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Eine kleine
Geschichte
Olivenanbau in Deutschland? Nun, die Klimaerwärmung hat dazu beigetragen, dass dieses Thema heute nicht mehr ganz so absurd klingt. Und Google liefert auf die Anfrage "Olivenhain Deutschland" bereits einige entsprechende Projekte - darunter das auf den folgenden Webseiten vorgestellte.
Wer sich mit dem Klimawandel
beschäftigt, der kommt
zwangsläufig auch mit der Klimageschichte in Berührung. Und
erfährt zum
Beispiel, dass zur Römerzeit die Alpen bis in Höhen von 2800
Meter gletscherfrei
waren. In Mitteleuropa dürften daher die Winter erheblich milder
gewesen sein
als heute.
Da liegt der Verdacht nahe, dass in
der
Antike der eine oder
andere heimwehkranke römische Gutshofbesitzer in den Provinzen
Germania
Superior und Germania Inferior einen Olivenbaum in seiner Anlage
gepflanzt hat.
Olivenhaine in größerem Umfang dürften wohl nicht
existiert haben, sonst hätten
sich vermutlich auch Dokumente dazu erhalten. Während zu
den Moselweinbergen der Römerzeit zahlreiche
verwaltungstechnische,
literarische und archäologische Belege existieren, sind bisher
keine Dokumente
zu einem Olivenanbau bekannt. Allerdings waren
Olivenhaine im
römischen Reich nicht genehmigungspflichtig wie Weinberge - und
völlig
ausgeschlossen ist eine Olivenölproduktion z.B. an der Mosel
nicht.
"Une production d'huile en Belgique
et en
Germanie?", fragt Jean-Pierre Brun vorsichtig in seinem dem Wein- und
Olivenanbau gewidmeten Werk
"Archéologie du vin et de l'huile en Gaule romaine" 2005. Er
stützt
sich dabei auf Funde von lokal produzierten Ölamphoren. Er
vertieft das Thema
dann nicht in Richtung Olivenöl, sondern begnügt sich mit
einem Hinweis auf
Nussöl. Zu dünn sei die Faktenlage vorläufig noch,
differenzierte
chromatographische Untersuchungen der gefundenen
Ölamphoren
auf breiter Basis seien durchzuführen.
Dass der Römerzeit eine lange
Kälteperiode folgte, ist
bekannt. Häufig wird sie gar für den Beginn vom Ende des
römischen Weltreiches gehalten - als Auslöser der
Völkerwanderung. Doch zum
Abschluss
des ersten
nachchristlichen Jahrtausends begann ein weiteres Klimaoptimum, das des
Mittelalters. Und es könnte durchaus sein, dass im Bereich
Germaniens einige
Olivenbäume der Römer, die das Pessimum der
Völkerwanderungszeit überstanden
hatten, weiter kultiviert wurden. Die guten Beziehungen der
Frankenkönige zu Rom sind bekannt - zumindest sie und ihr Hofstaat
dürften Olivenbäume nicht für Unholz gehalten haben. Und
die These, dass die
fränkische
Siedlungspolitik römische Hofanlagen gemieden habe, ist inzwischen
bekanntlich nicht mehr
haltbar.
Die "kleine Eiszeit" vom 15. bis zum
19.
Jahrhundert konnten dann die eventuell vorhandenen Olivenbäume
nördlich
der Alpen
nicht überlebt haben. Erst im 19. Jahrhundert stiegen die
Durchschnittstemperaturen in Mitteleuropa wieder signifikant und
kontinuierlich an. Eine
Serie warmer Winter in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts brachte
einen
Weinbauern bei Neustadt an der Weinstraße dazu, gleich einen
ganzen Olivenhain in Deutschland anzupflanzen. Der
erfror jedoch in den harten Wintern ab 1939.
Die Klimawandeldebatte
verführte
Ende des 20.
Jahrhunderts einige Olivenenthusiasten dazu, erneut und nun in
größerem Umfang Olivenhaine in Deutschland
anzulegen. Den ersten (und vorläufig nördlichsten) davon
haben 2005 die
Baumschulinhaber Heinz und Michael Becker sowie der
Olivenölhändler Stephan
Marzak auf dem Gelände der Baumschule Becker in Pulheim-Stommeln
bei Köln begründet. Die Bäume stammten teilweise aus der
Olivenbaumsammlung
Marzaks, der
bereits Anfang der 90er Jahre über sein Unternehmen sortenechte
Olivenbäume in
Deutschland verkaufte - also nicht die üblichen Oliven aus dem
Gartencenter mit
der unspezifischen Bezeichnung "Olea europea".
