Grundsätzliche Fragen: Echt ein Olivenhain in Deutschland? Ab wann sind Olivenbäume ein Olivenhain? Wie schmecken deutsche Oliven? Persönliche Fragen: Was bedeutet "main" Olivenhain? Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Oliven anzupflanzen? Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt? Fragen zur Anlage und zum Erwerb: Würden Sie jemandem raten, einen Olivenhain in Deutschland anzulegen? Welche Sorten können Sie für das deutsche Klima empfehlen? Haben Sie grüne oder schwarze Olivensorten? Lohnt sich das Geld für einen solitären Olivenbaum? Klimafragen: Ist es nicht grausam, den Oliven den deutschen Winter zuzumuten? Fürchten Sie, Ihre Olivenbäume in einem strengen Winter zu verlieren? Rechnen Sie mit dem Klimawandel? Wintererfahrungen: Wie haben Ihre Olivenbäume den Winter 2008/09 überstanden? Gibt es Olivenhaine die diesen Winter richtig gut bewältigt haben? Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Winter 2009/10? Wie weiter nach dem erneut frostigen Winter 2010/11? Pflege- und Schutzmaßnahmen: Welche Maßnahmen treffen Sie für den Winter? Was halten Sie von Wurzelheizungen? Womit düngen Sie? ![]() |
Echt ein Olivenhain in Deutschland? Ja. Der experimentell angelegte kleine Hain umfasst 1600 Quadratmeter mit derzeit 26 Bäumen/Pflanzungen von 9 Oliven-Sorten aus 4 Ländern. Nach drei sehr strengen Wintern sind allerdings nur noch vier Pflanzen wirklich als (kleine) Bäume zu bezeichnen, der Rest ist überwiegend bis knapp über den Boden zurückgeschnitten, mit teilweise nur Neuaustrieben aus der Unterlage, nämlich Wildolive (Olivastro, Olea europaea var. sylvestris). Er befindet sich am Kraichgaurand zwischen Karlsruhe und Heidelberg. April/Mai 2008 wurden 26 in Deutschland gekaufte Heister der Sorten "Leccino", "Maurino" und "Olivastra Seggianese" gepflanzt. April/Mai 2009 kamen eigene Propfungen toskanischer Herkunft zu entlegeneren Sorten ("Leccio del Corno", "Grappolo" und "Bjankera/Bianchera") dazu sowie 2x "Aglandaou" von einer Baumschule in Ungarn, 1x "Pendolino" und 2x "Ascolana". Anfang Juli fand 1x "Koroneiki" (wunderschöne Pflanze, leider sehr frostempfindlich!) dank Conrad Bölicke seinen Weg nach Obergrombach. April 2010 pflanzte ich zwei Leccio del Corno und zwei Bianchera aus einer Baumschule in Pescia. Im übrigen gibt es noch weitere Olivenhaine mit Jungpflanzungen in Deutschland, einen bereits seit 2005, in der Nähe von Köln - siehe "Vorbilder". Allerdings sind meines Wissens alle weitgehend erfroren in den vergangen Wintern und nur teilweise wieder neu angepflanzt. Ab wann sind Olivenbäume ein Olivenhain? Beim Kampf um den "ersten", "ältesten", "nördlichsten" und sonstwie PR-mäßig vermarktbaren Olivenhain in Deutschland stellt sich ein unbefangener Beobachter natürlich die Frage, ab wann eigentlich jemand reklamieren könne, einen Olivenhain sein eigen zu nennen. Da Haine - wie die Kulturgeschichte lehrt - gerne von Elfen, Göttern etc. bewohnt werden, gelten Oliven, die in einem Glashaus stehen, nicht als Olivenhain. Denn diese Wesen wollen den offenen Himmel über sich, kein Treibhaus. Daher scheiden auch Kübeloliven aus, die im Winter nach drinnen müssen, was Elfen sicherlich nicht gut bekommt. Drei Olivenbäume, die in einem Garten stehen, bilden nach allgemeinem Urteil auch noch keinen Olivenhain. Bei sieben beginnt wohl die kritische Masse. Eine endgültige