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⇒ EINE KLEINE
GESCHICHTE
DES OLIVENANBAUS
IN DEUTSCHLAND





Rindenpilz Frostrisse Cambium gesund

Cambium geschädigt Cambium tot Totholz Rinde Unbeschnittener Frostschaden Christbaumeffekt




FROSTSCHÄDEN


Frostschäden an Olivenbäumen treten auch in den Olivenanbauländern auf. Denn Oliven gedeihen nur da, wo es im Winter auch mal kühl wird. Die entscheidende Frage lautet eben nur: Wie kühl. Die langanhaltende Kälte in Deutschland, verbunden mit hoher Feuchtigkeit, führt hier zu Schadensbildern, die in Olivenanbauländern keine Bedeutung haben. Blattverlust über mehrere Winter nacheinander schwächt die Pflanzen und kann sie zerstören. Vor allem aber beeinträchtigt dies die Fruchtbarkeit der Pflanzen. Auf eine kontinuierliche Ölproduktion in Deutschland zu hoffen, ist daher mehr als verwegen. Und ohne gelegentlichen Frostschutz läuft auf Dauer nichts. Weniger problematisch als der Blattverlust ist ein Pilz,  der unter unseren Klimaverhältnissen die ganzen Rinde und auch Blätter mit einem schwarzen Überzug besetzen kann. Dass die Pflanzen damit leben und sogar kräftig fruchten können, zeigt diese Kübelolive (A).

Grundsätzlich sind drei Frostschäden zu unterscheiden: Frostschäden an den Wurzeln, Frostschäden durch Risse, Frostschäden durch ein zerstörtes Cambium.
 
* Frostschäden an den Wurzeln können in unseren Weinbauzonen vermieden werden durch Mulchen und sonstiges isolierendes Abdecken des Bodens, welches im Idealfall Aufwärmung (nicht Aufheizung!) durch Sonne zulässt, aber Auskühlung in der Nacht vermeidet - wie jeder gute Frostschutz. Gelegentlich angebotene "Wurzelheizungen" sind in der Regel überflüssig oder sogar kontraproduktiv. Über die jeweilige Eindringtiefe von Frost unterrichtet im Winter die Seite  <www.agrowetter.de>.
 
* Frostrisse (B) können mit entsprechender Sortenwahl (z.B. Leccino) und durch geeigneten Frostschutz, etwa Einpacken der Pflanzen (Jutesäcke, Vlies), weitgehend vermieden werden. Kleinere Frostrisse verheilen in der Regel im kommenden Frühjahr/Sommer mit einer Narbe. Wo die Rinde sich geschält hat, sollte geschnitten werden, da der Zweig davon zu sehr geschwächt ist.
 
* Das größte Problem ist die Zerstörung der Wachstumsschicht der Pflanze mit nachfolgendem Austrocknen und Verholzen. (C) zeigt ein vitales Cambium, (D) ein geschädigtes Cambium - erkennbar an der braunen Verfärbung - und (E) zerstörtes Holz.

Zerstörtes Holz zeigt sich außen an einer typischen Schrumpfung und Braunfärbung der Rinde, die im feuchten Zustand gut zu erkennen ist (F). Die "Nagelprobe" - also Rinde ankratzen, ob da noch Grün zu sehen ist - bringt erst etwa zwei Monate nach dem letzten Frost ein einigermaßen zuverlässiges Ergebnis. Einen Schaden am Cambium (D) enthüllt die Nagelprobe z.B. nicht - -wie ja deutlich an der außen liegenden grünen Schicht zu erkennen ist. Die Holzzerstörung auf mittlerer Stammhöhe, die Abbildung (F) zeigt, könnte auf meine Kerzenheizung zurückzuführen sein, worauf mich Stephan Knecht aus HD aufmerksam machte, dem ich auch sonst viele Anregungen verdanke.


Geschädigtes Cambium kann sich durchaus wieder erholen, wie der Baum auf Abbildung (G) zeigt. Diesen Baum habe ich nach dem Frostwinter 2008/09 nicht zurückgeschnitten. Ich konnte dann erleben, wie sich das geschwächte Holz vom Stamm und den ungeschädigten Astteilen in Stammnähe ausgehend teilweise wieder erholte.  Interessanterweise zeigte dieser unbeschnittene Jungbaum zunächst nicht den "Christbaumeffekt" der beschnittenen Bäume (H). An der Basis bildeten sich überhaupt keine Neutriebe, die Neutriebe am Stamm bildeten sich bei alten (auch abgestorbenen) Zweigen und Ästen und entwickelten sich auf verschiedenen Höhen fast gleich stark. Erst im Juli entwickelte sich hier eine Kegelform/Tannenform, wie sie vor allem für Leccino nach meiner bisherigen Erfahrung charakteristisch ist als spontane Wuchsform.