2006 und 2007 fanden auf dem
Gelände
der Baumschule
"Olivenblütenfeste" statt und Anfang 2008 konnte schon die erste
Ernte von 25 Kilogramm vermarktet werden. Der Bestand umfasste 2007/08
ca. 110
Bäume auf 1000 qm - wobei 45 Bäume neu gepflanzt waren, also
noch nicht
nennenswert fruchten konnten. Im Frühjahr 2008 trennten sich die
Partner und
die Brüder Becker betrieben mit einem Teil des Bestandes und
Neupflanzungen den
Hain alleine weiter. Der Winter 2008/2009 hat dem Hain
sehr zugesetzt.
Obgleich etwa dreißig Bäume der Toskana-Sorten Leccino und
Seggianese noch Vitalität
zeigten, haben die Beckers beschlossen, am 8. Mai 2009 einen radikalen
Neuanfang zu starten - ausschließlich mit Jungbäumen dieser
Sorten. Dafür gibt
es gute Gründe. Nach dem Katastrophenwinter 1984/85 hat sich in
der Toskana
gezeigt, dass Neupflanzungen innerhalb weniger Jahre
frostgeschädigte
Altanlagen im Ertrag überholen konnten. Der Winter 2009/10 machte
dann eine weitere Neuanlage notwendig, wobei auch ältere
Bäume eingepflanzt wurden.
Aus dem ersten spaltete sich Anfang
2008 der
nun in gewissem
Sinne älteste Olivenhain Deutschlands ab, nachdem es zwischen den
Brüdern
Becker und Stephan Marzak zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war.
Stephan
Marzak von "Olive e Più" übersiedelte einen Teil des von
ihm
eingebrachten Bestandes auf das Gelände der Baumschule "La Cava"
in
Köln-Widdersdorf - darunter die ältesten in Deutschland aus
eingeführtem
Pflanzgut groß gewordenen Olivenbäume. Der Hain steht auf
einem Gelände von
etwa 2000 qm und zählte 2008 etwa 180 Bäume. Auch in
Köln-Widdersdorf hat der
Winter 2008/09 grausame Spuren hinterlassen. Die erfrorenen
Jungbäume wurden
ersetzt durch Leccino und Canino/Canina (eine als robust geltende Sorte
aus
dem nördlichen Latium in Mittelitalien), ältere Bäume
wurden zurückgeschnitten in der
Hoffnung, dass sie neu
austreiben. Neuaustriebe sind im folgenden Winter 2009/10
zusammen
mit den Jungbäumen wiederum weitgehend erfroren.
Gleichzeitig zur Teilung des Kölner
Olivenhains habe ich selbst Anfang 2008
meinen kleinen
"experimentellen" Olivenhain in
Obergrombach/Kraichgau angelegt. Auf 1600 Quadratmeter ehemaliger
Weinbergsfläche pflanzte ich zunächst 26 Heister der Sorten
"Leccino", "Maurino" und "Olivastra Seggianese" - alle drei vor allem
in der Toskana heimisch.
Weitere Bäume unterschiedlicher Sorten und Herkünfte kamen
2009 und 2010 dazu. In den
strengen Wintern 2008/09 und 2009/10 habe
ich umfangreiche Schutzmaßnahmen mit Einhüllungen
durchgeführt. Dennoch wurden
zahlreiche Individuen stark geschädigt. Von den Pflanzungen der
"ersten Generation" waren im Mai 2010 nur noch zwei Olivastra
Seggianese (von acht) und vier Leccino (von vierzehn) in akzeptablem
bis gutem Zustand erhalten. Dazu hat in ausgezeichnetem Zustand ein
2009
gepflanztes Exemplar "Ascolana" (von zweien) den Winter
überstanden - eine
Öl- und Speiseolive aus der mittelitalienischen Region Marche.
Gänzlich abgestorben sind lediglich sechs von 34
Heistern/Jungbäumen.
