Echt ein Olivenhain in Deutschland?
Was bedeutet "main" Olivenhain?
Ab wann sind Olivenbäume ein Olivenhain?
Wie schmecken deutsche Oliven?
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Olivenhain anzulegen?
Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?
Ist es nicht grausam, den Oliven den deutschen Winter zuzumuten?
Fürchten Sie nicht, Ihre Bäume in einem strengen Winter zu verlieren?
Welche Maßnahmen haben Sie im Winter getroffen?
Würden Sie jemandem raten, einen Olivenhain in Deutschland anzulegen?
Welche Sorten können Sie für das deutsche Klima empfehlen?
Rechnen Sie mit dem Klimawandel?
Wie haben Ihre Olivenbäume den Winter 2008/09 überstanden?
Gibt es Olivenhaine die diesen Winter richtig gut bewältigt haben?
Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Winter 2009/10?






Echt ein Olivenhain in Deutschland?

Ja. Der experimentell angelegte kleine Hain umfasst 1600 Quadratmeter mit derzeit 33 Bäumen/Pflanzungen - 10 Sorten aus 4 Ländern. Er befindet sich am Kraichgaurand zwischen Karlsruhe und Heidelberg, bei Obergrombach. April/Mai 2008 wurden 26 Heister der Sorten "Leccino", "Maurino" und "Olivastra Seggianese" gepflanzt. April/Mai 2009 kamen Propfungen auf Wildoliven zu entlegenen  Sorten ("Leccio del Corno", "Grappolo" und "Bjankera/Bianchera") dazu sowie 2x "Aglandaou" von einer Baumschule in Ungarn, 1x "Pendolino" und 2x "Ascolana". Anfang Juli fand 1x "Koroneiki" (wunderschöne Pflanze, leider sehr frostempfindlich!) dank Conrad Bölicke seinen Weg nach Obergrombach. April 2010 pflanzte ich zwei Leccio del Corno und zwei Bianchera aus einer Baumschule in Pescia. Im übrigen gibt es noch weitere Olivenhaine mit Jungpflanzungen in Deutschland, einen bereits seit 2005, in der Nähe von Köln - siehe "Vorbilder".


Was bedeutet "main" Olivenhain?


Nicht, dass mein Olivenhain am Main liegt. Er liegt am Rhein, genauer: Im Kraichgau. Ich wollte die Domain „olivenhain.de“ benutzen - aber die hielt schon ein Domainhändler besetzt. Da habe ich mich für „mainolivenhain.de“ entschieden. Ein Wortgefüge, das mir auf Anhieb gut gefiel - ganz ohne Tiefsinn.


Ab wann sind Olivenbäume ein Olivenhain?

Da Haine - wie die Kulturgeschichte lehrt - gerne von Elfen, Göttern etc. bewohnt werden, gelten Oliven, die in einem Glashaus stehen, nicht als Olivenhain. Denn Geistwesen wollen den offenen Himmel über sich, kein Treibhaus. Daher scheiden auch Kübeloliven aus, die im Winter ja nach drinnen müssen. Drei Olivenbäume, die in einem Garten stehen, bilden nach allgemeinem Urteil auch noch keinen Olivenhain. Bei sieben beginnt wohl die kritische Masse. Eine endgültige Beantwortung der Frage steht allerdings noch aus ....


Wie schmecken deutsche Oliven?

Gut. Da sie mehr Wasser enthalten als Oliven aus heißeren und trockeneren Ländern, schmecken sie weniger bitter und können je nach persönlichem Geschmack auch (in sehr kleinen Dosierungen) frisch vom Baum genossen werden. Leider hatte ich im ersten Standjahr nur eine Hand voll ernten können - und 2009 gabs nichts, nach den Frostschäden.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Olivenhain anzulegen?

Ich habe lange in Italien gelebt und wandere gerne auf griechischen Inseln - da lernt man Olivenbäume schätzen. Und ich hatte ein kleines Grundstück am Waldrand in einem Weinbergsgelände erworben, dessen Rebrecht erloschen war - so suchte ich eine alternative Nutzung. Zunächst dachte ich eher an Tafeltrauben (benötigen kein Rebrecht), Feigen, Indianerbanane, Kaki oder Pekannuss. Aber dann hat sich die Olivenidee durchgesetzt. Auch als eine Herausforderung, mich intensiver mit dem Themenbereich "Klima" zu beschäftigen.


Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Eine ganze Menge. Unbedingt möchte ich im Sommer unter Olivenbäumen mit schöner Aussicht in der Sonne liegen - ohne dafür zwei Stunden fliegen zu müssen. Die Bewegung an der frischen Luft, mit Sense und Hacke und Baumschere, soll auch sehr gesundheitsfördernd sein. Als Angehöriger einer Generation, die nicht mehr mit verlässlichen Rentenzahlungen rechnen kann, habe ich langfristig durchaus auch ökonomische Ziele im Blick. Darüber hinaus verfolge ich mit dem Projekt ökologische, kulinarische, agrarmeteorologische,  landschaftsästhetische, philosophische und noch ein paar weitere Zwecke ...

Oder, um es ganz ernsthaft zu klären: Olivenhaine sind komplexe Systeme mit extrem interessanten System-Umwelt-Beziehungen ("Umwelt" im Sinne von Luhmann gemeint). Die "Umwelt" Klima und ihre Verarbeitung innerhalb eines Systems lässt sich hier an den Olivenbäumen höchst anschaulich studieren. Auch die zum System gehörige Wiese verarbeitet "Umwelt" höchst lehrreich, etwa im Umgang mit Saatguteintrag oder in der Verarbeitung des Bodens, seiner Konstruktion als "Repräsentation" für den Naturkundler.


Ist es nicht grausam, den Oliven den deutschen Winter zuzumuten?

Die Frage habe ich mir auch öfter gestellt. Vor allem gleich im ersten Winter 2008/09. Aber ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass die Pflanzen (v.a. Leccino) sich am gewählten Standort wohl fühlen. Zudem: Auch Weinstöcke und andere in Deutschland wichtige Kulturpflanzen kommen ursprünglich aus wärmeren Klimazonen.


Fürchten Sie nicht, Ihre Bäume in einem strengen Winter zu verlieren?

Der einzige Winter in den vergangenen vierzig Jahren, in welchem selbst geeignet versorgte Olivenbäume hier im badischen Weinbaugebiet im Freiland komplett erfroren wären, war der Winter 1984/85 - und da wurden auch in der Toskana 80% der Olivenbäume dahingerafft. Machen muss man bei starkem Frost aber schon etwas. Das Hauptproblem scheint mir, dass die Bäume bei uns im Winter geschwächt werden und wir nur selten mit befriedigenden Ernten rechnen könnten.


Welche Maßnahmen haben Sie im Winter getroffen?

Stämme mit Thermovlies einhüllen. Hoch mulchen mit grobem Material (Stroh etc, kein Gras!!), um Wurzeln und Stämme vor Tieffrost zu schützen. Winter 2008/09: UV-stabile Thermofolie (keine Einpack-Luftpolsterfolie!) um die Bäume. Ab -10 Grad "Heizung" innerhalb der Thermofolien-Hülle mit Dauerkerzen - bewährt haben sich die gedeckelten Dauerkerzen des DM-Marktes. Winter 2009/10: Federstahltunnels mit Thermovlies M85 (auch zur Feuchtigkeitsregulation sehr gut geeignet). Heizung ab -10 Grad Außentemperatur mit Öllichtern und Dauerkerzen. Problematisch bei starkem Wind. Mehr dazu erfahren Sie unter "Tagebuch" und "Technik, Tipps und Tricks".


Würden Sie jemandem raten, einen Olivenhain in Deutschland anzulegen?

