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⇒ EINE KLEINE GESCHICHTE
DES OLIVENANBAUS IN DEUTSCHLAND









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TAGEBUCH 2012
:


14. Januar 2012 Das Jahr hat mit Frühling begonnen. Und auch jetzt, wo so etwas wie "Winter" angebrochen ist seit gestern, sind keine großen Temperaturabstürze zu befürchten, zu warm sind die Wasser- und Landflächen, über die nun die arktischen Strömungen gehen.

Prognosen Tiefsttemperaturen für die kommenden Nächte: Bruchsal -6, Pistoia -2, Spoleto -4. Die Vergleichsorte liegen in italienischen Regionen, in denen Sorten wachsen, die auch bei mir stehen. Und sind nebenbei Orte, die ich schätze und mag.

Meine Zielvorgaben für den Olivenhain 2012 lauten: Ergänzende Neupflanzungen entwickelter (bis ca. 7 Jahre) Exemplare aus Norditalien mit starken, kurzen Stämmen oder Buschform (schwer zu bekommen). Verdichtung auf Pflanzabstand 2.50 Meter. Sehr zurückhaltender Schnitt auf Einpacken im Winter hin, eher Busch/Buschvase, max. 2 Meter Höhe. Stamm- und Kronenentwicklung nur noch bei vier einzelstehenden Exemplaren. Ganz klar ist mir noch nicht, wie ich letztere bei Frostwind/Stürmen im Winter schützen kann - da verfahre ich mal nach dem Motto "kommt Zeit, kommt Rat".

Leonhard Reinirkens lässt seinen Helden in "Die kulinarischen Abenteuer des Fra Bartolo" wie folgt belehrt sein: "Unsere Olivenbäume hier sind klein, aber dafür halten sie eine Menge Frost aus. Und bedenke, von den niedrigen Bäumen läßt sich auch leichter ernten."

Mein Hauptproblem ist nicht der Frost, auch nicht die Feuchtigkeit. Hauptproblem ist der Wind (denn er erschwert den Winterschutz in meiner Lage extrem und macht selbst die Entwicklung von Vasen/Halbstammformen fast unmöglich)! Dann folgt die Feuchtigkeit im Winterhalbjahr (problematisch v.a. bei Temperaturen um den Gefrierpunkt), dann starke Temperaturdifferenzen und erst danach tiefer Frost! So die Erfahrung nun nach dreieinhalb Wintern.

Unter den Einhüllungen entstehen teilweise bei Sonne wieder Temperaturen über 30 Grad! Und das bei Frost nachts, das macht mir Kopfzerbrechen, die enorme Differenz.

21. Januar 2012 Die Versuchung ist groß, die Pflanzen auszupacken, denn bei Sonne entsteht mit zunehmender Tageslänge und Sonnenhöhe Treibhausklima unter den Verpackungen. Eingepackte Oliven Januar 2012Doch Feuchtigkeit um den Gefrierpunkt könnte die Rinde der jungen Stämme und Zweige sprengen. 2009 und 2010 sind gerade so im Januar große Schäden entstanden. Zudem tauchen derzeit gelegentlich mal Wetterprognosen mit rasanten Temperaturabstürzen auf. Also bleiben die Pflanzen eingepackt, mit leichter Bangigkeit bei Sonnenschein. Die "alten" Seggianeses und Leccinos sehen aus wie Mönche in ihren Vlieshüllen!

25. Januar 2012 Prognosen Tiefsttemperaturen für die kommende Nacht: Bruchsal -2, Pistoia -1, Spoleto -3. Prognosen für den 03. Februar nachts: Bruchsal -8, Pistoia -7, Spoleto -8. Der entscheidende Unterschied: Für Bruchsal werden zu Anfang Februar auch tagsüber Temperaturen unter Null prognostiziert, für die beiden italienischen Orte nicht!

Dass vor allem Norditalien durchaus auch Frostereignisse im Olivenanbau zu fürchten hat, zeigt ein Blick in die Geschichte. Die Toskana erlebte 1928/29, 1955/56 und 1984/85 gravierende Schadbilder durch strenge Winter, wobei vor allem der Februar 1956 mit drei Wochen Tiefstfrost von Osten her vernichtend war, nicht nur in der Toskana, sondern etwa für den Olivenanbau in Frankreich. 1984/85 brachte beinahe das Ende des kommerziellen Olivenanbaus in Norditalien. Nur harte Reformen sicherten einen Neuanfang, unter anderem wurde als Schnittform auf breiter Basis die Halbstamm-Vase eingeführt, Hochstammoliven wurden zu nostalgischen Relikten im Landschaftsbild der Toskana, ihre Pflege weitgehend aufgegeben. Wozu die Förderpolitik der EU das ihre beitrug.

30. Januar 2012 Nun doch noch ein echter Frostalarm in diesem Winter mit zweistelligen Werten. Es werden Wetterbedingungen beschrieben wie im fatalen Februar 1956!! Wär ja auch zu schön gewesen .... Es gilt eben die Regel "abwarten bis Mai" - vorher keine Korken knallen lassen.

03. Februar 2012 Vergangene Nacht -12 Grad oben im Olivenhain. In diesen Frosttagen schnellen die Seitenzugriffe auch aus Italien und Frankreich wieder in die Höhe. Angeklickt werden jetzt überdurchschnittlich häufig die Seiten "Technik, Tipps und Tricks" sowie "Krankheiten, Schädlinge, Frostschäden". Dabei kann ich aktuell nur einen Tipp geben: Pflanzt was anderes! Der Aufheizeffekt tagsüber ist geringer als erwartet bei diesen Temperaturen/Abstrahlverhältnissen. Unter den Hüllen um die Mittagszeit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Was insofern gut ist, als der pflanzeneigenen Frostschutz nicht abgebaut wird.

04. Februar 2012 Vormittags 10 Uhr über Schnee -17 Grad. Unter den Hüllen sonnenabgewandt zwischen -13 (teilweise Boden) und -6 Grad. Die Analogien zu 1956 gehen weiter: Es zeichnet sich ein längeres Andauern der Frostperiode ab als zunächst von den Wetterdiensten prognostiziert. 1956 waren es drei Wochen! Erfreulich: Es gibt kaum Wind, jedenfalls nicht genug, die Zusatzeinhüllungen davonzublasen, die ich noch über einige Pflanzen (auch Rosmarin, Kaki und Feige) geworfen habe. Meine frischgepflanzten Maulbeerbäumchen werden sich derzeit auch etwas wundern, wo sie da hingeraten sind ....

Und ich fühle mich nun doch allmählich ganz im falschen Film. Genau genommen ist es allerdings der richtige, denn wenn man die Winter mit Extremfrostereignissen 1928/29, 1955/56 und 1984/85 als Elemente eines langwelligen Rhythmus sieht, passt 2011/12 ausgezeichnet. Allerdings möchte ich mich noch nicht auf 2011/12 festlegen, denn ein paar harte Frosttage hintereinander machen noch keinen Ausnahmewinter, auch wenn uns die Wetterentertainer das schon jetzt gerne so verkaufen möchten. Meinethalben also 2010/11.

06. Februar 2012 Die Wetterberichte verkommen immer mehr zur Show, zum Orakel, zur Eventproduktion. Wetter.com, eine meiner Referenzseiten, textet gerade "Frühling. Einfahrt verboten" und faselt davon, dass kein Frühling in Sicht sei. Dass Anfang Februar kein Frühling in Sicht sei, ist auf dem medialen Niveau von "Deutschland sucht den Superstar" oder von Börsenberichten, die jeden beliebigen Kursanstieg ebenso zur Nachricht verwursteln können wie den komplementären Rückgang. Das Gerede im medialen Dorf. Oder mit Adorno die Vollendung des Verblödungszusammenhanges?
TAGEBUCH 2011:


03. Januar 2011 Das Jahr beginnt in Schnee gehüllt, allerdings hat die Sonne schon einige Zentimeter vom Dezemberschnee weggeschmolzen.

07. Januar 2011 Tauwetter. Beim Auspacken von Testpflanzen muss ich leider entdecken: Einige verlieren ganz kräftig ihre Blätter. Vor allem die schöne Leccio del Corno. Astrisse oder gar Stammrisse sah ich noch keine. Extreme Bodenkälte, auch unter Abdeckungen. Nur erklärbar durch Verdunstungskälte. Der Boden ist nass wie ein Schwamm. Fünf Wochen Dauerfeuchte, auch unter den Tunnels - darauf habe ich keine Antwort. Die höheren Niederschläge im Winterhalbjahr im Zuge der aktuellen Klimaentwicklung bei uns sind ganz offensichtlich Fakt, da decken sich Statistiken, Klimaprognosen und meine eigenen Beobachtungen leider vollständig. Nicht primär der Frost im Winter, vor allem Feuchtigkeit wird den Olivenanbau in unseren Breiten auf absehbare Zeit unmöglich machen! Denn Bäume, die im Winter komplett die Blätter verlieren, weil sie ständig kalte, feuchte "Füße" haben, können sich nicht entwickeln.

08. Januar 2011 Tauwetter - das heißt auch wieder: Stürmische Winde. Heute wehten die ersten. Als ich gegen 16:30 Uhr zum Hain kam, waren die heftigsten schon vorbei, ein Tunnel abgedeckt. Ich konnte aber immer noch 46 kmh Windgeschwindigkeit messen, aus Südsüdwest. Die neuangelegte Nord-Süd-Ausrichtung der Tunnels hat sich bewährt, da die Tunnels nun gegen Süden durch die zwei Zelte und die Hütte etwas geschützt sind. Am Mittwoch werden die nächsten Sturmwinde erwartet.

23. Januar 2011 Stürme vorbei, Frühlingswetter vorbei. Wieder Fröste. Und die zarten neuen Triebe an den Blattachseln erfroren. Es war eine dilettantische Illusion, beim Olivenanbau in Deutschland käme es nur darauf an, die Frostextreme zu kappen. Dazu kommen das schon häufiger erwähnte Problem Feuchtigkeit, insbesondere bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, und zudem das Problem der Fröste nach Zwischenerwärmung. Oder, anders gesagt: Olivenbäume müssen im Winter bei uns nicht nur gegen Frost, sondern auch gegen Wärme geschützt werden, sofern noch eine Frostphase zu erwarten ist - sie sind einfach zu treibfreudig! Im vergangen Winter haben sie nach der zweiten Frostphase mit dem Frühjahrsaustrieb sehr lange auf sich warten lassen - zu Recht frustriert nach dem ersten vergeblichen Unternehmen!

05. März 2011 Wunderschönes Wetter, nachts allerdings wieder Frost seit einigen Tagen. Die vergangenen Wochen waren sehr angenehm, nur gelegentlich Winde, bei denen ich zweimal die Vliese abnehmen und mich um das große Zelt kümmern musste (nachspannen, Heringe neu einstecken, Balken als Gewicht auf die Heringe platzieren). Eine Pflanze, die nur mit Luftpolsterfolie eingepackt war, hat an den Blättern gerade massiv gelitten. Ich vermute mal, die Blätter sind in der Sonne unter der Folie verbrannt, Hitzeschaden. Ich hatte nicht aufgepasst, dass sie ohne schützendes Tunnelvlies dastand. Im kommenden Winter werde ich nur noch Vlies einsetzen, das hat sich - soweit ich das bisher beurteilen kann - sehr bewährt, vor allem, wo es mehrlagig um die Pflanzen gehüllt war. Sicher ist schon jetzt, dass die Pflanzen insgesamt besser durch den Winter gekommen sind als 2008/09 und 2009/10. Mit Auspacken warte ich noch, die beiden Zelte haben wir aber schon abgebaut. Die Zelte werden im kommenden Winter nicht wieder aufgebaut, der Aufwand ist zu groß mit den häufigen Starkwinden.

09. März 2011 Nordgriechenland -15 Grad. Giovanni Presta, ein kluger und noch heute gelesener italienischer Mediziner und Agronom des 18. Jahrhunderts, schreibt in "Degli ulivi, delle ulive e della maniera di cavar l'olio" zu Griechenland den bemerkenswerten Satz "ha l'inverno siccome l'ha la Germania"("hat einen Winter wie ihn Deutschland hat") - und zwar "a motivo dei frequenti ed altissimi nevosi monti e delle vaste e profonde valli".

13. März 2011 Fukushima und die Karlsruher "art" - die gleiche Botschaft: Die Welt läuft aus, und keiner weiß, wohin. Auf der "art" zahlreiche Bilder mit nicht vollständig ausgemaltem Hintergrund, Bilder aus Japan in einem schmerzhaft monadisierenden Duktus.

Fukushima März 2011. Mein persönliches Lehrbild des Jahres stammt von der Agentur Reuters und zeigt ein kleines Kind mit erhobenen Armen, das von einem Arzt mit einem Messgerät abgetastet wird. Da der Abmahnwahn auch schon meine Seite ins Visier genommen hat (nicht veranlasst von Reuters, sondern von AP - man entschuldigte sich allerdings für die Rechnung von einer Anwaltskanzlei über 445 Euro, ein Automatismus sei da aktiv gewesen), verzichte ich vorläufig, bis zum Einzug der Piratenpartei (externer Link) in den Bundestag, auf die Präsentation dieses Bildes als Zeitdokument hier.

02. April 2011. Abräumen des Mulches um die Pflanzen. Bei einigen Pflanzen mache ich einen Probeschnitt und finde erstaunlich viel grünes Cambium. Offensichtlich haben die Pflanzen in der Summe diesen besonders schwierigen Winter (kalt, feucht, stürmisch) besser überstanden als die beiden Winter davor. Ich habe allerdings auch effektiver geschützt.

Unter dem Mulch hatten sich häufig Maulwürfe ein Winterheim eingerichtet. Die nach den vergangenen Frostschäden tief zurückgeschnittenen Pflanzen waren teilweise unter hoch aufgeworfener Erde fast verschwunden. Die Blätter sind unter der Erde abgefallen und die Rinde hat sich stark verfärbt, aber das Cambium ist intakt. Mulchen werde ich künftig stark einschränken.

Optimal erhalten sind die Pflanzen, die doppelt eingepackt waren, mit Luftkammerfolie und Vlies, z.B. ein Seggianese. Im kommenden Winter werde ich weder Zelte noch Tunnels aufbauen. Der Arbeitsaufwand war dank Wind und Schneemassen grotesk und der Nutzen dieser beiden Maßnahmen ist unter den örtlichen Bedingungen fraglich. Feuchtes Tunnelvlies könnte, ähnlich wie feuchter Mulch, als Kühlschrank wirken. Zudem hebeln die starken Winde den Schutzeffekt häufig aus. Und ein zusammenbrechendes Zelt (wie leider im vergangenen Dezember geschehen) ist der schlechteste Winterschutz.