An der Mosel hat ein deutsch-türkisches
Ehepaar aus
Köln
unter großer Medienbegleitung
im Frühjahr 2009 einen
Olivenhain mit 200 Bäumen türkischer Herkunft auf 4000
Quadratmetern angelegt,
bei Pünderich. Der Hain liegt in einem Weinberggelände direkt
am Fluss, mit
einem Boden, der "reich ist an Schiefergebröckel", wie ein
römischer
Autor im 6. Jahrhundert schrieb. Die Betreiber der Anlage sind
nebenberuflich
im Olivenölhandel tätig und besitzen bereits seit einigen
Jahren einen
Olivenhain mit 400 Bäumen in der Türkei/Sirinçe. Als
Winterschutz wurden an der Mosel Stroheinhüllungen eingesetzt.
Nach dem Winter
2009/10 sind oberirdisch allerdings keine vitalen Pflanzenteile
verblieben. Die
Prognosen für einen
Mosel-Olivenhain sind angesichts der temperaturausgleichenden
Wirkung des
Flusses
und der wärmespeichernden Eigenschaften des
"Schiefergebröckels"
grundsätzlich sehr
günstig.
Literatur: Brun,
Jean-Pierre: Archéologie
du vin
et de l'huile en Gaule
romaine, 2005
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GEDICHTE |
© 2010 artefact@aol.com |
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einfach so, heute irgendwann
habe
ich
irgendwann
werde
ich
nicht
mehr
wissen fort
wird sein und verfallen vielleicht
werde
ich
dann
(1976/2010) |
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abschied eines clowns
tot wie knäckebrot und einen wunderschönen guten abend auf den lippen liegt er am kaufhaus. der wein ist blut frau nachbarin. und auch der hut liegt abgetreten auf der seite.
(in: Atemwende, 1979) |
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hinter mauern aufleuchtet dort: olivenlaub ein kloster liegt im hain vergraben. der weg endet am geschmiedeten tor das unpoetisch offen steht. hinter meinem wagen, der kurz noch nachzündet, senkt sich staub auf den schotter. umgeben von einer pineta terra di chianti, lärmenden rabenvögeln über den rot gebrannten dächern niedriger kolonnaden-bauten nähert sich ein schwarzer mann mit weißem kragen. ein streifender blick, mein wagen passiert. deutsche wertarbeit, murmelt er, buona macchina tedesca. dabei habe ich ihn nur gerade so noch einmal über den tüv bekommen. der bruder prior sei im liceo, ein zimmer sei frei. so lange ich wolle, könne er sich denken. zwei monate habe ich. uno "corso di lingua e cultura per stranieri". später begegne ich einem raben auf dem bett einer mitstudentin. ihr maskottchen. wir freunden uns an und ich verlasse das kloster wieder. (1981) |
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my generation wir müssen von vorne beginnen, freunde. man hat unsere träume evakuiert. geboren in den jahren des überfließens, gespannt zwischen den aufbau der eltern und den aufstand der größeren brüder haben wir nur uns. ehe die nach uns noch leerer ausgehen, gehen wir noch einmal los, neue lieder zu singen, die sich nicht abheften lassen. während wir die schlacke unserer alten sehnsüchte durchbrechen, wird draußen geheiratet. doch in den wäldern verbluten die wildschweine. (1982) |
||
salzburg. epilog touristen
schieben
fette
börsen
durch
die
gassen
(1983) |
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wende was
sind das für zeiten ich
weiß wo
aber wohnen es
gehöre kein mut mehr dazu was
aber sind das für zeiten
(in: Sonnenwirbel, 1984) |
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petra du bist die bewegung, die keiner hemmt die noch im stillstand ihre fülle erkennt. und wenn du stürmst bis ans ende der welt es gibt eine mitte, die dich erhält. du bist der klang zu dem lied, das ich singe und bist das schweigen, um das ich ringe. du bist der frühling, der keinem gehört und dessen duft sie doch alle betört. weh mir, da du mich nun endgültig verlassen mondlicht auf meinen nächtlichen gassen. ich bange, dass du mir wieder erscheinst dein leuchten mit meinen schritten vereinst. (1985) |
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So wie man heute nicht mehr schreiben kann oder Der Abschied In die Wälder sinkt der Tag Chimären steigen aus den Moosen. Heillos seufzen ferne Rosen Liebes beugt sich dem Vertrag. In die Häuser gehn die Frommen Einsam der Betrübte wacht Bei der Quelle Nacht für Nacht Einmal wird sie zu ihm kommen. Doch sie lässt ihn dort alleine In die Brust kriecht klamm ein Schmerz. Chimären fassen ihm ans Herz Hilft ihm denn der Nymphen keine? Plötzlich klingt vom Berg ein Hall Echo ist's, die ihn erhörte Treibt mit pochender Gebärde Rauhen Grabstein ihm zu Tal. (1985) |
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Lied, gegen den Abend zu singen Es brist der Tag vom Meer & aus den Sternen fällt das Heu Gethsemanes. Doch Du bist fern wie je, und keiner wacht, auf daß die Lampe brennen bliebe für die Zeit danach. Es fällt & fällt das Heu der späten Tage. Ahne nur ich, von Dir gestellt die letzte Frage: Wer kam so weit? (1985) |
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GEISTES WISSENSCHAFTEN Auch ich
(1985, in: Ganz spontan im Nie & Nirgends, 1988) |
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die burg der götter. menschen ein schiff in den wolken, den bug schäumt néfos
von den karyatiden des verfallenen quelltempels, im zugriff
von unten eine der stillsten stätten, am abend die plaka und dann ging uns der hügel auf zu den grotten des pan.
