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Sie finden hier den Einstieg in die Geschichte nicht des ersten, nicht des ältesten, nicht des nördlichsten und nicht des größten Olivenhains in Deutschland. Aber gewiss die Geschichte des reflektiertesten Olivenhains.


Meine Erfahrungen und Einsichten habe ich tagebuchartig erfasst seit 2008, seit der Pflanzung der ersten Oliven auf einem ehemaligen Weinberggrundstück im Kraichgau.

Eingearbeitet habe ich Erfahrungen Anderer mit Olivenpflanzungen in Grenzlagen, Erkenntnisse des Olivenanbaus, Klimabeobachtungen, ökologische Überlegungen sowie Praktiken aus Naturschutz, Bioanbau und Permakultur.


HARTMUT SCHÖNHERR: Olivenhain Kraichgau


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Nachfolgend finden Sie, absteigend geordnet, jahresweise Kurzfassungen der Tagebücher seit Anlage des Hains 2008.

Weiter unten finden sie einen Arbeitskalender, nach Monaten gegliedert.


  


bon sai

das fahrrad ist umgefallen,
im rückspiegel zeigt sich der himmel.


(2017)



BERICHT 2017:
Frostig-stürmischer Januar, Spätfrost, langer Herbst

Die zweite Winterhälfte war teilweise durchaus frostig, in den zweistelligen Bereich hinein, dazu kamen heftige Winde. Der Frühling gab sich kühl wie in den Jahren zuvor, der Sommer durchschnittlich, der Herbst eher mild - ein Bild ähnlich dem von 2016. In diesem Jahr gab es allerdings nennenswerten Zuwachs auch bei Aglandaou, Ascolana, Bouteillan und Leccino. Auffallend häufig waren wieder einmal Blattvergilbungen und dazu als neues Phänomen gehäufte Blattverfärbungen zu Dunkelrot/Dunkelbraun im Herbst, vor allem bei Ascolana und Aglandaou.

Nach einem eher herbstlichen Winterverlauf kam es schon am 6. Januar erstmals zu strengem Frost, am 7. Januar wurden teilweise in der Region zweistellige Minustemperaturen erreicht. Und dies dann gleich nochmal um den 22. Januar. Stürmisch war es am 4. Januar und dann vor allem am 12. und 13. Januar  - mit erheblichem Arbeitsbedarf an den Einhüllungen. Ich habe wieder einmal meine windausgesetzte Lage sehr bedauert. Ich wollte ja ein Windschutzwäldchen nach Westen pflanzen - aber die Nachbarn verpachten lieber an einen Maisbauern. Der Februar brachte dann keinen nennenswerten Frost mehr, doch erneut einige stürmische Tage.

Ein warmer März und bis zur Monatsmitte auch warmer April haben mich ermutigt, die Oliven nach vielen Jahren der Schnittruhe wieder einmal zu schneiden, ab dem 9. April, zumal sich teilweise wildes Gestrüpp entwickelt hatte.

Am 20. April kam es zu einem Spätfrost mit spektakulären Folgen für Teile des Wein- und Obstbaus. Auch meine ersten Olivenblütenansätze sind erfroren und die üppigen Blüten der Paw Paw. Und vielleicht war dieser Frost auch verantwortlich für das Dahinkümmern meines Olivenlaubs Anfang Mai.

Ab Mitte Mai dann erneut erfreuliche Entwicklung, neue Austriebe, wobei Teile der Blüten um den 20. Mai abtrocknen (viel Sonne, hohe Temperaturen, wenig Regen), das Laub sich aber gut entwickelt. Extrem entwickelte sich in diesem Jahr auch das Einjährige Berufskraut, ich mache mir Sorgen um meine Magerwiese.

Im weiteren Jahresverlauf gutes Wachstum, leider bei den Früchten nicht. Ende August, Anfang September fallen die meisten Fruchtansätze ab, nur eine Handvoll Oliven reifen aus, alle bei zwei Aglandaoupflanzen!

Der Herbst zieht sich lange hin, im November kommt es noch zu neuen Blattansätzen. Mit dem Einpacken bin ich sehr am Zweifeln, um den 23. November herum gibt es frühlingshafte Tage mit bis zu 17 Grad! Nach einem ersten Schneefall Anfang Dezember und Frostprognosen packe ich etwa die Hälfte der Oliven am 7. Dezember ein. War allerdings nicht notwendig und als es am 14. Dezember einen lokalen Wirbelsturm in Obergrombach gibt werden die Hüllen kräftig gefetzt. Da um Silvester weitere Stürme drohen und kein Frost in Aussicht ist, packe ich vor Weihnachten einige der besonders durchgerüttelten Oliven wieder aus. So gehen etwa 70% meiner Oliven ohne Hülle ins neue Jahr.


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2017".



amrum


zurück vom meer
aus allen kleidungsstücken
wölkt noch sand

der strand ist ferner nun denn je
die see schlägt ihre wellen knirschend
an die schläfen.

da burgt erinnerung
an züge mit den fischen, aug um aug
den ohren muschelrauschen, dem watt ein grabmal.

ich bin bei dir
bist du auch noch so ferne
salzgestöber, schiebung der gezeiten.

kugelwelt grüßt heil, vom fernen stern
stäubt blütentraum
olivenöl träuft von der sichel

des mondes. erntezeit.
wind sprachlos, eis den wangen
vom süden nordlicht.


(2016)


BERICHT 2016:
Bescheiden zugelegt

Der Winter war mild, der Frühling kühl, der Sommer durchschnittlich, der Herbst eher mild. Ein erkennbarer Zuwachs an den Pflanzen kam erst spät, ab dem Spätsommer. Dabei taten sich vor allem Verzola und Olivastra Seggianese positiv hervor.

Nach einem zunächst herbstlichen Winterverlauf kam Mitte Januar eine etwas frostige Woche, mit einer Tiefsttemperatur von -8 Grad am 19. Januar. Ende Januar stiegen die Temperaturen jedoch tagsüber wieder bis auf 15 Grad. Als ich die Oliven auspackte, am 26. Januar, zeigten sich teilweise lose Blätter! Prinzesschen Bianchera tat sich dabei wieder einmal negativ hervor. Eine Reaktion auf Überhitzung während der warmen Tage?

Am 24. Februar musste ich dann wieder einhüllen, eine neue Schnee- und Frostperiode kam. Starkes Argument für eine zweischichtige Einhüllung: Eine luftige Grundeinhüllung für den gesamten Winterverlauf (Mitte Dezember bis Anfang März) sowie eine zweite Hülle für längere/tiefere Frostphasen. Auch der März blieb zunächst kühl, am 22. packte ich dann endgültig aus, da die Sonne zu stark wurde. Beim Auspacken rieseln die Blätter, ein enormer Blattverlust bei den meisten Pflanzen - vermutlich durch die Hitze tagsüber unter den dichten Hüllen bei Sonneneinstrahlung.

Um Ostern kam dann endlich kurzfristig Wärme, am 26. März sehe ich die erste Eidechse. Allerdings wird es im April dann wieder eher kühl für die Jahreszeit und erst der Mai bringt ernstzunehmenden Frühling. Die Oliven zeigen teilweise nun Rindenrisse und bei einigen stirbt das über Winter verbliebene Laub ab - und das noch Anfang Mai! Neuaustriebe gab es nur bei einzelnen Pflanzen, älteren Leccino vor allem. Die schwankenden Temperaturen im bisherigen Frühlingsverlauf haben den Oliven sehr zu schaffen gemacht. Neunmal gab es im März Nachtfröste (nach achtmal im Februar, die weit überwiegend wenig unter Null lagen), im April immerhin noch dreimal - den letzten am 29. April!

Im Mai folgende waren die Pflanzen dann erst einmal damit beschäftigt, ihr Laub wieder zu ersetzen. Dazu kam auch eine erstaunlich üppige Blüte, die bald auch zu Fruchtköpfchen führte - die allerdings fast alle abfielen. Holzwachstum gab es bis in den Sommer hinein kaum. Erst im September kam nennenswerter Zuwachs. An Oliven reiften ganze drei aus.

Nur geringen Holzzuwachs musste ich auch in den vergangenen Jahren registrieren. Der Vergleich mit 2009 ist erhellend: Damals haben sich die Pflanzen nach den Schäden durch den frostigen Januar (29 Frosttage, 11 Eistage, -3 Grad Abweichung vom Januardurchschnitt) sehr zügig erholt, was an einem auffallend warmen Frühling gelegen haben dürfte, April ohne Fröste, Mai +2,3 Grad über Durchschnitt.

Auch in diesem Jahr gab es wieder Verbissschäden durch Rehwild.


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2016".


An Aton

Die Vögel
die bei der Sonnenfinsternis schweigen
wissen mehr.

Meine Nachbarin
Reinkarnation einer altägyptischen Prinzessin
hat es mir erklärt.

Nach Schichtende bei Penny
spricht sie mit den Spatzen
auf dem Dachboden.

Es ist schön dort,
schräg zwar,
aber näher zur Sonne.

Neben den Kollektoren
verbrenne ich die schwarzen Engel
in meiner Brust.

Mit Korkpatronen
schießen wir auf Dionysos
der wieder zu spät kommt.

Am Morgen danach
ist die Sonne ausgeblieben.


(2015)


BERICHT 2015: Occhio di Pavone-Jahr

Der Winter 2014/15 brachte zum Jahresanfang keine gravierenden Frostereignisse, gerade mal -6,4 Grad gab es in Rheinstetten am 06. Januar. Danach begnügte sich der Winter mit Pendelbewegungen um die Null-Grad-Grenze. Da die Tagestemperaturen sehr hoch waren, habe ich Anfang März ausgepackt. Allerdings gab es bis Anfang April immer wieder leichte Nachtfröste, was dem Rosmarin nicht gefallen hat, er zeigte unversehens verbräunte Nadeln im März.