Beantwortung der Frage steht allerdings noch aus .... Wie schmecken deutsche Oliven? Gut. Da sie mehr Wasser enthalten als Oliven aus heißeren und trockeneren Ländern, schmecken sie weniger bitter und können je nach persönlichem Geschmack auch (in sehr kleinen Dosierungen) frisch vom Baum genossen werden. Leider hatte ich im ersten Standjahr nur eine Hand voll ernten können - und 2009ff gabs nichts, nach den Frostschäden. Der Ölgehalt dürfte geringer ausfallen als in den klassischen Anbauländern. Das Grundproblem wird allerdings darin bestehen, dass Olivenbäume in Deutschland nach harten Wintern, in denen sie ihre Blätter und oft genug auch ihre Zweige verlieren, gar nicht fruchten. Persönliche Fragen Was bedeutet "main" Olivenhain? Nicht, dass mein Olivenhain am Main liegt. Er liegt am Rhein, genauer: Im Kraichgau. Ich wollte die Domain „olivenhain.de“ benutzen - aber die hielt schon ein Domainhändler besetzt. Da habe ich mich für „mainolivenhain.de“ entschieden. Ein Wortgefüge, das mir auf Anhieb gut gefiel - ganz ohne Tiefsinn. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Olivenhain anzulegen? Ich habe lange in Italien gelebt und wandere gerne auf griechischen Inseln - da lernt man Olivenbäume schätzen. Und ich hatte ein kleines Grundstück am Waldrand in einem Weinbergsgelände erworben, dessen Rebrecht erloschen war - so suchte ich eine alternative Nutzung. Zunächst dachte ich eher an Tafeltrauben (benötigen kein Rebrecht), Feigen, Indianerbanane, Kaki oder Pekannuss. Aber dann hat sich die Olivenidee durchgesetzt. Auch als eine Herausforderung, mich intensiver mit dem Themenbereich "Klima" zu beschäftigen. Andere Pflanzen dürfen allerdings auch als Nachbarn einziehen. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt? Eine ganze Menge. Unbedingt möchte ich im Sommer unter Olivenbäumen mit schöner Aussicht in der Sonne liegen - ohne dafür zwei Stunden fliegen zu müssen. Die Bewegung an der frischen Luft, mit Sense und Hacke und Baumschere, soll auch sehr gesundheitsfördernd sein. Als Angehöriger einer Generation, die nicht mehr mit verlässlichen Rentenzahlungen rechnen kann, habe ich langfristig durchaus auch ökonomische Ziele im Blick. Darüber hinaus verfolge ich mit dem Projekt ökologische, kulinarische, pflanzensoziologische, agrarmeteorologische, landschaftsästhetische, philosophische und noch ein paar weitere Zwecke ... Oder, um es ganz ernsthaft zu klären: Olivenhaine sind komplexe Systeme mit extrem interessanten System-Umwelt-Beziehungen ("Umwelt" im Sinne von Niklas Luhmann gemeint). Die "Umwelt" Klima und ihre Verarbeitung innerhalb eines Systems lässt sich an meinen Olivenbäumen höchst anschaulich studieren. Auch die zum System gehörige Wiese verarbeitet "Umwelt" auf lehrreiche Weise, etwa im Umgang mit Saatguteintrag oder in der Verarbeitung des Bodens, seiner Konstruktion als "Repräsentation" für den Naturkundler. Fragen zur Anlage und zum Erwerb von Olivenbäumen in Deutschland Detaillierte Angaben finden Sie unter "Technik, Tipps und Tricks" Würden Sie jemandem raten, einen Olivenhain in Deutschland anzulegen? Nach den Erfahrungen mit den Wintern 2008/09, 2009/10 und 2010/11: Nein. Jedenfalls nicht ohne große Experimentierfreude und eine hohe Frustrationstoleranz. Im Winter ständig nach den Frostwarnungen des Deutschen Wetterdienstes zu schauen und die Thermometer im Hain zu