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⇒ EINE KLEINE
GESCHICHTE
DES OLIVENANBAUS
IN DEUTSCHLAND





Rindenpilz Frostrisse Cambium gesund

Cambium geschädigt Cambium tot Totholz Rinde Unbeschnittener Frostschaden Christbaumeffekt




FROSTSCHÄDEN


Frostschäden an Olivenbäumen treten auch in den Olivenanbauländern auf. Denn Oliven gedeihen und fruchten nur da gut, wo es im Winter auch mal kühl wird. Die entscheidende Frage lautet eben nur: Wie kühl. Die langanhaltende Kälte in Deutschland, verbunden mit hoher Feuchtigkeit, führt hier zu Schadensbildern, die in Olivenanbauländern keine Bedeutung haben. Blattverlust über mehrere Winter nacheinander schwächt die Pflanzen und kann sie zerstören. Vor allem aber beeinträchtigt dies die Fruchtbarkeit der Pflanzen. Auf eine kontinuierliche Ölproduktion in Deutschland zu hoffen, ist daher mehr als verwegen. Und ohne gelegentlichen Frostschutz läuft auf Dauer nichts. Weniger problematisch als der Blattverlust ist ein Pilz,  der unter unseren Klimaverhältnissen die ganzen Rinde und auch Blätter mit einem schwarzen Überzug besetzen kann. Dass die Pflanzen damit leben und sogar kräftig fruchten können, zeigt diese Kübelolive (A).

Grundsätzlich sind drei Frostschäden zu unterscheiden: Frostschäden an den Wurzeln, Frostschäden durch Risse an Stamm und Zweigen, Frostschäden durch ein zerstörtes Cambium/Xylem.
 
* Frostschäden an den Wurzeln können in unseren Weinbauzonen vermieden werden durch Mulchen und sonstiges isolierendes Abdecken des Bodens, welches im Idealfall Aufwärmung (nicht Aufheizung!) durch Sonne zulässt, aber Auskühlung in der Nacht vermeidet - wie jeder gute Frostschutz. Mulch sollte abgedeckt werden, um Kühleffekte bei Feuchtigkeit zu vermeiden. Gelegentlich angebotene "Wurzelheizungen" sind in der Regel überflüssig oder sogar kontraproduktiv, da sie der Pflanze widersprüchliche Signale geben können. Über die jeweilige Eindringtiefe von Frost unterrichtet im Winter die Seite  <www.agrowetter.de>.
 
* Frostrisse (B - an einem Maurino) können mit entsprechender Sortenwahl (Leccino und Ascolana sind nach meiner Erfahrung am stabilsten) und durch geeigneten Frostschutz, etwa Einpacken der Pflanzen (Vlies), weitgehend vermieden werden. Kleinere Frostrisse, zu denen beispielsweise Olivastra Seggianese neigt, verheilen in der Regel im kommenden Frühjahr/Sommer mit einer Narbe. Wo die Rinde sich geschält hat, sollte geschnitten werden, da der Zweig davon zu sehr geschwächt ist. Stärkere Risse am Stamm sind fatal und bedeuten meist ein Absterben der Pflanze ab Rissbeginn.
 
* Das größte Problem ist die Zerstörung der Wachstumsschicht der Pflanze mit nachfolgendem Austrocknen und Verholzen. (C) zeigt ein vitales Cambium, (D) ein geschädigtes Cambium - erkennbar an der braunen Verfärbung der wasserleitenden Fasern - und (E) zerstörtes Holz. Zerstörtes Cambium ist auch erkennbar daran, dass die Rinde sich nicht mehr einfach ablösen lässt wie auf (C), sondern verklebt erscheint. Die Verklebung ist auf einen gestörten Glykol- und Zuckerstoffwechsel zurückzuführen.

Zerstörtes Holz zeigt sich außen an einer typischen Schrumpfung und Braunfärbung der Rinde, die im feuchten Zustand gut zu erkennen ist (F). Die "Nagelprobe" - also Rinde ankratzen, ob da noch Grün zu sehen ist - bringt erst etwa zwei Monate nach dem letzten Frost ein einigermaßen zuverlässiges Ergebnis, da dann auch diese Schicht ohne Wassertransport abgestorben ist. Einen Schaden an Cambium bzw. wasserführendem Xylem (D) enthüllt die Nagelprobe z.B. nicht - wie ja deutlich an der außen liegenden grünen Schicht zu erkennen ist. Die Holzzerstörung auf mittlerer Stammhöhe, die Abbildung (F) zeigt, könnte auf meine Kerzenheizung zurückzuführen sein.


