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>> Eine kleine Geschichte des Olivenanbaus in Deutschland



Disclaimer: Diese Seiten wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Der Autor übernimmt keine Verantwortung für die Pflanzung, Hege oder Bestimmung von Arten auf der Basis von Informationen oder Bildern, die auf dieser Website enthalten sind, ebensowenig für Folgen, die sich z.B. aus der medizinischen Verwendung von dargestellten oder beschriebenen Pflanzen ergibt!
EXOTISCHE FRUCHTBÄUME, STREUOBSTALTERNATIVEN, INTERESSANTE GEWÜRZ- UND HEILPFLANZEN

Einige der nachfolgend beschriebenen Pflanzen werden gerne in kurzfristigen Hypes hochgejubelt um den Umsatz einschlägiger Gesundheitsmittel-Produzenten zu fördern. Ich schicke daher gleich mal Folgendes vorweg: Unsere Landschaft steht voll der wirksamsten Phytopharmaka, die sträflich vernachlässigt werden. Streuobstwiesen, an denen der Kraichgau wo ich lebe nach wie vor relativ reich ist, sind kleine Paradiese und wunderbare Naturapotheken. Die biedere Holunderbeere am Wegrand enthält mehr an antioxidativen oder krebshemmenden Substanzen als die meisten teuer verkauften Hype-Präparate - und die schlichte Petersilie, die in jedem Hausgarten wächst, ist eines der wirksamsten Aphrodisiaka. Für mich steht bei der Beschäftigung mit echten oder nur vergessenen "Exoten" im Vordergrund, was ökologisch im Freigelände sinnvoll, ästhetisch bereichernd, gesund und schmackhaft ist. Und dann ist auch noch "der Klimawandel" an meinem Experimentierinteresse beteiligt ....


Auf dieser Seite finden Sie Angaben zur Pflege, zum Anbau, zur Anwendung und zur Vermehrung von exotischen Fruchtpflanzen, von ökologisch interessanten einheimischen Obstbäumen und Fruchtbüschen, von exotischen und einheimischen Gewürzpflanzen und Heilpflanzen. Zu jeder Pflanze gibt es Hinweise auf Besonderheiten bei der Pflanzung und Vermehrung sowie Angaben zur gesundheitlichen Wirkung, zu Wirkstoffen und zur Anwendung. Bei den meisten Pflanzen gehe ich auch auf die ökologische Bedeutung ein.

In den Beschreibungen setze ich weitgehend auf eigene Erfahrungen. Alle Pflanzen bis auf Jiaogulan wachsen auf dem Gelände meines experimentellen Olivenhaines auf ca. 1800 Quadratmeter. Mittelfristiges Ziel ist u.a. die Etablierung eines ergänzenden Modells von "Streuobstwiese" für neue Generationen von Wiesenbesitzern und sich wandelnde Klimaverhältnisse.

Ich setze als Spritzmittel bestenfalls Kräuteransätze (Kanadische Goldrute - aus der Not eine Tugend -, Schafgarbe, Schachtelhalm u.ä.) ein und als Dünger nur gelegentlich Magnesium, Kalium und Hornspäne. Dazu mulche ich und grabe oder hacke regelmäßig im Umkreis der Bäume und Büsche. Dies dient einerseits der Versorgung mit allgemeinen Nährstoffen sowie der Freisetzung von Stickstoff, andererseits der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und dem Fernhalten von Schermäusen.

Wildkräuter sind häufig an Magerstandorte angepasst und vertragen Düngung nicht. Grundsätzlich sind magere Wiesen blütenreicher, artenreicher und insgesamt ökologisch wertvoller als gedüngte Wiesen, weshalb ich den Bereich zwischen den Bäumen und Büschen nicht dünge und das Mähgut entsprechend den Gepflogenheiten der Naturschutz-Wiesenpflege entnehme. Selbstverständlich experimentiere ich im Wiesenbereich nicht mit obskuren Blütenwiesenmischungen, wie sie z.B. von manchen Jägern zur Wildfütterung ausgestreut werden und angeblich auch "für die Insekten". Auf ähnliche Weise ist z.B. der biotopzerstörende invasive Neophyt Kanadische Goldrute in die Landschaft gelangt - mit dem heimische Insekten wenig anfangen können.

Das Gelände ist Südhang in badischer Weinbaulage, Kraichgau, mittelschwerer Lößboden mit unterschiedlichem Humusgehalt (bedingt durch unterschiedliche Bewirtschaftungsgeschichten, Abschwemmungen und Windverfrachtung). PH-Wert 7,4.

Eine Bodenanalyse sollte jeder Anlage eines Obst- und/oder Kräutergartens in unbekanntem Gelände vorausgehen. Diese kann über ein Labor geleistet werden (die Landwirtschaftsämter informieren dazu) und/oder mit Hilfe eines geeigneten Pflanzenbestimmungsbuches - ich selbst verwende die "Flora Helvetica" von Lauber/Wagner -, das über die bereits vorhandenen Pflanzen Rückschlüsse auf die Bodeneigenschaften zulässt.

Die Trennung in Obst-, Gewürz- und Heilpflanzen ist hinterfragbar und dient lediglich einer Gliederung, die den Lesebedürfnissen entgegenkommt. Jedes Nahrungsmittel hat, sofern es gut und sauber produziert und verarbeitet ist, eine Gesundheitswirkung. Und dies gilt insbesondere für Obst und Würzpflanzen. Daher gehe ich bei allen hier aufgeführten Pflanzen auf Gesundheitswirkungen ein.

Grundsätzlich verfolge ich einen ganzheitlichen Lebens- und Gesundheitsansatz. Daher bin ich auch der Auffassung, dass die Pflege eines Jiaogulan auf der heimischen Fensterbank oder die Pflanzung und Hege eines Ziziphus jujuba im Garten eine höhere Gesundheitswirkung entfalten kann, als der Gebrauch der gesunden Pflanzenteile selbst. Sofern diese Hege entspannt und freundlich erfolgt und nicht dominiert ist vom Hass auf Schädlinge, der Wut auf ungünstiges Wetter oder ähnlichen "Zivilisationskrankheiten", die mit Gartenarbeit ebenso "kuriert" werden sollten, wie andere "Unpässlichkeiten" mit den Früchten der Garten- oder Fensterbankarbeit.