konsultieren, ist nicht unbedingt erholsam. Noch weniger, mit frostklammen Händen Thermofolie an den Baumstützen festzuzurren, unter Schneelast begrabene Vliestunnels freizuschaufeln oder Notheizungen einzustellen. Aber es gibt andere Momente, die große Freude bereiten. Olivenbäume sind außergewöhnliche Pflanzenpersönlichkeiten, wie zu Recht oft behauptet wird. Daher meine Empfehlung: Erst einmal die lokalen Bedingungen untersuchen (Boden, Temperaturverläufe, Wind, Feuchtigkeit), mit wenigen Bäumen beginnen, die jeweils sinnvollen Sorten herausfinden. Die Lage sollte auch windgeschützt sein (anders als die meine ....), damit die Frostschutzmaßnahmen im Winter nicht weggeblasen werden und weil die meisten Olivensorten Wind nicht sonderlich mögen. Staunässe ertragen sie auch nicht gut. Auf Hochstämme würde ich nicht setzen, auch nicht auf veredelte Exemplare, sondern auf wurzelidentische. Welche Sorten können Sie für das deutsche Klima empfehlen? Ohne Aufmerksamkeit im Winter keine. Ansonsten sind eine gute Wahl unter den Toskana-Sorten nach eigenen und fremden Erfahrungen Olivastra Seggianese (Baumschule Becker) und Leccino (Baumschule Becker, Flora Toskana). Seggianese ist froststabil aber feuchtigkeitssensibel, sympathisch sowie austriebsstark und fruchtet rasch (Aroma eher bescheiden), benötigt dazu aber einen Partner, z.B. Leccino, eine bei mir besser bewährte, vitale Varietät mit aromatischen Früchten, die starke, resistente Stämme entwickelt. Gute Erfahrungen habe ich auch mit Ascolana (Flora Toskana) gemacht, einer mittelitalienischen Speise- und Ölolive, die schlanker wächst als die anderen beiden. Als frosthart gepriesen werden ferner kroatische (Bjankera, als "Bianchera" im Veneto verbreitet - bei mir bislang wacker gehalten), mittelitalienische (Canino, Verzola, Nostrale di Rigali - pilzanfällig), weitere norditalienische (Leccio del Corno - starke Propflinge, buschig-wuchsfreudig, bei mir gut gehalten bisher), französische (Moufla, Bouteillan, Aglandaou - sehr gutes Wurzelwachstum bei mir, oberirdisch eher bescheiden) und spanische (Cornicabra, Picual, Arbequina - kleine Frucht, großer Geschmack) Sorten. Unter "Informationsquellen" finden Sie Sortenbeschreibungen, Frosthärte-Untersuchungen sowie Baumschulen für den Kauf. Zu beachten ist neben der Froststabilität auch die Pilzresistenz, das Verhalten des Holzes bei anhaltender kühler Feuchtigkeit und bei kalten Winden! Haben Sie grüne oder schwarze Olivensorten? Grün oder schwarz heißt bei Oliven einfach nur: Unreif oder reif - mit sehr vielen Zwischenstufen, die durch rot-braun-blau-Töne bestimmt sind. Wobei "unreif" mit Einschränkungen gilt. Denn auch grüne Oliven schmecken ja, entsprechend behandelt, durchaus gut. Und für die Pressung von Olivenöl werden auch "unreife", also "grüne" Oliven verwendet. Der Ölgehalt nimmt mit der Reifung von 15% auf 45% zu. Allerdings sinkt dabei in der letzten Reifungsphase auch die Qualität und das Öl verliert an Haltbarkeit, oxidiert rascher. Es gibt über die Reifungsunterscheidungen hinaus eine breite Varianz der Olivenfärbung, die durch Sortenunterschiede bedingt ist. Das reicht von Silbriggrün bis Dunkelgrün, umfasst unterschiedliche Weißsprenkelungen und rötliche bis bläuliche Einfärbungen. Auch in Größe und Form gibt es eine überwältigende Variantenfülle. Bei weltweit über 2000 verschiedenen Olivensorten