Geschädigtes Cambium kann sich durchaus wieder erholen, wie der Baum auf Abbildung (G) zeigt. Diesen Baum habe ich nach dem Frostwinter 2008/09 nicht zurückgeschnitten. Ich konnte dann erleben, wie sich das geschwächte Holz vom Stamm und den ungeschädigten Astteilen in Stammnähe ausgehend teilweise wieder erholte.  Interessanterweise zeigte dieser unbeschnittene Jungbaum zunächst nicht den "Christbaumeffekt" der beschnittenen Bäume (H). An der Basis bildeten sich überhaupt keine Neutriebe, die Neutriebe am Stamm bildeten sich bei alten (auch abgestorbenen) Zweigen und Ästen und entwickelten sich auf verschiedenen Höhen fast gleich stark. Erst im Juli entwickelte sich hier eine Kegelform/Tannenform, wie sie vor allem für Leccino nach meiner bisherigen Erfahrung charakteristisch ist als spontane Wuchsform.

Als "Christbaumeffekt" bezeichne ich den pyramidalen Aufbau von Neutrieben an einem stark zurückgeschnittenen Stamm (H). Dieser Effekt ist nach meiner Einschätzung weniger eine Reaktion auf Frostschäden als vielmehr auf den Rückschnitt. Während gesunde Olivenpflanzen auf Schnitt zumeist mit der Entwicklung zweier einander gegenüberliegender neuer Triebe direkt unterhalb des Schnittes reagieren (acrotonisch), produzieren frostgeschädigte Pflanzen bei starkem Rückschnitt eher Neutriebe nahe am Boden (basitonisch). Daher kann ich nur raten, mit dem Rückschnitt erfrorener Zweige bis Mitte/Ende Juni zu warten - es sei denn, ein Neuaufbau der Pflanze von unten ist geplant. Dies gilt selbstverständlich (wie auch alle anderen Hinweise) nur für Deutschland und ähnliche Regionen, in Olivenanbauländern sollte rasch geschnitten werden, um einen Befall mit Schädlingen zu vermeiden!












KLEINE GESCHICHTE DER FROSTSCHÄDEN IN OLIVENANBAULÄNDERN

Dass auch viele der Mittelmeerregionen, die für den Olivenanbau genutzt werden, mit zerstörerischen Frostereignissen zu rechnen haben, zeigt ein Blick in die Geschichte. Giovanni Presta, ein kluger und noch heute gelesener Mediziner und Agronom des 18. Jahrhunderts, schreibt in "Degli ulivi, delle ulive e della maniera di cavar l'olio" von Olivenanbauländern, in welchen das Thermometer im Winter häufig bis -8 oder gar -10 Grad sinke. Dazu muss angemerkt werden: Er schrieb dies in der Periode der "kleinen Eiszeit". Bei ihm entdeckte ich zu Griechenland auch den bemerkenswerten Satz "ha l'inverno siccome l'ha la Germania" - und zwar "a motivo dei frequenti ed altissimi nevosi monti e delle vaste e profonde valli". Aus Griechenland ist besonders die Kälte im Februar 1956 überliefert, als etwa auf Lesbos in den Bergregionen (vor allem bei Agiassos) ein Großteil der Olivenbäume erfroren ist und die Einwohner teilweise ihre alten Kastanienwälder wieder aktivierten als Produktionsalternative. Aus jüngerer Zeit wird für Griechenland ein Olivensterben im Winter 2000/2001 berichtet.

Am Lago Maggiore sind im Winter 1749/1750 während der kleinen Eiszeit die legendären Olivenbestände der Isola Madre erfroren - andere gewiss auch, Schäden werden etwa aus dem Gebiet Genua berichtet durch Giovanni Presta. Presta berichtet für die Toskana Frostfatalitäten in den Olivenbeständen 1216, 1510, 1600, 1709, 1749, 1782 und 1789. Aus dem 19. Jahrhundert, nach dem Ende der kleinen Eiszeit, wird nur für 1840 von Olivensterben in der Toskana berichet. Doch 1928/29 erfroren dort wiederum große Teile der Olivenbestände. Dabei bewährte sich in der Kommune San Casciano Val di Pesa bei Florenz  eine Varietät als besonders frostresistent, Leccio del Corno. Davon habe ich 2010 auch zwei Exemplare gepflanzt, eines wurde von Wildschweinen niedergemacht, das andere litt im Winter 2010/11 sehr, hat aber vital dann neu ausgetrieben. Im Februar 1956 erlebte die Toskana einen drei Wochen andauernden strengen Frost bei Ostwind. Wirklich bedrohlich für den Olivenanbau in der Toskana wurde dann der Winter 1984/85, in welchem mehr als 80% des Bestandes erfroren. Nur durch eine radikale Umorientierung mit neuen Schnittformen, die von der "Azienda sperimentale Santa Paolina" Follonica in Zusammenarbeit mit den Universitäten Pisa und Florenz den Olivenbauern auch in Kursen vermittelt wurden, konnte der Olivenanbau erhalten bleiben. Dies bedeutete allerdings den Abschied vom hochstämmigen Olivenbaum, wie er die Landschaft der Toskana lange mitprägte.