wolltest weiter.
(1986)
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Paule von der Bahnhofsgaststätte Köln
Es knobbelt, kugelt, nagget, schlurft und schlingert unerhört auf seinen zwei Beinen Menschliches, zitternd zuzelnd sabbert es an seiner letzten Kippe, klappt es sich zusammen und auf und wieder wie Schweizermesser.
Paule schleppt die Teller zwischen seinen gierigen Zügen, Paule liebt alle schönen Ärsche der Republik auch die von drüben. Vor ihm wendet die sächselnde Kellnerin ihren
Rock.
pass auf du verschwindest im Ausguss noch ehe die Bahn pfeift. Aufbruch, Paule, sie winken dir schon, zieh deine Fahrkarte, steck das Hemd in die Hose und lass den Abwasch stehen.
(1987) |
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Sprachböschung
Am Ufer, namenlos Im Wasser: Nichts. Ich nehme mich Vergangener Worte an: Nachen, Nauen, Zille. Ich tauche meine Paddel in den Frühtau.
Für meine Gefühle Was ich sehe, sehe ich einen Ruderer Abtreiben. Am anderen Ufer Kein Zeichen, nur eine kleine Rotverschiebung.
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Evolution:
Ein Gedicht macht ein Gedicht. Nichts weiter.
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noch einmal hier
gesang von schweigenden & eine sonne die aus alten wäldern bricht wie götterdämmerung. der blick des weihers der die sterne grüßt & eine ungeheure lust, die mich verschließt.
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mit schweren schlägen setzt der sommer ein sein treiben geht in mich wie später efeu. keiner
der mich kennt, kommt näher. südliches wie pech und nelkenöl macht schwerbewegt die pfade, und verlassen flirren alte straßen durch das land der väter. äcker
die nun keiner mehr bestellt, und wiesen zwischen denen blond und blaugeäugt des bauern enkelsohn des nachts allein das unkraut pflegt.
ich bin zurückgekehrt in dieses totgesagte land den sommer noch einmal zu tragen eine ernte. und streife meine sense über matten von denen keine mich benennt. nur steine werfen nach mir ihre schatten.
und wenn die echse zwischen dürren flink und klug geworden, mich begrüßt, sagt sie: der letzte kommt zuerst doch keiner wird ihm folgen.
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Biertischsonett in honorem W.W., R.R. & T.S.
Drei
Männer sitzen stumm bei ihren Flaschen Und
wenn den Frauen müd die Arme sinken Doch
einer hebt den Kopf und seine Stimme Die
eigne Wohlanständigkeit; man lebt das Leben
(1988) |
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silke bischoff. sterben vor den spätnachrichten.
ich kenne ich habe nicht
ferngesehen. ein blick aus dem
vorübergehn der welt so aber geht die
legende in meinen waschraum
hat sich ein frosch
(1988) |
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Die Geliebte Ist zu fernen Zelten gegangen,
schwarzen Männern Hat andere Augen bekommen, sie
schaut Die Geliebte sitzt auf einer Sie Die Geliebte
(in: Flugasche 30/1989) |
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DER PREIS DER WELT
(in: Unicum literarisch, 1989) |
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happy hippie
ich war ein zufriedenes kind sagt meine mutter, immer freundlich auch zu den nachbarn. "so ein höfliches kind", sagten sie, die drachen von denen ich träumte nacht für nacht sahen sie nicht, die schweißgetränkten leintücher bügelte ich trocken allein vor morgengrauen wie auch den nassen fleck in der schlafanzugshose.
dass glaube berge versetzen könne glaubte ich lange, wie sonst hätte ich es ertragen können, den
ständigen föhnwind die stillen zimmer der eltern die flucht unter die matraze vor den ungeheuern der spätgeborenen.