Vorläufige Bilanz: Offensichtlich sind ALLE Pflanzen noch zumindest in der Unterlage vital. Keine Pflanze hat Frostrisse bekommen. Vier der ältesten Pflanzen mit intakter Krone (1x Ascolana, 1x Leccino, 2x Seggianese) sind weitgehend im gleichen Zustand wie vor dem Winter. Allerdings ist es nach meinen bisherigen Erfahrungen weiterhin möglich, dass sie die Blätter als Reaktion auf den Winterstress noch abwerfen - wenngleich die Blätter wesentlich vitaler wirken als nach dem Winter 2009/10. Vor Mitte Mai werde ich keine endgültige Bilanz wagen. Auffallend wie gut manche Grundlagentriebe den Winter überstanden haben! Die Auffassung von der Frostempfindlichkeit der Wildolive bestätigt sich nicht durchgängig

Traurigerweise sind die beiden schönen, 2010 neu gepflanzten Leccio del Corno und Bianchera in der Krone und vermutlich auch im oberen Stammbereich abgestorben. Ebenso der Leccino mit den Propfungen in der Krone. Schuld war unzureichender Schutz. Die beiden Jungen hatte ich nur in Vlies, nicht auch in Thermofolie eingehüllt. Und der Propfungsbaum stand beim Zusammenbruch des Ebay-Zeltes einen Tag offen in Schnee und Eiskälte und war später teilweise nur in Vlies gehüllt.

Erste Schmetterlinge flattern durch den Hain und am Abend einzelne frühe Maikäfer! Unzählige Blüten auf der Wiese.

05. April 2011. Ein Leccino rollte die Blätter ein und verlor einige am Sonntag (3. April). Am Abend hat es geregnet und nun sind die verbliebenen Blätter wieder stabil. Nach der Winterpause ans Gießen denken bei Bäumen, die noch Blätter haben!

07. April 2011. Die erste Eidechse an der Mauer gesichtet, ein junges Exemplar. Auch sonst sind die ersten Eidechsen unterwegs, im Komposthaufen ein prächtiges, intensivgrünes Männchen und durch den Grobmulchhaufen huschen drei Jungtiere. Man sieht: Die Tierchen halten sich nicht an die Vorschriften der Fachleute. Die Trockenmauer besuchen sie zwar gelegentlich auch mal - aber viel wichtiger sind ihnen Komposthaufen und Grobmulch. Dort gibt es zahlreich Insekten und sonstige Nahrung und der dunkle Grobmulch wird auch schön warm in der Sonne. Mauselöcher schätzen sie auch - als Zufluchtsorte.

Am Abend vor glutrotem Sonnenuntergangshimmel etwa 15 Minuten Schwarmflug von Maikäfern, mehrere Hundertschaften kamen aus dem Tal hoch zum Waldrand geflogen. Einzelne Fledermäuse jagen ihnen nach.

Die Pflanzen entwickeln sich rasant, ein extrem blütenreiches Frühjahr ist zu erwarten. Waldveilchen haben nach vereinzeltem Auftreten im vergangenen Jahr nun vom Waldrand her geschlossene Bestände gebildet - dank der Ameisen, die den Samen verbreiten. Der eingebrachte Lein hat sich gut weiter ausgesät, Wiesensalbei, Skabiose und Witwenblume sind zahlreich in Lauerstellung.

Im Kompost massenhaft Rosenkäfer-Engerlinge. Ein rosa gefärbter schlanker Engerling, den ich nicht bestimmen kann.

Rettung der Erinnerung. Mein persönliches zweites Lehrbild des Jahres aus Fukushima zeigt eine junge Frau, die Familienfotos aus den Trümmern nach dem Tsunami bei Fukushima sichtet und stammt von Associated Press. Nach einer Schadenersatzforderung im pauschalen Auftrag von dapd in Höhe von 445 Euro habe ich das Foto (das im Begleittext mit Quellenangabe versehen war und in einer Dateigröße, die eine kommerzielle Nutzung ausschloss) gelöscht. Allerdings hat mir dapd umgehend auf meine Mitteilung hierzu versichert, dass private Websites ohne Werbung und ohne Links zu kommerziellen Plattformen von der weiteren Verfolgung der Ersatzforderungen ausgenommen seien. Da ich das gewählte Verfahren nicht gut heißen kann, verzichte ich dennoch auf eine Wiedereinstellung des Bildes und verweise gerne auf die Anliegen der Piratenpartei (externer Link) und deren Bemühen, Abmahnkanzleien, die sich auf Privatpersonen stürzen (externer Link), künftig arbeitslos zu machen.

17. April 2011. 
Schön: Bereits 25 blühende Blütenpflanzenarten auf der Olivenwiese. An der Feige zahlreiche Fruchtknollen, es könnte wieder eine kleine Ernte geben, nachdem im vergangenen Jahr keine Frucht zur Reife kam. Weniger schön: Der anhaltende kalte trockene Ostwind der letzten Tage mit Temperaturen nachts gelegentlich unter dem Gefrierpunkt hat teilweise Knospen und Triebe der voraufgegangenen sonnig-warmen Wochen an den Oliven ausgetrocknet/erfroren - Ausnahme: Ascolana und einige Triebe aus den Grundlagen!

Erster Schwalbenschwanz in diesem Jahr!

20. April 2011. Wieder zeigt sich leider die "postinvernale Tristess", bei zweien der vier Olivenbäume, die alle drei Winter bisher ganz gut überstanden haben. D.h., einzelne Zweige und Äste, die vital schienen und mit gesunden Blättern bestückt waren, sterben nun innerhalb von Tagen ab. Eventuell ist dies ein Vertrocknen nach Vorschädigung im Winter - verschärft durch die anhaltende sonnige Trockenperiode.

28. April 2011. Fast bei allen Oliven erstaunlicherweise Neutriebe, junge Blättchen - von den Vertrockneten vom 17. April müssten sich also einige wieder erholt haben. Ich mache mich jetzt schon an den Schnitt - zumal das Wetter stabil bleiben dürfte, keine Eisheiligen mehr, wie ich hoffe. Beim Schneiden wird deutlich, dass in den vergangenen drei Wochen noch einiges an Blättern und Zweigen abgestorben ist, was den Winter scheinbar gut überstanden hatte!

Am kräftigsten entwickelt sich, horribile dictu, der Neuaustrieb von vergangenem Jahr an einer No-Name-Olive von Ikea! Sie hat bereits komplett ausgewachsene diesjährige neue Blätter entwickelt und vitale Triebspitzen! Sehr schön entwickelt sich auch der Neutrieb am Propfungs-Leccino, der so sehr unter dem Zeltzusammenbruch gelitten hat - daraus könnte ein neuer Stamm werden.

Fast alle Pflanzen sind noch im Veredelungsbereich vital. Holder und Diotima scheinen es auch nochmals als Leccini zu packen, obgleich sie überdurchschnittlich (bezogen auf Leccinos) gelitten haben.

Links (Westen) auf dem großen Foto Seggianese, rechts Leccino, beide 2008 gepflanzt. Nach drei harten Wintern keine repräsentativen Bäume, aber vital - zwei der vitalsten "Überlebenden" aus dem ersten Jahr. Auffallend das Wachstum weg von der Wetter-/Windseite (links). Was nicht am Wachstum alleine liegt, sondern auch daran, dass die Winterschäden an den Westästen stets stärker waren! Ein interessantes Phänomen - Austrocknen durch den Wind? Windchill-Factor? Was da blüht sind v.a. Lein (hellblau), Wundklee (gelb) und Wiesensalbei (dunkelblau).

30. April 2011. Das Realitätsprinzip meldet sich mächtig. Sensen ist zwar wunderbar, gesund, lautlos, umweltfreundlich. Was ich nicht bedacht habe: Die Maulwurfhügel allüberall und sonstige Wühler und Werkler (Mäuse, Ameisen, Füchse ....), die das Gelände allmählich in ein Modelleisenbahn-Mittelgebirge verwandeln. Mit der Sense mähen wird da zum Kampfsport. Und für mein Edelblatt zur Beleidigung.

Beim Wermut hatte ich einen wunderschönen Liegeplatz, um in einer Wolke von Duft in den Himmel zu schauen - durch die dürren Blütenstände des vergangenen Jahres mit den sternförmigen, getrockneten Blüten. Just wo ich bisher den Kopf platzierte, hat sich nun eine Kolonie von Sklavenameisen eingerichtet. Die auch die Kamera sofort untersuchten. Und die ich natürlich nicht vertreiben darf. Da sie sich abends früh diskret in ihren unterirdischen Bau zurückziehen, werden wir eine friedliche Koexistenz pflegen können.

Bestand an Blütenpflanzen aktuell über vierzig! Ein Freund nennt das kritisch "botanischen Garten". Was insofern stimmt, als einiges eingesät ist, etwa Lein und Wundklee - aber inzwischen stabilisiert und sich standortselektiv ausbreitend. Die Bodenverhältnisse im Gelände sind stark different, mit drei unterschiedlichen Bewirtschaftungsgeschichten und unterschiedlichen Abtragungs- bzw. Anschwemmungsbedingungen. Hinzu kommen nun Veränderungen durch die Bodenbearbeitung um die Oliven herum (Mulchen, regelmäßiges Umgraben). Das tendiert ohnedies schon zu "botanischem Garten". Käfer- und Ameisenbestand steigen exponentiell an, mit deutlich breiterem Artenspektrum als im vergangenen Jahr. Kräuselkrankheit an Pfirsichen ist leider auch stärker als im vergangenen Jahr, allerdings scheint es noch ausreichend gesunde Blätter zu geben.

07. Mai 2011. Seit einigen Tagen die ersten Heuschrecken, noch sehr zerbrechlich, durchschimmernd, lindgrün. Mähen - wieder mit der Sense, ich kann mich nicht zum Motormäher "bekehren". Neben der Sense dabei ist eine Hacke, um die gröbsten Unebenheiten (Maulwurfhügel etc.) vor dem Mähen auszugleichen. Geht auch ganz gut, macht Spaß, ist Ausgleichssport - kostet aber viel Zeit. Nebenbei vertiefe ich meine Pflanzenkenntnisse und knabbere an abgemähten Fenchel- oder Wiesensalbeistengeln, erstklassige Durstlöscher bei der sengenden Hitze. Auch eine Form von "Learning by doing" im Pflanzenwahrnehmen - die beim Motormähen nicht stattfinden könnte. Mit der Sense mähen verhält sich zu Motormähen wie Wandern zu Motorradfahren.

10. Mai 2011. Im Newsletter zum ökologischen Weinbau, den ich aus Rheinland-Pfalz beziehe, ist heute zu lesen:

"In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai sind die Temperaturen gebietsweise deutlich unter den Gefrierpunkt gefallen und es gab vor allem in der Pfalz, Rheinhessen und der Nahe lagenweise erhebliche Spätfrostschäden. Vergleichbare Schäden gab es zuletzt 1945 und 1953."

Ähnliches gilt auch für Württemberg, Baden blieb verschont. Den neu austreibenden Oliven ist nichts passiert, obgleich ich an meinem Auto vor dem Haus im Tal am Morgen Eis von den Scheiben kratzen musste!


DER PREIS DER WELT

die welt
läuft aus, die bodenpreise
steigen
und wer noch große kinder will
muß kräftig gießen.
auch wenn die letzte zucht
zu wasserköpfen neigte
die zeichen stehen gut
die neuen mittel helfen
auch wenn die brut stattdessen nun
zum schießen neigt, die schönheit steigt
und auch der IQ läßt, soweit wir sehn
nicht grund zur sorge. nur dies:
die welt läuft aus
und keiner weiß wohin.

(1989)



14. Mai 2011. Nun leiden vereinzelt auch Oliven an der langen Trockenheit; die wachstumsaktive Ikea-Olive lässt Triebspitzen hängen, die richten sich nach Wassergabe allerdings schnell wieder auf.

Zeit für die Winterbilanz. Auch in diesem Jahr hat sich wieder gezeigt, dass vor Mitte Mai eine Abschlussbilanz keinen Sinn macht. Noch Ende April ist mir an einer ohnedies stark zurückgefrorenen Pflanze ein vitaler Zweig abgestorben, die Blätter braun).

Insgesamt bestätigt sich meine Einschätzung vom 2. April, allerdings mit weiteren Blatt- und Zweigverlusten von bis zu 50% (Einzelfall), bezogen auf den Zustand am 2. April. Ganz erstaunlich ist die hervorragende Triebentwicklung einzelner Pflanzen, insbesondere einer namenlosen Ikea-Olive (war dick in Vlies eingepackt), eines in der Krone komplett erfrorenen Leccino von 2008 (Austrieb am unteren Stammdrittel war vor einem desaströsen Zeltzusammenbruch separat mit Vlies umhüllt) und einer Ascolana (kompakte Wuchsform, zypressenartig, war gut einzuhüllen). Erfreulich auch, dass einer der Maurinos von 2008 einen vitalen neuen Stammaufbau verspricht! Den Traum von knorrigen Olivenbäumen in Deutschland mit weit ausladender Krone lege ich allerdings vorläufig ad acta.

Dieser Winter hat einige Stämme zerstört, die nach dem Winter 2009/10 mit Restvitalität überlebt hatten und neu - wenngleich i.A. eher schwach - ausgetrieben hatten im vergangenen Sommer. Die vier Neupflanzungen vom Frühjahr 2010 (Bianchera und Leccio del Corno) sind in der Krone zerstört, drei treiben allerdings oberhalb der Veredelung neu aus, Bianchera besonders wacker! Von den fünf Pflanzen, die Anfang 2010 noch eine Krone hatten, blieben vier erhalten. Die fünfte wurde Opfer eines Zeltzusammenbruchs unter Schneelast.

Mulchen alleine ist in feuchten Wintern eher tötlich, da Verdunstungskälte entsteht. Zelte und Vliestunnels sind vom Verhältnis Arbeitsaufwand-Nutzen her sinnlos, die Einzeleinpackung - ohne Heizung - ist bei jungen Pflanzen die optimale Maßnahme. Die erstaunlichste und wichtigste Erfahrung dieses Winters ist zweifellos, dass die Pflanzen recht gut damit zurechtkommen, vier Monate komplett eingepackt zu sein! Ich hatte mir da nach allen Berichten kompletten Blattabwurf erwartet. Wie ältere, entwickelte Kronen in windigen Lagen im Winter geschützt werden können, ist mir vorläufig noch ein Rätsel.

An einem Leccino (den ich zu Demonstrationszwecken nicht geschnitten habe) lässt sich sehr klar studieren, wie die Vitalität der Pflanze von Winter zu Winter abnahm. Nach dem Winter 2008/09 trieb die im Sommer 2008 nach Pflanzung gut entwickelte Pflanze (1) aus dem Stamm und teilweise auch aus Ästen wieder neu aus (2). Nach dem Winter 2009/10 war sie oben abgestorben und lebte nur noch aus dem unteren Stammbereich knapp oberhalb der Veredelung (3). Und nun, nach dem erneut harten Winter 2010/11, kommen lediglich bislang kaum sichtbare Austriebe aus der Unterlage (4) (Nachtrag 21. August: Es handelt sich offensichtlich um einen wurzelechten Leccino, die Austriebe haben sich erstaunlich gut entwickelt, vergleichbar mit 2010). Vergrößerung durch Klick auf das Bild.

Zurück zum noch Ende April vertrockneten Zweig: Nach meiner Einschätzung war das Cambium im tragenden Aststück vom Winter geschädigt, aber die Versorgung hat noch notdürftig ausgereicht - bis das Verhältnis Verdunstung zu Nachschub sich durch Erwärmung und Sonnenstrahlung negativ verschoben hat und/oder das Cambium vollends kollabiert ist.

Daher die Bitte: Schicken Sie mir keine Fotos vom Februar, die zeigen, wie wunderbar Ihr Olivenbaum den Winter überlebt habe. Maifotos gerne. Auch wenn ich schon erleben musste, dass im Mai neugepflanzte Oliven als Altbestand ausgegeben wurden, die angeblich den Winter im Freien überstanden haben. Mit einem leichten Zug am Stamm ist das einfach zu überprüfen. Vertrauen ist gut, Kontrolle erspart eigene Enttäuschungen bei Pflanzabenteuern.