Der Extremfrost im Februar 1956 suchte auch die Olivenhaine in Spanien und Südfrankreich heim. In Frankreich erfroren 2.5 Millionen Olivenbäume. Dies bedeutete das Ende des kommerziell relevanten Olivenanbaus in Frankreich, die meisten Haine wurden aufgegeben beziehungsweise auf Obstbau umgestellt, der größte Teil der französischen Ölmühlen wurde stillgestellt. Für Nordspanien sind Kältewellen auch aus den Jahren 1921 und 1932 überliefert, Südspanien erlebte (wie auch Griechenland) im Winter 2000/2001 für seine Olivenanlagen fatale Fröste.










KRANKHEITEN

Olivenbäume sind in ganz unterschiedlichen Maßen krankheitsanfällig bzw. krankheitsresistent, je nach Sorte und Klimaverhältnissen. Wichtigstes Gebot ist die Wahl geeigneter Sorten für den jeweiligen Standort. In Deutschland sollte vor allem auf Pilzresistenz geachtet werden, da die höhere Feuchtigkeit im Vergleich zu den traditionellen Anbauländern Pilzwachstum fördert.

Bei Überwinterung in geschlossenen feuchten Räumen, an geschädigten Rindenteilen und beim Auftreten von Läusen entwickelt sich gerne ein rußförmiger Pilz, "Fumago vagans", der im Italienischen "Fumaggine" heißt. Er scheint die Vitalität der Pflanzen nicht erheblich zu beeinträchtigen (A, I). Negative Effekte entstehen dann, wenn der Pilz auch die Blätter überzieht und die Photosynthese stört. Dann hilft Abwaschen mit schwacher Kernseifenlauge. Und natürlich müssen die Ursachen beseitigt werden (Läuse, Feuchtigkeit).

Die am weitesten verbreitete Olivenkrankheit ist Spilocaea oleagina (Occhio di pavone, Cicloconio, Pfauenauge). Die befallenen Blätter zeigen charakteristische runde Verfärbungen ("Pfauenaugen") mit hellem Zentrum und dunklem Ring, dem sich außen eine wiederum hellere Zone anschließt (K). In Gebieten mit kalten Wintern verbreitet sich der Pilz vor allem im Frühjahr und Frühsommer. Die Verbreitung erfolgt vorwiegend über befallene Blätter, die sich noch am Baum befinden, weniger über abgefallene Blätter am Boden. Bei jungen Bäumen kann das Abzwicken der kranken Blätter alleine schon helfen. Bei mehr als 30% Befall werden in Anbaugebieten Fungizide eingesetzt. Bei vergleichbaren Krankheiten werden im deutschen Ökoweinbau Kupferpräparate empfohlen.

Ähnliches wie zu Spilocaea oleagina gilt auch für Mycocentrospora cladosporoides, im Italienischen "Piombatura", eine Pilzerkrankung, die sich durch schwarze Flecken auf den Blättern zeigt.


Durch ein Bakterium wird der Olivenkrebs (it. "rogna dell'olivo") an Olivenbäumen verursacht, eine Zellwucherung an Stamm und Ästen (M). Übertragen wird das Bakterium bei Feuchtigkeit an Holzwunden, durch Schnittwerkzeug und durch die Olivenfliege. Eingedämmt wird die Krankheit durch Pflegemaßnahmen; keine kranken Pflanzen in den Bestand einbringen, Abschneiden befallener Zweige, Ausschneiden an starken Ästen und am Stamm (dabei Werkzeug mit Spiritus o.Ä. desinfizieren), Entsorgung des befallenen Materials, Schneidearbeiten nur bei trockenem Wetter.