ist das auch nicht erstaunlich. In Italien alleine sind 700 Varietäten verbreitet, davon 400 offiziell registriert. Nicht immer sind "schwarze" Oliven, die man kauft, durch Reifung schwarz. Häufig wird nachgeholfen mit Farbstoffen, zum Beispiel Eisengluconat (E 579). Entbittert sind solche "Convenience"-Oliven in der Regel durch Natronlauge, nicht Salzlake. Wer mit Oliven den Geschmack von Metall verbindet, der sollte mal den Händler wechseln oder nach ungefärbten Oliven fragen. Lohnt sich die Investition in einen solitären Olivenbaum? Die Gefahr, einen teuren, über hundert Jahre alten Baum in einem strengen Winter komplett zu verlieren, ist in Weinbaugebieten bei einfacher Vlieseinhüllung nicht sehr groß. Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass ihr Baum alle Äste, auch die stärkeren, verliert und nur noch Wurzeln und Stamm Vitalität bewahren. Auch kann es sein, dass Sie im Extremfall mit einem Neuaustrieb am Stamm mehrere Jahre warten müssen. Da Solitäre in der Regel auch wegen ihres ästhetischen Wertes gekauft werden, sollten sie daher an einen komplexeren Winterschutz für Stamm und Krone denken, falls der Baum nicht in einem geschützten Kleinklima (innerstädtisch oder in einer Hofanlage z.B.) steht. Da die Preise für jüngere Solitäre in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken sind, ist auch die Schwelle für einen Kauf gesunken. Bei einem hiesigen Baumarkt sah ich im Juni 2011 über fünfzigjährige Bäume zum Preis von rund 300 Euro, die einige Jahre zuvor noch ein Mehrfaches gekostet hätten. Bei diesen Bäumen ist allerdings durchaus noch mit einem Absterben auch des Stammes in strengen Wintern zu rechnen. Der Olivenbaum-Markt dürfte sich weiter ausdehnen, denn moderne EU-Olivenanlagen werden nach 40-50 Jahren komplett erneuert, womit ein schier unerschöpflicher Nachschub an entsprechenden Bäumen für den Handel in Gartencentern und Baumärkten entsteht. Klimafragen Ist es nicht grausam, den Oliven den deutschen Winter zuzumuten? Die Frage habe ich mir auch öfter gestellt. Vor allem gleich im ersten Winter 2008/09. Aber ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass die Pflanzen (v.a. Leccino) sich am gewählten Standort wohl fühlen. Zudem: Auch Weinstöcke und andere in Deutschland wichtige Kulturpflanzen kommen ursprünglich aus wärmeren Klimazonen. Und hat da nicht jemand erzählt, es gäbe in Deutschland bald keine "richtigen" Winter mehr?!? Fürchten Sie, Ihre Olivenbäume in einem strengen Winter zu verlieren? Der einzige Winter in den vergangenen vierzig Jahren, in welchem selbst geeignet versorgte Olivenbäume hier im badischen Weinbaugebiet im Freiland komplett erfroren wären, war der Winter 1984/85 - und da wurden auch in der Toskana 80% der Olivenbäume dahingerafft. Machen muss man bei starkem Frost aber schon etwas. Das Hauptproblem scheint mir, dass die Bäume bei uns im Winter geschwächt werden und wir nur selten mit befriedigenden Ernten rechnen können. Ein zusätzliches Problem könnten die zunehmenden Niederschläge im Winter z.B. bei uns in Baden-Württemberg schaffen. Damit erhöht sich die Gefahr von Frostrissen für junge Stämme und Äste. Rechnen Sie mit dem Klimawandel? Klima wandelt sich ständig, da es zwischen allen Einflüssen auf unserem/unseren Planeten vermittelt - damit zu "rechnen" ist höchst schwierig, nicht nur für Laien. Erwärmung in einer