24. Mai 2011. Wenn das Wetter sich weiter so entwickelt, wird zumindest in diesem Sommerhalbjahr niemand mehr über das Projekt Olivenanbau in Süddeutschland schmunzeln. Sonne, Sonne, Sonne - und kein Regen!

"Das Umweltministerium Baden-Württemberg ist davon überzeugt, dass Südwest-Deutschland aufgrund seiner westzyklonalen Wetterlagen besonders von extremen Wetterlagen – und als Folge von Schadensfällen – betroffen sein wird." - BUND zur Klimaentwicklung in BaWü.

03. Juni 2011. Wachstumsruhe bei den meisten Oliven - zumindest oberirdisch im Bereich der Blätter und der Neutriebe. Ich vermute mal, jetzt sind die Wurzeln dran oder das Holz. Wie wenig wir doch von den elementaren Naturprozessen wissen. Bäume sollten ja nicht gerade dann geschnitten werden, wenn sie die Assimilationsfläche zur Entwicklung ihrer Wurzeln benötigen! Doch wer weiß schon, wann das bei welchen Bäumen der Fall ist? Oder benötigen sie die Blätter gar nicht - Wurzelwachstum findet ja auch im Winterhalbjahr statt! Mir fehlt da Erfahrungswissen, das uns rasant verloren geht.

Meine anderen Exoten entwickeln sich mit unterschiedlichem Erfolg - allerdings alle besser als die Oliven. Assimina triloba oder Indianerbanane habe ich 2008 gepflanzt, sie hatte einen guten Blütenansatz auch in diesem Jahr aber noch immer keine Fruchtentwicklung. Der chinesischer Gemüsebaum oder Chop Suey Baum wächst nett, aber von einem Baum, selbst einem Bäumchen ist er noch weit entfernt, zumal im vergangenen Winter 10 Zentimeter Triebspitze erfroren sind. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet mir Schisandra chinensis oder Wu Wei Zi. Nach zweimaligem Standortwechsel und Bodenaustausch wächst sie nun zwar lebhafter, aber noch immer sterben dann Blätter und ganze Ranken plötzlich ab. Schön entwickelt sich Ziziphus jujuba oder Chinadattel. Aber auch in diesem Jahr ist noch keine Fruchtentwicklung zu erkennen, obgleich der 2008 gepflanzte Baum als selbstfruchtbar angegeben war.

11. Juni 2011. Weinbergschnecken und Junikäfer feiern Pfingstpartys - trotz kühler Temperaturen am Abend. Erdbeersaison leider fast schon wieder vorbei, stattdessen findet nun fleißige Ablegerproduktion statt auf meinem kleinen Erdbeerfeld.

Rehe haben an Erdbeeren Blätter, an Felsenbirne und Haferschlehe Triebspitzen abgefressen und fast alle Früchte der beiden Felsenbirnen. Zwei Schermausopfer in diesem Jahr bisher: ein junger Weinstock und ein riesiger Fenchel. Nachdem die im Winterhalbjahr 2008/09 einer Feige die Wurzeln abgefressen hatten, war 2009 und 2010 Ruhe gewesen.

Kein gutes Schmetterlingsjahr (externer Link) bislang, der Winter war wohl zu hart und zu lange.

27. Juni 2011. Weiterhin Wachstumsruhe bei den Oliven. Auch sonst scheint dies eher ein Frucht-, denn ein Wachstumsjahr zu sein, auf der Wiese bemerkbar und bei anderen Pflanzen wie Brombeeren, Weinbergpfirsiche oder Feige. Was ist Schuld daran? Der strenge Winter? Das lange Trockenheitssignal im Frühjahr? Nach dem Wachstumsschub im Mai ist jedenfalls trotz des Wachstumswetters der vergangenen Wochen wenig passiert bei den meisten Pflanzen oberirdisch. Nur Rosmarin bildet fleißig Triebspitzen, auch der chinesische Gewürzbaum freut sich kräftig nach oben. Kiwi ganz erbärmlich, Schisandra nicht viel besser.

01. Juli 2011. Phantastische Blütenentwicklung auf der Wiese in den vergangenen Tagen, insbesondere von Origanum vulgare und  bei den Flockenblumen (Centaurea jacea und scabiosa). Und freudiges Schmetterlingstreiben nun, vor allem bei den üppigen Origanum-Beständen. Plötzlich sind sie da, die Schmetterlinge, allerdings weniger variantenreich als im vergangenen Jahr. Heute auch ein Schwalbenschwanz, der Eier an Wilder Möhre ablegt und sich dazwischen an Dost erholt. Am Thymian Bläulinge.

Und über den Weinbergen am Himmel drei Bussarde endlich wieder! Lange war es leer dort oben in diesem Jahr, gelegentlich Turmfalken oder von der Rheinebene hochziehende Milane, mal ein Bussard auf Durchzug. Nachdem 2010 bis zu drei Bussardpaaren hier bei Obergrombach kreisten. Ich hatte schon befürchtet, die Bussardvergiftungen bei Rastatt und Wiesloch im Frühjahr hätten auch unsere Bestände betroffen. Von fachkundiger Seite wurde mir gesagt, dass dies kaum der Fall sein könne, die achzigfachen Bussardvergifter hätten wohl Wintergäste aus anderen Regionen getötet.

Im Weinberg Spuren von Feinschmeckern: Weinblätter werden seit einigen Tagen regelmäßig abgeweidet von Rehen. Im Unterschied zu vielen Menschen können Rehe offensichtlich genau zwischen biologischem und konventionellem Anbau unterscheiden: Unser Weinberg ist das einzige Weideopfer weit und breit.

08. August 2011. Nach drei Wochen Abwesenheit finde ich die Oliven fast ohne Zuwachs vor. Arbeiten sie an ihren Wurzeln oder ist ihnen nun der Sommer zu kühl? Am Feigenbaum ist eine einsame Frucht ausgereift, die anderen Feigen sind kaum weiterentwickelt. Ziziphus blieb wieder gänzlich ohne Früchte, trotz reicher Blüte und Befruchtungspartner. Schizandra und chinesischer Gemüsebaum haben sich gut entwickelt. Kiwi kümmert, Paw Paw stagniert. Die Weinbergpfirschbäume hängen voller Früchte, aber nur eine Frucht ist schon gereift - in Notreife, da von Insekten befallen. Versuche mich an induzierter Notreife, erreiche aber nur starke Fäulnis.

14. August 2011. Auch wenn sie gerupft dastehen nach den drei harten Winter, ein bisschen Optimismus strahlen sie doch aus, meine "Überlebenden" der ersten Pflanzung von 2008, links ein Seggianese von Becker, rechts ein Leccino von Flora Toskana. Wenn ich mit dem Foto von Ende April vergleiche (siehe oben) zeigt sich doch, dass sie ein bisschen gewachsen sind, auch wenn eine deutliche Abnahme verglichen mit dem Wachstum nach den Wintern 2008/09 und 2009/10 zu sehen ist - obgleich sie doch besser dastanden im Frühjahr, mehr Laub noch hatten als nach den Wintern zuvor. In der Mitte der mächtige Wermutbusch, der mit seiner wilden "Frisur" eine Stimmung von "Sturm und Drang" schafft, Beethoven trägt auf manchen Abbildungen eine ähnliche Haarpracht. Der herbe Wermut-Duft dominiert derzeit das Gelände, ergänzt durch die schwere Süße von verrottendem Fenchel.

Die Pfirsiche reifen zügig und reichlich, bis zur Ernte im nächsten Jahr muss ich mir einen Dörrapparat anschaffen, um die Menge zu bewältigen. Die ersten Kaki kann ich auch schon verzehren, auch wohl eher Fälle von Notreife, "vorgesehen" ist als Reifetermin Ende Oktober/November, sie schmecken vorzüglich. Und mit den Blättern des chinesischen Gemüsebaums habe ich mir schon einige schmackhafte Suppen gekocht. Das entschädigt etwas für den Frust bei den Oliven. Der könnte weitergehen: Auch für den Winter 2011/12 sehen die Prognosen eher "zu kalt" voraus. Das nervt! Ob die "Überlebenden" das verkraften, nochmal einen Kälteschock, den vierten in Folge!? Jetzt hoffe ich erst einmal auf einen gnädigen Restsommer und einen milden Herbst.

16. August 2011. Das schwache Wachstum der Oliven veranlasst mich, mal wieder Temperaturmessungen durchzuführen. Mich interessiert dabei besonders, ob die Mulden eher Kältekammern oder Wärmefallen sind und ob es Unterschiede gibt zwischen Pflanzen, die in tiefen Mulden sitzen, und solchen in flachen. Auffallend ist schon, dass die extrem schwachwüchsigen Wurzelaustriebe allesamt bei Pflanzen zu beobachten sind, die sehr tief sitzen. Auffallend auch, dass die Mulden teilweise extrem feucht sind. Es gibt allerdings einzelne eher trockene Mulden mit außergewöhnlich hohen Temperaturen - augenscheinlich Mulden mit stark durchlässigem Untergrund. Insgesamt lag das Temperaturspektrum in den Mulden zur Mittagszeit zwischen 20 und 31 Grad! Ich habe nun einzelne Mulden nach Süden/Hangunten geöffnet und erwarte mir davon mehr Sonneneinfall, weniger Feuchtigkeitssättigung bei Regen und rascheres Abtrocknen. Und in Folge besseres Wachstum.

Die Temperaturmessungen in den folgenden Tagen ergeben jedoch kein klares Bild, ich kann nicht begründet angeben, ob eine Pflanzposition in voller Mulde, in nach Süden offener Mulde, flach oder gar erhöht für das Wachstum und die Frostresistenz besser seien. Gemälde van Goghs von französischen Olivenhainen zeigen allerdings eher erhöhte Pflanzpositionen - um Feuchtestaus zu vermeiden? Um stärkere Sonnenerwärmung zu erreichen qua größerer der Sonne ausgesetzter Bodenfläche? Oder ist die Struktur eher zufällig durch Bodenabschwemmung entstanden? Ich weiß es schlichtweg nicht. Ich weiß nur sicher, dass geschlossene Mulden Feuchtigkeit "fangen". Theoretisch könnten sich dort auch im Winter "Kältenester" bilden und halten - selbst bei Einhüllung bilden und besonders bei Einhüllung halten. Sicher ist auch, dass nach Süden offene Mulden im Schnitt bei starker Sonneneinstrahlung etwas wärmer sind als geschlossene Mulden oder eine ganz flache Setzposition. Bei erhöhter Position könnte der Temperaturgewinn nach Süden negativ ausgeglichen werden durch Temperaturverlust gegen Norden. Ich werde wohl nach Frankreich reisen müssen, zu den Hainen van Goghs in Saint Rémy, um den Sinn dieser Gepflogenheit zu erfahren ...

Auffallend gut zugelegt hat die namenlose Ikea-Olive, sie fällt auch auf mit durchgängig hohen Bodentemperaturen an ihrer Baumscheibe bei der Messung heute mittag (um 30 Grad herum). An ihr lässt sich gut studieren, wie Neuaustriebe von der Stammbasis bei geschädigte Stämmen erheblich vitaler sind als die Austriebe oben am Stamm. Der Austrieb von unten rechts hat die "Krone" von vergangenem Jahr weit überholt. Das deckt sich mit der Empfehlung in der Fachliteratur, für den Erwerbsanbau frostgeschädigte Oliven radikal bis knapp über dem Boden (natürlich über der Veredelungsstelle, so vorhanden und noch vital) zu kappen. Vermutlich sollte ich das bei meinen beiden verbliebenen "großen" Seggianese machen, deren Stämme und Äste sehen teilweise erbärmlich aus und das Wachstum ist höchst bescheiden - doch das bringe ich nicht übers Herz. Und ein Neuaustrieb ist bei aller Vitalität in einem kommenden frostigen Winter (den ich befürchte) stark gefährdet.

20. August 2011. Heute extrem heißer Tag. Bei Messungen um 13:00 Uhr ergibt sich bei den Bodentemperaturen ein Feld von 23 Grad (absonnig, bewachsen, feucht) bis 54 Grad (zur Sonne geneigt, offen, trocken) - also 31 Grad Differenz! Im Winter waren die Werte nicht ganz so weit gespreizt, aber doch auch weit genug, um die Frage zu stellen, welchen Sinn angesichts dieses Spektrums Maßnahmen machen, mit denen sich Tiefsttemperaturen um plus 3-6 Grad verschieben lassen. Eine Antwort könnte sein, dass die Lufttemperaturen innerhalb des Wuchsbereichs der Oliven nicht diese Differenzen aufweisen - bzw. nur auf einer zeitlichen Schiene, was die Schutzmaßnahmen wie Einhüllen in ihrem Einflussbereich verhindern oder abmildern können.

Es kommen neue Triebspitzen, das sonnig-warme bis heiße Wetter zeigt Wirkung. Wäre schön, wenn nun doch noch ein zweiter Wachstumsschub käme. In der Hoffnung, dass es sich um stabiles Gewebe handelt, das nicht gleich dem ersten Frost zum Opfer fällt.

Interessante Beobachtungen zur Wachstumsrichtung einzelner Pflanzen: Oliven meiden Westen/Winddruck. Desgleichen Walnuss. Ziziphus wächst vorwiegend nach Norden und Osten. Kaki nach Norden und Westen. Paw Paw bevorzugt Norden.

23. August 2011. Nach den neuesten Meldungen von der Klimafront ("Winter bleiben streng") befasse ich mich mit Überlegungen zu einer Kurskorrektur für meinen "Olivenhain". Kein Aufgeben, nein. Aber eine klare Reduktion, mit nur noch 16 Olivenbäumen als Zielvorgabe, um den Arbeitsaufwand im Winter bewältigen zu können. Im Austausch bieten sich Maulbeerbäume, Feigen, Paw Paw und Granatäpfel an. Da Granatäpfel nicht wintergrün sind, könnten sie mit Vliestunnels bei weniger Aufwand besser zurecht kommen als Oliven, für die Vliestunnels (gemessen am Arbeitsaufwand und begründet vor allem durch meine windige Geländelage) unsinnig sind, wie ich leider lernen musste. Einen Versuch ist mir das wert. Ferner werde ich weitere Beerensträucher anpflanzen.

Um meine jetzt schon beachtlichen Fruchtmengen sinnvoll zu nutzen, wollte ich einen Dörrapparat anschaffen. Das ist eine weit kompliziertere Angelegenheit als ich dachte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier einfach nicht, auch nicht die Materialqualität. Geräte um die 400 Euro sind aus teilweise recyceltem Plastik mit undeklarierter Zusammensetzung hergestellt, dünsten gar unangenehme Gerüche aus. Die Temperaturregelungen funktionieren höchst ungenau, der Energieverbrauch ist wenig optimiert. Sehr ärgerlich. Und dabei feiert das deutsche Slow Food Magazin bereits die Rückkehr des Dörrens als Konservierungsmethode. Da muss die Geräteindustrie noch einige Hausaufgaben erledigen.

Mit zugekauften Gitterrösten habe ich meinen Heissluftherd zum Dörrapparat umfunktioniert. Kleine Tricks ermöglichen es, mit vollem Einschubkomfort sieben Etagen unterzubringen, das sind immerhin 985 qcm Dörrfläche! Platzhirsch Excalibur (recyceltes Plastikmaterial im Gehäuse) schafft 1.296 qcm bei 9 Einschüben. Die Klapptür bleibt einen Spalt oben offen, das bringt ein besseres Ergebnis. Über ein Backofenthermometer kann ich die Temperatureinstellung optimieren.