Russpilz Pfauenauge Olivenfliege Grossaufnahme Olivenfliege

SCHÄDLINGE

Unter den Schädlingen an Olivenbäumen ist besonders die Olivenfliege gefürchtet, Bactrocera oleae (N). Das zweite Foto (O) - freundlicherweise von Claudio Cantini von der Azienda Sperimentale di Santa Paolina zur Verfügung gestellt - zeigt eine Fliege beim Stechen an einer reifen Olive. Die Fliege legt so ihre Eier in der Frucht ab, wo sich die madenartigen Larven entwickeln. Werden die Oliven in einem frühen Wachstumsstadium befallen, bildet sich Fäulnis und die Früchte fallen ab. In einem späten Stadium können die Früchte nicht mehr als Speiseoliven verwendet werden. Bei der Ölpressung mindert ein Anteil befallener Oliven ab 20% die Qualität des gewonnene Öles erheblich. Der Olivenfliege wird auch die Verbreitung der Rogna nachgesagt.

In Deutschland dürfte die Olivenfliege aus nahe liegenden Gründen bis auf Weiteres keine Verbreitungschancen haben. In Olivenanbaugebieten wird die Fliege nach alten Hausrezepten mit Flaschenfallen gefangen, in die z.B. eine Lösung aus Wasser, Essig und Zucker gefüllt wird. Weiter entwickelte Fallen arbeiten mit Pheromonen, die männliche Fliegen anlocken und durch ein Kontaktinsektizid töten. Allerdings sind diese Fallen recht teuer (etwa 1,50 Euro pro Stück) - was bei den bescheidenen Olivenanlagen in Deutschland nicht zu einer unangemessenen finanziellen Belastung führen sollte, falls die Fliege mal auftaucht/eingeschleppt wurde.

An Zimmeroliven schmarotzen gerne Schildläuse und Wollläuse. Beide können auch in Plantagen, vor allem bei dichtem Wuchs, zur Plage werden. Ein Auslichtungsschnitt und Sonne wirken dem entgegen. Die Vermehrung von Läusen wird auch dadurch begünstigt, dass die Zimmerpflanzen im Winter keinem Frost ausgesetzt sind, was die Überwinterung der Schädlinge erleichtert.
Oft hilft es, die Pflanzen im Sommer für einige Wochen ins Freie zu stellen. Schildläuse können mit Olivenkrebs (Abbildung N) verwechselt werden. Das Missverständnis kann durch genaues Hinschauen und gegebenenfalls Kratzen aufgeklärt werden. Das Gespinst der Wolläuse hat dieser Läuseart den Namen gegeben. Hinter ihrem Gespinst sind die Wollläuse gegen Bekämpfungsmittel recht gut geschützt. Gegen beide Lausarten wird in Anbauländern Mineralöl eingesetzt. Es gibt auch verschiedene Hausrezepte, etwa eine Mischung aus Olivenöl, Spülmittel (um eine Emulsion zu erzeugen) und Wasser.

Fleotribo oder Phloeotribus scarabaeoides richtet in der Rinde und in den Blättern des Olivenbaums Fraßschäden an, ist allerdings von untergeordneter Bedeutung.

Auf meinem Gelände sind mir Büffelzikaden (Stictocephala bisonia) als potentielle Schädlinge aufgefallen. Seit 1966 ist dieses Neozoon für Süddeutschland belegt. Weibliche Büffelzikaden konnte ich verschiedentlich beobachten, wie sie den Legestachel in Olivenrinde bohrten. Da die Larven im folgenden Jahr zunächst an der Legestelle fressen, ist von einer Schädigung der Pflanzen auszugehen. Der Bestand sollte also kontrolliert werden! Da die - fatalerweise recht putzigen - Tierchen nicht sehr flink sind, ist dies in der Regel bei uns ohne Schwierigkeiten möglich.

Mäuse werden vor allem durch Mulchringe und eventuelle wärmende Wintermaßnahmen zu den Oliven gelockt und können die Wurzeln junger Pflanzen durch ihre Wühlarbeiten lockern und von der Wasserversorgung abschneiden. Dies kann durch regelmäßiges Hacken und respektvollen Abstand des Mulchringes zum Baumstamm vermieden werden. Wurzelfraß durch Schermäuse konnte ich bislang noch nicht beobachten. Dennoch bin ich bemüht, Schermäuse auf meinem Gelände zu kontrollieren, da sie Feigenwurzeln z.B. sehr mögen und mir auch schon an einem jungen Rebstock die Wurzel abgenagt haben. Indikatoren für Schermäuse sind bei mir plötzlich absterbende Fenchel- oder Luzernenstöcke, die sich einfach aus dem Boden heben lassen und unten an den Wurzeln biberzahnähnliche Fraßstellen haben. Zur Bekämpfung wird gelegentlich das Einbringen von CO2 in das Gangsystem empfohlen. Ich konnte damit keine Wirkung feststellen. Effektiver sind die Schweizer Schermausfallen "topcat", die allerdings einen recht hohen Aufwand zur Einbringung erfordern und nur bei oberflächennahen Gängen eingesetzt werden können.