EXOTISCHE FRUCHTPFLANZEN

Informationen und Erfahrungen zu anderen Exoten aus dem Fruchtbereich als der Olive, die ich in meinem Olivenhain angepflanzt habe, darunter die geschmacklich und gesundheitlich spektakuläre Indianerbanane (Paw Paw oder Asimina triloba), die heilsame Fünf-Geschmacks-Frucht Schisandra (Wu Wei Zi) und das chinesische Gedächtnismittel und Aphrodisiakum Ziziphus jujuba. Natürlich darf auch ein Feigenbaum nicht fehlen.
Asimina triloba Paw Paw Indianerbanane SunflowerAsimina triloba oder Paw Paw oder Indianderbanane: 2008 gepflanzt, Sorte "Sunflower", guter Blütenansatz auch 2011, aber noch keine Frucht - erst im 5. Jahr zu erwarten. Wachstum in der Tat (wie verschiedene Erfahrungsberichte aus Deutschland kundtun) sehr langsam - auch wenn auf US-Seiten abstruse Wachstumswunder berichtet werden. Scheint nicht ganz glücklich bei mir, Blätter werden rasch stumpf und brüchig. Die 2006 gepflanzten Exemplare der staatlichen Versuchsanlage Augustenberg bei Karlsruhe trugen 2010 die ersten drei Früchte.

Der Geschmack soll sensationell sein - nach Mango, Ananas, Banane und Vanille. Entsprechend auch die Gesundheitswirkung. Leider konnte ich das bisher noch nicht überprüfen. Der Duft der Blüten war allerdings schon mal äußerst vielversprechend. Und er lockt Schnecken an, weshalb es sich empfiehlt, Tannenreisig um den Stamm zu legen.

Die Preise für veredelte Asimina triloba sind derzeit in Deutschland weit überhöht und liegen bei etwa 50 Euro für ein recht bescheidenes Pflänzchen. Geschmack und Fruchtgröße variieren stark von Sorte zu Sorte. Unveredelte Pflanzen und einige Zuchtsorten sind nicht selbstfruchtbar. Ausgewachsene Bäume können bis zu acht Meter hoch werden.

Beachten: Junge Pflanzen mögen starke Sonne nicht. Abschattung im Sommer bei Südhang unbedingt zu empfehlen. Bevorzugt humosen, leicht sauren Boden. Vermehrung über Samenkerne, langwierig (Exemplare dann in keinem Fall selbstbefruchtend!).
Gesundheitswirkung: Reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Flavonoiden. Die Zweige enthalten einen hohen Anteil an Acetogeninen und werden für Krebspräparate eingesetzt.
Ökologie: Wird gerne von Ameisen besucht. Verschiedene Insekten tun sich an seinen Blättern gütlich.
Feigenbäume und Feigenbüsche sind in Deutschland längst keine Seltenheit mehr. In der benachbarten Pfalz gehören sie schon fast zum normalen Obstbestand. 2008 hatte ich eine Bayernfeige gepflanzt, deren Wurzeln über Winter von Schermäusen restlos abgefressen wurden. 2009 habe ich eine Feige unbekannter Sorte, grün, sehr schmackhaft, gepflanzt.

Nach den Wintern 2008/09 und 2009/10 ist die Feigen-Euphorie in der Region etwas gedämpft. In der Versuchsanlage am Augustenberg/Durlach-Grötzingen musste der ganze Feigenbestand bis zum Boden zurückgeschnitten werden. Mein eigener Feigenbaum hat mit kleineren Zweigspitzenerfrierungen gut überstanden - allerdings war er mit einer doppelten Vlieseinhüllung im Winter geschützt.

Feigen wachsen spontan eher buschartig, ertragen radikalen Schnitt, sind in der Form allerdings nicht zu "erziehen", sondern nur zu steuern - etwa in Richtung Stamm- und Kronenentwicklung. Neigen dazu, kreuz und quer zu wachsen, lichthungrig. Querwuchs sollte weggeschnitten werden zur besseren Lichtverteilung, im Freiland kompakte Krone schaffen für den Winterschutz.

Beachten: Auf froststabile Sorten setzen. Fruchtgeschmack und Reifezeit prüfen (gravierende Unterschiede!). Bei Schermausvorkommen mit tiefer Drahthülle (unten offen) schützen. Schnitt einer kompakten Krone, die die winterliche Vlieshülle tragen kann - je nach Standort doppelte Vlieshülle sinnvoll. Stickstoffdüngung schadet der Fruchtqualität.
Gesundheitswirkung: Enthält verdauungsfördernde Enzyme und wirkt keimhemmend. Sehr energiereich. Liefert 14 Mineralstoffe, 14 Eiweißbausteine und 11 Vitamine.
Ökologie: Weinbergschnecken lieben seine Nähe und in seiner Nachbarschaft keimen auffallend viele rare Pflanzen.
KaKaki-Pflaume Sharonfrucht Diospyros kaki Chinesische Pflaumeki-Pflaume oder Diospyros kaki, Chinesische Pflaume, Kaki. Familie Ebenholzgewächse. Eine dünnhäutige Sorte gibt es als Sharonfrucht auch im Obstladen. Im Herbst 2009 habe ich die Sorte "Vaniglia" gepflanzt, gedeiht gut, wächst bei mir am Südhang auffallend mit den Ästen weg von der Sonne, scheint also starke Sonne nicht unbedingt zu lieben (auf dem Foto ist links Norden!). In der Literatur wird allerdings zum Standort angegeben "so sonnig wie möglich". Das Holz zeigt teilweise Risse, nach meiner Einschätzung Frostschäden. Gute Fruchtenwicklung schon im zweiten Standjahr. Auch in der Versuchsanlage Augustenberg bei Karlsruhe gedeihen die Kaki-Bäume ausgezeichnet. Die Schale ist bei meiner Sorte fest, die Früchte sind eher klein aber sehr schmackhaft, Mitte August konnte ich schon einzelne notgereifte Exemplare (Reaktion auf Kälteeinbruch/Herbstanmutung?) genießen. Kühlschrankreifung kann ich nicht empfehlen, das dauert sehr lange (nur zur Lagerung sinnvoll). Reifen am schnellsten in einem geschlossenen Gefäß zusammen mit einem reifen Apfel (dünstet Phytohormon Ethylen aus). Die Früchte sind stark adstringierend, wenn sie noch nicht vollständig weich/reif sind. Also anders, als zu Vaniglia sonst angegeben wird. Vielleicht ist meine "Vaniglia" eben keine Vaniglia? Eine mögliche andere Erklärung wäre, dass der Baum Fremdbefruchtung benötigt, um die Adstringentien zu verlieren. Leider ist das Holz sehr brüchig, junge Pflanzen bei Winddruck stützen, mit Früchten stark behängte Zweige/Äste entlasten!

September 2011 habe ich zwei weitere Exemplare, "Tipo" und "Rojo Brillante", gepflanzt. Der Lieferant "Pflanzenspezl" ist Kaki-Experte und hat eine beeindruckende Website. Die gelieferten Pflanzen waren jedoch in sehr schlechtem Zustand, seit Jahren in viel zu engem Topf gehalten, mit halbtoten Wurzelgerippen ohne Saugwurzeln und einer Veredelung wie mit dem Beil gehauen. Negative Erfahrungen habe ich auch mit einem völlig deformierten Maulbeerbaum dieses Lieferanten gemacht. Die abgebildete Kaki stammt von "Flora Toskana", wo es inzwischen auch eine breite Auswahl an Kaki gibt. Sie kostete doppelt soviel wie die von "Pflanzenspezl", war aber in der Qualität um Welten überlegen. Bei Kaki möchte ich prinzipiell vor finanziellen Abenteuern warnen, die aktuellen Winter bei uns sind keineswegs kaki-freundlich! Also besser nicht gleich eine ganze Plantage anlegen.