Bei den Oliven fand ich auf den Blättern sehr viel Occhio di Pavone beim Auspacken. Die Pilzkrankheit hatte sich in diesem milden Winter bei den dicken Verpackungen, die ich angelegt hatte, offensichtlich wohlgefühlt. Occhio di Pavone sollte das ganze Olivenjahr dann bestimmen und in der zweiten Jahreshälfte zu weitgehendem Blattverlust führen. Was dazu beitrug, dass die Pflanzen kaum an Holz zugelegt haben, sondern mit Blattentwicklung beschäftigt waren. Doch auch die Blattentwicklung verlief eher zurückhalten, wohl den geringen Niederschlägen geschuldet.

Der Sommer war gekennzeichnet durch hohe Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen, bedingt zunächst durch auffallend kühle Nächte im Frühsommer, dann durch extrem heiße Tage. Die Witterung war ausgesprochen trocken, was sich höchst negativ auf die Entwicklung der Pflanzen auswirkte. Auffallend gut entwickelte sich lediglich eine Seggianese von 2008. Die Sorte ist durch Trockenheitsresistenz ausgezeichnet und leidet unter Nässe. Die Blüte war reichhaltig, es bildeten sich auch zahlreiche Fruchtansätze, die jedoch überwiegend in den kühlen Frühsommernächten abfielen. Ein paar Oliven reiften dennoch aus, bei Aglandaou.

Bemerkenswert war dieses Jahr für die Oliven auch durch ungewöhnliche Verbiss- und Fegeschäden. Noch Anfang November fegte während anhaltender warmer Witterung ein junger Rehbock einen schönen Verzola-Stamm zuschanden. Verbiss gab es immer wieder, noch im Dezember kurz vor dem Einpacken.


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2015".



kulturaustausch


von unseren häusern bleibt
die styroporhülle.

warum soll es uns besser gehen
als den römern
mit ihren tonscherben.

wer dauer möchte
kauft sich ein dauergrab.

im weinberg häufen sich
die rebschnitte
zu scheiterhügeln.

geopfert werden
würstchen.

während der abendmesse
macht sich die sonne
davon.

draußen ist es drinnen
am schönsten.

(2014)


BERICHT 2014: Reiche Blüte, keine Ernte

Das Jahr 2014 war charakterisiert durch einen milden Winter 2013/14 und einen milden Winteranfang 2014/15. Doch trotz dieser günstigen Rahmenbedingungen verlief die Entwicklung der Oliven eher bescheiden. Holz haben sie mit Ausnahme einer Seggianese von 2008 nur wenig entwickelt. Geblüht allerdings haben fast alle Pflanzen reichlich. Es entwickelten sich auch zahlreiche Fruchtansätze, die jedoch in den kühlen Frühsommernächten bis auf einzelne Exemplare, von denen einige im Spätsommer zur Reife kamen, abfielen.

Verluste an Pflanzen gab es in diesem Jahr nicht, allerdings habe ich bei der Neupflanzung von sieben Oliven aus italienischem Baumschulbestand (Ascolana, Bianchera, Maurino und Verzola) nicht nur in Lücken gepflanzt, sondern einige sehr schwache Pflanzen ausgetauscht. Geschädigt wurden Anfang April zahlreiche Pflanzen durch weidende Rehe. Eine Moufla war Ende April von Schermäusen massiv an den Wurzeln benagt, erholte sich allerdings im Laufe des Jahres wieder. Ende Mai fand ich eine der Neupflanzungen zu zwei Drittel am Stammumfang freigefegt von einem Rehbock - der Baum hielt sich jedoch wacker.

Im Laufe des Sommers zeigten die sieben neu gepflanzten Oliven massiven Befall mit Occhio di Pavone. Den hatten sie mitgebracht, aber erst hier bei mir ist die Pilzkrankheit voll ausgebrochen. Vermutlich aus zwei Gründen: In der Baumschule wurden Spritzmittel eingesetzt, von mir nicht (abgesehen von zurückhaltenden Kupferanwendungen und Schafgarbenansatz). Und dann gab es die starken Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht, die wohl Occhio di Pavone begünstigten (Kondensatbildung an den Blättern in der Nacht).

Auch aus den nördlichen Olivenanbaugebieten wurde massive Verrieselung, also Verlust von Fruchtansätzen, berichtet. Darüber hinaus gab es in diesem Jahr extremen Befall durch die Fruchtfliege und in Süditalien zusätzlich Schäden durch Xylella fastidiosa (bzw. die Korruption/Baumafia).


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2014".



der eisbär

ist ein tier
das schweigt
in unseren augen
spielt
und trauert
mit den plastikeimern.

es taut und auf dem eisbärfell
wächst algenhaar.
der alte jäger
lässt die scholle los

und von den betonwänden
fällt ein reiher
in den zoo.

(2013)


BERICHT 2013: Milder Winter


2013 bescherte einen weiterhin milden Winter 2012/13, der auch im Februar sich zurückhielt mit Frostereignissen. Dafür ließ der Frühling dann endlos auf sich warten, der Sommer war eher verhalten mit wenigen und nur kurzen, trockenen Hitzeperioden, der Herbst war freundlich - aber für die Pflanzen kam seine Freundlichkeit wohl zu spät. Erneut kein gutes Wachstumsjahr, wie schon 2012. Die Pflanzen gingen höchst kümmerlich in den nächsten Winter 2013/14, der sich bis zum Jahreswechsel mit Frost und Schnee extrem zurückhielt, überwiegend frühlings- oder herbsthaft daherkam - zumindest tagsüber, die Nächte brachten häufigen Frost.

Mitte Januar kommen nach dem milden Winterstart einige Tage mit anhaltendem Frost. Sieben Eistage gab es im Januar, keine zweistelligen Minustemperaturen, nur 4x sank die Temperatur unter -5 Grad. Der Februar bleibt ohne harten und andauernden Frost, es kommt gelegentlich zu Schneefällen. Mit dem Februar konnte ich zufrieden sein, bei achtzehn Frosttage gab es nur neunmal nachts Temperaturen niedriger -5 aber über -10 und lediglich zwei Eistage bei durchgängig maximal einstelligen Minustemperaturen. Im März kommt es zu einigen Frosteinbrüchen im Bereich von -5 Grad und zu Eisregen. Doch dramatisch sind die Temperaturen nicht, kein Grund zur Sorge um die Oliven. Das ganze bekommt medial nun auch seinen Namen: "Märzwinter".

Im März gab es einen Eistag und achtzehn Frosttage, dabei fünfmal Frost unter -5 Grad. Und dieser "Märzwinter" hält sich zunächst nicht an seinen Namen und geht noch etwas im April weiter, was nun unter "Aprilwetter" laufen kann. Aber am 9. April ist dann endgültig ein bescheidener Frühling angesagt und ich mache mich ans Auspacken. Dabei überwiegen die positiven Eindrücke. Fast alle Oliven haben noch vitales Laub und Gezweig, teilweise vollständig! Der Frühling bleibt eher verhalten bis erbärmlich. Ende April sinken die Temperaturen in den Bereich von +5 Grad, was für die Oliven erneut das Signal Vegetationsruhe bedeutet. An den jungen Zweigen von Oliven zeigen sich schwarze Flecken, ein neues Schadenssymptom. Teilweise verfärben sich ganze Zweige dunkel, die Oberfläche wird dabei teilweise leicht glänzend, zugleich schrumpfen sie im Durchmesser. Auch der Mai ist nicht sonderlich frühlingshaft, sondern regnerisch und kühl. Was die Oliven allerdings nicht davon abhält, gegen Ende des Monats behutsam neu auszutreiben an den Blattachseln.

Im Juni pflanze ich die fünf von der ersten lockeren Pflanzung 2008 noch - rudimentär - verbliebenen Oliven in die Reihen um. Das Experiment lockerer Pflanzung ist damit beendet, alle stehen nun in Reihen, wo ich die Pflege und den Winterschutz effektiver gestalten kann. Die jahreszeitliche Entwicklung weiterhin bizarr, das Wetter gegen alle Prognosen. Trockenheit war vorhergesagt, es regnet weiterhin. Mitte Juni die ersten Blütenknospen an einzelnen Olivenpflanzen, die ich 2012 gepflanzt habe, Aglandaou und Ascolana. Die kurze Hitzewelle um die Junimitte tut auch dem Granatapfel gut.

Bei den Oliven verbräunen im warmen Juli teilweise bereits die ersten Blüten, während direkt daneben noch Blütenknospen geschlossen sind. Mitte des Monats bilden sich die ersten Stecknadelköpfe bei den Oliven. Im August gibt es weiterhin sehr warme Temperaturen ohne nennenswerte Niederschläge. Anfang des Monats pflanze ich drei Moufla von einem anderen Olivenenthusiasten, der sich eine Lieferung aus Südfrankreich hat schicken lassen. Die Olivenfrüchtchen der älteren Bäumchen haben unter der heißen Trockenheit gelitten und sind überwiegend abgefallen. Das Wachstum der Oliven ist jämmerlich.

Der September beginnt warm, doch dann kommen zwei Monatsdrittel mit deutlich zu niedrigen Temperaturen, insbesondere in den Nächten, während es tagsüber zum Monatsende gelegentlich wieder angenehm warm wurde. Die Oliven holen weiterhin im Wachstum nicht auf. Der Oktober bringt Ostwind über die Maßen - und Kühle in den Nächten, während er tagsüber sich eher warm präsentiert. Warm und regnerisch. Kaltlufteinbrüche gibt es um den 10. Oktober und dann wieder massiv zum Monatsende. Für die Oliven war dies kein schlechtes Jahr, insofern sie weitgehend mit intaktem Gezweige und Laubwerk aus dem Winter kamen. Und doch war es auch kein gutes Jahr, da sie im Sommerhalbjahr kaum oberirdisch zulegen konnten und ihre Früchte fast alle abgefallen sind.