Rehböcke können junge Bäume ganz zuschanden fegen! Fraßschäden durch Rehwild konnte ich noch keine beobachten.











SORTENSPEZIFIKA ZU KRANKHEITEN, FROST, SCHÄDLINGEN

Unterschiedliche Olivensorten reagieren sehr unterschiedlich auf Krankheiten, Schädlinge und Frost. Es macht daher Sinn, ausgehend von den Anbauzielen, den geografischen Besonderheiten des Terrains, der Bodenbeschaffenheit und den klimatischen Bedingungen eine gezielte Sortenauswahl auch im Blick auf die Resistenz der einzelnen Sorten gegen Krankheiten, Schädlinge und Frost zu treffen.

Dazu gibt es hervorragende Internetangebote, allerdings nur auf Italienisch oder in anderen Fremdsprachen. Die nach meiner Kenntnis und Einschätzung wichtigsten Darstellungen habe ich unter "Informationsquellen" beschrieben. Hier biete ich nur eine Zusammenstellung und Charakterisierung der Olivenvarietäten, die mir für den Anbau in Deutschland geeigneter scheinen als andere Sorten oder die in Deutschland als geeignet angeboten werden.

Aglandaou ist eine französische Sorte, die sich
durch ein starkes Wurzelwachstum auszeichnet und negativ auffällt durch die Sensibilität des Holzes für Feuchtigkeit. Aglandaou leidet stark unter Temperaturen um den Gefrierpunkt bei feuchter Witterung. Gegen Tieftemperaturen ist die Sorte recht beständig.

Ascolana ist vor allem in Mittelitalien verbreitet und als Frucht- und Ölolive geschätzt. Seine Froststabilität ist außerordentlich, was auch an seinem verhaltenen oberirdischen Wuchs liegt, der für stabiles Gewebe sorgt. Da er zu einer zylinderförmigen Krone neigt, lässt er sich auch gut für den Winter einpacken.

Bianchera ist im Veneto und in Istrien verbreitet. Verhaltenes Wachstum und aufrechter Wuchs erleichtern den Winterschutz für diese Varietät, die auch durch gute Froststabilität positiv hervorsticht.

Leccino ist eine der am weitesten verbreiteten Toskana-Sorten, die auch in Deutschland am häufigsten angeboten wird unter den benannten Zuchtsorten (No-Name-Olivenbäume sind natürlich noch häufiger im Angebot, als "Olea europea"). Leccino ist frost- und feuchtigkeitsstabil, wuchsfreudig und allgemein vital. Er ist stabil gegen Pfauenauge und Olivenkrebs, allerdings auffallend anfällig für den Rußpilz/Fumaggine, der jedoch bei entsprechender Pflege keine wirkliche Gefahr darstellt.

Leccio del Corno wurde im Extremwinter 1928/29 als froststabile Variante im Val di Pesa (bei Florenz) selektioniert. Die sehr wuchsfreudige und ausladende Krone bringt Probleme beim Winterschutz, da sie sich ungern einhüllen lässt. Hier muss gezielt geschnitten werden. Leccio del Corno ist auch als pilzresistent bekannt.

Maurino kommt aus der Region um Lucca und ist vor allem in der Toskana verbreitet. Gilt als stabile Pflanze mit guter Resistenz gegen Pilzerkrankungen. Ästhetisch ist er mit Pendolino vergleichbar, doch seine Froststabilität ist höher! Er verkraftet insbesondere kurze Frostperioden ganz gut, bei anhaltendem Frost ist Maurino empfindlicher als z.B. Leccino. Als dekorative Kübelolive eine gute Alternative zu Pendolino.

Olivastra Seggianese zeichnet sich durch froststabiles, schlank-ausladendes, elastisches Holz aus, das unter feuchten Bedingungen zu Warzen- und Kurzrissbildungen neigt. Nach dem ersten  Eindruck nach dem Winter läuft der Olivenbaumbesitzer bei dieser Sorte Gefahr, Äste oder gar den Stamm vorschnell als zerstört abzuschreiben. Hier heißt es abwarten, nicht vor Ende Mai zurückschneiden! Recht stabil gegen Pfauenauge und Olivenkrebs.