Klimazone/Klimaregion kann bestehen neben Abkühlung in einer anderen oder Erwärmung in einer Jahreszeit neben Abkühlung in einer anderen. Nachdenklich sollten potentielle Olivenanbauer in unserer Region die Daten der privaten Wetterstation Kernen im Schwarzwald machen. Gab es 1990 bis 1998 durchschnittlich 58 Frosttage pro Jahr so stieg die Zahl für den Zeitraum 2000-2008 auf 71 Tage. Analoges gilt für Karlsruhe. Bezogen auf Tage mit Frost im zweistelligen Bereich ist die Bilanz für Karlsruhe (amtliche Daten) im Vergleich zwar ausgeglichen - aber eben nicht mehr. Nach verschiedenen Prognosen ist für unsere Region zudem künftig vermehrt mit niederschlagsreichen und stürmischen Winterhalbjahre zu rechnen. Das hat sich in den Wintern seit 2008/09 auch bestätigt. Nach dem strengen Winter 2008/09 habe ich mich intensiver mit dem Wettergeschehen in unserer Region beschäftigt. Ich bin überzeugt, dass dieser Winter kein "Ausrutscher" war, sondern Teil eines langwelligen Rhythmus, worin wir uns gerade in einem Kaltwintertal befinden. Daher habe ich 2009 in weiteren Frostschutz (s. Technik) investiert. Der Winter 2009/10 hat meine Vermutung gestützt und 2010/11 dürfte kaum milder werden (hat sich leider auch bestätigt! - April 2011), ich erwarte noch weitere kalte Winter bis 2014. Problematisch werden insbesondere die "Troglagen" mit arktischer Kaltluft, deren Zungen leider in den vergangenen Wintern bis in den Bereich Karlsruhe ragten. Eine Erklärung dazu bringt dies in Zusammenhang mit der Klimaerwärmung. Gleichgültig, wie das Klima sich entwickelt und welche Größen dabei den Haupteinfluss haben: Olivenbäume sind ein starkes Symbol in diesem Kontext für Ausdauer und Anpassungsfähigkeit. Auch wenn sie nicht in jedem Klima gedeihen. Ob in unserem künftigen, ist eine Frage, die mich aus persönlichen Gründen sehr interessiert. Gegen anthropogene Ursachen aktueller Klimaveränderungen anzugehen ist eine Sache, eine andere, mit Klimaveränderungen produktiv umzugehen. Nach meiner Auffassung muss beides geschehen. Dass Olivenbäume dabei in unserer Region eine taugliche Antwort sind, ist mir nach den Erfahrungen der vergangenen Winter und den neuesten Klimastudien allerdings fraglich geworden. Ein heißer August kann einen eisigen Januar statistisch aufwiegen - real für meine Oliven schafft er den Ausgleich jedoch nicht. Konkrete Wintererfahrungen Detaillierte Angaben finden Sie unter "Krankheiten, Frostschäden, Schädlinge" Wie haben Ihre Olivenbäume den Winter 2008/09 überstanden? Besser als befürchtet (schließlich waren meine Bäume gerade erst 2008 gepflanzt) und schlechter als ich nach der letzten Frostperiode erwartet hatte. Das Ausmaß der Schäden zeigte sich erst einige Wochen nach dem Winterende und nur mit Schnitten ins Holz. Die "Nagelprobe" (Kratzen, ob Grün kommt) ist untauglich und irreführend. Selbst vermeintlich gesunde Blätter sagen wenig aus. Gerade "kranke" Blätter können signalisieren, dass der Zweig noch intakt ist, reagiert. Während gesunde Blätter an einem längst vom Saftstrom abgeschnittenen Zweig hängen können. Äußerlich vitale Zweige und ganze Äste können noch lange nach Ende des Frostes abtrocknen. Von meinen 26 Bäumen waren 5 bis weit in den Stamm hinein geschädigt. Aber auch diese haben bis auf einen Ende April/Anfang Mai zumindest in Bodennähe mit Neuaustrieb begonnen. Dazu kam noch ein schwerer