Ich packe schon Anfang November die ersten Bäume ein für den kommenden Winter, da eine längere Regenperiode angesagt ist, was zum Einpacken fatal wäre. Nach der dann tatsächlich kommenden Regenperiode packe ich die letzten Bäume ein, denn es wird Frost angekündigt. In der letzten Novemberwoche kommt es dann auch zu mehreren Frosttagen mit Temperaturen bis - 7 Grad in den Nächten. Insgesamt hatte der November 2013 sieben Frostnächte.

Der Dezember bleibt moderat, die Temperaturen fallen nur bisweilen in den Bereich von -5 Grad, Eistage gibt es nur einen. Auch in diesem Monat gibt es wieder die weite Differenz zwischen eher zu warmen Tagen und recht frostigen Nächten - insgesamt 19 an der Zahl!


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2013".




lakshmi.


when she walks, it hurts.

we all live
with a twin, and it hurts
but we don't know walkin.

she
has to know
she
has to suffer
she is the goddess.


(2012)

BERICHT 2012: Extremer Februarfrost


Das Jahr brachte zunächst frühlingshafte Temperaturen. Doch dann gab es einen extremen und anhaltenden Februarfrost, gefolgt von einem milden März, der mich zu Pflanzungen verleitete. Im April gab es in der Monatsmitte nochmals einen kurzen Frostschock mit starken Nachtfrösten. Der weitere Witterungsverlauf brachte einen eher kühlen Mai und dann abwechselnde warm-trockene und kühl-feuchte Perioden das ganze Sommerhalbjahr hindurch. Der Winter 2012/13 setzte schon Mitte November mit einem ersten Nachtfrost am 13. ein, entwickelte sich dann aber eher zu Herbstwetter weiter, mit einer verhaltenen Frostperiode in der ersten Dezemberhälfte mit Werten um -5 Grad. In der zweiten Dezemberhälfte kam es zu gelegentlichen frühlingshaften Wetterlagen.

Im Altbestand gab es erhebliche Frostschäden durch den Februarfrost und dann kaum nennenswertes Wachstum nach einem ersten Schub Mai/Juni mit intensiver Blütenentwicklung. Eine löbliche Ausnahme war Bianchera (2010 gepflanzt), die es sogar zu einer reifen Olive schaffte. Meine im März eindeutig zu früh neu gepflanzten 16 Oliven aus Frankreich (Aglandaou, Bouteillan) und von Flora Toscana (Ascolana, Leccino) haben sich - bis auf Ascolana - auch kaum entwickelt. Was kaum erstaunt nach den Frostnächten Mitte April, obgleich die Pflanzen keine offen sichtbaren Schädigungen davontrugen. Der kühle Mai und der eher wachstumsfeindliche Sommer (wenn es warm war, gab es keine Niederschläge, in Niederschlagsperioden war es teils empfindlich kühl) haben das Jahr insgesamt wachstumsfeindlich gemacht, auch für andere Pflanzen.

An den Frostfebruar habe ich drei schöne Leccino und einen Maurino verloren. Dazu musste ich in diesem Jahr noch den Verlust von drei Olivenpflanzen durch Schermausfraß an Wurzeln und bodennaher Rinde hinnehmen. Dabei hat es ausgerechnet einen reich Fruchtknöllchen tragenden Leccino und eine vitale Ascolana erwischt. An anderen Bäumen haben sich die Fruchtknöllchen ab Juli nicht mehr weiter entwickelt. So kam nur ein einzige Olive an einer neu gepflanzten Bouteillan zur vollen Entwicklung und Reife. Es gab auch Spuren von Verletzungen, die auf menschliche Einwirkung hinwiesen oder einen sehr geschickt mit seinem Gehörn operierenden Rehbock.


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2012".



Requiem für einen Käfer


Natürlich bist auch Du nur
Ausgestorben bald und rot gelistet und
So überflüssig dass es jeden graust
Der deinetwegen eine Wiese
Nicht betreten soll vor so viel übermütgem Anspruch. Und doch
Tut es mir leid, dass ich
Mit wenig Vorsicht der Atriden dickes Abenteuerbuch hab abgelegt
Auf dieser Gartenbank, die deine war.

So traf es dich, gehockt auf eben dieser Bank in sonnigem Verweilen
In schlecht gefügter Schickung. Und das Gewicht
Der leichthin scheints gefügten Worte
Samt ihrem Träger, dem Papier aus jenen Wäldern
Die deine Ahnen einst bewohnten mit den meinen
Hat dich zu einem Teil erfasst
Und dir den Hinterleib zerpresst. Nun hockst du da
Auf deinen Eingeweiden.

Die Bank schweigt weiter, weiß
Von dir nichts und dem Kummer der Atriden
Kennt keine Dichter und singt
Keine Lieder, steht da und harrt nur der Gesäße
Die ihr sich neigen nach des Tages Last
In knarrendem Erbarmen. Du aber hebst die Fühler
Klagend zum Gesang, wirst Hohlform
Für ein anderes Beginnen.


(2011)


BERICHT 2011
: Bescheidenheit ist angesagt

Der Winter hatte brachial eingesetzt mit -18,7 Grad am 26. Dezember 2010 und heftigen Schneefällen. Das Jahr 2011 begann dann mit der erhaltenen Schneedecke, die allerdings in einem zweiwöchigen Tauwetter zügig wegschmolz. Mit den frühlingshaften Temperaturen im Januar verbunden waren heftige Stürme, die meinen Winterschutz immer wieder durcheinander brachten. Die Vliestunnels musste ich öfter nachspannen oder gar neu aufbauen, wenn der Wind eine Bogenreihe ganz abgedeckt hatte.

Die Oliven verloren bereits im Januar teilweise massiv Blätter, wobei nicht klar war, ob das eine Reaktion auf den Tiefstfrost im Dezember oder auf die schneereichen Dezembertage mit Temperaturen um 0 Grad herum war, eine Reaktion auf die frühlingshaften Januar-Temperaturen oder eine Folge der enormen Bodendurchfeuchtung. Im Januarhoch bildeten sich neue Blatttriebe, die in den Frösten Ende Januar wieder abstarben - was die Pflanzen enorm belastete.

Der Februar blieb kalt, aber freundlich. Gelegentlich gab es wieder heftigere Winde, bei denen ich die Vliese abnehmen musste und das große Zelt neu verspannen. Unter einer Luftpolsterfolie sind die Blätter eine Olive in der Sonnenstrahlung verbrannt. Die Lehre für die kommenden Jahre lautet, dass ich Luftpolsterfolie nicht mehr einsetze. Es wird unter entsprechenden Umständen zu warm/heiß darunter. Anfang März baue ich die beiden Zelte ab. Auch Zelte haben sich nicht sonderlich bewährt, es gab immer wieder Probleme mit Schneelast und bei stürmischen Winden, dieses Experiment ist gleichfalls beendet (Nachtrag 2012: im extremen Frostfebruar 2012 hätten Zelte wohl einige der großen Oliven erhalten können gegen den Dauerfrost im Boden).

Anfang April räume ich die letzten Hüllen ab und den Mulch um die Pflanzen, darunter finden sich häufig Maulwurfhügel (Winterheime ...), unter denen Pflanzen teilweise verschüttet waren. Bei einigen Pflanzen mache ich einen Probeschnitt und finde erstaunlich viel grünes Cambium. Offensichtlich haben die Pflanzen in der Summe diesen besonders schwierigen Winter (kalt, feucht, stürmisch) besser überstanden als die beiden Winter davor. Optimal erhalten sind die Pflanzen, die doppelt eingepackt waren, mit Luftkammerfolie und Vlies, z.B. ein Seggianese. Der Effekt dürfte durch mehrlagige Vlieshüllen auch zu erreichen sein (Nachtrag 2014: Die Erfahrungen der Winter seitdem bestätigen dies).

Die Winterbilanz ist ambivalent. Keine Pflanze hat Frostrisse bekommen. Vier der ältesten Pflanzen mit intakter Krone kamen weitgehend im Vorjahreszustand aus dem Winter, bei zweien starben allerdings dann Mitte April bei neuen Frostnächten Blätter und Zweige ab. Auch Neutriebe in den Blattachseln erfroren/vertrockneten Mitte April. Zwei Neupflanzungen von 2010 waren stark geschädigt in Krone und oberem Stammbereich. Auffallend ist, wie gut manche Grundlagentriebe den Winter überstanden haben! Die Auffassung von der Frostempfindlichkeit der Wildolive bestätigt sich nicht durchgängig.

"Milde" oder "normale" Winter (immer nur im Durchschnitt gesehen) sind nicht unbedingt olivenfreundliche Winter - das zeigte dieser Winter in aller Deutlichkeit. Er zeigte auch, wie wenig aussagekräftig die Kategorie "Klimaerwärmung" für das konkrete Witterungsgeschehen ist. Die Temperaturabweichung vom Mittel (1961-1990) betrug +0,1 K - mit -18,7 Grad bot dieser Winter aber auch den Kälterekord seit dem 13. Januar 1987 (der erreichte -19,4 Grad).

Anfang Mai gab es regional eine Frostnacht (3. auf 4. Mai), die allerdings keine Schäden brachte, die Neutriebe überstanden das, vermutlich blieb die Temperatur auf der Olivenwiese knapp über Null. Im Mai (Hochsommerwetter) gab es einen Wachstumsschub, danach herrschte weitgehend Stagnation in einem eher kühlen Sommer. Tagsüber allerdings gelegentlich sehr heiß, vor allem im August. Wachstum gab es nur bescheiden, allerdings entwickelten sich die Pflanzen insgesamt recht schön, mit gesundem Blattwerk.