Bin schon gespannt auf meine ersten Dörroliven! Da die deutsche Ernte weniger Öl enthält und mehr Wasser, könnte das interessant werden. Ich erinnere mich an hervorragende Dörroliven auf der Peloponnes - spontan entstanden durch Herumliegen unter den Bäumen auf felsigem Grund während eines Winterhalbjahres. Ob das wohl auch mit einem Einsatz unter einem halben Jahr Dörren hinzubekommen ist?

25. August 2011. Der Umbau der Mulden bei den Olivenbäumen ist abgeschlossen: Durchmesser für alle mindestens 80 Zentimeter, Öffnung der Mulden nach Süden für alle Pflanzen mit Setzpfahl, Abflachen der Muldenränder bei den anderen.

Die zweite Generation Schwalbenschwanz ist unterwegs. Und die Kalkastern (Bergastern) blühen.

28. August 2011. Das bizarre Wetter mit Hochsommer im Mai und in der zweiten Augusthälfte mit langer Kühle dazwischen hat bei den Oliven zu einem zweiten Wachstumsschub mit bis zu 15 Zentimeter Zuwachs innerhalb einer Woche geführt. Insbesondere die beiden verbliebenen Seggianese-Bäumchen haben profitiert und wirken nun wesentlich vitaler. Auf der Wiese blühen manche Pflanzen nun schon zum dritten Mal. Der Faulbeerbaum legt eine zweite Blüte hin, beim Fenchel stehen teilweise ausgereifte Samen neben jungen Blütendolden.

Der Muldenumbau bei den Oliven hat sich schon bewährt. Bei den Niederschlägen der vergangenen Tage erwiesen sich die geschlossenen Mulden als echte Nässefallen, obgleich ich den Durchmesser erweitert und den Rand abgeflacht habe. Bei unserem eher festen, teilweise lehmigen Boden sind geschlossene Mulden vermutlich nicht sinnvoll, sie bleiben in Niederschlagsperioden zu nass (mit zusätzlichem Kühleffekt). Die nach Süden hangabwärts offenen Mulden scheinen jedoch sowohl zur Feuchtigkeits-, als auch zur Wärmeregulation sehr nützlich zu sein. Allzu rasches Abfließen von Wasser wird durch die waagrechte Gestaltung der Baumscheibe verhindert und zugleich wird durch den erhöhten nördlichen Muldenrand der Wärmeeffekt der Hanglage genutzt.

Bei der Neuanlage der Mulden ist mir aufgefallen, wie intensiv der Bereich um die Bäume von Mäusen durchgraben war. Es ist anzunehmen, dass einzelne Pflanzen nicht nur am Frost, sondern auch an den Mäusen gelitten haben. Durch freigelegte Wurzeln insbesondere. Wurzelfraß konnte ich bei den entnommenen Exemplaren ohne oder mit sehr geringer Vitalität nicht erkennen.

An meiner hohen Mäusepopulation sind verschiedene Faktoren beteiligt:

Wiesenbereiche mit hohem Bewuchs.
Mulchen.
Vliestunnels im Winter (Überwinterungshabitat).
Pflügedruck von Westen (Ackerbau).
Greifvögel in diesem Jahr extrem selten bei uns.

Ich habe daher drei Bussardsitzstangen aufgestellt und hoffe auf baldige Wirkung. Auch werde ich mein Mahdregime ändern und die Wiese bei den Oliven durchgängig zweimal im Jahr schneiden. Auf Mulchen werde ich bei älteren Oliven verzichten, dies nur noch bei Neupflanzungen einsetzen. Eine hilfreiche Maßnahme war sicherlich schon die Ausweitung der Baumscheiben.

Drei-Jahres-Bilanz: Gepflanzt habe ich in den drei Jahren 2008, 2009 und 2010 insgesamt 39 Bäume von 9 Sorten und 2 fraglichen Herkünften (Ikea, Gartenmarkt).

Davon haben jedoch nur 4 als Bäume (Stamm und Krone) überlebt (2 Seggianese, 1 Leccino, 1 Ascolana), der Rest im Spektrum von "Austrieb nur aus der Wildoliven-Unterlage" bis "Neuaustrieb an Stammrest". Totalverluste gab es  lediglich 7. Allerdings sind/waren weitere 9 Exemplare (5 Leccino, 1 Maurino, 1 Aglandaou, 1 Pendolino, 1 Leccio) sehr schwach im Neuaustrieb und weitere 5 Exemplare (3 Leccino, 2 Gartenmarkt) existieren nur noch als Wildolive. Somit ist von einem faktischen Verlust von 21 auszugehen. Bei einigen Sorten (Aglandaou, Pendolino und Koroneiki) ist nicht eindeutig, ob der Neuaustrieb die jeweilige Sorte ist (wurzelecht, unveredelt) oder eine Unterlage anderer Sorte (unklare Blattcharakteristiken, aber keinesfalls Wildolive). Bei einem Maurino gibt es guten Neuaustrieb von Wildolive, aber teilweise hat dieser Neuaustrieb Blätter mit deutlicher Maurino-Charakteristik! Hier scheint ein Gentausch zwischen Unterlage und Zuchtsorte stattgefunden zu haben, ein Phänomen, das aus der Züchtungsforschung bekannt ist. Da wird die Weiterentwicklung spannend. Bei Leccino habe ich offensichtlich veredelte Exemplare von Baumschule FT, unveredelte von Baumschule B. Bemerkenswert sind auch die hohen Totalverluste bei Olivastra Seggianese, obgleich 2 Seggianese gut als Bäume überlebt haben. Ich führe diese Verluste auf schlechtes Pflanzenmaterial zurück (bei Kauf extremer Längenwuchs, dünner "Stamm", schwach verwurzelt). Auch die Seggianese scheinen unveredelt. Im Vergleich der veredelten Leccino mit den unveredelten zeigt sich zwar, dass die veredelten insgesamt vitaler sind - doch was nützt mir die Vitalität einer Wildolive, wie bei vier der sechs Exemplare (eines davon mit spärlichem zusätzlichem Leccino-Austrieb)? Als Propfgrundlage? Bezogen auf das Überleben als Leccino stehen die unveredelten Exemplare insgesamt erwartungsgemäß besser da.

04. September 2011. Gestern Weinernte. Ein sehr gutes Jahr, etwa 200 Kilogramm Biotrauben in bester Qualität von unserem 60 Jahre alten Auxerrois-Weinberg. Mit unserer Garagenwinzer-Presse ergibt das allerdings nur etwa 110 Liter Saft als Ausbeute. Damit erreichen wir die Qualität des Ausgangsproduktes von Champagner-Cuvée.

Die Kaki-Frucht ist eine wirklich positive Überraschung. Von einem abgebrochenen Zweig musste ich vier grüne und harte Früchte ernten. Nach wenigen Tagen zusammen mit einem reifen Apfel in einer Box sind sie genußfähig! Sind zwar teilweise matschig, aber das macht nichts aus, es gibt keinerlei Fäulnis- oder Gärungsgeschmack! Eine Frucht, die Aufmerksamkeit verdient! Allerdings dürfte sie Vielen zu süß sein. Schmeckt fast so, als würde man einen Löffel Fruchtzucker pur in den Mund nehmen. Und ganz wohl scheint sich die Pflanze in unserem Klima nicht zu fühlen, das brüchige Holz könnte zu einem Problem werden.

An den frischen Oliventriebspitzen haben wieder einmal üppig Rehe geknabbert. Und, wie sollte es anders sein bei dieser wählerischen Spezies, vor allem bei dem schön erholten Einzelexemplar Leccio del Corno.

10./11. September 2011. Pflanzung von zwei weiteren Kaki (Tipo, Rojo Brillante), einem Tellerpfirsich und einem weißen Maulbeerbaum (zwei schwarze folgen demnächst). Auf dem Gelände blühen derzeit zugleich Ackerglockenblume, Berufkraut, Braunelle, Breitwegerich, Brennessel, Dost, Ehrenpreis, Esparsette, Feldklee, Fenchel, Flockenblume, Gänseblümchen, Goldrute (virgaurea), Habichtskraut, Hornklee, Johanniskraut, Kalkaster, Karthäusernelke, Königskerze, Kreuzkraut, Labkraut, Leimkraut, Lein (perenne), Löwenzahn, Luzerne, Margerite, Moschusmalve, Odermenning, Pippau, Pulverbaum (Faulbaum), Rosmarin, Rossmalve, Rotklee, Schafgarbe, Skabiose, Spitzwegerich, Steinklee, Taubnessel, Thymian, Wegwarte, Weißer Gänsefuß, Weißklee, Wiesensalbei, Wilde Möhre, Wirbeldost, Ysop, Zaunwicke, Ziest.

Bei einer Recherche nach dem Überleben des berühmten "Mainzer Olivenbaum" in den vergangenen Wintern musste ich erfahren, dass es diesen Baum nicht mehr gibt. Gefunden habe ich bei dieser Gelegenheit aber mal wieder die Fehlinformation zur "Nagelprobe" bei Olivenbäumen, die sich unerschütterlich hält. Sie wird aktuell weiter verbreitet auf der Homepage des SWR. Zum Bild aus einer "Grünzeug"-Sendung vom 12. Juli 2011 wird angesichts eines erkennbar ruinierten Cambiums erklärt: "Da ist noch Leben im Baum", da über dem verbräunten Cambium noch Grün zu finden sei. Eben das Grün, das sich beim Anritzen ("Nagelprobe") zeigt, bis Äste endgültig abgestorben sind. Und das auch bei abgeschnittenen Zweigen noch sehr lange erhalten bleibt.

01. Oktober 2011. Schermäuse machen sich gerade bemerkbar durch absterbende Fenchelpflanzen und Luzernen. Vermutlich sammeln sie Wintervorräte. Ein sicheres Indiz für Gänge von Schermäusen, und nicht zu verwechseln mit Maulwurfgängen: Abgestorbene Pflanzen hochheben, wenn die Wurzeln abgenagt sind, im Umkreis Erde mit Spaten ausstechen bis sich klar eine Gangöffnung zeigt. Dann nach etwa zwanzig Minuten schauen, ob Öffnung zugeschoben ist - falls ja, handelt es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um eine Schermaus, die da am Werke ist. 

12. Oktober 2011.
In den vergangenen Tagen die ersten Herbstwinde, ungemütliches Blasen auf meiner Kuppe bei ansteigenden Temperaturen. Was ist mit den Schwalben in diesem Jahr los? Vor zwei Wochen sah ich einige bei der Hütte beim Jagen, aber eine größere Gruppe, die auf Sammeln zum Vogelzug hindeutete, habe ich in diesem Jahr noch nicht gesehen. Aktuelle Winterprognosen gehen von einem insgesamt eher milden Winter aus, mit einem allerdings langen Verlauf. Das könnte zu Beginn 2012 wieder Probleme mit feuchter Kälte um den Gefrierpunkt bedeuten.

Ich habe, nicht sehr begeistert, die Sinnhaftigkeit des Hackens in diesem Jahr entdeckt. Um Mäuse vom Wurzelbereich der Pflanzen fernzuhalten, um den Boden für die Sonneneinwirkung offen zu halten (für Reben und Oliven sicher sinnvoll) und um flaches Wurzeln (problematisch bei anhaltender Trockenheit und Frost) zu verhindern. Während der Wachstumsperiode dient das Hacken zudem der Stickstoffversorgung ("Dünger des armen Bauern").  Auch soll es durch Zerstörung der Bodenkapillaren und durch Entwurzeln des Beiwuchses das Austrocknen der Nutzpflanzen in Hitzeperioden verhindern.

30. Oktober 2011. Die Marienkäfer sammeln sich zum Winterschlaf bei der Wassertonne und an der Hütte. Sehr viel mehr als in den vergangenen Jahren. Wieder/immer noch eher spätsommerliches Wetter. Die Prognosen sehen noch zwei Wochen milde Witterung vor, trotzdem lasse ich schon mal das Wasser aus dem Regenfass.

29. November 2011. Das Wasser habe ich zu früh aus der Tonne gelassen. Die Oliven hätten in diesem trockenen und milden November durchaus einmal Gießen vertragen können. Bis runter auf ca. 4 Grad findet ja noch Assimilation statt bei dieser wintergrünen Spezies.

Für den Winter eingepackt habe ich sukzessiv in den vergangenen zwei Wochen. Die letzten Pflanzen sollten bald dran sein, denn nun soll es Ernst werden mit dem Frost. Dummerweise kommt nun mit dem Nebel teilweise immer wieder Feuchtigkeit, die Einpacken riskant macht. Und ab morgen soll es auch regnen und ich möche ungern nasse Pflanzen einwickeln, die mir dann unter der Hülle nicht trocknen und irgendwann gefrieren. Der Nebel hat heute die von den vergangenen Wintern gefurchte Rinde älterer Äste und Stämme in ein schwammartiges, feuchtes Gewebe verwandelt. Vermutlich der Effekt von Feuchtigkeit und leichtem Gefrieren. Könnte es sein, dass Meeresnähe Oliven auch deshalb gut tut, weil die salzige Luft/Salzablagerungen an der Rinde den Gefrierpunkt der Feuchtigkeit herabsetzen?

In diesem Jahr packe ich die Pflanzen nur einzeln ein, keine Zelte werden aufgebaut und keine Tunnels. Die beiden Methoden haben sich nicht bewährt, das Aufwand-Effekt-Verhältnis war sehr ungünstig, bedingt einmal durch Mäuse und Maulwürfe, die es sich in den Zelten und Tunnels gemütlich machten, einmal durch die häufigen heftigen Winde in meiner Grundstückslage und schließlich auch durch die enormen Schneelasten. Ich habe Stunden, zusammengenommen wohl Tage in den vergangenen Wintern damit verbracht, Vlies bei Sturm abzudecken, danach neu auszurichten, Schnüre neu zu spannen, Schnee von den Zelten und Tunnels zu schippen. Der Temperaturunterschied war phasenweise sogar negativ! Bedingt durch Verdunstungskälteeffekte des Vlieses, gelegentlich geringere Aufwärmung bei Sonnenschein tagsüber unter dem Vlies, Kältefalle unter dem Vlies/keine Abströmung von Kaltluft. Die Einzelverpackung mache ich in zwei Modellen: Bei niedrigen Neuastrieben mit einem übergestülpten Kartoffelkorb, gefüllt mit Laub, darüber Vlies oder Luftpolsterfolie. Bei höheren Pflanzen mit Laub im Bodenbereich, einer Umhüllung aus Luftpolsterfolie (für Gartenbedarf, keine Verpackungsfolie!), darüber doppeltes bis vierfaches Vlies.

02. Dezember 2011. 
Der Winterbeginn wird immer weiter hinausgeschoben. Mit längerem und tieferem Frost als bisher (nachts gelegentlich mal bis -2 Grad) ist nach den aktuellen Wetterberichten erst Mitte Dezember zu rechnen. Da es bis dahin jedoch öfter und stärker regnen könnte, bin ich ganz zufrieden, die Pflanzen bereits eingepackt zu haben. Bin sehr gespannt, wie sich das Laub als Isolationsmaterial bewährt und ob die Pflanzen darunter nicht ihre Blätter abwerfen.