Stammschaden, der sich erst im Mai zeigte, in der Stammmitte. Einige der Bäume haben trotz offensichtlich intaktem Stamm (der im Sommer 2009 sogar sichtlich an Umfang zunahm) im ersten Jahr nur in der unteren Stammhälfte nennenswert neu ausgetrieben. Gibt es Olivenhaine in Deutschland, die den Winter 2008/09 richtig gut bewältigt haben? In der Presse und in verschiedenen Internetforen gibt es seltsame Hinweise auf deutsche Olivenhaine, die ohne größere Verluste überstanden haben sollen, ohne jegliche Schutzmaßnahme. Ich war Anfang Mai 2009 bei einem davon und sah die letzten "ohne größeren Schaden" verbliebenen Olivenbäume beim Schredder auf einem Haufen liegen. Die ganze Anlage war neu bepflanzt worden. In der Tat sieht man Olivenbäumen nach dem letzten Frost nicht immer gleich an, wie stark sie gelitten haben. Die Wahrheit zeigt sich bisweilen erst im Frühsommer oder auch lange danach. Spätfolge kann z.B. eine verringerte Resistenz im folgenden Winter sein. In einem anderen Hain wurde Ende 2009 "Olivenernte" gefeiert - mit im Frühjahr 2009 gepflanzten Bäumen, denn der Altbestand war auch hier erfroren. Also genau hinschauen und kritisch prüfen, das erspart unnötige Ausgaben und Enttäuschungen bei eigenen Anbauversuchen! Ihre Erfahrungen mit dem Winter 2009/10? Ein neues Winter-Schadenssymptom trat auf, nämlich einzelne Rindenrisse im Stammbereich vor allem unterhalb von 30 cm Höhe, teilweise aber auch bis etwa 50 cm bei eher mäßigem Frost Ende Januar. Vorläufig führe ich das auf die anhaltend feuchte Kälte (wenig Sonne) um den Gefrierpunkt herum zurück. Ein Großteil der Bäume hat den zweiten harten Winter in Folge nicht gut überstanden, es gab 25% Totalverluste (8 Bäume). Gut überstanden (mit heilem Stamm und heilen Blättern) haben von 33 Pflanzen nur eine Wildolive unter Mulch, eine Olive unbekannter Sorte (von Ikea), zwei Leccino (davon einer im Zelt), zwei O. Seggianese (davon eine im Zelt), eine Ascolana und zusätzlich die Propfungen von Leccio del Corno und Bianchera (im Zelt). Mitte Mai haben sie alle mit Neuaustrieb begonnen, besonders intensiv O. Seggianese. Wie weiter nach dem Winter 2010/11? Da auch dieser Winter, der dritte in Folge, überdurchschnittlich hart war, heißt es für mich erst einmal: Abwarten. Neue Bäume habe ich 2011 nicht gepflanzt. Denn Sisyphos möchte ich keine Konkurrenz machen. Jetzt gilt es zunächst, neue Stämme aus den Basisaustrieben zu ziehen, mit Buschformen zu experimentieren, stabile Propfgrundlagen zu erzielen, den Winterschutz zu optimieren. Im Winter 2011/12 Verzicht auf Heizung, Zelte und Tunnels - Ziel ist eine Minimalisierung des Arbeitsaufwandes, da dieser auch unter Bedingungen des Klimawandels ganz offensichtlich nicht nur ein temporärer für schwierige Anfangsjahre und/oder einzelne "Ausnahmewinter" ist, sondern als längerfristige Investition bei der Anpflanzung von Oliven in Deutschland kalkuliert werden sollte. Zudem hat sich gezeigt, dass die mehrschichtige Volleinhüllung den besten Effekt bringt, solange eine minimale Lichtversorgung garantiert ist und Feuchtigkeit ebenso wie große Trockenheit vermieden werden können. Pflege- und Schutzmaßnahmen Detaillierte Angaben finden Sie unter "Technik, Tipps und Tricks" Welche Maßnahmen treffen Sie für den Winter? Stämme mit Vlies einhüllen. Dazu hoch mulchen (Laub, Stroh etc., kein Gras!!), um Wurzeln und Stämme vor