Der Herbst verlief mild, teilweise sehr trocken. Ende November packte ich die Pflanzen ein, im Schnitt vierlagig. Mitte Dezember kam es zu heftigen Stürmen (Orkan "Joachim"), bei uns allerdings ohne extreme Spitzen. Die Vlieshüllen hielten ganz gut, nur einzelne Korrekturen waren notwendig. Olivenbäume mit weit ausladenden Kronen können allerdings unter solchen Windverhältnissen kaum geschützt werden gegen Frostereignisse.


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2011".




DER PREIS DER WELT

die welt
läuft aus, die bodenpreise
steigen
und wer noch große kinder will
muß kräftig gießen.
auch wenn die letzte zucht
zu wasserköpfen neigte
die zeichen stehen gut
die neuen mittel helfen
auch wenn die brut stattdessen nun
zum schießen neigt, die schönheit steigt
und auch der IQ läßt, soweit wir sehn
nicht grund zur sorge. nur dies:
die welt läuft aus
und keiner weiß wohin.

(1989)






BERICHT 2010
: Jahr der Stürme und Umbaumaßnahmen


Zunächst war ich noch optimistisch mit meinen Vliestunnels. Ich hatte ein Temperaturplus in den Tunnels von 3,5 Grad! Doch einige der Bäume verlieren unter den Tunnels zahlreiche Blätter, vor allem die in den vergangenen Wintern gestressten Leccino von 2008. Am 9. Januar schlägt dann "Daisy" zu und begräbt die Vliestunnels unter Schnee. Die Federstahlstäbe sind völlig verbogen, das Vlies hat gehalten ist nur an einem Stützpfosten eingerissen. Auch die beiden Zelte muss ich von Schneelast befreien.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kommt es dann zu Stammrissen bei zahlreichen Pflanzen - ähnlich wie im Januar 2009! Ich packe nun auch die Pflanzen in den Tunnels zusätzlich mit Vlies im Stammbereich ein, nachdem ich die Wunden versorgt habe mit Balsam und Bast - was allerdings, wie sich dann im Juni zeigte, nichts brachte.

Insgesamt ein herber Januar, mit starken Schneefällen und zweimal Nachttemperaturen im zweistelligen Minusbereich.  Im Februar geht es ähnlich weiter, doch nach Fasching setzt Tauwetter ein. Die Bäume haben offensichtlich stark gelitten, viele Blätter verbräunen zum Monatsende und verformen sich, rollen ein. Und dann kommt Xynthia, knickt sogar drei der Stützpfähle für die Vliestunnels. Dann folgt wieder Frost und killt die Blattknospen, die sich beim Tauwetter gebildet hatten.

Auch der März zeigt sich dann zunächst weiter winterlich. Erst Mitte des Monats ist der Winter vorbei, ich baue Tunnels und Zelte ab. In gutem Zustand zeigen sich nur die vier Bäume, die in den Zelten überwintert haben. Einige Tunnelpflanzen sind auch einigermaßen intakt noch, aber weitgehend ohne Blätter und mit zumindest leichten Stammrissen.

Mitte April bringe ich aus dem italienischen Baumschulenzentrum Pescia (Nordtoskana) zwei Leccio del Corno und zwei Bianchera im Fluggepäck mit. Akzeptable Versandmöglichkeiten aus Italien nach Deutschland waren nicht aufzutreiben, Preise ab 200 Euro! Mitte Mai kommt es an den Oliven, denen einige grüne Blätter verblieben waren, erste neue Blattknospen und frische Blättchen! Von den stark geschädigten Oliven sind viele mit Rußpilz überzogen. Aber auch diese treiben teilweise noch im Mai aus der Veredelung neu aus, zumindest Exemplare von Leccino und Seggianese. Maurino, Aglandaou, Pendolino, Koroneiki und die Pfropfung von Grappolo schweigen oder melden sich nur aus der Unterlage.

Im Juli bringt heißes Wetter dann schöne Weiterentwicklungen bei den Neuaustrieben. Im Vergleich zum Vorjahr ist allerdings ein Nachhinken auch bei gesunden Bäumen von mindestens zwei Wochen wahrnehmbar. Weitere totgeglaubte Pflanzen treiben nun doch noch im Stammbereich aus. Aus den Wurzelbereichen unter den Veredelungen kommen sehr unterschiedliche Triebe, teilweise ganz offensichtlich nicht Wildolive.

Mitte August herbstet es dann bereits, zumindest von den kühlen Nächten her. Und die Schwalben sammeln sich schon wieder über meinem Hain. Ich baue die Anlage um, hin auf einen engeren Pflanzenabstand (drei Meter statt bisher sechs) in einer Richtung (Nord-Süd). In der zweiten Augusthälfte führt dann wieder wärmeres Wetter zusammen mit üppigen Niederschlägen zu einem erstaunlichen Wachstumsschub, teilweise mit übergroßen Blättern, die klare Sortenmerkmale vermissen lassen.

Nachdem sich im September schon der Winter ankündigen wollte, ist im Oktober dann noch ein Altweibersommer angebrochen. Die Oliven freuen sich, aber die früh ziehenden Schwalben lassen mich skeptisch bleiben. Und dann beginnt Ende November der Winter, und wie! Am 30. November über Schnee Temperaturen bis -10,2 Grad - und zwar um 11:00 Uhr! Als ich nach den beiden vergangenen Wintern gemeint hatte, es könne nicht mehr schlimmer kommen, habe ich mich getäuscht. Schnee, Stürme, Frost, feuchte Verhältnisse bei Temperaturen um die Nullgradgrenze bis Mitte Dezember. Eines der Zelte zusammengebrochen, eine wunderbare Pflanze ruiniert. Die Vliestunnels gebeutelt und begraben. Danach etwas Ruhe mit leichter Schneedecke zum Jahreswechsel - allerdings am 26. Dezember auch eine Extremfrostnacht mit -18,7 Grad!


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2010".









für dich

für dich meine herde
die du nicht meine herde bist
mähe ich das gras für den winter. für dich
meine herde, die du nicht meine herde bist
leite ich den bach in die tröge. und weiß doch
man wird dich schlachten in den zeiten
des hungers.

für dich mein kind
das du nicht mein kind bist
pflanze ich turtelbäume. für dich
mein kind, das du nicht mein kind bist
grabe ich die brunnen tiefer. und weiß doch
die grundwasserspiegel sinken hin bis
zu den schwefelquellen.

für dich nehme ich mich an
solange die horizonte noch offen stehen
säe die körner gegen den westwind
und gebe mich frei
für den süden.

und unsern kranken nachbar
auch.

(2009)

BERICHT 2009:
Winterschock und Nachbarschaftsärger


Ein später Winter, der erst in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar wirklich loslegt mit einem Temperatursturz in den zweistelligen Minusbereich. Ich setze Kerzen unter Thermofolien-Hüllen ein. Danach packe ich die Pflanzen wieder aus, da es unter den Folien für die Pflanzen heiß zu werden droht im Sonnenschein bei milden Temperaturen. Am 10. Februar Sturmböen bei plus 9 Grad.

Dann droht am 14. Februar der nächste Temperatursturz und ich packe die Bäume wieder ein. Es geht erneut runter in den zweistelligen Minusbereich! Ende Februar ist dieser bizarre Winter dann vorbei! Einige Pflanzen habe Stammrisse und Risse in den Ästen mit Rindenschälung.

Mitte März fahre ich in die Toskana, zur Azienda Sperimentale di Santa Paolina, und nach Arezzo, wo zwei Sorten wachsen, die sowohl den Frostwinter 1956 als auch den von 1985 überstanden haben. Ich nehme Zweige der Sorten Morcone, Leccio del Corno, Mignolo, Grappolo und Bjankera (Istrien) mit, um damit zuhause Propfungen zu erproben.

Zuhause mache ich mich Anfang April bei geeigneter Witterung an die Propfungen. Bei der Auswahl geeigneter Bäume bzw. Zweige als Unterlage stelle ich fest, dass meine Bäume doch stärker im Cambium geschädigt sind, als ich vermutet hatte. Selbst auf den ersten Blick vitale Zweige mit vollkommen intakten grünen Blättern sind teilweise tot bzw. verholzt.

Anfang Mai unternehme ich eine Fahrt zu den beiden Olivenhainen in der Kölner Region zu einem kleinen Erfahrungsaustausch über die Auswirkungen des vergangenen Winters. Das Ergebnis ist niederschmetternd und ermutigend zugleich. Alles ist erfroren. Doch die Brüder Becker haben alle Bäume des 2005 angelegten Hains gegen Jungbäume der Sorten Leccino und Seggianese ausgetauscht und dazu noch weitere Flächen neu bepflanzt. Die Baumschule La Cava in Köln-Widdersdorf hat die im vergangenen Jahr gepflanzten Bäume ersetzt und die älteren, sichtlich frostgeschädigten, Exemplare stark zurückgeschnitten.

Mitte Mai zeigen dann bei mir zuhause einige bislang unbeschadet wirkende Pflanzen erhebliche Frostschäden am Stamm und absterbende Zweige. Ende Mai und im Juni kommt es dann zu Erholungserscheinungen, vor allem Blattentwicklung, Neuaustrieben von Zweigen gibt es nur sehr zurückhaltend. Sehr schön entwickelt sich die Dreifachpfropfung an einem auch sonst vitalen Leccino mit Bjankera (aus Kroatien), Grappolo und Leccio del Corno.

Anfang Juli pflanze ich eine 3-4jährige griechische "Koroneiki"-Olive, die mir Conrad Bölicke geschenkt hat.  Eine schöne Pflanze - leider eine Sorte, die (so heißt es) Frost nicht gut verträgt, ich werde im Winter sorgsam auf sie achten müssen.