Nach den Erfahrungen mit dem Winter 2008/09 und dem von 2009/10: Nein. Jedenfalls nicht ohne große Experimentierfreude und eine gewisse Leidensfähigkeit. Im Winter ständig nach den Frostwarnungen des Deutschen Wetterdienstes zu schauen und die Thermometer im Hain zu konsultieren, ist nicht unbedingt erholsam. Noch weniger, mit frostklammen Händen Thermofolie an den Baumstützen festzuzurren, unter Schneelast begrabene Vliestunnels freizuschaufeln oder Notheizungen einzustellen. Aber es gibt andere Momente, die große Freude bereiten. Olivenbäume sind außergewöhnliche Pflanzenpersönlichkeiten, wie zu Recht oft behauptet wird. Daher meine Empfehlung: Mit ein paar Bäumen beginnen, erst einmal die lokalen Bedingungen untersuchen (Boden, Temperaturverläufe, Wind, Feuchtigkeit), die sinnvollen Sorten herausfinden. Die Lage sollte auch eher windgeschützt sein, wegen eventueller Frostschutzmaßnahmen im Winter.


Welche Sorten können Sie für das deutsche Klima empfehlen?

Ohne Aufmerksamkeit im Winter keine. Ansonsten sind eine gute Wahl unter den Toskana-Sorten nach eigenen und fremden Erfahrungen Olivastra Seggianese und vor allem Leccino. Seggianese ist froststabil aber feuchtigkeitssensibel, sympathisch sowie austriebsstark und fruchtet rasch (Aroma eher bescheiden), benötigt dazu aber einen Partner, z.B. Leccino, eine bei mir besser bewährte, vitale Varietät mit aromatischen Früchten, die starke, resistente Stämme entwickelt. Als frosthart gepriesen werden auch kroatische (Bjankera, als "Bianchera" im Veneto verbreitet), mittelitalienische (Canino, Verzola, Nostrale di Rigali - pilzanfällig, Ascolana - wachstumsschwach, froststabil), weitere norditalienische (Leccio del Corno - bisher sehr gute Erfahrungen mit meinen Propflingen), französische (Moufla, Bouteillan, Aglandaou - gutes Wachstum, froststabil) und spanische (Cornicabra, Picual, Arbequina - kleine Frucht, großer Geschmack) Sorten. Unter "Informationsquellen" finden Sie Sortenbeschreibungen und Frosthärte-Untersuchungen. Zu beachten ist neben der Froststabilität auch die Pilzresistenz und das Verhalten des Holzes bei anhaltender kühler Feuchtigkeit!


Rechnen Sie mit dem Klimawandel?

Klima wandelt sich ständig, da es zwischen allen Einflüssen auf unserem/unseren Planeten vermittelt - damit zu "rechnen" ist  höchst schwierig, nicht nur für Laien. Zumal es naiv wäre, einen alle Klimazonen gleichermaßen betreffenen Klimawandel anzunehmen. Erwärmung in einer Klimazone/Klimaregion kann bestehen neben Abkühlung in einer anderen oder Erwärmung in einer Jahreszeit neben Abkühlung in einer anderen. Nachdenklich sollten potentielle Olivenanbauer in unserer Region die Daten der privaten Wetterstation Kernen im Schwarzwald machen. Gab es 1990 bis 1998 durchschnittlich 58 Frosttage pro Jahr so stieg die Zahl für den Zeitraum 2000-2008 auf 71 Tage. Analoges gilt für Karlsruhe. Bezogen auf Tage mit Frost im zweistelligen Bereich ist die Bilanz für Karlsruhe (amtliche Daten) im Vergleich zwar ausgeglichen - aber eben nicht mehr. Dass die aktuelle Klimaveränderung für unsere Region nach verschiedenen Prognosen niederschlagsreichere und stürmischere Winterhalbjahre bringt, ist auch in die Planung eines Olivenhains einzubeziehen.

Im Winter 2008/09 habe ich mich intensiver mit dem Wettergeschehen in unserer Region beschäftigt und kam zum Ergebnis, dass dieser strenge Winter wohl kein "Ausrutscher" war, sondern Teil eines langwelligen Rhythmus, in welchem bei uns noch einige Jahre mit eher wieder kälteren Wintern zu rechnen sei. Daher habe ich einiges Geld in weiteren Frostschutz (Vliestunnels - s. Technik)  investiert. Der Winter 2009/10 hat meine Vermutung gestützt. Der Frostschutz hat sich allerdings nicht bewährt wegen des häufigen Starkwindes.