Der Kaki-Baum hat unter anderem durch den Baum von Nagasaki, der den Atombombenabwurf überlebte, hohe Symbolkraft gewonnen. Der griechische Gattungsname "Diospyros" = "göttliches Feuer" deutet darauf hin, dass er bzw. seine Verwandtschaft schon früh mythologisch überhöht wurden. Im übrigen gehören zur Gattung auch die Ebenholzbäume, die als Lieferanten von Möbelholz geschätzt werden. Da bei Kaki-Früchten im Handel häufig Rückstände von Pflanzenschutzmitteln entdeckt wurden, ist ein eigener Kaki-Baum für Liebhaber der Frucht (nicht jeder mag sie) zu empfehlen!

Beachten: Zum Lichtbedarf unterschiedliche Erfahrungen. Unreif geerntete Früchte reifen problemlos weiter, Früchte sollten bei Genuss richtig weich sein, sind auch überreif noch zu genießen. Hohe Fäulnisresistenz. Holz bricht leicht. Winterschutz bei jungen Pflanzen.
Gesundheitswirkung: Hilft bei hohem Blutdruck und Verstopfungen. Hoher Gehalt an den Vitaminen A und C. Sehr hoher Kaloriengehalt. Nachgesagt werden der Frucht auch Heilwirkungen bei Krebs und allgemein förderlicher Einfluss auf das Immunsystem, dabei werden folgenden Wirkstoffe genannt: Catechine, Betulinsäure, Acetylcholine.
Kiwi Chinesische Stachelbeere Deutschland Rankhilfe SuedseiteEin fast schon etablierter Exote ist der Kletterstrauch Kiwi, Actinidia deliciosa, die chinesische Stachelbeere. 2010 selbstfruchtbares Exemplar Sorte "Yenni" gepflanzt. Benötigt viel Platz/Rankfläche und vor allem in den Anfangsjahren und während der Blütezeit ausreichend Wasser! Wassermangel ist rasch an schlappen Blättern und abfallenden Blüten zu erkennen. Bodenverdichtung und anhaltender Wassermangel zeigen sich mit gelben Blättern. Den 1959 eingeführten Namen "Kiwi" verdankt die Pflanze dem neuseeländischen Obstmarketing. Besonders vitale Exemplare sehe ich hier in der Gegend (Baden, Rheinebene) vor allem in eher halbschattigen Lagen!

Beachten: Kalkreiche Böden mag er nicht. Erdreich regelmäßig lockern bei festeren Böden. Gießen nicht vergessen! Braucht Rankhilfe. Hoher Platz-/Flächenbedarf! Mag pralle Sonne offensichtlich nicht, jedenfalls nicht hier in Weinberglage und vor Mauer.
Gesundheitswirkung: Arginin erhöht die Fließfähigkeit des Blutes, beugt Thrombosen und Artheriosklerosen vor und wird wegen seines Einflusses auf den Stickstoff-Stoffwechsel bei Impotenz eingesetzt. Gehaltsstoff Inosotil reguliert Insulinhaushalt. Auch das "Glückshormon" Serotonin ist in Kiwis vorhanden.
Schisandra chinensis oder Wu Wei Zi (Fünf-Geschmacks-Frucht), Chinesisches Spaltkörbchen, Chinesischer Limonenbaum, Beerentraube. Erstes Exemplar 2008 ("Vitalbeere"), zweites Exemplar 2011. Ich nehme die Pflanze als eher problematisch wahr, Neigung zu Chlorose, zu Blattnekrosen und Absterben von Blättern und Stängeln im Triebspitzenbereich mit Monilia-Symptomatik. Beim ersten Exemplar hatte ich zunächst nach Rat des Verkäufers einen Südstandort gewählt, der aber eindeutig zu heiß war. Nun neuer Standort an Westmauer, doch noch immer das Problem, dass zunächst üppiges Wachstum kommt und dann Blätter vergilben oder ganze Zweige verbräunen und absterben. Auch die anderen Blätter wirken nicht wirklich stabil, werden rasch hellgrün-matt nach zunächst optimalem glänzendem Zustand im Austrieb. Später werden einige dann teilweise gesund-sattgrün. Eine Entwicklungsfolge, die ich auch von Weinblättern kenne. Auch Fotos von Gärtnereien, die Schisandra anbieten, zeigen häufig ungesunde Blätter. Allerdings ist die Pflanze wirklich frosthart und auch nach dem Februar 2012 treibt sie sehr schön Mitte März schon ihre neuen Blätter aus - vor allen anderen!

Wo Schisandra gedeiht, kann die Pflanze schnell eine ganze Hauswand belegen. Breitet sich durch Wurzelranktriebe auch am Boden großflächig aus. Zur Sonnenverträglichkeit gibt es unterschiedliche Angaben (vermutlich abhängig von regionalen Gegebenheiten). Boden sollte eher humos-sauer sein. Ich habe eigens eine Bodenaufbereitung am Standort gemacht.

Leider hatte ich auch im dritten Jahr keine Blütenentwicklung und konnte so die Früchte noch nicht genießen. Aber auch die Blätter bieten ein interessantes Geschmackserlebnis und sollen gleichfalls gesundheitsfördernd sein. Ich kann an den Blättern salzig, süß, bitter, sauer, scharf und "schleimig" (vielleicht das, was neuerdings mit "umami" bezeichnet wird, stark speichellockend) wahrnehmen! In der chinesischen Medizin steht die Pflanze auch für die Einheit der fünf Elemente Wasser, Feuer, Erde, Metall und Holz. Auch getrocknete Blätter sind gut zu verwenden.