Die Olivenbäumchen bekommen in der sonnig-heißen zweiten Augusthälfte einen deutlichen zweiten Wachstumsschub. Nachdem in der ersten Phase Mai/Juni primär Blattmasse produziert wurde, entwickeln sich nun auch Zweige, vor allem markante künftige Leitäste. Im September kommt es zu Warzen- und Rissbildungen, die Nächte sind kühl, die Tage oft sehr heiß, das scheint den Pflanzen nicht zu gefallen. Im Oktober baue ich Vliestunnels als Winterschutz auf.

Ende Oktober gibt es Ärger mit einem Landwirt, von dem ich im Austausch für ein anderes Grundstück einen Randstreifen zu meinem Olivenhain hinzugepachtet habe (den er selbst im übrigen nur gepachtet hatte). Er befürchtet die Entstehung eines §32-Biotop, das Landwirtschaft künftig dort unmöglich machen würde. Dabei bin ich in Kaufverhandlungen mit der Besitzerin des Grundstückes, die er (vergebens) zu torpedieren versucht. Er möchte im Weinbaugebiet Mais anbauen, da stören ihn meine Oliven. Er schreddert 1,5 Meter in mein Gelände hinein meinen Windschutz für die Oliven und reklamiert Grenzabstände von vier Metern für die Oliven.

Mitte November baue ich als Winterschutz für besonders wertvolle Bäume ein altes Steilwandzelt auf. Der Winter beginnt verhalten und mit kontinuierlich absinkenden Temperaturen ab dem 12. Dezember. Dann kommt eine Woche Dauerfrost, mit gelegentlich zweistelligen Minustemperaturen - und vor Weihnachten wird es dann auch noch stürmisch! Auch "zwischen den Jahren" herrschen stürmische Winde, wobei die Windrichtungen großzügig wechseln. Was den Schutz zusätzlich erschwert.


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2009".










einsicht

ich sehe den hut
den der komet trug
ehe er eintrat.


(1997)


BERICHT 2008:
Neuanlage und erste Ernte



Am 28. Januar 2008 geht mit Vollzug beim Notar das Flurstück Nr. 5215  am Obergrombacher Kehrberg mit einer einsturzgefährdeten Weinberghütte in meinen Besitz über. Eigentlich wollte ich primär die Hütte, als Unterstellmöglichkeit zu unserem Weinberg darunter. Doch dann kamen zügig Überlegungen, was aus dem Grundstück zu machen sei.

Zunächst richte ich die Hütte wieder her, und eines Abends ist das Grundstück gegrubbert. Wie ich rasch erfahre, hat das ein Landwirt gemacht, der Grundstücke daneben gepachtet hat. Er habe gedacht, das sei auch eines seiner Grundstücke, teilt er mir am Telefon mit, und ich solle doch froh sein, dass mal wieder was gemacht wurde, das Grundstück sei ja vernachlässigt gewesen (ach ja, von wem denn, von ihm, der doch dachte, es sei seines?!). Ich erfahre auch, dass er Unkrautbekämpfung ausgebracht habe, "kein Herbizid, nur Glyphosat, und Ammonium, wegen der Quecke". Ach so, dann ist ja alles in Ordnung: Glyphosat ist der Wirkstoff in Monsantos "Roundup", dem gebräuchlichsten Herbizid, dessen Patent abgelaufen ist. Aber Fachleuten muss man einfach glauben ....

Grund für die Aktion des Landwirts: U.a. dank Biomassekraftwerken explodieren die Maispreise gerade und die EU hat Stilllegungsflächen freigegeben, da wird wieder alles unter den Pflug genommen, was bisher - subventioniert - der Entfaltung von Biodiversität Platz bot.

Irgendwann setzt sich dann die Idee durch, Oliven anzupflanzen. Alle Welt spricht gerade vom Klimawandel und dass wir keine Winter mehr mit Schnee und Eis haben werden. Mojib Latif, der mit dieser Aussage im April 2000 im SPIEGEL zitiert wurde, hat dann 2012 (nach vier wieder strengeren Wintern) in einem ZEIT-Interview deutlich gemacht, dass er sich damals auf die Zeit ab 2050 bezogen habe. Aha. Bei Recherchen stoße ich auf den "ersten Olivenhain nördlich der Alpen" in der Kölner Bucht, bei Pulheim. Die Berichte stimmen mich optimistisch. Fostharte Sorten finde ich auf Internet-Seiten italienischer Forschungseinrichtungen.

Am 8. April 2008 pflanze ich die ersten sechs Olivenbäumchen, Sorte "Leccino" von einer Baumschule bei Ulm. Ansonsten säe ich auf dem Gelände eine Wildkräutermischung aus regionalem Anbau (von der Firma "Syringa" bei Freiburg) aus. Allerdings keimt in den Wochen danach nur sehr wenig. Das war ja vom Landwirt mit der Glyphosat-Gabe auch so beabsichtigt. Die sechs ersten Bäume haben sich rasch eingelebt und entwickeln sich gut. Ich habe ein gutes Gefühl bei diesem Projekt, die Pflanzen wirken nicht deplaziert, sondern sehr passend zu dieser Lage, und so pflanze ich Anfang Mai noch sechs weitere Heister Leccino und sechs Olivastra Seggianese aus Pulheim-Stommeln. Mitte Mai 2008 kommen dazu vier Heister der Sorte "Maurino", die auch als frosthart empfohlen wird - zu Unrecht, wie ich in den folgenden Wintern feststellen werde. Es ist allerdings eine ausgesprochen schöne Sorte, mit langen, schlanken, silbrigen Blättern und einer leicht hängenden Kronenform.

Im Juli entwickeln sich einzelne kleine Oliven vor allem bei Olivastra Seggianese und spärlich auch bei Leccino. Die ersten reifen Früchte (richtig schwarz!) kann ich dann Mitte September ernten. Ende Oktober Oktober pflücke ich die letzten paar Seggianese- und eine einsam ausgereifte Leccino-Olive. Die Leccino schmeckt eindeutig gehaltvoller.

Anfang November entdecke ich kleine Warzen und Risse an den Seggianese-Exemplaren. Erste beschleunigte "Alterungserscheinungen" durch das raue Klima? Ende November packe ich nach Warnungen vor Frost im zweistelligen Bereich die ersten Pflanzen in Thermofolie ein. Nach ein paar Tagen packe ich wieder aus, da der Frost ausbleibt und es tagsüber in der Sonne unter der Folie schaurig warm wird. Ende Dezember kommt es mit -8 Grad erstmals zu nennenswertem Frost.


Das ausführliche Tagebuch mit Details und Fotos finden Sie auf der Seite "Tagebuch 2008".


Monatsthema Januar: Niederschläge und Wind Auch bei mildem November- und Dezemberverlauf und vielen Versprechen auf einen weiterhin milden Winter sollten allerspätestens Anfang Januar die Frostschutzmaßnahmen stehen, denn vorläufig gibt es einfach keine zuverlässigen Langfristprognosen. Und eine Nacht unter -5 Grad kann nach warmen Tagen schon Rinde zum Platzen bringen und Cambium schädigen. Lieber ein bisschen pessimistischer sein.

Januar ist der Monat, in welchem vor allem gefrierende Niederschläge Probleme bereiten können. Schneeregen, der das Holz junger Bäume nässt und anschließend dort gefriert, zerstört die Rinde. Daher benötigt der Januar, zumindest in unseren Breiten, frost- und nässefeste Einhüllungen. Ich habe gute Erfahrungen mit Thermovlies M85 gemacht, das schon bei zwei Lagen weitgehend sicher ist gegen das Durchschlagen von Nässe.

Ansonsten kann Januar als ein selten mit Extremfrost betrübender Monat gelten, da die Temperaturen in der Regel nicht allzu sehr schwanken, der niedrige Sonnenstand verhindert die großen Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen, die durch Aufwärmung tagsüber bei Nachtfrost im November und vor allem im Februar den Pflanzen Probleme bereiten können. So können die Pflanzen ihren eigenen Frostschutz kontinuierlich aufrecht erhalten. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, etwa den Januar 2012. Zudem genügen für böse Rindenrisse auch geringe Schwankungen um den Gefrierpunkt, vor allem bei Nässe.

Besonders nerven können im Januar die gelegentlichen Stürme, die mich 2010 (Daisy und Co.) und 2011 geplagt haben. Da müssen öfter mal die Einhüllungen überprüft werden und neu festgezurrt. Denn die beste Hülle nützt nichts, wenn der Wind darunter greifen kann und die Pflanzen auskühlt. Zudem werden Oliven auch von Wind selbst gestresst. Es sind vor allem Januarwinde, die Frostschutzeinhüllungen oder -bauten in ausgesetzten Lagen sehr schwierig machen. Dafür bietet der Monat oft schöne Fotomotive, mit Schnee und Eis auf den Vliesen vor blauem Himmel.
Monatsthema Februar: Dauerfrost Da der Winter in der Regel im Januar oder Anfang Februar schon mal intensiver pausiert und eine Erwärmungsphase eintritt, wird man als Exotengärtner dazu verleidet, vorzeitig aufzuatmen. Der Februar sollte jedoch als Wintermonat von Olivenhainbesitzern selbst im nördlichen Mittelmeerraum sehr ernst genommen werden! Gerade der Februar hat in der Geschichte immer wieder mit fatalen Frostereignissen überrascht. Das verdankt sich vor allem den häufigen lang anhaltenden Ostwindperioden in diesem Monat, die zum Beispiel 1956 die Olivenhaine in Südfrankreich sowie teilweise im nördlichen Italien und 1985 die Olivenhaine in der Toskana weitgehend zerstört haben.