Als "Christbaumeffekt" bezeichne ich den pyramidalen Aufbau von Neutrieben an einem stark zurückgeschnittenen Stamm (H). Dieser Effekt ist nach meiner Einschätzung weniger eine Reaktion auf Frostschäden als vielmehr auf den Rückschnitt. Während gesunde Olivenpflanzen auf Schnitt zumeist mit der Entwicklung zweier einander gegenüberliegender neuer Triebe direkt unterhalb des Schnittes reagieren (acrotonisch), produzieren frostgeschädigte Pflanzen bei starkem Rückschnitt eher Neutriebe nahe am Boden (basitonisch). Daher kann ich nur raten, mit dem Rückschnitt erfrorener Zweige bis Mitte/Ende Juni zu warten - es sei denn, ein Neuaufbau der Pflanze von unten ist geplant.



KRANKHEITEN UND SCHÄDLINGE

Olivenbäume sind in ganz unterschiedlichen Maßen krankheitsanfällig bzw. krankheitsresistent, je nach Sorte und Klimaverhältnissen. Wichtigstes Gebot ist die Wahl geeigneter Sorten für den jeweiligen Standort. In Deutschland sollte vor allem auf Pilzresistenz geachtet werden, da die hohe Feuchtigkeit im Winterhalbjahr Pilzwachstum fördert.

Bei Überwinterung in geschlossenen feuchten Räumen, an geschädigten Rindenteilen und beim Auftreten von Läusen entwickelt sich an Oliven ein rußförmiger Pilz, "Fumago vagans", der im Italienischen "Fumaggine" heißt. Er scheint die Vitalität der Pflanzen nicht erheblich zu beeinträchtigen (I). Negative Effekte entstehen dann, wenn der Pilz auch die Blätter überzieht und die Photosynthese stört. Dann hilft Abwaschen mit schwacher Kernseifenlauge. Und natürlich müssen die Ursachen beseitigt werden (Läuse, Feuchtigkeit).

Die am weitesten verbreitete Olivenkrankheit ist Spilocaea oleagina (Occhio di pavone, Pfauenauge). Die befallenen Blätter zeigen charakteristische runde Verfärbungen ("Pfauenaugen") mit hellem Zentrum und dunklem Ring, dem sich außen eine wiederum hellere Zone anschließt (K). In Gebieten mit kalten Wintern verbreitet sich der Pilz vor allem im Frühjahr und Frühsommer. Die Verbreitung erfolgt vorwiegend über befallene Blätter, die sich noch am Baum befinden, weniger über abgefallene Blätter am Boden. Bei jungen Bäumen kann das Abzwicken der kranken Blätter alleine schon helfen. Bei mehr als 30% Befall können Pilzmittel auf Kupferbasis eingesetzt werden. Solche Mittel sind z.B. "Cueva" von Neudorff, das im Bioweinbau eingesetzt werden darf und mit sehr geringen Mengen Reinkupfer auskommt.

Meine Oliven neigen zu Chlorose/Blattvergilbung (Mangelerscheinung bzw. Störung im Eisen- oder Magnesiumstoffwechsel). Das dürfte an unseren eher festen kalkhaltigen Kraichgau-Böden liegen, die auch im Weinbau häufig zu Chlorose führen. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit Blattdüngung zur Beseitigung der Chlorose (z.B. mit Eisenchelat, gibt es in jedem Gartencenter). Grundsätzlich gilt: Oliven sind in Rinde und Blättern stark rezeptiv, Blattdüngung (nur am frühen Abend) oder auch Wässerung durch Besprühen (natürlich nicht bei starker Sonne) haben eine gute Wirkung.

Durch ein Bakterium wird der Olivenkrebs (it. "rogna dell'olivo") verursacht, einen Zellwucherung an Stamm und Ästen (M). Übertragen wird das Bakterium bei Feuchtigkeit an Holzwunden, durch Schnittwerkzeug und durch die Olivenfliege. Eingedämmt wird die Krankheit durch Pflegemaßnahmen; keine kranken Pflanzen in den Bestand einbringen, Abschneiden befallener Zweige, Ausschneiden an starken Ästen und am Stamm (dabei Werkezeug mit Spiritus o.Ä. desinfizieren), Entsorgung des befallenen Materials, Schneidearbeiten nur bei trockenem Wetter.


Unter den Schädlingen ist besonders die Olivenfliege gefürchtet, Bactrocera oleae (N). Das zweite Foto (O) - freundlicherweise von Claudio Cantini zur Verfügung gestellt - zeigt eine Fliege beim Stechen an einer reifen Olive. Die Fliege legt so ihre Eier in der Frucht ab, wo sich die madenartigen Larven entwickeln. In Deutschland dürfte die Olivenfliege aus nahe liegenden Gründen vorläufig keine Verbreitungschancen haben. In Olivenanbaugebieten wird die Fliege nach alten Hausrezepten mit Flaschenfallen gefangen, in die z.B. eine Lösung aus Wasser, Essig und Zucker gefüllt wird. Weiter entwickelte Fallen arbeiten mit Pheromonen.

An Zimmeroliven schmarotzen auch gerne Schildläuse (sollte man nicht verwechseln mit dem Olivenkrebs) und Wollläuse. Beide können auch in Plantagen, vor allem bei dichtem Wuchs, zur Plage werden. Ein Auslichtungsschnitt und Sonne können da Wunder wirken.


Russpilz Pfauenauge Olivenfliege Grossaufnahme Olivenfliege