Beachten: Benötigt regelmäßiges Gießen, mag eher sauren Boden! Braucht Rankhilfe (freistehend oder an Mauer). Verträgt Hitze nicht. Spätfrostempfindlich. Eher sensibel und anspruchsvoll als junge Pflanze. An günstigen Standorten extrem expansiv. Vermehrung/Ausbreitung durch Wurzelranktriebe.
Gesundheitswirkung: Blätter und Früchte enthalten zahlreiche antioxidative, krebshemmende, immunsystemstärkende Wirkstoffe. Darunter Flavonoide, leberschützende Lignane, die Vitamine A, B, C und E sowie die Spurenelemente Selen, Zinn und Jod. Eine der 50 wichtigsten Heilpflanzen in der chinesischen Medizin. Reguliert Schweißproduktion und Durchblutung, in China als Potenzmittel und Aphrodisiakum bekannt.
Ziziphus jujuba Jujube Chinesische Dattel LangZiziphus jujuba oder Chinesische Dattel: Erstes Exemplar 2008, zweites Exemplar 2009 ("Lang"). Dem Blätterzustand zufolge geht es der Art gut hier. Wachstum allerdings sehr verhalten, keine nennenswerte Entwicklung von Ästen bislang. Das Exemplar von 2009 kam mit Erfrierungen am Zuwachs aus dem Winter 2010/11. Blütenbildung in jedem Jahr reichlich und lange sich hinziehend, aber bislang (2011) noch keine Früchte, obgleich als selbstfruchtbare Sorte angegeben! Blattaustriebe erst spät im Jahr. Kurz nach dem gleichfalls späten Blütebeginn und bei Gewitterstimmung verströmen die winzigen Blüten einen atemberaubenden vielschichtigen Duft. Das Exemplar "Lang" zeigt nach dem Winter 2012 fleckige Erfrierungen am Stamm, obgleich es eingepackt war in mehrere Vlieslagen!

Beachten: Junge Pflanzen im Winter einhüllen. Selbstfruchbarkeit fragwürdig. Vermehrung durch Wurzelaustriebe.
Gesundheitswirkung: Antibakteriell, antioxidativ, Immunsystem stärkend. Rutin wirkt blutdrucksenkend und darmheilend. Zur Förderung der Gehirntätigkeit und der allgemeinen Erlebensfähigkeit in der chinesischen Medizin eingesetzt.
Ökologie: Wird gerne von verschiedenen Ameisenarten und anderen Insekten besucht, ohne nennenswerte Schädigungen.



EXOTISCHE GEWÜRZ- UND HEILPFLANZEN

In den vergangenen Jahren kommen vor allem dank der Gärtnereien mit Internetauftritt und Versandlieferung immer mehr exotische Gewürz- und Heilpflanzen in die hiesigen Gärten. Dabei sind Enttäuschungen vorprogrammiert, denn eine Pflanze, die bei der Gärtnerei in Norddeutschland einen "sonnigen Standort" benötigt, kann an einem entsprechenden Standort im Südwesten unter Hitzeschäden leiden. Daher möglichst breit informieren und lokale Standortbesonderheiten mitbedenken. Und entspannt bleiben, wenn es mal nicht so klappt - anderen Platz ausprobieren oder auch mal einfach nur in Geduld üben, manche Pflanzen benötigen eine gewisse Zeit, um sich an einen Standort zu gewöhnen.
CChinesischer Gemuesebaum Chop Suey Baum Maggibaumhinesischer Gemüsebaum oder (fälschlich) Gewürzbaum, Chop Suey Baum, Maggibaum, Surenbaum, Toona sinensis, Cedrela sinensis. 2008 gepflanzt. Hübsche, interessante Pflanze. Der Geschmack der frischen Blätter ist eher streng, im Umfeld von Sellerie, Maggikraut u.ä. angesiedelt. Frische Blätter sind hervorragend zur Zubereitung vegetarischer Suppen geeignet, getrocknete Blätter geben ein bereicherndes Suppen- und Pasta-Gewürz (muss gut durchgekocht werden)! Die Stammentwicklung verläuft bei mir extrem verhalten. Im Mai 2011 misst mein Exemplar bescheidene 40 Zentimeter Höhe, nachdem im vorausgegangen sehr kalten Winter die oberen 15 Zentimeter erfroren sind - der ganze Neutrieb von 2009 und 2010. Eine Astentwicklung findet vorläufig nicht statt, es gibt bisher (2011) nur einen Haupt-/Stammtrieb, von dem Blätter abgehen, die im Herbst komplett abfallen. Ab Juni 2011 schießt die Pflanze dann um 50 Zentimeter in die Höhe (ohne Düngung!), sie scheint sich mit dem Standort arrangiert zu haben und sie genießt auch den warmen Spätsommer/Herbst. Die Blattproduktion ist reichlich.

Beachten: Winterschutz bei jungen Pflanzen. Wirft zum Winter alle Blätter ab. Treibt relativ spät im Jahr, dann aber rasant, wieder aus. Nicht zu feucht halten. Jungpflanze bei Wind stützen. Gut zu trocknen und dann als Würze (mitkochen!) einzusetzen.
Gesundheitswirkung: Gynäkologische Beschwerden, Stoffwechselprobleme, Diabetes. Stimuliert angeblich Insulinproduktion und Testosteronproduktion. Soll Lungenkrebs hemmen. Der Blattsaft gilt als allgemein keimhemmend.
Jiaogulan oder Xianxao (Unsterblichkeitskraut), Amachazuru (in Japan), Fünfblättriger Ginseng, Gynostemma pentaphyllum. Gehört zur Familie der Kürbisgewächse, sehr rankfreudig. Wird aktuell als eines der wirksamsten Krebsmittel aus der Naturapotheke gepriesen, in der japanischen und chinesischen Medizin seit langem bekannt und eingesetzt. In meinem Gelände ist die Pflanze nicht gut gediehen. Einmal ist ihr der Boden zu mager oder zu fest, zum anderen haben Rehe die spärlichen Neutriebe abgefressen. Daher steht sie jetzt bei mir auf der Fensterbank in Gartenerde. Eine Pflanze im Dreilitertopf reicht für den Bedarf einer Person völlig aus. Die hohe Anzahl der Hundertjährigen in der südchinesischen Region Guizhou wird auf den täglichen Genuss von Jiaogulan-Tee zurückgeführt - wobei nur wenige Blätter pro Teekanne verwendet werden! Roh geschmacklich interessant, erinnert an Süßholz, kann auch als penetrant empfunden werden. Als Tee eher dröge, sofern nicht überdosiert wird. Ich mische mit anderen Kräutern, frisch oder getrocknet zu verwenden.