Pendolino ist in der Toskana als Befruchter-Olivenbaum bekannt und wird auch "Maurino fiorentino" genannt. Er wird in Deutschland gelegentlich angeboten und ist ästhetisch sicherlich einer der schönsten Olivenbäume. Leider ist seine Frostresistenz eher mittelmäßig, weshalb ich ihn nur als Kübelolive mit Winterquartier empfehlen kann. Auch für Pilzkrankheiten und Schädlingsbefall (Fleotribo) ist er anfällig.












MANGELERSCHEINUNGEN, RESISTENZFÖRDERUNG, DÜNGUNG

Die Resistenz von Olivenbäumen gegen Krankheiten, Frost und Schädlinge ist nicht nur von der Sortenwahl, sondern auch von Bodenbeschaffenheit und Nährstoffversorgung abhängig. Auch Windstress kann Olivenbäume negativ zusetzen und Frostschäden ausweiten, weshalb in einschlägigen Lagen an eine Windschutzpflanzung gedacht werden sollte, falls der Klimawandel uns tatsächlich mal mediterranes Klima beschert.

Meine Oliven neigen zu Chlorose/Blattvergilbung (Mangelerscheinung bzw. Störung im Eisen- oder Magnesiumstoffwechsel). Das dürfte an unseren eher festen und kalkhaltigen Kraichgau-Böden liegen, die auch im Weinbau häufig zu Chlorose führen. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit Blattdüngung zur Beseitigung der Chlorose (z.B. mit Eisenchelat, gibt es in jedem Gartencenter). Grundsätzlich gilt: Oliven sind in Rinde und Blättern stark rezeptiv, Blattdüngung (nur am frühen Abend) oder auch Wässerung durch Besprühen (natürlich nicht bei starker Sonne) haben eine gute Wirkung. Einmal im Jahr sollte der Boden bei Neigung zu Verfestigungen gelockert werden.

Um den Olivenpflanzen die Bewältigung des Winterstresses zu erleichtern, ist im Frühjahr bei Trockenheit ein Besprühen mit Wasser am Abend zu empfehlen. Dabei kann auch in mäßiger Konzentration ein Blattdünger zugesetzt werden, etwa Magphos - mit Magnesium, phosphoriger Säure und einem geringen Stickstoffanteil. Im Spätjahr und bei feuchter Witterung im Winter um den Gefrierpunkt ist Besprühen mit leichter Salzlösung (max. 12 Gramm/Liter) sinnvoll als Frostrißschutz.

Das Wachstum der Pflanzen wird im Frühjahr oder Sommer sinnvollerweise durch Umgraben in gebührendem Abstand zum Stamm (Wurzelschädigung vermeiden) gefördert (Stickstofffreisetzung). Als Nebeneffekt werden damit auch Schermäuse und andere Grabtiere von den Wurzeln der Olivenbäume ferngehalten. Ich gebe gelegentlich auch Hornspäne zur Stickstoffversorgung. Ansonsten sollten Oliven zurückhaltend gedüngt werden, da ein Zuviel eher Krankheiten, Schädlingsbefall und Frostanfälligkeit fördert.

Fruchtende Olivenbäume entziehen dem Boden mehr Magnesium als etwa Weinberge. Da ist nach entsprechenden Bodenanalysen eine Zusatzversorgung eventuell sinnvoll. Vor allem die Kaliumversorgung muß für die Entwicklung der Frostresistenz sicher gestellt sein, im Bedarfsfall durch Patentkali (enthält auch Magnesium), Kaliumsulfat oder Potasche.

Da meine Wiese zwischen den und um die Olivenbäume jede Menge qualitativ hochwertiges, kräuterreiches Mulchmaterial für die Baumscheiben produziert, sind meine Bäume mittel- bis langfristig sicherlich ausreichend mit den Nährstoffen versorgt, die im traditionellen Olivenanbau u.a. durch weidende Ziegen oder - weniger riskant für die Olivenbäume - Schafe geliefert wurden. In manchen alten Olivenanlagen auf griechischen Inseln sieht man bisweilen merkwürdige verrostete Baustahlgitter in den Bäumen hängen: die sollten die Ziegen davon abhalten, in die Bäume zu steigen und dort zu weiden.