"so ein vernünftiges kind", sagten sie und wünschten mir heil den hitler konnte ich mir erst später dazu denken als ich mir die haare wachsen ließ bis über meine alpträume hinweg.
denn das hätte es bei dem nicht gegeben.
(1989) |
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uns vor frustrationen schützen und sollten daher wild verwegen uns in fremde betten legen.
sie haben uns gelehrt zu sagen wenn uns unbehagen plagen und jedem arschloch das wir meinen die wahrheit ins gesicht zu greinen.
nun sind wir klüger als zuvor und kommen uns noch klüger vor als alle die vor uns geboren und die nach uns ganz klar verloren.
doch glücklich sind wir lange nicht das lustprinzip spuckt ins gesicht uns jeden morgen nach dem duschen wenn wir im spiegel freunde suchen.
(1989) |
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Heimatkunde, buchstabengetreu
Eichenfeld Auchtert, Burz, Doll
(1992) |
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Nach dem Essen.
und warte auf die Ankunft des Salatblattes in meinen Gedanken.
(1992)
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Ablandiges Liebeslied
Ich wollte mir die anderen Flötentöne beibringen: FrühlingSommerHerbstundWinter. Schön war das Blaue Band.
Wer hätte gedacht, dass der Gesang sich gegen sich selber kehrt?
Verloren habe ich aus dem Blick die Wegkreuze, die moosigen Bänke unter Linden, den Duft der Erde nach dem Regen, den bunten Bogen vergessen, verlassen seine Ausschweifung über der Ebene.
Die Stille des Abends ist mir verleidet, das Myzelium unbekannt verzogen, der Schlehdorn verdorrt, die Quelle zum Getränkemarkt übergelaufen.
Das geschnitzte Herz in der Rinde verwachsen auf nimmer Wiedersehen.
Sollten wir uns noch einmal begegnen werde ich mich treiben lassen auf hohe See mit verklebtem Mund. Nur die Ohren (1992) |
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Aufgaben
Heute: Morgen planen. Übermorgen: An Gestern denken. Wenn ich mich spute erreiche ich den Sonnenuntergang noch vor
meinen Träumen.
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nachbarliches
wer könnte dich heute noch rufen, großes tier?
wo hast du dein haus aufgeschlagen in diesen vergessenen zeiten im blick einer violinistin, noch nicht ausgereist auf dem bazar? in der verkrüppelten schwanzspitze des von einem dackel halbierten schäferhundes, der in der gosse unterhalb der moschee sein wasser aufschlürft?
dich zu denken in den gängen des kreuzes und auf den folterstätten der inquisition war uns ein leichtes.
heute ist nicht einmal mehr eine wand zwischen uns.
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bergsee
hier war es wo ich dich gezeugt habe, hier ging mir dein licht auf hier habe ich dich verraten an die ebene.
(1996)
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opfer
weh mir, der ich mein jerusalem verraten habe, der ich ausgesetzter meines stammes in der wüste die schlange küsste
mit weinendem haar. auf mein herz, breche im jubel der vergehenden zeiten den ölzweig mir und peitsche, daß ich, der erinnerung über mich von der wolke löse in schauern.
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hofgut
erfüllte zeit, die ernte leer, der stall verlassen von den mücken keine spur. ich schweiße mich in die arme der verwitterung und hänge den letzten nagel an den schlag.
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weihnacht
ich stehe an den gestaden des menschen im sand spült sein bildnis sich aus dem gedächtnis der welt.
ich gebe mich auf in dein missfallen herr der gezeiten, du mutter des ungemachs, sieh flach fällt unsere schätzung zurück dir in den schoß.
vergebens warben wir um deinen umstand, umsonst hast du uns münze um münze verrechnen lassen in glaube liebe und hoffnung.
wenn wir nun hand an uns legen, so sei uns nicht gram, denn dein wille geschehe wie auf erden, so auch im himmel.
(1996) |
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funkenflug einsamer nie als im dezember wenn schwalben schweigend von den wänden fallen im südwind heimlicher gelüste und ausgestreckt die toten füchse lauern auf unsern ausflug.
wenn jedes heimweh pfadlos endet sich im schneegestöber und nur der milchmann noch an morgen glaubt, seh ich den roten hahn sich wenden.