Beachten: Regelmäßig Gießen! Nicht in die pralle Sonne hinter Glas! Benötigt guten Boden und helles Licht, aber nicht unbedingt direkte Sonne. Vermehrung durch Stengel im Wasser, die Wurzeln ziehen.
Gesundheitswirkung: Als Krebsmittel gepriesen. Allgemein umfassende Gesundheitswirkung. Enthält 82 verschiedene Saponine, davon sind vier identisch mit Ginseng-Saponinen. Sparsam verwenden! Blätter kauen oder als Tee. Überdosierung vermeiden!
Ziegenkraut oder Elfenkraut, Horny Goat Weed, Yin Yang Huo, Epimedium grandiflorum. 2008 gepflanzt. Hat nichts mit Giersch oder Schöllkraut gemein, die auch Ziegenkraut genannt werden. Die Blätter sind optisch wenig attraktiv und geschmacklich eher tröge, bitter. Die kaut man sicherlich nur, wenn man dran glaubt, dass es einem hilft. Sie können auch zur Teezubereitung genutzt werden. Die Blüte ist wirklich zauberhaft (Elfen)! Leider nur von kurzer Dauer. Meine beiden Pflanzen sterben bislang oberirdisch im Winter vollständig ab und treiben im Frühjahr neu aus der Wurzel, das Wachstum erfolgt dann fast wie in einem Zeitlupen-Lehrfilm aus dem Biologieunterricht, sehr reizvoll! Den Namen "Ziegenkraut" verdankt die Pflanze der auf die Zeit 200 v.Chr. zurückgehenden Legende von einem Ziegenhirten, der bei seinen Böcken nach dem Verzehr der Pflanze eine aphrodisierende Wirkung beobachtet haben soll. Die Wirkungen sind inzwischen biochemisch plausibel gemacht.

Epimedium grandiflorum wird seit etwa 150 Jahren in Europa aus gärtnerischen Gründen gezüchtet. Auch in asiatischen Ländern existieren unterschiedliche Züchtungslinien mit vermutlich gravierenden Unterschieden in den Wirkstoffanteilen und eventuell auch Anteilen unerwünschter Stoffe. Ich persönlich habe da meine Bedenken, von einer ohne weitere Angaben gekauften Pflanze einfach die Blätter zu knabbern.

Beachten: Abgesehen von der ersten Triebzeit und der kurzen Blütezeit keine sonderlich attraktive Pflanze. Stirbt bei mir im Winter oberirdisch vollständig ab und kommt im Frühjahr wieder. Halbschatten. Mag Kalk nicht, schätzt humosen Boden. Vermehrung durch Wurzelteilung im August.
Gesundheitswirkung: Wird als Aphrodisiakum gepriesen. Die Blätter sollen allgemein die Durchblutung fördern, auch des Gehirns, wird bei Gedächtnisstörungen empfohlen. In der chinesischen Medizin einer der wichtigsten Libidoaktivatoren. Die Blätter der Pflanze enthalten Flavonoide, Polysaccharide, Kämpferolderivade und das Alkaloid Magnaflorin. Der Wirkstoff Icariin reguliert ähnlich wie Sildenafil (Viagra) den Stickstoffstoffwechsel. Blätter kauen oder in Tees. Bei Überdosierung starke Nebenwirkungen.



EINHEIMISCHE FRUCHT-"EXOTEN"

Neben den eigentlichen "Exoten" habe ich noch einige Fruchtpflanzen aufgenommen, die in Mitteleuropa wild heimisch sind oder in Fruchtgärten einst etabliert waren, aber nach meiner Einschätzung nicht hinreichend gewürdigt werden - obgleich sie sowohl ökologisch als auch gesundheitlich und/oder geschmacklich äußerst interessant sind. Ob eine Pflanze als "Exote" gilt, ist häufig auch eine Frage der historischen Perspektive.  

Aronia melanocarpa oder Schwarze Eberesche, Aronia prunifolia. Sorte "Hugin". Geschmacklich eher schlicht, aber gesundheitlich ähnlich wertvoll wie Holunderbeeren - ohne deren penetranten Beigeschmack. Ein netter, nicht sonderlich aufregender Strauch, anspruchslos und auch bei Insekten und Vögeln beliebt. Über den legendären russischen Pflanzenzüchter und -forscher Iwan Wladimirowitsch Mitschurin (Ivan V. Michurin) kam die Aronia in die Sowjetunion und so in den 50er Jahren in die DDR. In den vergangenen Jahren wurde sie als Kultbeere neu entdeckt mit den üblichen Preisungen à la Radikalenfänger, antioxidativ, antagonistisch gegen Krebs. Lässt sich gut als Hecke pflanzen, nicht mehr als 1.50 Meter Abstand.

Beachten: Geringer Platzbedarf bzw. verhaltenes Wachstum. Vermehrung über Stecklinge. Verträgt unterschiedliche Böden außer stark sandig und lehmig-schwer. Hervorragender Geschmack als Dörrfrucht - bei freundlichem Wetter am Strauch trocknen lassen!
Gesundheitswirkung: Antioxidativ, stärkt Immunsystem.
Ökologie: Vogelnährgehölz, Insekten schätzen die Blüten.
Felsenbirne. Eine hübsche Pflanze mit bescheidenen, nach meiner Auffassung unterschätzten Früchten. Aroma angenehm, etwas wie Heidelbeeren, allerdings fader, in der Konsistenz eher mehlig. In Mittel- und Südeuropa heimisch (Amelanchier ovalis), aber weitgehend verschwunden. Vor allem noch in der Provence und in der Schweiz erhalten. Als Ziergehölz ist heute in Deutschland vor allem die wachstumsstarke Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) verbreitet. Darauf achten, wirklich die Sorte zu bekommen, die man möchte. Ovalis wächst erheblich zurückhaltender als Lamarckii. Lamarckii hat das buntere Laub. Die Früchte ergeben eine wunderbare Marmelade mit leichtem Marzipangeschmack.

Beachten: Breitet sich über Wurzelausläufer aus. Wird gerne von Rehen abgeweidet (Frucht und Knospen). Als Dörrfrucht geeignet.
Gesundheitswirkung: Pektine, Vitamin C, Magnesium. Samen und Blätter enthalten geringfügig cyanogene Glykoside - eine größere Menge zerbissener Samen (Marzipangeschmack) können zu Übelkeit und Durchfall führen. Reguliert den Schlaf und die Herzfunktionen, verbessert über seine Flavonoide die Leistung von Blutgefäßen. Hilft bei Rachen- und Halsbeschwerden.
Ökologie: Vogelnährgehölz.
Austrieb Maulbeerbaum 2012 SpätfrostschadenMaulbeerbäume waren in Mitteleuropa zur Fruchtproduktion bereits unter Karl dem Großen bekannt. Im 17. Jahrhundert brachten Hugenotten und Waldenser den Maulbeeranbau nach Deutschland. Im 18. Jahrhundert widmete sich Friedrich der Große dem Thema intensiv und in Brandenburg gab es zum Höhepunkt des Anbaus Mitte des Jahrhunderts etwa eine Million Maulbeerbäume. Mit Friedrichs Tod erlosch das unrentable Unternehmen. Der letzte Versuch zur Etablierung einer Seidenproduktion in Deutschland wurde unter dem nationalsozialistischen Regime gestartet, zur Herstellung von Fallschirmseide. Die Entwicklung der Kunstfasern machte diese Bemühungen überflüssig. Inzwischen werden Maulbeerbäume bei uns als Parkbäume und Fruchtlieferanten gelegentlich wieder gepflanzt, auch im öffentlichen Raum. Im Spätjahr 2011 habe ich drei Maulbeerbäume zu den Oliven gestellt, zweimal weiß, einmal schwarz - Morus alba und Morus nigra. Morus alba wird größer und die Beeren haben einen höheren Zuckergehalt. Morus nigra hat im Rohzustand die aromatischeren Früchte. Den Winter haben die im Frostfebruar 2012 eingehüllten Bäumchen gut überstanden, der Austrieb Ende April 2012 litt an Spätfrostschäden (s. Abbildung).