16. Dezember 2011. Ich kann sehr dankbar sein, zu diesem Winter die Zelte und Vliestunnels nicht aufgebaut zu haben! Die hätte es mir spätestens heute zerfetzt. Beim aktuellen Sturm muss ich sogar befürchten, dass einige von den eingehüllten Oliven beschädigt werden. Und der Winter? Nicht in Sicht!

19. Dezember 2011.  Orkan "Joachim" war huldvoll hier im Kraichgau, meine Oliveneinpackungen haben alle gehalten, kein Bündel wurde zerfetzt, kein Baum entwurzelt. Mit größeren Kronen wäre das schwierig geworden, die Kaki z.B. hatte ich ausgepackt nachdem schon bei geringeren Windstärken vor "Joachim" klar war, dass deren Verpackung nicht halten kann.

31. Dezember 2011. Zum vierten Mal in diesem Winterhalbjahr musste ich die zerfledderten Hüllen von Kaki und Feigenbaum neu herrichten. Die Hüllen der Oliven halten gut. Aber die sind vorläufig auch noch recht bescheiden im Umfang. Was bedeutet, dass die Kronen nicht wesentlich größer werden dürfen, als sie jetzt sind, sonst bin ich beschäftigt mit Auf- und Abbauen der Hüllen in stürmischen Phasen. Also haben bei uns vorläufig nur Zwergoliven eine Überlebenschance, schlanke, kleine Formen. Alles andere ist wegen des Winterschutzes im freien Gelände nicht bei vertretbarem Aufwand möglich.
TAGEBUCH 2010:


04. Januar 2010. Einige der Bäume verlieren Blätter - vor allem Koroneiki und jene Leccino, die nach dem Winter 2008/09 nur aus dem unteren Stammbereich neu ausgetrieben hatten.
In der vergangenen Nacht bei Außentemperatur von -3,9 Grad ein Temperaturgewinn von 3,5 Grad unter den Vliesen! Für kommende Woche bis -18 Grad angekündigt. Mal schauen, was daraus wird!

07. Januar 2010. Traurig: Koroneiki - eine wunderschöne, leider aber als frostempfindlich bekannte Sorte - hat einen tiefen senkrechten Riss unten am Stamm von etwa 7 cm Länge bekommen. Auslöser ist ein gekappter, vernarbter Astansatz (Wasser eingesickert und gefroren?). Dazu hat die Pflanze noch einige kurze klaffende Risse an jungen Zweigen. Ich versorge mit Wundbalsam und umwickle mit Bast.

09. Januar 2010. "Daisy" konnte kräftig zuschlagen und die Vliestunnels unter Schneelast begraben. Die Oliven blieben dabei jedoch unbeschädigt und das Vlies ist bei sechs Tunnels mit je vier Pfosten nur an einer Pfostenauflage ca. 20 cm eingerissen. Die Federstahlstäbe waren völlig verbogen, mit bis zu drei Knicks von etwa 90 Grad - ließen sich aber problemlos wieder in die alte Position zurückbringen.

20. Januar 2010. Die für Januar immer wieder angekündigten Tiefsttemperaturen blieben bislang aus, unter den Vliesen ausgeglichene Temperaturen bis minimal -2 Grad. Seit einigen Tagen Tauwetter. Unter der Schneelast und bei Winddruck hat sich besonders das engere und niedrige Tunnel (1.40 m Höhe, 1.90 m Breite - hier stehen nur kleinere Pflanzen) gut bewährt sowie das hauszeltartige Tunnel bei dem ich das Vlies nur über die Pfosten und die Rolladengurtverspannung geworfen und durch groben Mulch von den Pflanzen abgehalten habe. Bei den anderen sind die Federstahlstäbe teilweise erheblich verbogen, was sich aber wieder "hinbiegen" läßt.

25. Januar 2010. Stammrisse unten bei Pendolino, Ascolana, Maurino und einem schwachen Leccino bei feuchter Witterung und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Stresssymptom? Auch 2009 Stammrisse im Januar! Mit Bast umwickelt und Rindensalbe drüber, dann alle Stämme in Vlies eingepackt bis 50 cm Höhe. Hatte das bislang unter Vliestunnels/Vliesiglus für überflüssig gehalten, bin auch nicht sicher, ob es etwas hilft. Vergangenen Winter gab es dieses Phänomen nicht bzw. nur an dünnen Zweigen bei tiefem Frost.

28. Januar 2010. Welch ein Winter! In der Nacht vom 26. auf den 27. Januar zum zweiten Mal Frost im zweistelligen Minusbereich (außen -12, unter Vlies -6). Heute zum dritten Mal die Vliestunnels unter Schnee/Schneeverwehungen freigegraben. Bei den Iglus gibt es nichts zu tun. Im nächsten Winter also die Tunnels enger/steiler bauen, damit der Schnee besser abrutschen kann. Und wenn es dann statt Schnee nur Stürme gibt? Da hilft nur "flexible response".

Eines hat die Klimadebatte bislang - neben einer massiven Mittelstandsförderung im Bau- und Installationshandwerk u.ä. - auf jeden Fall gebracht: Man bekommt nun, bei entsprechender Recherche, gute Materialien für eine eigene Wetterentwicklungsabschätzung. Auf die Extremfrostnächte war ich dank http://www.wetter24.de/ (externer Link) vorbereitet.

14. Februar 2010. Ich habe es aufgegeben, mir die Namen der Tiefs seit "Daisy" zu merken, die meine Vliestunnels unter Schnee begruben. Ich beschäftige mich wieder intensiver mit Klimageschichte und bin überzeugt, dass in der Römerzeit - und vermutlich auch während des mittelalterlichen Temperaturoptimums - Olivenbäume in Deutschland standen. Hildegard von Bingen empfiehlt Olivenblättertee bei Verdauungsproblemen. Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass sie sich die Blätter aus Italien kommen ließ (obgleich die Klöster gewiss intensive "interkulturelle" Kontakte pflegten). Kannte Hildegardis vielleicht Olivenbäume aus ihrem direkten Umfeld? Die "kleine Eiszeit" ab dem 15. Jahrhundert hat davon, sollte es so gewesen sein, nichts mehr übergelassen.

20. Februar 2010. Winter ade? Pünktlich zum Faschingsende setzte Tauwetter ein. Allerdings hat es in diesem Winter schon öfter mal Tauwetter gegeben. Was also? Ich habe zumindest einmal angefangen, die Bäume unter dem Vlies mit Goldrute-Ansatz zu besprühen, da bei einigen die Blätter leicht eingerollt sind, vor allem bei denen, die Stammrisse bekommen haben. Wenn jetzt der Stoffwechsel wieder anspringt, sollen sie mir nicht vertrocknen.

Kerzen und Öllichter habe ich auch eingesammelt. Mit extremen Minustemperaturen rechne ich nicht mehr - zudem wärmt sich tagsüber nun der Boden unter den Vliesen kräftig auf, das schafft auch einen Puffer für die Nacht. Das ganze Jahr wird den Langfristprognosen zufolge eher kühl - ich hoffe, das bezieht sich wie im vergangenen Sommer vor allem auf die Nächte.

27. Februar 2010. Die ersten warmen Frühlingstage bringen Trauriges zutage: Ein großer Teil der optisch gut durch den Winter gekommenen Blätter rollen sich nun ein, verfärben sich braun. Ist also wieder in den jungen Zweigen das Kambium erfroren? Nur die beiden Bäume, die im Zelt standen, stehen nach wie vor gänzlich ungetrübt da. Wie lange noch? Für morgen ist ein Orkan angekündigt, wir haben gerade das Zelt abgebaut, das schon gestern bei den Sturm-Vorboten leicht eingeknickt ist. Nun bleibt nur zu hoffen, dass kein weiterer Frost kommt.

28. Februar 2010. Xynthia hat es geschafft, drei von den Stützpfählen zu knicken - vermutlich weil der Wind ein am Boden liegendes Vlies dagegen pressen konnte. Bäume sind nicht erkennbar geschädigt. Aber einige sind nun kahl, haben (fast) alle Blätter verloren. Und für die kommenden Nächte ist Frost bis -5 Grad angesagt.

05. März 2010. Weitere bislang widerständige Blätter neigen bekümmert ihr Haupt und frische Blattknospen sind erfroren. Vergangene Nacht gab es eine besonders schwierige Wetterlage, die mir bisher erspart geblieben war: Frostig bis -7 Grad und dazu sehr windig. Olivenkillerwetter, gegen das meine Schutzmittel machtlos sind. So sank schon am Abend gestern nach einem Sonnentag die Temperatur unter den Vliesen und in den inzwischen zwei Zelten auf das Niveau der Außentemperatur. "Heizen" macht unter diesen Bedingungen nur eingeschränkt Sinn. Für die Propfungen im großen Zelt hatte ich 10 Kerzen aufgestellt. Damit sank die Temperatur innen immerhin nur auf -2 Grad. Eine Gasheizung/Zeltheizung unter einem Vlies brachte wenig Effekt: -5 Grad Minimaltemperatur in der direkten Umgebung.

Dieser Winter war/ist dramatisch für meine Oliven: Im Januar lange feucht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, was 2-4jähriges Holz teilweise sprengte. Nun Anfang März trockener Frost mit Wind, der 1-jähriges Holz, Blätter und neue Blattknospen gefrieren und austrocknen lässt.

Und die Prognosen? Stürmisch bei weiterhin frostigen Temperaturen. Allerdings steht Europa recht einsam da mit diesen Minusabweichungen. Wie die NASA-Karte zu den Januartemperaturen andeutet, liegt rings um uns derzeit eine Welt von Plusabweichungen (sehr zum Leidwesen der Kanadier bei der gerade vergangenen Winterolympiade). Ein Teil davon geht jedoch auf das Konto von El Nino.

09. März 2010. Es ist 23 Uhr und ich komme gerade vom Hain, wo ich nun wohl zum letzten Mal in diesem Winter Vliese nach stürmischen Winden festgezurrt und ein paar Kerzen bei Problembäumen aufgestellt habe. Ein seltsam melancholisches Gefühl. Natürlich war es eine Schinderei mit diesem Winter, ich habe einige andere wichtige Dinge vernachlässigt in den vergangenen drei Monaten.  Und doch verdanke ich der Schinderei auch zauberhafte Naturerfahrungen und umwerfend schöne Bilder von den Vliestunnels bei Nacht mit Kerzenflackern, von silbrig schimmernder Winterlandschaft unter Sternen, unter düsteren Wolken, im Schneetreiben. Heute aber kein Schneetreiben, sondern das deutliche Versprechen von Tauwetter. Dem definitiven doch wohl.

Der frostige und lange Winter in Europa hat auch einen signifikanten Effekt auf die Nutzung meiner Website: Seit einigen Tagen kommen fast lawinenartig Zugriffe aus Griechenland und Spanien - Frostschutz für Olivenbäume und die Auswahl frostresistenter Sorten könnte auch in südlichen Ländern zu einem Thema werden.

11. März 2010. Grandioses "Tauwetter": -8 Grad in der vergangenen Nacht! "Im Märzen der Bauer ...." - aber das war vor dem Klimawandel. Aufgeben werde ich noch nicht - Innovationen entstehen auch an Widerständen.

19. März 2010. Nun aber. Alle Ensemble-Prognosen sprechen dafür und wir bauen Zelte und Vliestunnels endgültig ab für diesen Winter. Fünf Meter breite Vliesbahnen von 25 Metern Länge sind nicht ganz einfach zu handhaben - zumal immer wieder Käfer und Raupen gerettet werden müssen, die es sich im Kuschelvlies gemütlich gemacht haben. Das Vlies (85 Gramm/qm) hat gut gehalten, Respekt. Ob der Aufwand sich gelohnt hat, weiß ich nicht. Es hängen zwar noch mehr Blätter an den Bäumen als im vergangenen Jahr - aber die Stämme sind teilweise in desolatem Zustand, warzig, rissig, braun verfärbt, und die Blätter verschrumpelt und braun. Optimal bewältigt haben den Winter fünf Pflanzen, darunter die beiden im großen Steilwandzelt und eine im vergangenen Winter bis zum Boden abgefrorene Pflanze mit ihren Jungtrieben, die unter Mulch heil überstanden hat!  Von den Zeltpflanzen besonders wichtig ist der Leccino mit Profungen Leccio del Corno, Bianchera und Grappolo. Er musste nie Temperaturen unter -5 Grad erleben und war auch gegen Wind optimal geschützt. Eine Überraschung ist jedoch die Mulchpflanze, denn die Jungtriebe stammten aus der Unterlage, aus der frostempfindlichen Wildolive. Sie stand in einem Vliestunnel und war zusätzlich geschützt durch einen übergestülpten, großzügig durchbrochenen Gartenkorb, der mit einer 20 Zentimeter starken Mulchschicht eingehüllt war. Was eine gängige Überzeugung widerlegt, dass nämlich Oliven im Winter nicht dunkel gestellt werden dürften. Diese Pflanze hat drei Monate lang nur das durch Vlies, Mulch und Korb reduzierte Licht abbekommen. Und die Blätter (Wildolive-Charakteristik) stehen da im blendenden Olivgrün an vital wirkenden Zweigen! (Die braunen Blätter in der Mitte gehören zu einem schwach entwickelten Bianchera-Propfling.)

25. März 2010. Die erste Zauneidechse kam zur Begrüßung angekrabbelt, als ich gerade die Vliese einsammelte, die zum Trocknen auslagen. Die Vliese riechen wie Kaninchenstall. Ich vermute mal, das ist der Duft der Mäuse, die sich in meiner Anlage im Winter ganz wohl fühlten. Beim Besprühen der Oliven mit Goldrute-Ansatz (anti-fungizid und allg. stärkend) wird durch die Feuchtigkeit deutlich, wie stark das Stammholz vieler Bäume geschädigt/fleckig ist.

16. April 2010. Aus dem italienischen Baumschulenzentrum Pescia (Nordtoskana) habe ich mir zwei Leccio del Corno und zwei Bianchera im Fluggepäck mitgebracht und heute gepflanzt. Es war mir unmöglich, eine Versandmöglichkeit aus Italien nach Deutschland zu finden, UPS wollte 240 Euro, GLS Italien versendet keine Pflanzen ins Ausland.

Vorläufige Bilanz Winter 2009/2010: Gut überstanden haben den Winter von 33 Pflanzen nur eine Wildolive unter Mulch (s.o.), eine Olive unbekannter Sorte (Ikea - als Propfgrundlage gepflanzt), zwei Leccino (davon einer im Zelt), zwei O. Seggianese (davon eine im Zelt), eine Ascolana (perfekt! - die zweite jedoch bis an die Stammbasis erfroren!) und die Propfungen von Leccio und Bianchera (im Zelt). Sie haben alle noch immer intakte Blätter und weitgehend gesunde Stämme und/bzw. Zweige.

23. April 2010.  Der erste Schwalbenschwanz in diesem Jahr!

16. Mai 2010.  An den Oliven, denen grüne Blätter geblieben sind, zeigen sich erste neue Blattknospen und frische Blättchen! Von den abgestorben wirkenden Oliven sind viele mit Rußpilz überzogen - ist es das, was nach dem Frostwinter 1984/85 in Italien und Frankreich als "Feuerbrand" bezeichnet wurde?