Tieffrost zu schützen. Winter 2008/09: UV-stabile Gärtner-Thermofolie (keine Einpack-Luftpolsterfolie!) um die Bäume. Ab -10 Grad "Heizung" innerhalb der Thermofolien-Hülle mit Dauerkerzen - bewährt haben sich die gedeckelten Dauerkerzen des DM-Marktes. Winter 2009/10: Federstahltunnels mit Thermovlies M85 (auch zur Feuchtigkeitsregulation sehr gut geeignet). Heizung ab -10 Grad mit Öllichtern und Dauerkerzen. Problematisch bei starkem Wind, der unter die Tunnels greift, und bei Schneelast. Winter 2010/11 Thermofolie, Vlies und Vliestunnels. Winter 2011/12: Einzeleinhüllungen mit Thermofolie und Vlies. Vliestunnels sind selbst für kleine Olivenbäumchen ungeeignet, schaffen anhaltende Kältekammern (Reduzierung der Sonneneinstrahlung, Stau von Kaltluft, Verdunstungskälte bei feuchter Witterung) und perfekte Biotope u.a. für Schermäuse. Bei niedrigen Neuaustrieben übergestülpte Kartoffelkörbe mit Laub gefüllt, darüber Luftpolsterfolienhülle. Was halten Sie von Wurzelheizungen? Grundsätzlich gilt: Wer sich einen teuren Solitär leistet, der lässt den in der Regel von einem Landschaftsgärtner betreuen oder sich von diesem eine Art Garantie geben. Dazu gehört natürlich, sich an dessen Anweisungen zu halten. Und die umfassen häufig die Installation einer Wurzelheizung - die nebenbei natürlich auch ein entsprechendes Honorar für den Gärtner bedeutet. Grundsätzlich gilt, dass die Frosteindringtiefe in Deutschland meist überschätzt wird. Entsprechende Informationen gibt es während der Wintermonate auf den Internetseiten des Deutschen Wetterdienstes (dwd), unter "Agarwetter" (Link unter "Informationen"). Ich persönlich empfehle zum Schutz von Wurzeln und unterem Stammbereich eine Vlieseinhüllung des Stammes, anschließend Mulchauflage von mind. 20 Zentimeter, die am Stamm nicht über die Vliesgrenze hinausragen darf, sowie eine Folienbedeckung des Mulches gegen Regen/Schneefeuchtigkeit. Womit düngen Sie? Oliven sind anspruchslose Pflanzen, die auch auf kargen Böden existieren können. Das legendäre langsame Wachstum ist eine Folge entsprechender Standorte. Bekommen Olivenbäume besseren Boden und Wässerung, wachsen sie unlegendär schnell. Die Menge und Qualität des Öles nimmt dabei jedoch nicht entsprechend zu. Düngung und Wässerung können im Gegenteil zu Qualitätsverlust des Öls, Krankheitsanfälligkeit und Frostanfälligkeit führen. Da ich sowohl meinen kleinen Weinberg als auch den Olivenhain ökologisch pflege, bringe ich keine unspezifische mineralische Mischdünger aus und keine chemisch erzeugte Stickstoffpräparate. Eine Analyse meines Bodens hat Magnesium- und Kaliummangel ergeben, weshalb ich diese Mineralstoffe in den entsprechenden Düngeraufbereitungen (Kieserit, Kalisulfat) sparsam und gezielt ausbringe. Vor allem Kalium (Pottasche) ist für den winterlichen Wasserstoffwechsel der Olivenbäume sehr wichtig und für den Aufbau des Frostschutzes in den Pflanzen nach Auskunft des Olivenanbauforschungszentrums "Santa Paolina" in der Toskana notwendig. Zur Stickstoffversorgung mulche ich und gebe gelegentlich Hornspäne. Zur Stickstofffreisetzung hilfreich ist Hacken und Umgraben der Baumscheibe - dabei auf ausreichend Abstand vom Stamm achten, abhängig vom Baumalter 20-40 cm. Alle diese Maßnahmen sollten ab September nicht mehr stattfinden, um die Bildung von instabilem, frostanfälligem Gewebe zu verhindern. |
STARTSEITE |