Beachten: Wärmeliebend. Junge Pflanzen sollten im Winter bei tiefem Frost eingepackt werden. Spätfrostempfindlich. Die Beeren sind nur getrocknet wirklich ein Genuß. Rote Früchte stark färbend! Verträgt Schnitt gut.

Gesundheitswirkung: Die Früchte sind reich an ätherischen Ölen, Enzymen, Flavonoiden, Glykosiden, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Der Inhaltsstoff Scopoletin reguliert den Blutdruck.
Zipparthe oder Zibarte, Fränkische Haferschlehe, Edelschlehe, Gartenschlehe, Haferpflaume, Roßprumen, Spilling, Kriechenpflaume, Saukrieche, Weinkrieche, Kricke, Kritte, Kreike, Kreete, Prunus domestica var. insititia. Ende 2008 gepflanzt. Ein alte Obstsorte (an den Bezeichnungsvarianten erkennbar - wobei teilweise unterschiedliche Pflaumenarten mitbenannt werden), Rosengewächs, bei uns weitgehend verschwunden. Schon in vorgeschichtlicher Zeit im Kaukasus kultiviert und bei den Pfahlbauern am Bodensee genutzt. Inzwischen vor allem für Brände beliebt. Gedeiht bei mir sehr verhalten, wurde leider zudem von benachbartem Landwirt 2009 niedergemäht (1,50 Meter von der Grundstücksgrenze weg!) und 2010 von Raupen fast kahlgefressen.

Beachten: Breitet sich über Wurzelausläufer aus.
Gesundheitswirkung: Hildegard von Bingen schätzte die "Gartenschlehe" als Mittel gegen Gicht ("süße mit Honig") und bei Magenbeschwerden ("gebraten" oder gekocht).
Ökologie: Wertvolle Pflanze für Insekten, allerdings auch für Fraßinsekten.

EINHEIMISCHE GEWÜRZ- UND HEIL-"EXOTEN"

Einige Duft-, Gewürz- und Heilpflanzen des Mittelmeerraumes kommen mit dem Klima bei uns ganz gut zurecht, werden aber von vielen Gärtnern noch immer eher zurückhaltend eingesetzt. Was teilweise an schlechten Erfahrungen mit mehrjährigen Pflanzen wie Rosmarin und Salbei in strengen Wintern liegt. Ich empfehle, dennoch dranzubleiben, froststabile Varianten zu erproben. Viele vermeintliche Exoten waren bei uns schon Jahrhunderte heimisch, sind aber mit dem Verschwinden der Bauern- und Klostergärten aus dem Blick geraten und kehren nun wieder mit dem neuen Interesse an natur- und gesundheitsbewußter Gärtnerei.

Eberraute oder Zitronenkraut, Cola-Raute, Artemisia abrotanum. Eine Verwandte von Beifuß ("wilder Wermut") und Wermut, mit einem sehr eigenen, interessanten Aroma. Wobei ich persönlich nicht viel "Zitroniges" daran finden kann - die Bezeichnung stammt wohl aus Zeiten, als Zitronen bei uns noch nicht überall und jederzeit erhältlich waren. Ein Cola-Duft lässt sich mit gutem Willen durchaus feststellen. Diente in der Küche vor allem als Fleischwürze, wobei sie geschmacklich und gesundheitlich nützlich werden konnte, da sie verdauungsanregend wirkt. Besonders geschmacksschwächere Fleischsorten wie Kalb und Pute gewinnen enorm. Die Eberraute stammt ursprünglich wohl aus dem Mittelmeerraum, ist auch entsprechend wärmebedürftig - was in traditionellen Bauerngärten durch einen Standort nahe bei einer Hauswand berücksichtigt wurde. Fehlte auch in keinem Klostergarten

Beachten: Vermehrung über Zweige, die im Herbst ins Wasser gestellt eifrig Wurzeln ziehen. Benötigt gute Gartenerde.
Gesundheitswirkung: Regt den Gallefluß an. Schwangere und Kinder sollten Eberraute nicht als Verdauungstee oder Bittertonikum nehmen. In der Volksmedizin früher auch als Haarwuchsmittel, Insektenrepellent und Potenzmittel verwendet.
Ökologie: Vertreibt Stechmücken und andere Sauginsekten, wird daher von einigen Vogelarten beim Nestbau eingesetzt. Soll auch helfen gegen Raupenfraß an Kohl und Möhren.
Gewürzfenchel oder Foeniculum vulgare var. dulce. Sollte in keinem Garten in wärmeren Gebieten fehlen, anspruchslos, sät sich selbst aus. Die Samen sind die eigentliche Delikatesse. Auch die Blüten sind schon schmackhaft. Stengel können geschält und als Durstlöscher gekaut werden. Tee aus den Samen ist etwas rauchig im Geschmack, aber sehr wohltuend - geschmacklich eher fad, am besten mischen mit anderen Teekräutern. Gewürzfenchel fühlt sich sehr wohl hier und breitet sich selbst aus. Verbessert den Boden (Wurzeln und Mulch), Blüten werden reichlich von Insekten besucht und die Fiederblätter sind als Futter bei Schwalbenschwanzraupen beliebt. Bringt phantastische Düfte ins Gelände, auch beim Verrotten!

Beachten: Verbreitet sich über Samen einfach selbst. Alle Teile nutzbar und schmackhaft. Erträgt radikalen Schnitt bis zum Boden. Ausdauernd.
Gesundheitswirkung: Bei Verdauungsbeschwerden. Bei Blähungen vor allem Tee aus getrockneten Samen empfohlen.
Ökologie: Blüten attraktiv für Insekten. Pflanze Nahrung für Schwalbenschwanzraupen. Bodenverbesserung. Fenchelöle wirken im Pflanzenbereich antifungizid.
Herzgespann oder Leonurus cardiaca ssp. marrubiastrum, Bärenschweif, Löwenschwanz, Herzheil, Herzkraut, Wolfskraut, Andorn, Engeltrank, Mutterkraut. 2008 habe ich im Gelände Saatgut ausgebracht, 2010 kam an einer Stelle eine üppige Pflanze zum Vorschein. 2011 steht sie am gleichen Standort wieder da, ansonsten nirgendwo. Enthält Bitterstoffe, ätherische Öle, Flavonoide, Mineralstoffe und verschiedene Fruchtsäuren. In der Blütezeit besonders attraktive Pflanze.