22. Mai 2010. Auch von den geschädigten Individuen zeigen einige nun schon Neuaustrieb aus der Veredelung, teilweise sogar weit oben an Stamm und Zweigen. Allerdings nur Leccino und Seggianese - letztere aus Holz in äußerlich desolatem, rissig-warzigem Zustand! Maurino, Aglandaou, Pendolino, Koroneiki und die Propfung von Grappolo schweigen oder melden sich nur aus der Unterlage.

Was auffällt: Am besonders stabilen, einzelstehende Leccino sind doch Zweige teilweise erfroren - vor allem auf der Westseite. Er ist insgesamt nach Osten vitaler im Wuchs, wie andere Oliven und mein Nussbaum auch - was offensichtlich eine Reaktion auf den häufigen starken Westwind ist.

06. Juni 2010 Kein Zweifel: Das Überleben der Oliven im Winter hängt auch stark vom Bodenzustand ab. Direkt neben der Seggianese, die ohne besonderen Winterschutz nun dennoch optimal dasteht, entwickelt sich der vitalste, chlorophyllreichste Fenchel des Geländes. Was gibt es hier besonders? Magnesium? Kalium? Eisen? Stickstoff?

10. Juli 2010 Das heiße Wetter tut den Oliven gut, sie entwickeln sich schön, auch wenn im Vergleich zum Vorjahr weiterhin ein Nachhinken auch bei gesunden Bäumen von mindestens zwei Wochen wahrnehmbar ist. Mehr Pflanzen als erwartet treiben nun doch noch im Stammbereich aus. Aus den Wurzelbereichen kommen sehr unterschiedliche Triebe, teilweise ganz offensichtlich nicht Wildolive. Was dafür spricht, in Deutschland zunächst nur mit wurzelechten Pflanzen zu arbeiten. Meine ehemals ausgesucht schöne Koroneiki z.B. ist zwar im Stamm tot, aber aus der Wurzel treibt sie massiv und zweifellos als Zuchtform (Foto links). Leider kann ich nicht beurteilen, ob das Koroneiki oder eine andere - als Grundlage verwendete - Zuchtsorte ist, was da kommt.

Bei den Leccino scheine ich wurzelechte (Becker) und veredelte (Flora Toskana) Pflanzen zu haben. Aus der Unterlage treibt die dunkelgrüne Wildolive mit kleinen Blättern und rötlichen Triebspitzen, oben am Stamm die hellere, großblättrige Leccino-Veredelung. Auffallend zweierlei: Der offensichtlich geschädigte Stamm (erkennbar an Verfärbungen und am sehr späten Austrieb) gewinnt Vitalität zurück. Daneben zeigen die (bislang nur drei) Triebe am Stamm sehr schön den für Leccino typischen spontanen pyramidalen Aufbau, die "Tannenform".

Bei den Brombeeren am Waldrand steht ein Herzgespann, Leonurus marrubiastrum. Hatte ich 2008 von Rühlemanns ausgesät, jetzt kommt ein einzelnes, prächtiges Exemplar!

14. August 2010 Es herbstet bereits, zumindest von den kühlen Nächten her. Und die Schwalben (Mehl- und Rauchschwalben gemeinsam) sammeln sich schon wieder über meinem Hain - zwei Tage früher als 2009! Im Internet finde ich einige Beobachtungen Anderer dazu, dass 2009 die Schwalben früher gezogen seien als sonst. Ein passender Spruch wird auch geliefert: "Wenn die Schwalben jetzt schon ziehen, sie den harten Winter fliehen." Und noch einer: "Wie der August war, wird der künftige Februar." Na denn!! Dafür zeigen sich die ersten Postillons in diesem Jahr und junge Eidechsen.

Viel an Zuwachs an den Oliven ist bislang in diesem Jahr nicht passiert. Der Juni-Schub war spärlich und der August-Schub scheint auszufallen. Kümmern sie sich um ihr Wurzelwachstum? Die große Überraschung ist eine der beiden Ascolana, die im zugigen Tunnel perfekt überlebt hat und die sich zwar bescheiden aber schön weiterentwickelt. Während das zweite Exemplar nur aus der Basis - als Zuchtform allerdings - schwach neu austreibt.

Mache mir schon die ersten Gedanken über den Winterschutz, da ich erneut mit einem strengen Winter rechne. Für die Tunnels muss ich eine andere Lösung finden. Der Aufwand 2009/10 war v.a. dank Schneelasten gigantisch und hat wegen der heftigen Sturmböen bei tiefer Kälte wenig gebracht. Ich werde für stammvitale Bäume (14) wieder Zelte und "Iglus" - in weiterentwickelter Form - aufbauen. Die Wurzel- oder Stammansatzaustriebe (16) werde ich mit Körben abdecken und darüber Mulch schichten. Vier Pflanzen haben bis heute noch nicht neu getrieben, dazu kommen vier, die ich im Frühjahr schon ersetzt habe durch Neupflanzungen - macht einen Totalverlust von 25%. Drei weitere Pflanzen treiben nur aus der wilden Unterlage.

20. August 2010 Zwei Gänsegeier kreisen für wenige Minuten über Obergrombach.

22. August 2010 Beginn des Umbaus der Reihenanlage von 6 Reihen zu 4 Pflanzen auf 4 Reihen mit je 7 Pflanzen (halber Pflanzabstand in den Reihen, 3 Meter statt bisher 6). Dabei mache ich beim Entnehmen einer abgestorbenen Olivastra Seggianese eine interessante Entdeckung: Bei dieser zu tief gesetzten Pflanze (Erdkante etwa da, wo der Strunk oben endet), gepflanzt als zweijähriger Heister 2008, sind die Wurzeln teilweise zunächst nach oben gewachsen. Der von Erdreich bedeckte Stammteil wurde zudem von Insekten angeknabbert. Die Lehre daraus lautet für mich, Oliven flach zu setzen, eher Wurzelansätze rausragen zu lassen als Stammteile mit Erde zu bedecken. Das Setzen in Mulden ist zu überdenken, da hier immer die Gefahr von Einschwemmungen in den untersten Stammbereich besteht. Ich pflanze versuchsweise beim Umsiedeln der zwei aufgelösten Reihen in die halben Abstände nun ohne Mulde. Der Pflegeaufwand dürfte geringer sein und der obere Wurzelbereich wie der untere Stammbereich trocknen leichter ab in Regenjahren wie diesem. Beim Winterschutz der Wurzeln ist allerdings dann mehr Aufmerksamkeit notwendig!

27. August 2010 Die warmen Tage (und Nächte) der zweiten Augusthälfte haben zusammen mit den üppigen Niederschlägen doch noch zu einem August-Schub geführt, der sich bei einem Leccio del Corno bizarr niederschlägt: Er entwickelt lange Neutriebe mit riesigen hellgrünen Blättern, Länge bis 6,5 Zentimeter, Breite bis 2,2 Zentimeter. Auch hier zeigt sich wieder die Individualität dieser Pflanzen: Der zweite Leccio del Corno entwickelt ganz normale Blätter. Auch bei den anderen Sorten fällt es oft schwer, eindeutige gemeinsame Merkmale zu finden. Die Blattformen hängen offensichtlich ganz stark von Witterung, Alter der Pflanze, Triebentwicklung, Standort u.a. ab. Grundsätzlich allerdings neigen Maurino, Seggianese und Pendolino zu eher länglichen Blättern, die anderen Sorten zu eher ovalen. Sortenspezifika erkenne ich bisher vor allem am Holz. Da ist das glatte, feuchtigkeitsstabile Holz von Leccino, Leccio und Ascolana auf der einen Seite und das warzig-rissige, feuchtigkeitssensible Holz von Seggianese, Pendolino und Aglandaou auf der anderen.

09. September 2010 Mit den Umpflanzungen bisher gute Erfahrungen. Selbst ein Leccino, der zunächst die (ganz frischen) Triebspitzen hängen ließ, hat sich wieder erholt. Unbedingt, auch bei Regenwetter, sofort nach dem Umpflanzen mit ein paar Liter Wasser versorgen!

20. September 2010 Aktuell blühen über 40 Pflanzen auf der Olivenwiese gleichzeitig, von Aster (Aster amellus) bis Ziest (Stachys recta). Darunter etliche Neophyten (Kanadisches Berufkraut, Einjähriges Berufkraut, Kanadische Goldrute, Riesengoldrute und Nachtkerze - wobei ich die Goldruten möglichst schon vor der Blüte kappe oder rode) sowie Pflanzen aus Gründüngung (Luzerne, weißer und gelber Steinklee, Fenchel, Esparsette).

Eine Nachbarin wundert sich über meine üppigen Kamille-Plantagen. Leider ist es nur Feinstrahl/einjähriges Berufkraut, was da so schön blüht. Für Kamille ist unser Boden zu kalkhaltig. Bei Schmetterlingen und anderne Insekten ist Feinstrahl nicht sonderlich beliebt - ist aber doch ein ganz nettes Kraut, mit einigen ätherischen Ölen. Und einst galt die Gattung ja als zaubermächtig ("Beruf"="Beschwörung").

04. Oktober 2010 Nachdem sich im September schon der Winter ankündigen wollte, ist nun doch noch ein warmer Frühherbst angebrochen. Die Oliven freuen sich, die Wiese auch, die nun einen herbstlichen und einen frühlingshaften Aspekt gleichzeitig zeigt, mit weiterhin weit mehr als 40 blühenden Arten. Sogar unser Wein fährt seine herbstlichen Vergilbungen teilweise wieder zurück und grünt zaghaft neu. Allein die Feige lässt sich nicht mehr umstimmen und wird wohl in diesem Jahr keine Frucht zur Reife bringen. Ich gehe weiterhin von einem eher strengen Winter aus, also einer Fortsetzung von 2008/09 und 2009/10, mit einem harten Dezember und wieder zähem Frühlingsbeginn.

10. Oktober 2010 Ich habe mir ein taugliches Infrarotthermometer angeschafft, um im kommenden Winter genauer bestimmen zu können, welche Temperaturen an den Pflanzen und am Boden herrschen. Der erste Probelauf im Gelände war erschütternd. Ich maß am Abend nach Sonnenuntergang oberflächliche Bodentemperaturen im Olivenhain zwischen 5,4 und 11,2 Grad, je nach Feuchtigkeitsgehalt, Topografie (in Mulde oder exponiert), Bewuchs (blanker Boden, Moose, Gräser, grün, verdorrt), Lage im Gelände und Abschattung. An den Stämmen streute innerhalb eines Meters ab Boden die Temperatur zwischen 7,8 und 12,6 Grad. Ein effektiver und rational begründbarer Frostschutz wird damit sehr schwierig. Pointiert formuliert: Frostschutz ist ein stückweit auch Glückssache ....

30. November 2010 Der Winter ist da. Welch ein Winter! Und wie gerne ich doch Unrecht behalten hätte. Aber nein, leider nicht. Die Schwalben sind einfach zu klug, haben sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Infrarotmessung an Blättern bis -4,6 Grad. Über Schnee Temperaturen bis -10,2 Grad - und zwar um 11:00 Uhr. Heute Aufbau der Tunnels, die beiden Zelte für die "Musterexemplare" haben wir am 21.11. bereits aufgebaut. Die Temperaturen sollen noch weiter fallen. Wohin? Der kälteste Dezemberanfang seit 1953 wird erwartet. Wer war doch gleich der Klimaforscher, der 2000 meinte, wir dürften für die Zukunft keinen Schnee im Winter mehr erwarten? Es war der extrem talkshowgeeignete Mojib Latif, zitiert wird er unter anderem im "Spiegel" (externer Link). Andere schlossen sich an und erzählten bis 2008, wir müssten uns darauf einstellen, in Deutschland keinen Schnee im Winter mehr zu haben, im Dezember schon gar nicht, bestenfalls im Januar. Wir würden nur noch ausnahmsweise mal Winter "wie früher" erleben, mit Schlittschuhfahren, Schnee und so. Also so wie nun in drei aufeinander folgenden Wintern. Ausnahmsweise. Gut, fairerweise muss gesagt werden, dass die Leute sich bei "populären" Äußerungen dabei in der Regel nur auf den Anstieg der Treibhausgase bezogen haben, nicht auf sonstige schwer prognostizierbare Faktoren (Kosmische Strahlung, Sonnenaktivität, Vulkanausbrüche, Meeresströmungen etc.). Wechselwirkungen der Klimafaktoren wurden dabei auch eher schlicht betrachtet oder ausgeblendet. Latif "prognostiziert" inzwischen, belehrt durch die Erfahrung, nicht durch seine Computerberechnungen (die hat er "angepasst"), eine längere globale Kältephase.

11. Dezember 2010 Naiverweise hatte ich nach dem letzten Winter gemeint, nun könne es nicht mehr schlimmer kommen. Ich habe mich schwer getäuscht. Alles beginnt nun sogar einen Monat früher als im vergangenen Winter, und zwar heftigst. Tunnels aufbauen, Tunnels von Schneelast freiräumen (bisher bereits 4x!), vor Frostrissen bangen bei Oliven tödlichem Wetter mit Regen um die Nullgradgrenze herum. Schwerer Schneeregen hat eines der beiden Zelte vollkommen geschrottet (bei eBay mit "Sofort kaufen" erstanden, Travelstar "Napoli" - Finger weg, reines Schönwetterzelt! - der niedrige Preis hätte mich warnen müssen). Ausgerechnet die Olive mit den beiden überlebenden Propfungen wurde dabei freigestellt für den Schnee. Die Bianchera-Propfung wurde beim Zusammenbruch abgerissen. Von drei Propfungen 2009 lebt damit nur noch die Leccio-Propfung. Am 11.12. noch ein starker Wind, der die Vliese abhebt und das zerlegte Zelt weiter beutelt.

27. Dezember 2010 "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Je mehr Daten ich über Temperaturen sammle, umso unklarer wird mir, wie ich effektiven Frostschutz machen soll. Das Infrarotthermometer ermöglicht nun die genaue Überprüfung gängiger Meinungen. So z.B. der, dass Mulch wärme. Teilweise messe ich in und unter Mulch geradezu schockierende Negativabweichungen (bis zu vier Grad) zur Umgebungstemperatur. Und zwar nicht dadurch erklärbar, dass Mulch natürlich ebenso wie Wärme auch Kälte (z.B. die der Nacht am Tag) konserviert. Mulch scheint vielmehr unter bestimmten Umständen wie ein Kühlschrank zu funktionieren, aktiv Kälte zu produzieren. Vermutlich erklärbar über Verdunstungskälte-Effekte. Eventuell funktioniert Mulch dabei auch wie eine Art Schwamm, der Bodenfeuchtigkeit aufnimmt und über Abdunstung damit kühlt! Denn ich habe den genannten Effekt auch bei Mulch, der im Tunnel vor Niederschlägen geschützt ist!! Die effektivste Bodenwärme-Speicherung erreiche ich durch Luftpolsterfolie direkt auf dem Boden, nicht durch Mulch! Auffallend bei den Messungen auch immer wieder, dass begrünte Fläche unter Tunnel häufig weit kühler ist (2-3 Grad) als offener Boden. Gleichfalls Verdunstungseffekt - nun der Pflanzen? Oder schlichtweg Messfehler durch die Infrarot-Messtechnik?? Dagegen spricht, dass dieser Sachverhalt auch bei größeren Forschungsstudien festgestellt wurde. Der Boden unter der (kühleren) Pflanzendecke ist allerdings dann noch wärmer als der offene.
TAGEBUCH 2009:


07. Januar 2009 Bis auf sechs Bäume am Waldrand packe ich alle in Thermofolie ein und bringe nachts Kerzen aus.

08. Januar 2009 Den Temperatursturz in der Nacht haben alle eingepackten Bäume gut überstanden. Von den nicht eingepackten zeigt ein Maurino Risse am Stamm und an dicken Ästen. An den feinen Ästen hat sich die Rinde fast völlig vom Holz abgehoben, wie geschält. Der zweite Maurino hat nur zwei kleine Schälstellen. Ein Seggianese und ein Leccino haben feuchte Stellen. Die Datalogger zeigen später für diese Nacht außen -12,5 Grad, innen mit Kerze -10 Grad. Ich packe auch die verbliebenen sechs Bäume ein und stelle bis 13. Januar brennende Kerzen in Konservendosen dazu.