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an angel: a der krieg ist vorbei, die wunder kommen als fräulein wieder. ein engel hatte sich niedergelassen seine federn umflattern noch mein himmelreich, die kiele stoßen nach meinen augen bei nacht.
seine wunden schwingen hallen noch nach in meiner behausung. er ging durch die scheibe an den splittern funkelt sein blut sein verlorenes gedärm zuckt wie brokat. er wurde gerufen. der bogen seiner brauen ziert den lüster aus murano-glas über mir schlagen die lider zusammen.
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du nachbar
schreite ein, die deinen gehen irre, singen deine lieder im verbogenen ton. der weltlauf taumelt die bäume brechen in gelächter aus, das tier verschweigt sein geschlecht.
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ost-west erinnerung an ein hurengelächter: schöner nie als im september. noch einmal efeu bei stalingrad vor dem endgültigen verschweigen der heimat. lieder ansingen gegen die sonne, ein aufzug alter gefährten steckt die erinnerungen weg, mann. dieses deutschland in brand und jenes und weiter bis moskau, das sagen hören. im osten, so hegel krähen die hähne der zukunft. (1997) |
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olga wo dein haupt lag ruht ein dunkelnder abdruck die verwunschene hand tastet aus den träumen ins leere. als ich dich fortließ gedachte ich nicht der fröste des morgens in der steppe spottete ich jeder beschreibung des unglücks. osterglocken am abend von kerze zu kerze gereicht. und wie kam dann alles so anders zu uns mit den ersten stunden des tages. keine nachtigall, nur dein zuhälter der dich rief auf dem handy zum appell. (1997) |
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Blechtrommelwirbel
Zerbrochen in eins die Frühlingserwartung das Herbstlaub des Winters Dämmerlicht der Sommerabend.
Letzte Liebe in Murano-Glas geritzt ausgelaufen der Hafen.
Das Becken aalfrei bis Danzig.
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straßenstrich. moskau. september nicht die da und der da und das. nicht der kriegsveteran am abfallkorb rauchend auf seinen beinstummeln, nicht deine schwester mit geschwollenem schritt aus der sauna, nicht die einwärts kehrende hand, nicht der blinde bettler aus jener geschichte und die mäusefamilie im kamin aus der anderen. nichts und niemand. auch nicht das urfeuer oder gar die ewige wiederkehr. nur du da draußen umsonst auf und ab. (1997) |
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danklied
ich danke dir sonne für die strahlen die den boden meines nachbarn verdorren und mich wärmen. ich danke dir wolke für den regen, der mich erfrischt und nur die unter mir wohnenden ertränkt. ich danke dieser welt die mich leben läßt vom sterben der andern. welch ein wohlbestelltes haus!
(1997) |
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prometheus
ich kam zu dir in den zeiten des letzten menschen und du hast meine laterne zerschlagen. ich kam nackt und du hast mir die haut vom leibe geschunden deinen winden ein segel. du hast mein fleisch gebrochen, meine seele geflutet, die adern entleert und einen jeden nerv ins joch gespannt.
dein geschirr hast du mich zerschlagen am abend vor deiner hochzeit.
du hast mich verlobt dem unheil verschwistert dem untergang und eingeschrieben in das buch der vernichtung, denn du bist das alpha und das omega vom nachrichtenüberblick bis zum wetter. du hast mich entleibt und entseelt und entehrt, du hast mich schreien lassen deinen namen gegen das anbrechen des werbeblocks. das ende hast du mir in die wiege gelegt, mein herrliches elend, ich preise den tag deiner einkehr und schlage dir bis dahin alles ab.
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gott wohnt gott
wohnt seit neuestem tagsüber nachts
leuchte
ich
ihm
heim
(in: Neue Literatur, 1999) |
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entlassen
dies ist mein stuhl beim türken am eck. dies mein café für den nachmittag und dort gehe ich mit gesenktem haupt vorbei an den frauen.
dies war mein hausausweis, dies meine aktentasche. die notizenmappe geht nun mit mir zum einkauf.
wenn ich für den abend eine theaterkarte habe, bleibe ich tagsüber zuhause.
des nachts schlafe ich schlecht. (1999)
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vollmond
(2000)
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beim anblick einer gothischen kathedrale ist noch zu ertragen aber der zweifel, wenn ich dir in die augen schaue und denke: für immer niemals.
denn auch das unglück ist angreifbar geworden.