Beachten: Wählerisch im Blick auf den Standort. Benötigt guten Boden, hohe Stickstoffversorgung.
Gesundheitswirkung: Nachgesagt wird dem Herzgespann eine ausgleichende Herzwirkung, insbesondere Blutdruckabsenkung. Auch als Magenmittel ist Leonurus bekannt seit Dioskurides. In der Volksmedizin wurde er bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt und wohl auch zu Abtreibungen (Engeltrank). Bei Überdosierung gefährlich.
Ökologie: Die Blüten werden von Hummeln und Wildbienen eifrig besucht.
Rosmarin oder Rosmarinus officinalis. Gepflanzt habe ich eine undefinierte Sorte sowie "Majorcan Pink" und "Arp". Ich schätze Rosmarin sehr, den Charakter der Pflanze und ihren weithin bemerkbaren Duft. Dank Internet gibt es bequeme Möglichkeiten, unterschiedliche interessante Sorten für den eigenen Standort/Garten auszuprobieren - mit unterschiedlichen Blütenformen, Blütenfarben und Duftnoten. "Majoran Pink", "Arp" und "Salem" gelten als froststabile Variationen. Die reichhaltige frühe Blüte von Rosmarin (besonders wenn von Dezember bis März eingehüllt) ist bei Hummeln sehr beliebt. Rosmarin fühlt sich sehr wohl in meiner Weinberglage an bestimmten Standorten, im Winter hülle ich die Pflanzen in Gartenvlies ein. Duftet angenehm, bereichert die Küche (Lamm, Fisch), die Ökologie und die Hausapotheke.

Beachten: Bevorzugt humusarmen, stickstoffarmen Boden. Schätzt warmen, luftigen Halbschatten. Leichter Winterschutz empfehlenswert.
Gesundheitswirkung: Seine ätherischen Öle und Flavonoide liefern eine umfassende Naturapotheke, empfohlen vor allem zur Verdauungsförderung und zur Stärkung des Immunsystems. Wirkt - etwa als Badezusatz - ausgleichend auf die Psyche, das Nervensystem.
Ökologie: Frühe Blüte attraktiv für Insekten, insbesondere Hummeln.
Salbei oder Salvia officinalis. Eine meiner Lieblingspflanzen und einer meiner Lieblingstees. Allerdings sollte man behutsam damit umgehen, Salbeitee kann bei Überdosierung durch seinen Thujongehalt das Nervensystem, Leber und Nieren schädigen. Die Pflanze breitet sich alleine im Gelände durch Samen aus, hat dabei jedoch sehr spezifische Bodenansprüche. Bei mir wachsen neben Salvia officinalis auch der im Kraichgau häufige Wiesensalbei und der Quirlige Salbei.

Beachten: Hoher Wärmebedarf. Benötigt basischen Boden. Breitet sich in günstiger Lage durch Wurzelaustriebe und Samen alleine aus.
Gesundheitswirkung: Hilft bei unkontrolliertem Schwitzen. Stärkt allgemein das Immunsystem. Gut bei Erkältungen. Der Thujongehalt kann bei Überdosierung oder Dauergenuss zu Nervenschädigungen u.a. führen (vgl. Wermut).
Ökologie: Blüten und auch die Fiederblätter sind für Insekten interessant. Wird gerne von Ameisen besucht.
Thymian steht in mindestens drei Varianten auf meinem Gelände, als thymus vulgaris/officinalis, thymus pulegioides (Quendel) und in einer Variante mit wunderbarem Zitrusaroma. Unentbehrlich in der mediterranen Küche, fördert die Fettverdauung. Bestandteil der "Kräuter der Provence"-Würzmischungen. Wird in Teemischungen verwendet als Heilkraut bei Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen. Wächst besonders gerne in Steingärten, liebt Trockenmauern. Steht bei mir oberhalb der Trockenmauer und im offenen Gelände an schwach bewachsenen Stellen.

Beachten
: Wärmeliebend. Benötigt offenen Boden und verschwindet bei Überwuchs. Schätzt magere Böden. Durch Mahd der Konkurrenten, Bodenstörungen oder Randlagen (Natursteinmauer) einfach zu fördern.
Gesundheitswirkung: Stand schon bei Hippokrates in hohem Ansehen. Wird verwendet vor allem bei Erkrankungen der Atemorgane, als Bronchospasmolytikum.
Ökologie: Krabbelnde Insekten mögen ihn und daher auch junge Eidechsen. Als Pollenspender bei Hummeln beliebt und bei Bläulingen.
Wermut oder Artemisia absinthium. Habe ich zunächst gepflanzt als Antagonist gegen Kanadische Goldrute, da Wurzelhormone angeblich andere Pflanzen am Gedeihen hindern. Inzwischen schätze ich die Pflanze ästhetisch und in ihrer angenehmen Wirkung insbesondere des Duftes wegen. Ich nehme sehr gerne Duftbäder in meinem Wermut"gebüsch". Verbreitung von Einzelexemplaren bis ans andere Ende des Geländes, ich vermute mal durch Ameisen. Vorsicht bei Tees und sonstigen Zubereitungen: Bei Überdosierung Schädigung durch Thujon. Angeblich auch mitschuldig an den psychischen Krisen der Avantgarde um 1900, die zu viel Absinth trank. Verwandt mit Beifuß und Eberraute, die gleichfalls hoch interessante Pflanzen sind.

Beachten: Schätzt guten Boden und Wärme. Breitet sich durch Samen selbst aus. Kann dominierend werden.
Gesundheitswirkung: Reich an ätherischen Ölen und Bitterstoffen. Magen, Leber, Galle - allgemein fördernd für die Verdauung. Nur mäßig verwenden wegen des Thujongehaltes (vgl. Salbei). Zur Appetitanregung und bei Menstruationsbeschwerden volksmedizinisch eingesetzt. Stech- und Beißinsekten soll er abwehren (ich reibe mich damit bei Zeckengefahr ein).
Ökologie: Wird von verschiedenen Blattlausarten und daher auch von Marienkäfern und Ameisen sehr geschätzt. Auch einige andere Krabbler fühlen sich im Wermut offensichtlich wohl.