Nach dem Auspacken stehen die Bäume recht fit da. Einige Blätter sind verfärbt, andere abgefallen. Die Datalogger-Aufzeichnung zeigt -13,6 als Tiefsttemperatur in Bodennähe außen, innen zweimal ganz kurz -11,2. Bedenklich: Fast durchgängig in den 25 Tagen - mit Ausnahme der Kerzenphase - sank die Temperatur nachts innerhalb der Folienhülle um bis zu zwei Grad unter den Wert außen!!

Blätter, die direkt nach dem Auspacken lose waren, sitzen später wieder fest am Ast.  Am 10. Februar kommen Sturmböen bei +9 Grad. Sie entblättern einige Bäume fast vollständig - war doch nichts mit "wieder fest am Ast".

Am 14. Februar packe ich erneut alle Bäume ein. In der darauf folgenden Nacht herrschen bittere -10,6 Grad.  Vom 17. bis 19. Februar stelle ich wieder brennende Kerzen in Konservendosen geschützt unter die Hüllen. War nicht notwendig, aber so genau weiß man das eben vorher nicht.

25. Februar  Die Frostperiode ist - hoffentlich - vorbei. Ich bin optimistisch - obgleich mich der Blick in den Temperaturverlauf von Karlsruhe seit 1876 belehrt, dass 2005 am 1. März -14,6 Grad gemessen wurden.

Aus einem Schafgarbe-Gestrüpp krabbelt der erste Marienkäfer - soweit ich sehe, kein aggressives Importexemplar. Ehrenpreis, Taubnessel, Kreuzkraut, Vogelmiere und Gänseblümchen blühen. Ackersalat gedeiht prächtig. Den ganzen Winter über habe ich davon immer wieder ernten können. Zahlreiche Rosetten von Kräutern zeigen, dass in diesem Jahr wesentlich mehr gedeihen wird als Melde, Gräser und Berufkraut.

Ich begutachte die Frostschäden. Risse im Stamm hat nur einer der beiden Maurini, die bei -12,6 ohne Hülle waren. Risse in Ästen hat der zweite Maurino ohne Hülle und ein Leccino, bei dem in einer Tiefstfrostnacht die Kerze ausgefallen war. Fast alle Bäume sind weitgehend ohne Blätter - allerdings hängen an jedem Baum noch einzelne grüne, gesund wirkende Blätter. An Ästen und Stämmen gibt es einige warzig-rustikale Stellen mit kleinen oberflächlichen Rissen - vor allem bei den Seggianese. Interessant die Maurinos, die ihre Blätter weitgehend behalten haben, obgleich diese desolat aussehen, schlaff hängend, ledrig-braun, eingerollt, vertrocknet, fleckig.

Fast unbeschadet überstanden (mit überwiegend noch intaktem Blattwerk und nur kleinen Erfrierungen an den Spitzen) haben diesen strengen Winter ein Leccino, der schon beim Pflanzen den größten Stammumfang hatte, und eine Seggianese, die sich durch große Vitalität bei der Oliven"ernte" auszeichnete - acht der insgesamt 14 ausgereiften Oliven stammten von ihr. Dies zeigt, dass es ein enormes Potential für Frosthärte bei Oliven gibt - abhängig von Alter, Sorte und Vitalität.

17. bis 31. März bin ich in der Toskana, unter anderem bei Claudio Cantini, dem Leiter der Azienda Sperimentale di Santa Paolina, und Virgilio Ciceroni, in dessen Olivenhain in der Nähe von Arezzo zwei Sorten wachsen, die sowohl den Frostwinter 1956 als auch den von 1985 überstanden haben (mehr dazu unter "Vorbilder"). Ich nehme Zweige der Sorten Morcone, Leccio del Corno, Mignolo, Grappolo und Bjankera (Istrien) mit.

Zuhause mache ich mich am 2. April 2009 daran, aus den mitgebrachten Zweigen Stecklinge und Propfreiser zu schneiden. Näheres unter "Technik, Tipps und Tricks" Sowohl Cantini als auch Ciceroni hatten mich allerdings gewarnt, dass Stecklinge ziehen eine langwierige, nicht immer erfolgreiche Prozedur sei. Bei der Auswahl geeigneter Bäume bzw. Zweige als Unterlage stelle ich fest, dass meine Bäume doch stärker im Cambium geschädigt sind, als ich vermutet hatte. Selbst auf den ersten Blick vitale Zweige mit vollkommen intakten grünen Blättern sind teilweise tot bzw. verholzt. Das Abwerfen der Blätter lässt sich also auch verstehen als eine "vitale" Reaktion der Pflanze. Ein toter Zweig kann die Blätter behalten wie eine Mumie die Haut. Bei weiteren Vitalitätsuntersuchungen an meinen Bäumen muss ich feststellen, dass bei einigen das Cambium bis in den Stamm hinein geschädigt ist: Braun und klebrig - statt grün und leicht vom Holz abzuheben. Ich bringe Kaliumsulfat aus. Bei eher sauren Böden besser Kaliumcarbonat (Pottasche) - wichtig für den Wasserhaushalt und die Frosthärte.

Heute ist der 24. April, Neumond, soll gut sein zum Olivenschnitt. Die Beseitigung der Frostschäden steht an. In den vergangenen Tagen haben meine Bäume die ersten Lebenszeichen von sich gegeben, zeigen winzige frische Knospen. Das Cambium ist nun eindeutig vitaler als am 2. April, feuchter und leichter abzulösen. Jetzt wäre der ideale Propftermin (etwa gleichzeitig mit dem Entfalten der Rebknospen und mit der Rosmarinblüte!). In den nächsten Jahren bin ich klüger und besser vorbereitet.

Schadensbilanz: Von 4 Maurinos sind 2 bis in den Stamm geschädigt (Cambium braun), 1 stark in allen Ästen, 1 nur an den Zweigen und Endstücken der Äste. Von 8 Seggianese sind 2 bis in den Stamm hinein geschädigt, die anderen stehen in gutem bis sehr gutem Zustand da, mit intakten Blattzweigen und ersten Knospen. Von 14 Leccinos sind 1 bis in den Stamm hinein geschädigt, 2 stark an den Ästen, die anderen nur an den dünnen Zweigen und Endstücken der Äste. Die einjährigen Zweige sind fast alle weitgehend abgestorben - nur bei 1 Leccino nicht (er heißt "Hölderlin" oder kurz "Holder" und hat die erste Hälfte seines Lebens noch vor sich, wie ich hoffe).

8. Mai 2009. Fahrt in die Kölner Region zu einem kleinen Erfahrungsaustausch über die Auswirkungen des vergangenen Winters. Das Ergebnis ist niederschmetternd und ermutigend zugleich. Die Brüder Becker haben alle Bäume des 2005 angelegten Hains gegen Jungbäume der Sorten Leccino und Seggianese ausgetauscht und dazu noch weitere Flächen neu bepflanzt. Die Baumschule La Cava in Köln-Widdersdorf hat die im vergangenen Jahr gepflanzten Bäume ersetzt und die älteren, sichtlich frostgeschädigten, Exemplare zurückgeschnitten.

9. Mai 2009. Bei meinen Seggianeses sind die ersten Knospen bereits voll entfaltet. Die Knospen der Leccinos und Maurinos wissen zum Teil noch nicht so recht, wie sie sich entscheiden sollen - gedeihen oder resignieren. Vielleicht wollen sie ja noch die Eisheiligen abwarten. An der Basis machen jedoch fast alle Bäume dem Monat Mai Ehre und schlagen kräftig aus.

Leider gibt es noch eine schlimme Entdeckung: Ein Rehbock hat einen Seggianese-Stamm zuschanden gefegt. Und ausgerechnet den vitalsten Baum, der schon im ersten Standjahr zahlreiche ausgereifte Früchte trug und der den Winter prächtig überstanden hatte, mit lebhaftem Neuaustrieb. "Spürt" Rehwild die Besonderheit von Pflanzen? Es ist ja bekannt, dass Rehböcke vor allem singuläre Baumarten zum Fegen ihres Gehörns benutzen und dass ihre weiblichen Artgenossen mit der Kinderstube gerne da grasen, wo rares Grün gedeiht.

15. Mai 2009
. Drei Leccinos zeigen plötzlich ungesunde großflächige Verfärbungen am Stamm mit einem matten, dunkelbraun-schieferfarbigen Ton. Das Chlorophyll in der Rinde scheint zerstört (s. "Krankheiten und Frostschäden"). Diese Stämme haben auch wenig Austrieb, nur unterhalb der Verfärbung, nahe am Boden. Ich behandle mit Eisenlösung und gieße mit Weidenansatz im Verdacht auf Wurzelschädigung.

In den Tagen danach pflanze ich einige weitere Heister, Aglandaou aus Frankreich, Ascolana und Pendolino aus Italien.

17. Juni 2009. Die Bäume entwickeln sich nun sehr unterschiedlich, auch innerhalb der gleichen Sorte - vor allem Leccinos und Maurinos zeigen extreme individuelle Varianten. Die Seggianeses stehen alle gut da, auch wenn die Rinde hier zahlreiche Kleinrisse und Warzen zeigt und die Stämme kaum zulegen. Maurino entwickelt nun zunächst nicht seine typischen schlanken Blätter, sondern sehr breite, starke Blätter - sicherlich als Kompensation für den winterlichen Blattverlust. Leccino neigt zum "Christbaumeffekt", mit starken Trieben an der Basis, schwachen Trieben im Kopfbereich. Fast die Hälfte der 14 Leccinos zeigt noch immer keinen kräftigen Neuaustrieb oberhalb der Basis, sondern dort nur die gleichen Knospen wie vor sechs Wochen, kaum weiterentwickelt, mit winzigen Blättchen. Die Verfärbungen an drei Leccinos (siehe 15. Mai) haben sich nicht erholt, das Holz ist tot - die Wurzeln scheinen hier aber nicht geschädigt, denn die Austriebe unterhalb der abgestorbenen Bereiche sind stark. Der spärliche Austrieb bei anderen Leccinos könnte jedoch auf Wurzelschwäche hindeuten. Sehr schön entwickelt sich die Dreifachpropfung an einem auch sonst vitalen Leccino mit Bjankera (aus Kroatien), Grappolo und Leccio del Corno.

29. Juni 2009. Das Gelände von 1600 Quadratmetern plus 700 Quadratmeter benachbarter Ökoweinberg ist als Biotop nun im zweiten Jahr schon sehr gut angenommen. Das liegt sicherlich auch an den vielen unterschiedlichen Nischen - Mulch, Heuhaufen, Erdhaufen, Totholz, Trockenmauer, Hütte, hohes Gras, Bäume, Kräuterwiese, offene Stellen, Böschungen, Winkelflächen, Waldrand, Wegrand, Wasserpfützen. Derzeit schwärmen abends extrem zahlreich die Junikäfer (nicht ganz so romantisch in den Haaren und im Gesicht, zudem sind die Larven Wurzelschädlinge), vereinzelte Glühwürmchen tauchen auf, ein Hirschkäferweibchen ist vor einigen Tagen an der Hütte vorbei gezogen. Im Gras hüpfen die unterschiedlichsten Schreckenarten. Die Zauneidechsen sind nun wieder seltener zu sehen nach ihrer Paarungszeit. Eine Schlingnatter habe ich neben einem Heuhaufen im Nieselregen gesichtet, sie ließ sich vollkommen ungerührt anschauen und fotografieren (s. "Bilder"). Ich hoffe, sie setzt der Zauneidechsenpopulation nicht über Gebühr zu.

Schmetterlinge flattern zahlreich umher und besuchen vor allem Flockenblumen und Dost. Gezeigt haben sich in diesem Jahr bisher unter anderem Tagpfauenauge, Ochsenauge, Zitronenfalter, Schwalbenschwanz, Schachbrett, Großer Eisvogel, Admiral und verschiedene Bläulinge. Leider hat sich eine Kolonie von Ohrenzwickern ausgerechnet die Fuge zum Deckel der Regentonne (Weinfass) als Habitat auserkoren - weshalb jedes Mal, wenn ich den Deckel abnehme, die Wasseroberfläche mit zuckenden Krabblern bedeckt ist, die ich dann rausfischen muss.

04. Juli 2009. Die Junikäfer treten weniger massiv auf, ich kann auch wieder zu Sonnenuntergang und danach im Hain mich aufhalten, ohne ständig als Käfertreffpunkt herhalten zu müssen. Im gemähten Unterwuchs bilden sich kleine Thymian- und Dostinseln (Origanum vulgare) aus einheimischem Bestand, von denen ich mir eine positive Wirkung auf die Oliven erhoffe, eine ihnen wohltuende "südliche" Lebenswelt. Von Conrad Bölicke (artefakt) habe ich eine 3-4jährige griechische "Koroneiki"-Olive bekommen, die sogleich den Platz für sich beanspruchte, den ich im Frühjahr als Tai-Ji-Fläche freigemacht hatte aber dann doch nicht benutzte, weil ich inzwischen einen anderen Ort bevorzuge. Nun steht sie dort sehr freundlich und zufrieden, eine schöne Pflanze - leider eine Sorte, die (so heißt es) Frost nicht gut verträgt, ich werde im Winter sorgsam auf sie achten müssen.

An vier Stellen entdecke ich Filzkraut, das meinen sandigen Löss wohl mag, hier in der Gegend aber angeblich nur in der Rheinebene vorkommt.

16. August 2009. Eine Gruppe von Rauchschwalben sammelt sich seit Tagen über meinem Grundstück, jagt nach Insekten. Sollte das wirklich schon Sammeln zum Südzug sein, steht wohl ein kaltes Winterhalbjahr bevor! Luzernen werden nun eifrig von Schmetterlingen und anderen Insekten besucht. Insgesamt habe ich 16 verschiedene Tagfalterarten in diesem Sommer beobachten können, auf über 100 verschiedenen Blütenpflanzen - von der Ackerwinde bis zum Ziest. Vereinzelt tauchen Mäusebussard und Turmfalke auf, die sich in diesem Sommer extrem rar gemacht haben (Mäusemangel wegen des harten Winters?). Am 28. August sank die Temperatur nachts im Hain auf 7 Grad (immerhin noch im Plusbereich ...).

01. September 2009. Ein riesiger Schwalbenschwanz legt einzeln Eier an jungen Fenchelpflanzen ab, die spät gekeimt haben bzw. durch anderen Bewuchs klein gehalten waren. Leider habe ich kein Bild von der Aktion, aber vom Ergebnis. Der Schmetterling vertraut wohl auf einen milden Herbst - und gibt damit das entgegengesetzte Signal  zu dem der Rauchschwalben! In den strukturreichen Mulchhaufen bei den Oliven huscht zahlreich winziger Zauneidechsen-Nachwuchs umher - die Trockenmauer interessiert sie nicht die Bohne. Baumscheiben, Mulch und Heu bieten eben Wärme und Insektennahrung zur Genüge.