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video conferencing
das ist die stärke nicht mehr das ist der herr nicht mehr, nicht mehr in und ausser ihm, und die sünden sind es nicht mehr nicht mehr diese oder jene, vergebung nicht mehr und nicht mehr ostern und weihnachten schon lange nicht mehr. ein bisschen noch wie wenn am feiertage aber das ist dann auch schon eher so gut wie nicht mehr und das wars dann auch schon ehrlich, das wärs gewesen wenn da nicht, pixel für pixel deine brust durchs bild geschwankt wäre. die zeit als weltbild. (2000) |
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rauchende elfe
an einer quelle sah ich vor tagen eine elfe sitzen. allerdings trank sie perrier, die quelle ist gesichert durch ein schild: kein trinkwasser. oberhalb wird mais angebaut. die rückstände der eu-subventionen sind perfide bisweilen. die elfe verzog den mund, als sie mich sah mit der kamera. und ob ich ihr nicht feuer geben könne. ich nahm mir die zeit, denn elfen die rauchen verschwinden nicht so rasch aus dem bild.
(2000) |
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adams anruf
ich habe gott gefragt, was er denn so treibe, er meinte ach mensch, ich begrabe gerade einige dörfer in japan unter lava, auf sumatra lasse ich christen kastrieren, in niger verhungre ich ein paar tausend kinder und in china - genug, rief ich genug, ich werde dich nicht weiter stören, ich sehe du hast zu tun. aber nein, sprach er, ich bin ganz ohr für dich, was wolltest du, ach nichts, entgegnete ich du hast bestimmt keine lust, dir meinen liebeskummer anzuhören. aber doch, gerne, sprach er, ich brauche schließlich auch einmal ein bisschen abwechslung, was willst du von mir ach, nur, dass eva mich noch einmal anruft. ich wollte sie um verzeihung bitten. gebongt, sprach er, jetzt muss ich aber weiter. in diesem augenblick klingelte das telefon. die polizei war dran, ob ich ein eva sänger kenne, man habe meine telefonnummer in ihrer handtasche gefunden. und ob ich näher mit ihr bekannt sei, dann herzliches beileid. ach gott sagte ich, das wäre doch nicht nötig gewesen.
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liebesliebes
vögel die vom himmel fallen menschen, übersatt von allem
und inmitten stehe ich will nicht mehr und will nur dich.
doch du bist mir unbekannt bist du wasser, bist du land?
bist du eine vogelbeere oder ein ungefähre
ahnung von dem untergang den die amsel mir dort sang?
bist du eine straßenbahn, eine eis- und eisenbahn? eine warnung vor dem wahn?
oder habe ich vor dir immer noch den rate mir
den alten hoffnungsanzug an der mir auch nicht helfen kann?
wie nur fange ich es an dass mein lied dich fangen kann?
wie nur sehe ich uns beiden eine zukunft zu uns schreiten?
ach der alte lallerich will er dich, will er mich?
ausgelallt ist das gedicht. liebe mich dann liebt es dich.
(2001) |
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gebete an einen gletscher gps-geführt stehe ich vor deinem verschwinden. noch 9 mal muss meine seele auftauen, ehe ich die gondel verlassen darf. die sander gehen bei nacht durch die träume der ferienhaus besitzer. um die kurve gebracht ohne fernglas sehe ich dich einen touristenblick fressen. mit geborstenen wörtern im offenen maul schaue ich dir in deine schmelzenden eingeweide. sind wir uns nicht schon einmal begegnet, ich habe so ein weiteres gefühl. keiner weiß mehr wo die kirschenbäume standen nun kehren sie wieder. das handy gibt zeichen: zeit, zu gehen. (2005) |
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Luftdruck Der Flugschreiber, die Gondel, die Schlammlawine - Alles fällt in die Zeitung. Aber die Innenseite Des Foucaultschen Pendels wird nie gedruckt. Die Natur, hört man Schlage zurück. Aber wer Schlug zuerst den Mantelkragen hoch Und baute einen Regenschirm? Prometheus Schaut Splatter Videos. Die Wasserwerke Hat ein Fonds übernommen. Die Quelle ist längst Zu Perrier übergelaufen. Das Meer, einst Nur flüchtig zu Besuch Macht sich jetzt überall breit. Die Fischbrötchen Aus Tofu Ernähren nur dürftig Die Enkel der Fischer. Mit der Flut Steigt die Zahl der Geländewagen. Und der Aufstieg des Börsenberichts Verkündet das Dünnerwerden der Luft. (2005) |
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Während die Gletscher zum Rückzug blasen
Geht dem Bauern im Tal der Arsch auf Grundeis.