Problematisch im Februar sind einmal starke Temperaturdifferenzen, die den Pflanzen zu schaffen machen. Tagsüber kann es gerade unter falsch angelegten Einhüllungen zu enorm hohen Temperaturen bei Sonneneinstrahlung kommen, während es nachts bis in den zweistelligen Bereich bei Strahlungsnächten abkühlen kann. Das zweite gravierende Februarproblem ist Dauerfrost (kann auch im Januar erscheinen, wie etwa 2017, dann häufig mit Schneebedeckung), der vor allem ohne Schneebedeckung zu massiven Schädigungen auch im Wurzelbereich führen kann. Der Dauerfrost unterkriecht nach etwa fünf Tagen auch ausgebreitete Einhüllungen der Bäume. Damit entsteht ein zusätzliches Koppelungsproblem aus den beiden Hauptproblemen: Frost im Wurzelbereich und starke Erwärmung im Kronenbereich bei Sonneneinstrahlung.

Es ist also besonders der Februar, der Einhüllungen mit Kunststofffolien oder anderen Folien und Einhüllungen, die sich bei Sonnenbestrahlung stark erwärmen (dunkel, mehrlagig), problematisch macht. Für den Februar sollte gegebenenfalls auch die Bodenabdeckung nochmal überprüft und verbessert werden, um die Auswirkungen von Dauerfrost auf den Wurzelbereich zu mildern. Das kann durch Laubanhäufung geschehen oder durch Vliesabdeckungen - mit einem Radius von mindestens eineinhalb Metern. Allerdings sollte diese Abdeckung dann bei Erwärmung (spätestens im März) wieder entfernt werden, da sie nicht nur den Frost vom Boden zurückhält, sondern natürlich auch anschließend die Kälte im Boden gegen Erwärmung "schützt".

Der Februar macht uns darauf aufmerksam, dass unsere Frostschutzmaßnahmen immer auch eine paradoxe Wirkung haben, insofern sie nicht nur Frost abhalten, sondern umgekehrt auch Kälte konservieren. Ferner kann es mit den ansteigenden Sonnenständen im Februar nun auch zu Überhitzungen kommen, die nicht gut tun in der relativen Ruhephase der Pflanzen, zumal bei eventuell mangelnder Bodenfeuchte unter der Abdeckung.
Monatsthema März: Trockener oder frostiger Boden

Im Märzen der Bauer und so - aber Vorsicht! Der Temperaturverlauf von Karlsruhe seit 1876 belehrt, dass der März durchaus frostige Tücken auch in Weinbauregionen haben kann. So wurden 2005 am 1. März in der Rheinebene bei der Fächerstadt -14,6 Grad gemessen. Dennoch, in diesem Monat beginnen die Frühjahrsvorbereitungen, die Pflanzen können in der Regel - nach einer kritischen Sicht auf die Prognosen des ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) - Mitte des Monats ausgepackt werden. Dies sollte abends oder bei bewölktem Himmel geschehen, um den Pflanzen die Anpassung an die neuen Verhältnisse zu erleichtern. Nach dem Auspacken gleich pralle Sonne zu erleben, bedeutet vermeidbaren Stress für die Pflanzen.

Auch empfiehlt sich nach dem Auspacken das Besprühen mit einer leichten Salz- und Nährlösung, da der Safttransport unter Umständen durch Schädigungen des Xylems reduziert ist. Aber Achtung: Wo Rehe auftauchen, besser nicht mit Salz in "Weidehöhe" sprühen, denn das mögen die - und knabbern dann gleich die Triebspitzen weg. Gegen Rindenrisse durch Temperaturspannungen und zur allgemeinen Vitalisierung der Pflanzen kann ein pflegender Kalkanstrich (Baumanstrich, Kalkmilch) auf die Stämme und Äste aufgebracht werden. Auch dies sollte nicht bei praller Sonne, sondern am besten abends geschehen (natürlich nicht, wenn in der Nacht darauf Frost erwartet wird). Bei jungen Pflanzen nicht im ganzen Jahr, denn die benötigen auch Sonne für den Rindenstoffwechsel.

Was häufig vergessen wird: Oliven assimilieren auch im Winter bei Temperaturen ab etwa 5 Grad plus. Das heißt, sie entziehen dem Boden dann auch Feuchtigkeit. Das sollte auch bei Zimmeroliven gebührend berücksichtigt werden. Und natürlich kann der Freilandboden im Winter nur eingeschränkt oder gar nicht Feuchtigkeit von Niederschlägen aufnehmen, wenn er durch Frostschutzmaßnahmen bedeckt ist! Daher ist nach einer winterlichen großflächigen Abdeckung des Bodens (etwa durch Tunnels oder ausgebreitete Vlieseinhüllungen) nun zu gießen, wenn es tagsüber warm und sonnig wird.

Ende des Monats kann an Schermausbekämpfung gedacht werden, sofern Aktivität zu registrieren ist. Grasnarben können nun nach Feuchte gut gewendet werden mit der Grabgabel.

Böse Überraschungen kann der März unseren Oliven bereiten, wenn sich schon frische Blattknospen gebildet haben und diese dann erfrieren. Für die Pflanzen bedeutet das einen enormen Stress und als Reaktion darauf warten sie mit den Neuaustrieben zum Frühjahr sehr lange, unter Umständen bis Anfang/Mitte Juni!

Monatsthema April: Spätfröste

Noch stärker als im März drohen im April Versorgungsmängel durch Bodentrockenheit oder reduzierte Leistung des Xylems. Da Oliven Feuchtigkeit und Nährstoffe gut durch Blätter und junge Rinde aufnehmen können, hilft hier neben Gießen auch Besprühen. Um Spannungen in der Rinde durch Temperaturdifferenzen bei nun schon starker Sonneneinstrahlung zu reduzieren, bietet es sich an, nun im April (falls nicht schon im März geschehen) die Stämme zu weißen. Die angebotenen Präparate stärken in der Regel auch die Vitalität der Pflanzen. Natürlich ist darauf zu achten, dass nicht vor der Trocknung Frost zu erwarten ist. Auch der April bringt gelegentlich Frostnächte. Besprühen mit leichten Salzlösungen (nicht stärker als 1,5%) empfiehlt sich hier als Unterstützungsmaßnahme. Ein Spätfrost wie der in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2012 ist allerdings für frische Blattknospen fatal. Bei -5 Grad sind hier in Obergrombach z.B. die Kiwi-Knospen ganz, Maulbeerknospen teilweise erfroren.

Im April rührt sich die Vegetation auf der Wiese schon kräftig, die Grau- und Brauntöne werden durch frische Grüntöne verdrängt, der Gärtner im Olivenanbauer darf sich freuen. Auch bei den Oliven regt sich nun einiges, die ersten Blatt- und Blütenknospen bilden sich, falls der Winter nicht zu streng war. Je nach Witterung können auch schon junge Triebe wachsen. Jetzt sollte - bei Bedarf - auch mineralischer Dünger ausgebracht werden, damit er in der Hauptwachstumsperiode Mai/Juni den Pflanzen zur Verfügung steht. Bei kalkhaltigen Böden empfiehlt sich Kaliumsulfat, bei eher sauren Böden Kaliumcarbonat (Pottasche). Kalium ist wichtig für den Wasserhaushalt und damit auch die Frosthärte. Bei entsprechendem Bedarf des Bodens ist auch Magnesium zu geben. Für Stickstoffgaben ist es in der Regel noch zu früh.

Durch Schnitte an abgestorbenen Zweigen kann schon die erste Schadenkontrolle stattfinden - allerdings bedeutet Vitalität im April keineswegs, dass der betreffende Zweig/Ast/Stamm den Winter tatsächlich gut überstanden hat. Absterben können vitale Zweige oberhalb von Schädigungen auch noch im Mai, wenn der eigentliche Vegetationsschub für Oliven kommt - und damit auch erhöhter Versorgungsbedarf.

April ist eine günstige Zeit für Pfropfungen, da die Säfte nun (vor allem in der zweiten Monatshälfte) fließen und die notwendigen Knospungshormone bereitstehen. Die Pfropfstellen müssen gut gegen Austrocknen geschützt werden, etwa durch Aluminiumfolie, welche Sonne reflektiert und Feuchtigkeit zurückhält. Ein Spätfrost kann allerdings die Pfropfung schädigen, daher ist man erst Ende April auf der sicheren Seite. Auch für Neupflanzungen ist der Monat günstig, wenngleich man damit noch Anfang Mai gut platziert ist.

Monatsthema Mai: Mäuse und anderes Getier

Nun können die Olivenanbauer in Grenzlagen endlich Aufatmen. Das Winterhalbjahr ist definitiv vorbei, auch für empfindliche Olivenbäume droht nun kein Ungemach mehr, selbst frische Blattknospen sind hier im Badischen Weinbaugebiet nur selten noch durch Spätfröste gefährdet. Erst jetzt ist auch die gültige Bilanz zu ziehen, welche Schädigungen der vergangene Winter jeweils gebracht hat. Denn unabhängig von eventuellen Spätfrösten bringt erst der Mai mit seinen hohen Anforderungen an die Saftleitungsbahnen der Pflanzen zum Vorschein, wo diese vielleicht nicht zerstört, aber doch erheblich geschädigt wurden. Was nun noch grün ist, wird es für dieses Jahr auch bleiben.

Im Mai bilden sich die Blütenknospen, teilweise entfalten sich auch schon die unspektakulären Olivenblüten, die bei Trocken- oder Windstress häufig abfallen vor der Fruchtbildung. In Trockenperioden sollten Jungbäume daher schon jetzt gelegentlich gegossen werden. Dies hilft auch bei der Bildung von Neuholz, die in unseren Regionen möglichst früh im Jahr erfolgen sollte, um vor dem nächsten Winter Stabilität zu erreichen. Im Mai kann daher an Stickstoffgaben gedacht werden - am Besten über Kompost, Hornmehl oder Schnittmaterial von der Olivenwiese, das um die Bäume gehäuft wird, mit gebührendem Abstand zum Stamm.