VERBORGENE SCHÄTZE AUF DER WIESE

Naturmedizinisch und/oder ökologisch besonders interessante Wildkräuter, Gräser, Blütenpflanzen in meinem Gelände. Diese Bestände erfordern eine entsprechende Wiesenpflege mit maximal zwei Mahdterminen im Jahr und der Entnahme des Mähgutes. Bei zwei Schnitten im Jahr kann der Herbstschnitt auch liegenbleiben, ohne der Wiese zu schaden. Ökologisch wertvoll sind vor allem Wildkräuter. Exoten auf der Blumenwiese sind ökologisch riskant - einige solcher Exoten, Japanknöterich und Kanadische Goldrute vor allem, haben sich inzwischen zu biotopzerstörenden invasiven Neophyten entwickelt. Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln können mit den meisten Exoten nichts anfangen, für Schmetterlingsraupen können sie giftig sein. "Gefüllte" Zuchtblumen bieten den Pollensammlern keine Nahrung, nur Attrappen. Ich warne nachdrücklich vor der Verwendung von "Jägermischungen" nicht-heimischer Herkunft oder anderen Mischungen à la "Bunte Blütenpracht" in der offenen Landschaft! Auf diese Weise werden künftige Neophyten-Probleme geschaffen.
Dost oder Wilder Majoran, Origanum vulgare. Die bei uns wild vorkommende Pflanze reicht in ihrer Würzkraft nicht an Majoran oder den Oregano südlicher Anbauländer heran und entfaltet beim Reiben ein charakteristisches leicht minzig-pilziges Aroma. Dost ist nach meiner Erfahrung eher zur Bereicherung des Duft- und Pollenspektrums auf der Blütenwiese als zur Bereicherung der Küche geeignet.

Beachten: Als Pizzawürze nicht wirklich zu empfehlen. Getrocknet angenehmer als frisch. Auf Trockenwiesen. Verschwindet bei Düngung und starker Abmagerung.
Gesundheitswirkung: Soll als Tee oder Gewürz (vorzugsweise getrocknet) helfen bei Appetitlosigkeit, Blähungen und Husten.
Ökologie: Eine wunderbare Sommerweide für Wildbienen und für Schmetterlinge das Paradies!
Gänsefuß, weißer oder Chenopodium album. Eine hochinteressante Pflanze, die auf offenem Boden wie aus dem Nichts in Scharen erscheint - was an ihrer üppigen und über Jahrhunderte keimfähigen Samenproduktion liegt. Verschwindet völlig, sobald andere Pflanzen den Standort erobern. Die jungen Blätter sind recht schmackhaft, im Unterschied zu denen der sehr ähnlichen Melde (Atriplex hortensis), die eher grasig-fad schmecken. Chenopodium alba lieferte nach Auffassung einiger Agrarhistoriker im Neolithikum einen wichtigen Beitrag zur Ernährung unserer Vorfahren, einmal über die Blätter als Gemüse, einmal über die Samenstände als Stärkelieferanten.

Beachten: Sollte keinesfalls als "Unkraut" ausgerodet werden, verschwindet von alleine.
Gesundheitswirkung: Vielseitiger Nährwert. In großen Mengen leicht abführend.
Ökologie: Als adventive Pionierpflanze extrem bedeutsam für Bodenverbesserung und Bodenschutz.
Steinklee in den beiden Varianten weißer (Bucharaklee, Honigklee, Melilotus alba) und gelber (echter, Melilotus officinalis). Wird von Wildbienen, Hummeln und anderen Insekten leidenschaftlich aufgesucht zur Pollenernte. Mahdgut produziert wundervollen Waldmeisterduft (Cumarin). Melilotus officinalis hat auch einen hohen Rang als Phytopharmakon - ist in der Volksmedizin wenig bekannt, in einschlägigen Handbüchern zu Phytopharmaka allerdings prominent geführt (Venenmittel). Getrocknete Blätter wurden früher gerne als Wurst-, Bier- und Käsewürze verwendet.

Beachten: Verschwindet bei falschem/häufigem Mähen.
Gesundheitswirkung: Enthält Cumaringlycoside, Flavonoide, Gerbstoffe und Schleimstoffe. Medizinisch wird Melilotus officinalis verwendet als Venenmittel, in der Volksmedizin als Diuretikum. Empfohlen werden auch Breiauflage bei Rheuma. Bei hoher innerer Dosierung Kopfschmerz und Unwohlsein.
Ökologie: Bedeutsame Sammelpflanze für Wildbienen und zahlreiche Hummelarten.
Wiesensalbei oder Salvia pratensis. Die wunderschöne, reichhaltig, wiederholt (v.a. nach Schnitt) und lang andauernd blau blühende Pflanze kommt auf mageren Wiesen im Kraichgau teilweise massenhaft vor, verschwindet aber bei ungemähten Wiesen in der Sukzession sehr rasch, ebenso bei zu häufig gemähten Wiesen. Zur Teezubereitung ziehe ich Salvia officinalis vor, aber als Salatbeigabe sind fein geschnittene junge Blätter des Wiesensalbei sehr angenehm. Die Stengel können als Durstlöscher gekaut werden. Auch die Blüten dürfen roh verzehrt werden (Achtung, da sitzen gerne Insekten drin!) und geben eine hübsche Salat- oder Fischdekoration.

Beachten: Verträgt zwei-, u.U. sogar dreimaligen Schnitt im Jahr, wird auf ungemähten Wiesen rasch von Gräsern verdrängt. Sammeln der Blätter während der Blütenzeit. Wärmeliebend.
Gesundheitswirkung: Enthält in weit geringerem Umfang als der Gartensalbei ätherische Öle, Kampfer, östrogenartige Phytohormone. Wie der Gartensalbei zur Schweißregulation und zur Stärkung der Immunabwehr einzusetzen.
Ökologie: Wer ästhetische Wirkungen als einen Teil der Ökologie betrachtet, wird den Wiesensalbei entsprechend hoch einschätzen. Als Wirt zahlreicher Insekten ist er darüber hinaus von unzweifelhaftem praktisch-ökologischem Nutzen.
Ziest, aufrechter oder Heide-Ziest, Berg-Ziest, Wundkraut, Stachys recta. Wenn der Ziest blüht, ist dies auch am lautstarken Schwirren von Hummeln und anderen Pollensammlern zu erkennen. Die zahllosen charakteristischen cremefarben-blassgelben Lippenblüten zaubern vor allem an Hanglagen eine unvergleichlich malerische Stimmung. Die Pflanze wurde in verschiedenen Kulturkreisen bei magischen Ritualen eingesetzt, etwa zur Waschung von Kleinkindern, um sie unverwundbar zu machen.

Beachten: Saatgut kann bequem Juni/Juli geerntet werden, wenn die Samen in ihren Körbchen sich schwarz gefärbt haben. Wärmeliebend.
Gesundheitswirkung: Dem Ziest wurden Heilwirkungen vor allem bei Stichverletzungen und anderen Kampfwunden zugesprochen. Daher wohl auch die Verwendung als Kriegeramulett.
Ökologie: Stachys recta ist eine wichtige Nährpflanze für Insekten.
Weitere Kandidaten: Schafgarbe (Pilzmittel, Immunsystem), Kanadische Goldrute (Warnung! Blase, Pilzmittel), Rainfarn (ätherische Öle, mahdempfindlich), Beifuß (artemisia), Moschusmalve (Käfer, Schleimstoffe), Plattenpfirsich, Geißhirtle, Maulbeerbaum          


Beachten:
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