Das Erhabene hat sich Urlaub genommen
Vom Ich und geistert als Ansichtskarte durch die Frühstücksnachrichten.
Mit Heidi Klum im Bunde fließen die Flüsse bergauf
Und die Losungen der Löwen werden vom Clown zum Plenarsaal getragen.
Der erneute Ausbruch des Vesuv warf einige Elfen ans Ufer
Aber was ist schon eine Kindergeschichte gegen den Klimawandel.
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vorrichtungen zum schutze vor überschwemmungen: ein geländewagen zum beispiel. im rückwärtsgang in den fluss gespült. eine keksdose hochgereckt mit den ausweispapieren. ein teddy im schlamm. ein hochseilartist hocken in der luft neben seinem seil. nur erstaunen ins gesicht geschrieben. eine die ins wasser ging in pastellfarbener unterwäsche, verfangen in der walze nach einer staustufe. (2005) |
||
gletscher deine bahnen, unbetreten schmelzen unwiderbringlich. keines menschen fuß folgt je den furchen die du bereitet. (2005) |
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wanderung
ein baum, zerborsten, neu getrieben, eine lerche, die im winternebel aufsteigt wie der mond, der sich im sonnenschein verbirgt und aufgeschlossen unter unsren schritten bebt und flimmert.
(2005) |
||
zurückgekehrt
lass mich den löwenschrei unvollendet den gang unter menschen geübt vergessen dir noch einmal einen abschied schenken.
(2007) |
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ein tag geschichte heroin und raucherschutz. babyklappe zu. ein retter der abstürzt erfrieren im hochsommer bei der familienwanderung. ein gutes gesetz und ein verkleideter fremdenführer. vor allem aber ein polizist als geburtshelfer während ein mann vom zug erfasst wird und ein ladenbesitzer randaliert. hitzewelle. (2007) |
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griechisches inseln gott hat dionysos in rente geschickt. kein tier mehr, das des menschen härte seine weiche gäbe. das meer trägt regengrau. vom horizont her schleier. ein dürrer ast gibt vor, den starken fels zu stützen. es nieselt schon. dann brennen wetter her von allen himmeln. die jüngeren götter haben das land verlassen tun nun dienste in holly- und bollywood, verdienen sich eine goldene nase. beim zeus mahlt der betonmischer. am gymnasium von moudros tollen die hunde. bei nacht gebell wie in alten zeiten. im tal der kraniche ruhen patronenhülsen, pet-flaschen & das blech von energy-drinks. und in den bars gibt es mittelmeer-diät zum fernsehen. (2008) |
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schreib mir, du! ich krieg ne sms du bist mir ganz nah im nebenzimmer schnarcht papa die mutter ist beim freund. ich liebe dich. mein bruder war auf rave die nacht er hat sich einen mitgebracht. du bist ganz nah. so fern von mir. ich liebe dich. mein kuscheltier. ich schreibe tag und nacht für dich sms. ich lese deine sms und liege ganz allein im bett mir wird ganz weich im knie, ich liebe dich und sie. die sms. (2008) |
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zusammentreffen und ging die farbe aus der welt mit jedem einschlag fürchterlich und keiner hörte gottes namen kommen aus dem mund der zeit. der raum tat ausflug, hörte dich ich sagen aus vergangenheit und du kamst näher: meinen armen für die zukunft zugestellt. (2008) |
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erste chinesischlektion
ich gehen trinken heißen tee nach hause hartmut du sehen fahren schönen wagen vater pflaumenwein.
lernen sprechen guten abend.
(2008) |
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verwesung vielleicht ein blatt, verklebt am boden hebt ein wind es an und taumelnd reißt und steigt ein teil sich los, der andre bleibt und wird zu erde. was aber aufsteigt wie lange kann es sich halten? (2008) |
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aufbruch worte, sie höhlen mich, nicht mehr möchte ich sprechen satz für satz meinen gebrechen hinterher. statt dessen gehen. wort für wort hinter mir lassen. (2008) |
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