Schermäuse haben inzwischen unter Umständen schon den ersten Nachwuchs und sind unterwegs auf der Suche nach neuer und frischer Beute. Aus diesem Grund sollte daher schon Anfang Mai in etwa 30 Zentimeter Abstand vom Stamm umgegraben werden, vorzugsweise mit einer Grabgabel. Eine Maßnahme, die auch zur biologischen Stickstofffreisetzung dient, winterliche Grabgänge von anderen Mäusen oder Maulwürfen schließt, Regenwürmer aktiviert und förderliche Biomasse in den Boden einbringt. Anschließend sollte bei Schermausvorkommen regelmäßig der Bereich um die Stämme etwa mit einer Grabgabel sondiert werden. Auch an Rindenschutz ist je nach Lage zu denken, etwa gegen fegende Rehböcke oder knabbernde Kaninchen - mit Kunststoffmanschetten oder Schilfmatten.

Monatsthema Juni: Blüte und erste Fruchtknospen

Auch bei jüngeren Pflanzen bilden sich nun bei frühen Sorten die ersten Fruchtansätze, stecknadelkopfgroß. Andere Pflanzen kommen erst jetzt in die Blüte - das ist stark sorten- und witterungsabhängig. Wenn die Fruchtknöpfe eintrocknen, deutet dies meist auf Wurzelschädigung hin. Wurzelschädigungen können ein Resultat des Winters sein oder auf Schermausfraß zurückgehen. Ein leichtes Ziehen am Stamm bringt hier Aufklärung. Sitzen die Wurzeln sehr locker, war wohl eine Schermaus am Werk. Meist können Sie den Baum dann ohne Widerstand aus dem Boden ziehen. Ansonsten bekommen sie mit behutsamem Freilegen der Wurzeln Klarheit. Die Schermaus-Fraßspuren an den Wurzeln sind biberähnlich. In der Regel ist die Wurzel komplett fast bis zur Bodenlinie abgefressen, diese Tierchen machen keine halben Sachen, sondern volle Ernte. Sollten vor allem Feinwurzeln angefressen sein, könnten auch Maikäfer-Engerlinge beteiligt sein - die werden sie dann beim Angraben schnell entdecken.

Manchmal beginnt im Juni schon die sommerliche Holzwachstumsruhe, nach dem ersten Schub im Mai. Das ist alleine kein Anlass zur Sorge - wenn die Wurzeln geschädigt sind, macht sich dies deutlicher durch schlappe Triebspitzen oder trocknende Fruchtknöpfe bemerkbar. Die Wachstumspause im Juni lässt vermuten, dass sich die Pflanze nun auf Wurzelwachstum und Fruchtbildung konzentriert. Nicht zu sehr gießen, das würde die Wurzelbildung negativ beeinträchtigen, Wurzeln nach oben statt in die Tiefe ziehen.

An Neupflanzungen und bei Jungbäume mit Fruchtknospen sollte bei heißem Juniverlauf der Boden auf Trockenheit hin untersucht werden und gegebenenfalls gegossen. Aber bitte nicht einschlämmen oder sonst wie ertränken! Oliven mögen keine Stau- oder Dauernässe. Die Kompost-/Wiesenschnittringe um die Bäume sollten nun auch mal gelockert werden, damit sich dort nicht die Mäuse zu wohl fühlen. Machen sie sich keine Sorgen, wenn dort Tausendfüßler, größere Spinnen oder Käfer zu sehen sind. Das sind Zeichen für ein intaktes Ökosystem. Auch Maulwurfsgrillen, die in lockerer Erde und Kompost vorkommen, sind entgegen häufiger Gärtnermeinung unschädlich. Sie ernähren sich von Insekten, lediglich beim Graben können sie mal Feinwurzeln stören.

Monatsthema Juli: Beobachten und sich freuen

Nach strengen Wintern kann es sein, dass erst im Juli nennenswerte Austriebe stattfinden! Hier sollte dann auf keinen Fall ein "Erziehungsschnitt" angewendet werden. Alles wachsen lassen, die Pflanzen brauchen alle Blätter für die Zuckereinlagerung - also den Frostschutz - vor dem Winter! Überhaupt muss bei uns gelten: Sehr zurückhaltend schneiden.

Im Juli entwickeln sich bei guter Blüte im Mai/Juni teilweise schon Früchte zu ansehnlichen Formen, selbst bei Neupflanzungen zweijähriger Heister können sich einzelne Früchte entwickeln. Dabei gibt es große Sortenunterschiede. Bouteillan entwickelt eher bescheiden Blüten, dafür kräftige Früchte. Leccino, in Olivenanbauländern bekannt für seine üppigen Ernten, bildet auch in Deutschland zahlreiche Blütentrauben und viele Stecknadelkopf-Früchtchen. Ähnlich bei Ascolana. Davon gehen allerdings Juni/Juli schon viele verloren, fallen ab - auch bei ausreichendem Gießen. Es entwickeln sich in der Regel mehr Früchte als bei Bouteillan, dafür sind diese auch kleiner. Bei Jungbäumen ist weiter auf den Bodenzustand zu achten und gegebenenfalls während einer anhaltenden Trockenperiode zu gießen.

Ansonsten darf man sich im Juli freuen an den Pflanzen und an der Wiese allgemein! Bei zahlreichen ökologisch bedeutsamen Blütenpflanzen kann man nun schon Saatgut sammeln, je nach Lage etwa von Hain- und Karthäusernelke, Hauhechel, Büschelglockenblume, Lein, Braunwurz, Odermennig, Ziest und Moschusmalve. Das kann an anderen Stellen des Geländes ausgebracht oder weiterverschenkt werden. Es gibt nun auch im Insektenbereich jede Menge zu beobachten, Schmetterlinge tauchen vermehrt auf, Schlangen und Eidechsen sind sehr aktiv. Leider auch die Rehe, die nun erneut ihre Feinschmeckertouren machen und gerne von Triebspitzen knabbern.

Anfang Juli kann - zurückhaltend - zum letzten Mal Stickstoff bereit gestellt werden, etwa durch Hornspäne. Ende Juli (es reicht ggf. auch noch Anfang August) sollte Magnesium und vor allem Kalium angeboten werden - etwa in Form von Pottasche. Kalium ist für die Frostfestigkeit des Gewebes (neben Zuckereinlagerungen) besonders wichtig.

Monatsthema August: Hitze und Hacken

Im August kann es nochmal richtig heiß werden, auch trocken, die Oliven freuen sich darüber, das spüre ich immer wieder. Es kann nun, vor allem bei lehmig-lössigen Böden, im Wechselspiel von Regen/Gießen und Sonnenhitze zu Bodenverdichtungen und oberflächlichem Bodenverschluss kommen. Hier hilft Hacken. Auch sonst empfiehlt es sich, im August mal durchzuhacken, das setzt nochmals Stickstoff für die zweite Holzwachstumsphase frei (keinesfalls dazu noch mit Stickstoff düngen, bestenfalls Kalium geben) und vertreibt Mäuse aus der Baumnähe. Doch aufgepasst: Schermäuse lieben lockere Böden. Um sie fernzuhalten, muss der Boden um die Stämme vor allem bewuchsfrei sein oder mit kurz gehaltenem Bewuchs gepflegt. Auch grobe, unterbrochene Erdschollen durchqueren sie ungern, da sie Licht meiden.

Früher hieß es zu Recht: Hacken ist der Dünger des armen Bauern. Heute macht das auch ökologisch Sinn. Kunstdünger ist Oliven in unseren Breiten eher schädlich, verzichten Sie besser weitgehend darauf, das schafft oft schwammiges Gewebe, welches anfällig ist für Occhio di Pavone (eine Pilzkrankheit) und Winterfrost.

Natürlich kann im August dann auch Trockenstress für die Oliven auftreten. Doch sollte selbst bei Jungpflanzen nun nicht zu oft gegossen werden, um die Wurzelentwicklung nicht negativ zu beeinträchtigen und Wassertriebe zu vermeiden. Auch sollten die Pflanzen Gelegenheit haben, sich an Trockenperioden zu gewöhnen.

Die Nächte können in der zweiten Augusthälfte schon wieder kühl werden, so kündigt sich der Herbst an, vielleicht sammeln sich bei Ihnen (so Sie eine Hügellage haben) auch schon Schwalben zum Vogelzug. Mit den ersten Herbstgefühlen kann man sich langsam Gedanken über den Winterschutz machen und eventuell noch Umbauten im Gelände vornehmen, Stürzpfähle versetzen etwa. Notfalls können nun auch noch einzelne Bäume verpflanzt werden, allerdings nur mit Erdballen, nicht wurzelnackt. Das sollte wohlgemerkt in der zweiten Augusthälfte geschehen, wenn es nicht mehr so heiß wird, und kann bis hinein in den September stattfinden.

Monatsthema September: Wachstum, Pflege

Im September wird es dann oft schon herbstlich kühl. Aber an den Oliven können Sie sich vielleicht gerade jetzt erfreuen. Die Verbindung kühlerer Nächte mit warmen, oft um die Mittagszeit immer noch heißen Tagen scheint ihr Wachstum zu stimulieren. Nun sollten Sie aber entschieden nicht mehr gießen, auch bei jungen Pflanzen nicht. Sonst bekommen Sie hypertrophiertes Wachstum, das Ihnen im Winter dann vermutlich erfriert. Verzichten Sie ab nun auch auf das Hacken, da dies Stickstoff freisetzt und das Wachstum zusätzlich anregt.