Die Olivenbäumchen haben in der sonnig-heißen zweiten Augusthälfte einen deutlichen Wachstumsschub bekommen. Nachdem in der ersten Phase Mai/Juni vor allem rasch Blattmasse produziert wurde, mit ausgeprägter "Tannenbildung" an jedem einzelnen Zweig, kam Mitte Juli ein gewisser Stillstand (Wurzelwachstum?). Jetzt schießen die "Tannen" jeweils mit ihrem Hauptzweig nach oben, ohne weitere Verästelungen - vor allem bei Leccino und Seggianese. An Blattmasse ist die Hälfte der Oliven weit über das Niveau vom Vorjahr hinaus - obgleich sie nach dem harten Winter alles neu bilden mussten, einschließlich der Zweige.

04. September 2009. Wo ich vor drei Tagen das Schwalbenschwanz-Ei fotografiert habe, finde ich bei der Suche nach weiteren Eiern vier kleinere Raupen dieser Schmetterlingsart auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern (zwei Tage später sieben und noch einige Tage später fünfzehn in verschiedenen Größen!). Ich sehe schon die Schlagzeilen in ein paar Jahren vor mir: "Schwalbenschwanz-Plage: Rentnerpaar beim Nordic Walking angegriffen!" Und schuld daran sind Leute wie ich, die statt eines Maisackers eine strukturreiche Kräuterwiese anlegen und zu allem Überfluss noch Fenchel aussäen. Mit der Klimaerwärmung könnte Fenchel bei uns heimisch werden und zu einer Explosion der Schwalbenschwanz-Populationen führen. Nicht auszudenken! So ein schöner Schmetterling war das, als er noch vom Aussterben bedroht war ....

11. September 2009. Nach einer Dunkelfärbung des ursprünglich gelben Eis in den vergangenen beiden Tagen ist heute die winzige Schwalbenschwanzraupe geschlüpft. 10 Tage hat es gedauert.

02. Oktober 2009. Von den Oliven, die ich in diesem Frühjahr gepflanzt habe, zeigen einige seit Mitte September Warzen- und Rissbildung - ähnlich wie Seggianese im vergangen Jahr Oktober/November und in diesem Frühjahr. Eine Reaktion auf die Temperaturspannungen in diesem Jahr? In den Nächten selten mehr als 12 Grad, tagsüber oft sonnig-heiß. Aglandaou und Ascolana scheinen stabil. Anfällig zeigen sich v.a. Koroneiki und Pendolino.  Schlussfolgerung: Die Mittelmeerregion ist nicht nur wegen der Wärme besonders als Anbauregion geeignet, sondern auch wegen der ausgeglichenen Temperaturen. Die schönsten Stämme haben nun eindeutig die Leccinos, die teilweise gut an Umfang zugenommen haben und fast ohne Warzen und Risse geblieben sind. Maurino hält sich auch wacker, hat ähnliche Holzcharakteristiken wie Leccino, während Pendolino im Holz Seggianese gleicht.

Die am 11. September geschlüpfte Schwalbenschwanzraupe entwickelt sich prächtig. Von den anderen sind die meisten unauffindbar - vermutlich haben sie sich bereits zum Verpuppen zurückgezogen.

17. Oktober 2009. Erster Versuch mit einem Vliestunnel für die Wintermonate in Ost-West-Ausrichtung. Als Gerüst verwende ich vier Stützpfähle mit jeweils 6 Meter Abstand und dazwischen je zwei Federstahlstäbe 6mm Stärke von 5 Metern Länge. Über drei Federstahlstäbe spanne ich ein Perlonseil, um das Vlies zu halten. Bei etwa 30 kmh Windgeschwindigkeit werden einzelne Stäbe aus dem Boden gezogen. Ich hatte nicht berücksichtigt, dass der Wind bei schnellem Darüberstreifen einen starken Sogeffekt bewirken kann (Flugzeugflügel-Effekt). Wäre bei Nord-Süd-Ausrichtung geringer. Schlecht auch, dass das Vlies an manchen Stellen durch die Reibung an den Pfosten fast durchgescheuert ist.

Teilweise verfärbt sich das Olivenlaub an den Triebspitzen gelb-chlorotisch - vor allem bei Leccino. Bemerkenswerterweise stehen die Propfungen alle vital und in kräftigstem Dunkelgrün da!

31. Oktober 2009. Ein Landwirt, von dem ich einen Randstreifen zu meinem Olivenhain hinzugepachtet habe, kündigt mir überraschend und fordert die Räumung des Streifens, auf dem 1 Kaki, 3 Weinbergpfirsiche und 9 Olivenbäumchen stehen. Er stützt sich dabei auf das Schreiben eines Landwirtschaftsberaters, der eine Pflanzung von 10 Beerensträuchern als potentielles §32-Biotop ansieht und für meine Oliven "je nach geplanter Höhe" einen Grenzabstand von 8 m vorschlägt - wohlgemerkt zu einem Feld, auf dem direkt bis zur Grenze Mais (Wuchshöhe über 2 Meter) und Roggen angebaut wird. "Bei hohen Olivenbäumen" schlägt er gar einen Grenzabstand von 16 m vor. Ich bewundere den außergewöhnlichen Optimismus, dass meine Olivenbäume mit deutschen Wintern und in ausgesetzter Windlage die Dimensionen "großwüchsiger Arten" von Laub- und Nadelbäumen erreichen könnten, für die neben real existierenden Rebanlagen dieser Abstand nach dem Nachbarschaftsrecht gefordert wird. Andererseits habe ich natürlich Verständnis dafür, dass niemand im Rebgelände einen Streifen Wald haben möchte. Ich auch nicht. Aber auch keinen Streifen Mais!

06. November 2009. Das Nachbarschaftsrechtsgesetz Baden-Württemberg schreibt für Obstbäume auf schwach- bis mittelwüchsigen Unterlagen bis zu einer Höhe von 4 Metern neben Rebanlagen einen Grenzabstand von 4 Meter vor. Daran orientiere ich mich (auch wenn, wie gesagt, da keine Rebanlage steht, sondern bisher Mais oder Roggen) und pflanze eine Gruppe von 3 Oliven um, da eine davon etwas weniger als 4 Meter von der Grenze entfernt steht. Dabei entdecke ich zu meiner Überraschung bei den beiden Aglandaou, die ich in kleinen 10x10-Zentimeter Töpfchen aus Ungarn bekommen und am 15. Mai gepflanzt hatte, dass die ein enormes Wurzelwachstum hingelegt haben - mit Längen bis zu 40 Zentimeter! Eine Ascolana ist dagegen mit ihren Wurzeln kaum aus dem noch erkennbaren Topfvolumen herausgewachsen!

16. November 2009. Als Winterschutz habe ich mit Peter Garbe ein Steilwandzelt der 70er Jahre aus seinem Familienbesitz aufgebaut. Darin sollten die Propfungen gut über den Winter kommen. Die Grenzstreitigkeiten entspannen sich, die Abstandsempfehlungen werden an realistische Größen angepasst und dafür verzichte ich auf die Pflanzung von Sträuchern in Grenznähe als Windschutz gegen Westen.

16. Dezember 2009. Alle Bäume stehen nun unter Vliestunnels oder Einzelhüllen aus Thermovlies M85, gespannt über 6mm-Federstahlstäbe von 5 Meter Länge. Die Frostentwicklung ist kontinuierlich seit 12. Dezember, was den Pflanzen Gelegenheit zur Anpassung gibt.

19. Dezember 2009. Auch dieser Winter hat wohl nicht vor, sich an die Regeln der Klimaveränderung zu halten. Seit einer Woche nun Dauerfrost und heute nacht Schneefall und dann Temperaturen außen bis -9 Grad. Allerdings ist es unter den Vlieshüllen und im Zelt einiges wärmer. Bis -4 gab es keinen Bodenfrost. Vorgestern abend habe ich wieder Kerzen aufgestellt und Schwimmlichter mit Rapsöl (s. Technik). Die Stimmung bei Nacht ist nicht ganz so zauberhaft wie mit den Kerzen unter den Thermofolie-Hüllen, dafür ist der Aufbau nun besser zu beheizen und sicher insgesamt besser für die Pflanzen. Die Temperaturen sinken weiter - und das bei Süd- bis Südwestwind!! Am Abend draußen -12 Grad, im Zelt -4, unter Vlies -6. Jede Pflanze hat nun zwei Kerzen/Schwimmlichter.

20. Dezember 2009. Leider sind in dieser Frostnacht (bis -13 Grad) einige der Schwimmlichter ausgefallen. Vermutlich wurde das Öl nicht mehr warm genug für den Transport im Docht. Ein Leccino hat heute nachmittag am Stamm stark "geblutet" - bei ihm war ein Schwimmlicht ausgefallen.

22. Dezember 2009. Nun auch noch stürmisches Wetter nach dem Frost. Im Olivenhain Windstärke 6-7, Böen bis 9. Natürlich musste ich die Vliese abnehmen. Temperaturanstieg auf 10 Grad. Dann Regen. Am Abend wieder Vliese drüber. Und für den 25. ist die nächste Sturmphase in der Region angekündigt - mal Nord- mal Süd- mal Ost- mal Westwind, es gibt keine "sichere" Seite.

29. Dezember 2009. Ich habe mir einen Windmesser bestellt, um genauer feststellen zu können, was meine Vliestunnels so aushalten bzw. ab wann sie schlappmachen. Das Schlappmachen ist vor allem ein Problem der Stützpfähle, die vom Wind losegerüttelt und umgedrückt werden, und der Federstahlbögen, die vom Wind flachgelegt werden und dem Vlies keinen Halt mehr bieten. Bei Mondlicht sehen die silbrig schimmernden Vliestunnels wunderschön aus. Aber an der Stütztechnik muss ich noch arbeiten.

Die Oliven im Zelt stehen bestens da. Die anderen unter Vlies (Tunnels und "Iglus") haben teilweise erfrorene Spitzen und bräunlich verfärbte Blätter außen. Ein großes Zirkuszelt für den Winter - das wärs. Allerdings würde mir das wohl auf meinen "Wuthering Heights" ohne tiefe Betonanker davonfliegen!
TAGEBUCH 2008:


Am 28. Januar 2008 geht das unbewirtschaftete Grundstück mit halb verfallener Weinberghütte am "Kerberg" Obergrombach in meinen Besitz über. Allerdings stellt sich kurz darauf heraus, dass das Rebrecht für den ehemaligen Weinberg erloschen ist. Ich erwäge, Tafeltrauben anzupflanzen, die kein Rebrecht benötigen.

Die Bodenprobe ergibt: Die Kupferbelastung durch den früheren Weinbau ist noch akzeptabel. Allerdings ist der Boden deutlich mit Phosphor überversorgt (Gülle- oder Blaukornsyndrom). Kalium gut, Magnesium zu wenig.

Ich richte in mehreren Arbeitseinsätzen mit Helfern die Hütte her und unterdessen grubbert ein Landwirt das Grundstück und versprüht Herbizid, weil er der Meinung ist, das Stück gepachtet zu haben. Die Maispreise explodieren gerade und die EU hat Stilllegungsflächen freigegeben, da wird wieder alles unter den Pflug genommen. Allerdings war das Stück nicht an ihn verpachtet.

Allmählich setzt sich die Idee fest, Oliven anzupflanzen. Bei Internetrecherchen stoße ich auf den "ersten Olivenhain nördlich der Alpen" in der Kölner Bucht. Und wenn der Klimawandel tatsächlich so kommt, wie prophezeit wird ...

Mit Peter Garbe und seiner Tochter Laura pflanze ich am 8. April 2008 die ersten sechs Leccino.

In den Tagen danach säe ich noch sehr sparsam eine Wildkräutermischung aus regionalem Anbau (Syringa Freiburg) auf dem Gelände aus. Vor dem Grubbern dominierten Gräser und kanadische Goldrute. Allerdings kommt fast nichts davon zur Keimung.

Die sechs ersten Bäume haben sich gut eingelebt, stehen da, als gehörten sie da wirklich hin. Also beschließe ich, die Sache gleich richtig anzugehen und fahre nach Pulheim-Stommeln, um beim "ersten Olivenhain nördlich der Alpen" Erfahrungen mitzunehmen und einige Pflanzen (mehr dazu unter "Vorbilder"). Und so beziehen am 10. Mai 2008 weitere acht  Leccino und acht Olivastra Seggianese ihr Domizil auf dem "Kerberg".

16. Mai 2008 Vier Maurinos komplettieren die Anlage. Eine sehr schöne Sorte, mit langen, schlanken Blättern. Im oberen Teil des Geländes entdecke ich eine wild aufgegangene Mariendistel - auch eher ein Bewohner südlicher Gefilde. Stimmt mich optimistisch. Ansonsten wachsen fast nur weißer Gänsefuß, Melde und Gräser. Alle Oliven blühen und bilden kleine, stecknadelkopfgroße Fruchtansätze.

Im Juni entdecke ich bei einigen Blättern Chlorose (Symptom für Magnesium- und/oder Eisenmangel) und "Occhio di Pavone" (eine Pilzkrankheit bei Oliven). Ich gebe weitere kleine Mengen von Kieserit und besprühe die Pflanzen mit Schafgarbe-Ansatz. "Occhio di Pavone" ist häufig bei Oliven und muss erst behandelt werden, wenn mehr als 30% der Blätter befallen sind.

Im Juli entwickeln sich einzelne kleine Oliven vor allem bei Olivastra Seggianese und spärlich bei Leccino.

Am 17. September kann ich schon die erste zwergenhafte Seggianese-Olive schwarz ausgereift "ernten". Sie ist lange nicht so bitter, wie ich das von Oliven in Italien oder Griechenland frisch vom Baum kenne. Liegt wohl auch am hohen Wassergehalt.

Bei Spaziergängen sammle ich Saatgut von Wildkräutern, um die Samenbank des verarmten Geländes wieder aufzufüllen. Die Melde und die Gräser habe ich zweimal gemäht. Jetzt kommt vor allem kanadisches Berufkraut.

Am 09. Oktober gebe ich vorbeugend-kurativ 400 ml 0,5% Kupferlösung an alle Seggianeses und einige Leccino, die besonders von "Occhio di Pavone" betroffen sind.

Am 27. Oktober pflücke ich die letzten paar Seggianese- und eine einsam ausgereifte Leccino-Olive. Die Leccino schmeckt gehaltvoller.

Anfang November fallen mir kleine Warzen und Risse an manchen Pflanzen auf, vor allem bei den Seggianeses. Angeblich wird Olivenrinde erst nach einigen Jahrzehnten "rustikal". "Altern" meine Pflanzen schneller durch das rauhere Klima? Ende November wird Frost unter -10 Grad angekündigt. Ich packe die ersten Pflanzen in Thermofolie ein, dann nach ein paar Tagen wieder aus, da der Tieffrost ausbleibt und es tagsüber in der Sonne unter der Folie schaurig warm wird.

Am 19. Dezember 2008 packe ich einen Testbaum in Folie ein und platziere innen am Pfosten einen Datalogger für eine Temperaturverlaufs-Aufzeichnung. An einem Kontrollpfosten bringe ich gleichfalls einen Datalogger in gleicher Position an.