Gleichgültig, wie das Klima sich entwickelt und welche Größen dabei den Haupteinfluss haben: Olivenbäume sind ein schönes Symbol in diesem Kontext, für Ausdauer und Anpassungsfähigkeit. Auch wenn sie nicht in jedem Klima gedeihen. Ob in unserem künftigen, ist eine Frage, die mich aus persönlichen Gründen sehr interessiert. Denn gegen die anthropogenen Ursachen aktueller Klimaveränderungen anzugehen ist eine Sache, eine andere, mit Klimaveränderungen produktiv umzugehen. Nach meiner Auffassung muss beides geschehen.


Wie haben Ihre Olivenbäume den Winter 2008/09 überstanden?

Besser als befürchtet (schließlich waren meine Bäume gerade erst 2008 gepflanzt) und schlechter als ich nach der letzten Frostperiode erwartet hatte. Das Ausmaß der Schäden zeigte sich erst einige Wochen nach dem Winterende und nur mit Schnitten ins Holz. Die "Nagelprobe" (Kratzen, ob Grün kommt) ist untauglich und irreführend. Selbst vermeintlich gesunde Blätter sagen wenig aus. Gerade "kranke" Blätter können signalisieren, dass der Zweig noch intakt ist, reagiert. Während vermeintlich gesunde Blätter an einem abgestorbenen Zweig hängen können. Äußerlich vitale Zweige und Äste können noch lange nach Ende des Frostes austrocknen. Von meinen 26 Bäumen waren 5 bis weit in den Stamm hinein geschädigt. Aber auch diese haben bis auf einen Ende April/Anfang Mai zumindest in Bodennähe mit Neuaustrieb begonnen. Dazu kam noch ein schwerer Stammschaden, der sich erst im Mai zeigte, in der Stammmitte. Einige der Bäume haben trotz offensichtlich intaktem Stamm (der im Sommer 2009 sogar sichtlich an Umfang zunahm) im ersten Jahr nur in der unteren Stammhälfte nennenswert neu ausgetrieben.


Gibt es Olivenhaine in Deutschland, die den Winter 2008/09 richtig gut bewältigt haben?

In der Presse und in verschiedenen Internetforen gibt es Hinweise auf deutsche Olivenhaine, die ohne größere Verluste überstanden haben sollen, ohne jegliche Schutzmaßnahme. Ich war Anfang Mai 2009 bei einem davon und sah die letzten "ohne größeren Schaden" verbliebenen Olivenbäume beim Schredder auf einem Haufen liegen. Die ganze Anlage war neu bepflanzt worden. In der Tat sieht man Olivenbäumen nach dem Winter nicht immer gleich an, wie sehr sie gelitten haben. Die Wahrheit zeigt sich bisweilen erst im Frühsommer oder auch lange danach. Spätfolge kann z.B. eine verringerte Resistenz im folgenden Winter sein. In einem anderen Hain wurde Ende 2009 "Olivenernte" gefeiert - mit im Frühjahr 2009 gepflanzten Bäumen, denn der Altbestand war auch hier erfroren. Also genau hinschauen und kritisch prüfen, das erspart unnötige Ausgaben und Enttäuschungen bei eigenen Anbauversuchen!


Ihre Erfahrungen mit dem Winter 2009/10?


Ein neues Winter-Schadenssymptom trat auf, nämlich einzelne Rindenrisse im Stammbereich vor allem unterhalb von 30 cm Höhe, teilweise aber auch bis etwa 50 cm bei eher mäßigem Frost. Vorläufig führe ich das auf die anhaltend feuchte Kälte (wenig Sonne im Januar 2010) um den Gefrierpunkt herum zurück. Ein Großteil der Bäume hat den zweiten harten Winter in Folge nicht gut überstanden, ich muss mit einigen Totalverlusten rechnen. Gut überstanden haben von 33 Pflanzen nur eine Wildolive unter Mulch (s.o.), eine Olive unbekannter Sorte (von Ikea), zwei Leccino (davon einer im Zelt), zwei O. Seggianese (davon eine im Zelt), eine Ascolana sowie die Propfungen von Leccio del Corno und Bianchera (im Zelt). Sie haben alle noch immer intakte Blätter und weitgehend gesunde Stämme und/bzw. Zweige. Mitte Mai haben sie mit Neuaustrieb begonnen, besonders O. Seggianese.


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