Auch wenn andere Obstgärtner nun im September an Neupflanzungen gehen, sollten Sie sich bei Oliven dessen enthalten. Es kann gut gehen, dann haben Sie Glück gehabt mit dem Winter. Wahrscheinlicher aber ist, dass Sie die Neupflanzungen gleich im ersten Winter verlieren oder diese zumindest starke Schäden davontragen. In jedem Falle ist natürlich nur Pflanzung von Containerware möglich, also mit Erdballen. Wurzelnackte Oliven sind ohnedies kaum zu bekommen. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen gerade an solche Ware kommen: April bis Mai pflanzen und im Sommer regelmäßig gießen.

Die klassische Wiesenpflegemahd erfolgt im September. Sollten Sie aber wertvolle Spätblüher wie Kalkastern haben, können Sie noch warten bis zu deren Samenreife - oder die entsprechenden Standorte aussparen. In jedem Fall aber müssen Sie nun Kanadische Goldrute mähen, sofern dieser invasive Neophyt auf ihrem Gelände steht - und zwar noch vor oder gleich zu Beginn der Blüte, da diese Pflanze sehr vital ist und es fertig bringt, auch geschnitten noch Samen aus Blüten zur Reife zu bringen. Das Schnittgut der Kanadischen Goldrute können Sie sehr gut verwenden für hochwirksame Kräuteransätze (Kaltauszug, nicht vergären/faulen lassen!), die aufgesprüht gegen Pilzerkrankungen helfen und auch sonst die Pflanzen vitalisieren mit zahlreichen ätherischen Ölen.

Ob mit Goldrutenauszügen, Auszügen von Schafgarbe oder Kupferpräparaten für den Hausgarten: Jetzt sollten Sie gegen Pilzerkrankungen der Oliven, vor allem Occhio di Pavone, sprühen, wenn Sie größeren Befall festgestellt haben. Bei wenig Befall empfiehlt sich das Abpflücken der betroffenen Blätter mit den charakteristischen runden Verfärbungen. Infektion erfolgt von vitalen Blättern, was also am Boden liegt, muss Ihnen keine Sorge bereiten. Eine Spritzung mit Kupferpräparaten kann nach Expertenmeinung auch gegen Frostschäden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schützen, insofern sie Pilze als mögliche Eiskristallisationskerne abtötet.

Monatsthema Oktober: Schermausbekämpfung


Falls Sie die Wiese noch nicht gemäht haben, sollten Sie es jetzt tun und aus dem Mähgut Haufen machen, die Ihnen im Winter Material zur Bodenabdeckung liefern oder jetzt schon Schnittgut für Mulchringe um die Bäume (in gebührendem Abstand, mind. 30 cm), die das Bodenleben aktivieren und allgemein die Biodiversität auf Ihrem Grundstück fördern. Einen der Mähguthaufen sollten Sie unberührt belassen zur Kompostbildung und für das Insektenleben. Dort werden sich dann auch Zauneidechsen wohlfühlen, da sie üppig Futter finden.

Andere Tierchen können leider ein echtes Problem für Obstgrundstücke werden: Schermäuse. Da Menschen ihre natürlichen Feinde (Eulen, Greifvögel, Füchse, Mauswiesel, Iltis, Marder, Spitzmäuse) erheblich reduziert oder in ihren Aktionsradien eingeschränkt haben und die moderne Kulturlandschaft ihnen Vorteile bietet, vermehren die sich wacker. 2013 habe ich drei neugepflanzte Oliven (von 16) durch Schermäuse verloren (und noch eine Kiwi dazu). Oktober ist eine gute Zeit zur Bekämpfung. Die kann mit speziellen Fallen (ich verwende die bayrische Schlagfalle) ökologieverträglich erfolgen. Allerdings ist das sehr mühsam und erfordert einige Übung. Und unbedingt muss man zunächst lernen, Schermausgänge (hochoval, wurzelfrei) von Maulwurfgängen (queroval, durchwurzelt) zu unterscheiden. Zu erkennen sind Schermausvorkommen auch an plötzlich absterbenden Fenchelpflanzen oder Luzernen, wenn Sie solche auf Ihrem Grundstück haben. Gewürzfenchel als Schermausindikator gezielt auszusäen macht durchaus Sinn, zudem verträgt er sich gut mit Oliven, ist schmackhaft und gesund und trägt positiv bei zur Ökologie der Wiese. Bei Abmagerung wird er sich allerdings zurückziehen, er schätzt gedüngte Böden.

Oliven wachsen auch bei uns im Oktober noch weiter, nun allerdings in der Regel sehr verhalten. Als wintergrüne Pflanzen stellen sie erst bei Temperaturen unter 5 Grad die Assimilation weitgehend ein. In der zweiten Monatshälfte kann mit Blick auf den Winterschutz behutsam bei älteren Pflanzen auf Kompaktheit hin geschnitten, Überstehendes (das nicht der Einhüllung dienen kann) gekappt werden. Doch bitte nun keinen Auslichtungs- oder gar Formschnitt vornehmen! Die gehören in den April, sofern überhaupt sinnvoll und notwendig. Eine dichte Krone überlebt den Winter besser als eine schüttere.

Monatsthema November: Überraschungsfröste Der November kann bereits mit Frost gefährlich werden, vor allem für junge Bäume und junge Triebe an älteren Bäumen. Problematisch sind vor allem gefrierende Niederschläge, die zu Schädigungen der empfindlichen Rinde führen, zu Rissen und Zerstörungen von Cambium und Xylem. Und zwar schon bei geringem Frost!

Daher sollten Sie nun beginnen, regelmäßig die Wettervorhersagen  zu konsultieren, vor allem auf die Verbindung von Niederschlägen und Frostgefahr hin, besonders geeignet sind die Prognosen des DWD (Deutscher Wetterdienst) und des ECMWF (European Centre for Medium Range Weather Forecasts). Links zu beiden finden Sie unter meinen Informationsquellen.

Einhüllung im November sollen vor allem Niederschläge abhalten und erste Frostereignisse abpuffern. Empfehlenswert dafür ist z.B. das Thermovlies M85, das schon in doppelter Lage weitgehend regendurchschlagsicher ist und dennoch kein Stauklima schafft. Es trocknet auch nach Nässe zügig ab. Die Anbringung darf nicht stattfinden, wenn die Oliven gerade durch einen Regen nass sind. Sonst kann es unter der Hülle zu Pilzvermehrung oder bei Frost zu Rindenschädigungen kommen. Daher lieber etwas früher einpacken als plötzlich nach einer Regenperiode von Frosteinbruch überrascht zu werden.

Die Einhüllungen sollten auch sturmfest sein, denn das beste Vlies nützt wenig, wenn es vom Wind unterfasst oder davongetragen wird. Daher empfiehlt es sich, die Stützpfähle für die Oliven zur Hauptwindrichtung hin anzubringen, also nach Westen. Ausladende Kronen sind zunächst einmal schwieriger einzuhüllen als schlank-kompakte. Und bei Sturm bieten sie mehr Angriffsfläche. Daher schon beim Pflanzenaufbau und Erziehungsschnitt an die Einhüllungen im Winter denken!

Zur Vorbereitung auf die ersten Fröste empfiehlt sich vor dem Einpacken das Besprühen mit leichter Salzlösung (etwa 1%ig). Damit wird bei den im November üblichen geringen Minusgraden Eisbildung auf der Rinde und in leichten Rissen oder Verwarzungen der Rinde verhindert.

Monatsthema Dezember: Winterschutz ausbauen

Spätestens Ende Dezember muss der "richtige" Winterschutz stehen, der nicht nur Regen abhält und leichte Fröste puffert, sondern noch bei tiefem Frost tauglich ist. Dies gilt auch, wenn der Winter sich bislang mild gezeigt hat und irgendwelche Langfristprognosen einen weiteren milden Verlauf vorhersagen. Im Januar wird es ernst mit der Möglichkeit tiefer Fröste. Alle großen Olivensterben des 20. Jahrhunderts haben im Januar oder im Februar stattgefunden.

Das heißt nicht, dass in unseren Breiten der Dezember harmlos für Oliven ist. Im Dezember 2009 gab es eine Woche Dauerfrost im Kraichgau mit Temperaturen bis in den zweistelligen Bereich. Da musste der Winterschutz schon Anfang Dezember vollständig sein. Vollständig heißt, dass um die Bäume herum der Boden gegen Dauerfrost zu schützen ist mit Laub oder Erde (die aber im Frühjahr wieder entfernt werden muss, da die Wurzeln sonst nach oben wachsen). Zudem muss die Vliesumhüllung bei jungen Bäumen nun mindestens vierlagig sein, am Boden gut abschließen und einen Bereich von mindestens 50 Zentimeter Durchmesser mit dem Stamm als Zentrum abdecken. Alternativ kann eine 1-2lagige Einhüllung gemacht werden und die Vorbereitung für eine zusätzliche Hülle mit Abstand bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich und mehreren aufeinander folgenden Eistagen.

Auch der Dezember kann heftige Stürme bringen. 2011 haben Orkan "Joachim" und Konsorten meinen Einhüllungen teilweise Probleme bereitet. Was im November hielt, kann im Dezember noch davonfliegen. Da gilt es, regelmäßig die Verzurrungen des Winterschutzes zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Dazu kann der Dezember auch gewaltige Schneemassen bringen, wie etwa 2010. Dann kann es notwendig werden, die Einhüllungen je nach Bauart vom Schnee freizuräumen.

Ansonsten ist Dezember ein guter Monat, um sich mit den Kapriolen der Temperaturverläufe vertraut zu machen. Für mich war es immer wieder höchst überraschend, die Beziehungen zwischen Temperaturen im Außenbereich und unter den Vlieshüllen zu studieren. Unter bestimmten Bedingungen können die Temperaturen gerade im Dezember mit seinen häufigen abrupten Temperaturwechseln unter dem Vlies niedriger sein als draußen. Denn, das wird gerne übersehen: Alles was gegen Frost schützt, schützt mehr oder weniger auch gegen Wärme.