider kann ich (wie auch bei Aglandaou) noch nicht beurteilen, welche Rolle dabei die Unterlage spielt. Ascolana hat ein wunderschönes Holz und satt dunkelgrünes Laub. Die Varietät ist sehr froststabil und wird als Speise- und Ölolive geschätzt. Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist sie sehr gut zur Erziehung einer schlanken, aufrechten Form geeignet.

In Kalifornien wird die tunesische Sorte Barouni nach dem Frostwinder 1990/91 als frosthart empfohlen. Ist als Speiseolive beliebt, produziert wenig Öl.

Bianchera wird vor allem im Veneto und in Istrien gepflanzt. Dieser Olivensorte eigen ist verhaltenes Wachstum und aufrechter Wuchs. Sie wird auch als Unterlage empfohlen. Das Öl von Bianchera ist von eher herbem Geschmack.

Canino kommt aus dem Latium und ist allgemein robust, wird daher auch gerne im Bioanbau eingesetzt. Produziert ein würziges Öl mit interessanten Kräuteraromata. Ich selbst habe diese Varietät noch nicht erprobt, aber einer der leider 2008/09 oberirdisch vollständig erfrorenen Kölner Olivenhaine setzt auf diese Varietät für Deutschland.

Hojiblanca gilt als froststabile spanische Sorte. Weder die mir zugänglichen Untersuchungen (s. "Informationsquellen"), noch die mir bekannten Erfahrungsberichte bestätigen dies.

Leccino ist die Leitvarietät der Toskana und darüber hinaus weltweit verbreitet. Der Leccino-Baum zeichnet sich durch stabiles Holz, Wuchsfreude und eine schmackhafte Frucht mit qualitätsvollem, eher mildem Öl aus. Bei mir hat er sich in den drei harten Wintern von 2008 bis 2011 wacker gehalten. Der am besten dastehende Olivenbaum auf meinem Gelände ist ein Leccino.

Leccio del Corno wird vor allem in der Toskana angebaut. Diese Varietät ist ausgesprochen wuchsfreudig und neigt zu einer aufrechten, ausladenden Krone. Wurde im Frostfebruar 1956 als stabile Varietät selektiert. Gehört mit Ascolana, Leccino und Olivastra Seggianese zu den Frosthelden auf meinem Gelände. Die längliche Frucht reift spät.

Maurino ist eine weitere Charakterart der Toskana. Diese Olivensorte entwickelt ein stabiles Holz mit länglich-hängender Struktur. Gemeinsam mit den silbrigrünen, schlanken Blättern schafft dies eine sehr reizvolle Baumgestalt. Für mich ist das der schönste Olivenbaum - leider rangiert er in der Frostbeständigkeit nach meinen Erfahrungen hinter Ascolana, Leccino, Leccio und Seggianese. Das Laub bleibt trotz Schädigungen nach dem Winter lange haften und täuscht über seinen Zustand! Schmackhaftes, süß-fruchtiges Öl.

Die französische Sorte Moufla wird als extrem froststabil beschrieben. Bisher konnte ich als Bezugsquelle nur eine Baumschule in Südfrankreich ausmachen, die nicht versendet.

Olivastra Seggianese gedeiht in der Region um den Monte Amiata bei Seggiano (Provinz Grosseto) und bevorzugt Böden vulkanischen Ursprungs. Er bildet ein froststabiles, schlank-ausladendes Holz mit einer ausgeprägten Neigung zur Warzen- und Rissbildung unter feuchten Klimabedingungen. Erfreut mit Vitalität und frühem Neuaustrieb. Geschmack bei mir eher fad (die Varietät will offensichtlich auch in dieser Hinsicht trockeneres Klima), Öl wird als "mild-fruchtig" charakterisiert.

Verzola wird in den Marche und in Umbrien gepflegt. Die Art wird von italienischen Experten als äußerst robust und für Ökoanabau geeignet gepriesen und produziert ein aromenreiches, qualitätsvolles Öl. Für mich ein Einkaufskandidat im kommenden Jahr 2012 - bisher habe ich noch keine eigenen Erfahrungen mit Verzola.